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CTAC Ausflug Nord 2005

Grenzübergreifendes CTAC–Treffen der Region Nord
am 25. September 2005

Rudolf Weber

Bildergalerie Rudolf Weber

Bildergalerie Wädi Schmid

Als ich am diesem Sonntag morgen meine Traction aus der Garage auf den Vorplatz rollte, wurde ich durch einen Passanten angesprochen, der soeben von der naheliegenden Bäckerei kam. "Geht's nach Schaffhausen?" fragte er mich? Erstaunt bejahte ich und fragte den Unbekannten, woher er das wisse. "In interessierten Kreisen ist man halt auf dem Laufenden" sagte er und verschwand mit einem sibyllinischen Lächeln in seinem Fahrzeug.

Offensichtlich musste das geplante Treffen schon im Vorfeld Wellen geschlagen haben und ich war entsprechend gespannt, was auf mich zukommen würde. Auf der Autobahn bestätigte sich dieser Eindruck, als ich schon nach kurzer Zeit von einer weiteren Traction verfolgt wurde. Diese spezifische Verkehrsart nahm dann in der Stadt Schaffhausen stark zu. Alles strebte dem Herrenacker zu, nicht etwa ein abgeerntetes Weizenfeld sondern ein zentraler und eigentlich verkehrsfreier Platz, mitten in der Altstadt.
Die Ecke der "Alten". Später sollte sich noch eine C3 dazugesellen
Der Herrenacker in der Vogelschau - das Gerücht geht um, die Schaffhauser wollen ihn in "Place André Citroen" umtaufen.

Welch ein Anblick! Dutzende von Tractions standen bereits - säuberlich ausgerichtet - in Reih und Glied. Und laufend wurden es mehr. Bis zur Abfahrt sollten nicht weniger als 42 Traction Avants auf dem Platz stehen. Dies dürfte vermutlich für einen Regionalanlass rekordverdächtig sein, auch wenn eine entsprechende Buchführung fehlt. Erfreulich war, dass der eingeladene grenznahe Citroen Club aus dem nördlichen Nachbarland ebenfalls eine ganze Reihe von Fahrzeugen delegieren konnte. Nebst den Hausmarken TA waren allerdings auch 2CV auszumachen und sogar ein Ami 6 break mischte sich unter das Feld. Ganz exotisch war eine Borgward Isabella de Luxe, deren Fahrer ich allerdings nicht ausmachen konnte. Ich weiss deshalb nicht, ob dieses deutsche Fabrikat eher zufällig in unseren Reihen gelandet war. Im Veteraneneck standen einige "Propulsions", welche ihren eigenen Reiz haben und uns Tractionisten immer wieder vor Augen führen, wie revolutionär 1934 der Technologieumbruch gewesen sein muss.


Schaffhausen beschränkt sich aber nicht auf den Herrenacker. Für viele Schweizer ist diese Stadt, weil so nördlich gelegen, relativ unbekannt. Der Vorstand Nord (Hanspeter Rubitschon, Ruedi Jutz und Peter Weber), welcher diesen Anlass hervorragend organisiert hat, bot deshalb eine Stadtführung an. Die ursprünglich aufgebotene Führerin reichte aber bei der grossen Teilnahme von über 100 Personen nicht und musste durch zwei Kolleginnen unterstützt werden.

Hausfassaden als Lehrmittel in Zeiten ohne allgemeine Schule und entsprechend weitgehendem Analphabetismus.

Beim Bummel durch die pittoresken Gassen konnte viel Interessantes über Erker und Zünfte erfahren werden. Wohl einmalig für die Schweiz existieren in Schaffhausen noch Vorläufer der Erker. Es sind schräg in die Fassaden eingelassene Gucklöcher, die den Bewohnern erlaubten, das Geschehen auf der Gasse zu verfolgen ohne selbst gesehen zu werden.

Was wäre Schaffhause ohne Munot und eine Stadtführung ohne Besteigung desselben? Heute wird dieses enorme und damals in Fronarbeit errichtete Bollwerk für kulturelle Anlässe genützt, wovon der legendäre Munotball nur ein Beispiel ist. Fast ebenso berühmt ist das Kloster zu Allerheiligen, welches aus zeitlichen Gründen nur kurz gestreift werden konnte. Sicher wurde mit dieser Führung der Wunsch geweckt, Schaffhausen bald wieder einmal zu besuchen.
Hier wächst der Schaffhauser Stadtwein. Die Blauburgunderreben stehen kurz vor der Ernte.
Zurück auf dem Herrenacker gab es für die zahlreichen Passanten das Spektakel eines Starts von 42 Tractions. Eigentlich wäre das eine Tonaufnahme wert gewesen. Eine entsprechende CD könnte man sicher sehr erfolgreich als Geschenksidee für Tractionisten vertreiben. Röhrend und polternd verliess der Tross die schöne Stadt und hielt, streng dem nördlichen Rheinufer folgend, gegen Osten.

Fantastischer Korso entlang des Rheines, hier gerade auf Schweizer Boden.
Was nun folgte, dürfte für "Auswärtige" oder Fahrer deren Lieblingsfach in der Schule nicht unbedingt Geografie war, schlichtweg verwirrend gewesen sein. Kaum der Stadt entschwunden, wechselten die Verkehrsschilder nämlich eindeutig auf deutschen Standard und ein erster Lidl Discounter wurde passiert. Doch einige Kilometer weiter konnte man schwören, dass man sicher in der Schweiz war. Kurz darauf erschien aber erst jetzt ein Grenzposten. Ging es nun hinein oder heraus aus der Schweiz? Offensichtlich begann nun Deutschland definitiv, die Zöllner liessen daran keinen Zweifel. Doch kaum gewonnen so zerronnen - wurde kurz darauf die Landesgrenze erneut überfahren. Irgendwann ging die Orientierung verloren. Einzig die Präsenzoder Nichtpräsenz von Aldi oder Lidl gab einen Hinweis darauf, in welchem Land man sich gerade befand.
Gaienhofen Horn wie vor 50 Jahren.

Unsere Fahrt hatte Symbolwert, wurde doch gerade an diesem Sonntag durch die Eidgenossen definitiv beschlossen, der Personenfreizügigkeit zuzustimmen. Dass die Grenze schon längst nicht mehr dicht ist, wurde an diesem Tage besonders klar. Bei ordentlicher Kontrollen bei den vielen Grenzwechseln hätte der Citroën Tross den Mittagstisch vermutlich erst am späten Abend erreicht.

Gaienhofen Horn, zwischen den Bodenseeteilen "Untersee" und "Zellersee" gelegen, bot nicht nur genügend Parkplätze und einen ländlich erhaltenen Dorfkern sondern mit dem Hirschen ein hervorragendes Restaurant, dass der grossen Gästeschar gewachsen war.

Wie weiland bei Asterix unterhielten sich die "Helden" bei Speis und Trank und tauschten ihre abenteuerlichen Traction- Fahr- und Reparaturgeschichten aus. Nein - den Musikanten mussten wir nicht an einen Baum fesseln. Dani Eberli drehorgelte gekonnt und ohne falsche Töne durch die Wirtsstube und verhalf diesem einmaligen Anlass zu einem (im wörtlichen Sinne) schönen Ausklang.

Dani an der Kurbel - Ausklang eines tollen Treffens
 

Fotos: Rudolf Weber Wädi Schmid


Bericht über den Anlass in den Schaffhauser Nachrichten
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