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Traction Avants im Verkehrshaus

Der CTAC im Verkehrshaus
am 19. April - 24. April anlässlich der im Rahmen der Austellung A.U.T.O.
Rudolf Weber

Fotos vom Sonntag

Ein heftiges Rauschen weckte mich. Es muss schon ziemlich stark regnen, dass mein Schlaf unterbrochen wird. Ein Blick auf den Wecker zeigte mir, dass es erst fünf Uhr ist. Es sind also noch zwei Stunden, bis zu meiner geplanten Abfahrt nach Luzern, da kann ja der Regen noch nachlassen. Ich habe mich für diesen Tag verpflichtet, mein Fahrzeug und natürlich mich als Chauffeur dem Verkehrshaus zur Verfügung zu stellen. Im Rahmen der halbjährigen Sonderausstellung "A.U.T.O, Leidenschaft auf vier Rädern" bietet nämlich dieses Museum verschiedenen Clubs die Möglichkeit während einer Woche in seinem Hause zu Gast sein.

Sechs Uhr dreissig, Frühstück. Draussen plätschert es eintönig. Am Wochenende zuvor hatte ich noch bei schönstem Wetter einige Zeit in der Garage verbracht. Der Ölwechsel war fällig, auch geschmiert sollte sein. Dazu spülte ich die Kühlung durch und füllte neues Wasser samt Frostschutz (nicht wegen dem Frost sondern wegen dem Rost) ein. Beim Manövrieren in der Garage klemmte plötzlich eine Bremse. Die Demontage der Radnabe und des Bremszylinders brachten das Problem an den Tag: festgerostete Bremskolben! Somit war eine Blitzvisite bei Albi Schorta angesagt, welcher mich mit revidierten Bremszylinder samt Kölbchen ausstattete.

Sieben Uhr fünfzehn. Nun heisst es dringend abfahren. Leider strömt der Regen ununterbrochen, was mir wieder einmal die Möglichkeit einer Traction-Dichtigkeitskontrolle bietet. Sicherheitshalber rolle ich den guten Teppich zusammen und verstaue ihn hinten. Berüchtigt ist ja die kleine Lüftungsklappe welch eindringendes Wasser zielsicher auf den Gas-Fuss leitet. Auf der Zürcher Nordumfahrung macht es zum ersten mal Plopp. Doch nicht wie erwartet wird mein rechter Schuh betropft. Nein - ich erwische ein Portion auf meiner linken Hand, welche das Steuer führt. Etwas später folgt der zweite Tropfen und ich beginne, die undichte Stelle zu suchen. Das Wasser scheint irgendwie vom oberen Frontscheibenrand zu kommen.

Durchs Säuliamt geht's - Sie erraten es - im strömenden Regen. Immerhin konnte durch das gefühlvoll dosierte Drehen an der Frontscheibenschraube das eindringende Wasser gestoppt werden. Die Fahrt - ab Cham wieder auf der Autobahn - geht nun ohne Probleme bis nach Luzern, zum Lieferanteneingang des Verkehrshauses.

Nachdem mir das Tor geöffnet wurde, durfte ich diesen geweihten Technikboden befahren und das Auto direkt unter den Flügel der im Hof ausgestellten Convair CV 990 parkieren. Nur sieben Jahre nach der Produktion meiner Traction, also im Jahr 1962 übernahm die Swissair, dieses wie man damals glaubte, epochemachende Flugzeug und prägte den Namen "Coronado". Es war zwar, wie versprochen, das damals schnellste Verkehrsflugzeug der Welt - die Concorde hatte ihren Erstflug erst 1969 - aber es war auch unglaublich schmutzig.
Der einzige trockene Platz - unter dem Flügel der Coronado
Die Triebwerken wurden aus denjenigen des Jagdflugzeuges "Phantom" weiterentwickelt . Das Sitzangebot war zu klein und deshalb flog das Flugzeug mit sehr schlechter Wirtschaftlichkeit. 1974 trennte sich die Swissair von den sieben Coronados. Zwei sollten in die Geschichte eingehen. Da ist einmal der traurige Absturz von Würenlos aus dem Jahr 1970 zu erwähnen, als palästinensische Terroristen ein Bombe in einem Postsack versteckten. Sie nahmen an, dass Post nach Tel Aviv durch die israelische EL AL transportiert würde. Doch flog der Sack an Bord des Swissair-Kurses nach Israel und bewirkte durch seine Explosion den Absturz noch in der Schweiz, welchen niemand überlebte.

Und die zweite berühmte Maschine ist eben diejenige des Verkehrshauses, die sicherstellt, dass in der Schweiz dieser legendäre Flugzeugtyp niemals vergessen wird. Im Gegensatz zur Ausmusterung der CV-990 ist meine Traction nach lange nicht am Ende ihres Lebenszyklussees und es freut mich, dass sie ihren 50. Geburtstag im Verkehrshaus verbringen darf.
Die durch die Clubmitglieder der Region Süd aufgebaute Clubausstellung ist imposant, zeigt sie doch alle Modellvarianten, welche von diesem Typ gebaut wurden.

Auch eine DC3 zeugt von der vergangenen Pracht der Swissair
Selbst das rare Faux Cabriolet ist zu sehen, dank nächtlicher Überstunden von Albi Schorta. Allerdings sind die Fahrzeuge etwas nass, denn es regnet noch immer. Sepp Burri, heute Standmeister, ist deshalb mit einem breitkrempigen Filzhut ausgerüstet, wie ihn auch etwa Schäfer für ihre Arbeit gut gebrauchen können. Er weist mich in meine Arbeit als Besucherchauffeur ein und realisiert nicht, dass ich dabei nässer und nässer werde. Zum Glück hat es ein Festzelt, welches allerdings vor Öffnung des Verkehrshauses noch nicht geheizt ist und somit nicht viel Gemütlichkeit verspricht. Im Inneren sind weitere Tractions ausgestellt, unter anderem Christian Heussis legendäres Renncabriolet.
Zehn Uhr, das Verkehrshaus öffnet und es regnet. Trotzdem tauchen bald schon erste Besucher bei uns auf. Ganz verwundert nehmen diese zur Kenntnis, dass man heute mit diesen angeblichen Museumsstücken fahren darf. Als erstes ist eine Mutter mit ihren Kindern dran. Die Frau ist wohl noch mehr fasziniert als ihr Nachwuchs. Sie vertraut mit an, dass sie einfach auf alte Autos stehe. Mit viel Gefühl lenke ich meinen Wagen Richtung Meggen, durch den strömenden Regen. Im inneren herrscht aber Hochstimmung.
Das rare Faux Cabriolet und ein brandneuer C4
Zu ungewöhnlich ist das Fahren mit diesem Veteranen. Besonders fasziniert natürlich der Scheibenwischer, mit dem mitlaufenden Rad und der Möglichkeit der Handbedienung. Zurück im Verkehrshaus gibt es eine Kaffeepause. Bald aber warten wieder Kunden. Diesmal ist es eine Luzernerin mit drei englischen Gästen, welche aber in den USA wohnen. Auch diese Gruppe will sich das Vergnügen nicht nehmen lassen. Die Konversation kommt in Schwung, wenn ich auch nicht alle Autobegriffe auf Abruf habe (was heisst doch schon wieder "Selbsttragende Karosserie" auf Englisch?). Fasziniert war mein neben mir sitzender Gast von meiner Schalttechnik mit Zwischengas und Zwischenkuppeln, obwohl das eigentlich der Synchronisation überlassen werden könnte. Er erzählt, dass dies ihn an Fahrten mit seinem Grossvater erinnere, welcher seinen alten Ford auf diese Weise bediente. Zum Bremsen hätte er jeweils das Pedal ein paar mal durchgedrehten, um genügend Druck aufzubauen.
Draussen regnet es und es ist so kalt, dass die Scheiben anlaufen. Chauffeur ist ein harter Job - Steuern, Schalten, Scheibenputzen, Gäste unterhalten und die nasse Aussicht erklären. Doch langsam wird es zur Routine. Ein deutscher Gast fährt nun mit, welcher jammert, welche tollen Autos er früher gehabt habe. Hätte er sie doch behalten, wären diese nun alle schöne Oldtimers. Ein untersetzter Schweizer lässt sich nicht ins Fahrzeug locken, er sei aus der Töff-Gilde. Dafür erzählt er mir im Festzelt seine ganze
Rolf Holdener und der "Platzwart" Sepp Burri - hinten Wärmelampen

Motorradchronik. Er erwähnt jedes Fahrzeug, wann er es gekauft habe, welche Stürze es gab, welche Touren er in halb Europa durchgeführt hat. Sicher dreiviertel Stunden komme ich kaum zu Wort. Der gegen 80 Lenze zählende Rentner ist aber sichtlich dankbar, dass sich wieder einmal jemand für seine Motorradgeschichten interessiert hat. Langsam fühle ich mich unterkühlt. Zwar hat das Verkehrshaus eine Heizlampe zur Verfügung gestellt. Diese wärmt aber nur einseitig und ich beschliesse, da wir drei Chauffeure sind, eine Pause einzulegen und wärme mich im I-Max während eines faszinierenden Filmes auf.

Es geht schon gegen Abend, das Verkehrshaus wird bald schliessen, da sehe ich eine exotische Frau, welche sich nicht nur für die Posters zur Technik und Geschichte der Traction, welche Hans Georg Koch gestaltet hat, interessiert sondern auch die ausgestellten Autos fotografiert. Ich spreche sie auf Englisch an. Sie beherrscht diese Sprache obwohl der Akzent schwierig zu verstehen war. Sie sei eine chinesische Journalistin und interessiere sich für das Verkehrshaus. Sie streckt mir eine Visitenkarte entgegen und ist erstaunt, dass ich keine dabei habe.

Zhang Li Yuan und der Berichterstatter  
Gerne nimmt sie in der Traction Platz und wir fahren los. Sie schreibt für die Kundenzeitschrift der grössten chinesischen Fluggesellschaft "China Southern" und gehört zu den ersten Chinesen, welche nun auch beginnen, Europareisen zu machen. Abends sollte ich sie dann in der Tagesschau sehen, in einem Bericht über die Hoffnung der Schweizer Hoteliers auf chinesische Touristen.
Zu schnell ist auch diese Fahrt vorbei - sie fand in strömendem Regen statt - und die Chinesin mit Namen Zhang Li Yuan muss sich verabschieden. Vorher trägt sie aber mit präzis gezeichneten chinesischen Schriftzeichen noch meinen Namen, unseren Club und die Automarke in ihr Notizbüchlein ein. Wer weiss, vielleicht kennt man in der Zwischenzeit auch in China den CTAC. Meine Überprüfung war bisher aber fruchtlos - es liegt wahrscheinlich an meinen Sprachkenntnissen.

DDDie Visitenkarte meines Fahrgastes

Versuchen Sie es doch selbst!Für alle Hinweise bin dankbar. www.csnnews.net. Die Heimreise verläuft ruhig, und bei Regen. Natürlich bin ich erleichtert - wie stets bei solcher Witterung und bei Dämmerung - dass mir keiner hinten rein fährt. Froh und etwas müde stelle ich meine Zitrone in die Garage. Nach dem Nachtessen gehe ich bald ins Bett. Leise plätschert der Regen aufs Dach und hüllt mich schon rasch in Schlaf.

 

PS
Am darauffolgenden Wochenende war am Samstag wie auch am Sonntag das offizielle Clubtreffen der Region Süd. Zahlreiche Tractionisten liessen es sich die einmalige Chance nicht nehmen, ihre Schmuckstücke für einmal unter die Museumsstücke des Verkehrshauses zu reihen. Hier einige Fotoimpressionen.