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CTAC Jubiläumsbericht

Der CTAC 30 Jahre jung

Rudolf Weber

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C3 Tretauto, welches Peter Weber für seinen Sohn mit Federung, Licht und Ton ausgestattet hat.


Ein altes Sprichwort lautet: "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte."

Wie wahr! Wenn hier Jerôme Weber in seiner C3 seine Runden dreht ist jedem Tractionisten klar: der Nachwuchs ist bereit. Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Club auch in seinem 30. Jahr noch voller Dynamik ist und auch immer wieder neue Mitglieder gewinnt. Gerade in Oldtimervereinen altern häufig die Mitglieder mit ihren Fahrzeugen.

Einer meiner Freunde ist einem Club zugewandt, welcher amerikanische Fahrzeuge der 50er und 60er Jahre pflegt. Die zahlenmässig rasch schwindenden Mitglieder haben kürzlich festgestellt, dass es doch beschwerlich sei, für jedes Treffen die Fahrzeuge flott zu machen. Geselligkeit bei einem feinen Essen komme doch auch auf, wenn man mit dem Alltagsauto dem Ausflugsziel zustrebe.

Ebenfalls hört man des öftern die Theorie, dass jede Generation diejenigen Fahrzeuge sammelt, welche man in der frühen Jugend am meisten bewundert hat, sich aber nie leisten konnte. Daran ist sicher ein Körnchen Wahrheit. Wenn ich aber bedenke, dass unsere Traction ab den 60er Jahren rasch an Anziehungskraft verloren hat, dürften bei uns nur Clubmitglieder verkehren, welche Jahrgang 1940 oder älter haben.

Das dem nicht so ist hat zwei Gründe:

Zum einen verfügt die Kreation von Bertoni über eine zeitlose Eleganz und strahlt den Urtyp eines Oldtimers aus, was beispielsweise ein Opel Olympia mit Jahrgang 1957 - so attraktiv das Fahrzeug auch sein möge - mit seiner Pontonform nie kann.

Zum anderen hat das aber gewiss mit dem Clubgeist zu tun, welcher zwar alten Semestern eine Heimat bietet, aber auch jüngere Einsteiger zur aktiven Mitarbeit anregt. Nie kam es in der 30-jährigen Clubgeschichte zu ernsten Richtungskämpfen oder Generationenkonflikten, was häufig einen Verein auf die Zerreissprobe stellt. Am grossen Jubiläumstag konnten etliche Teilnehmer angetroffen werden, welche bei der Clubgründung vor 30 Jahren schon dabei waren und andere, welche damals noch gar nicht lebten.

Vielleicht liegt es auch daran, dass bei uns nie dogmatische Grundsätze gegolten haben und dass der Vorstand regelmässig jüngeren Mitgliedern Platz gemacht hat.

Ist es ein Wunder, dass sich das Wetter solidarisch zeigte und uns nach dem verregneten 20- und 25-Jährigen heuer eitel Sonnenschein bescherte?

Der Freitagmorgen war den Vorbereitungsarbeiten gewidmet. Mit vereinten Kräften wurden die zwei Bühnen erstellt und die Saalbestuhlung errichtet während dessen der Clubdekorateur, Guido Soland, die Halle in gelb-blaue Farbe tauchte.

Hier wird bald ein überdimensionaler Doppelwinkel die Gäste beeindrucken

Ist man in exklusiven Klassikerclubs "entre soi" fasziniert im CTAC die Durchmischung. Da gibt es tüchtige Mechaniker, Aerzte, Architekten, Chauffeure, Computerspezialisten etc. In erstaunlich kurzer Zeit wurden Balken herangeschleppt, Bretter verlegt, Tische verschoben und Kabel fixiert - für viele eine ungewohnte Arbeit, aber wo Teamgeist herrscht ist alles möglich.

Noch mitten in der Vorbereitung konnte der erste Gast begrüsst werden welcher aus Wien angereist kam. Allerdings erleichterte der Autozug Wien - Feldkirch die grosse Distanz von der Donaumetropole ins luzernische Ruswil. Etwas beunruhigend ist lediglich die Tatsache, dass unser österreichisches Clubmitglied, Thomas Loebenstein, problemlos die zu seinem Gangsterwagen gehörende Waffe, immerhin ein Gewehr mit Trommelmagazin, problemlos über die Grenze schmuggeln konnte.

Der erste Gast: Thomas Loebenstein als Traction Gangster mit Tommy Gun
Die nun laufend eintreffenden Wagen wurden sauber aufliniert und die zwar nicht ermüdeten aber erhitzten Fahrer gönnten sich, dank des schönen Sommerabends, eine Erfrischung und später Gegrilltes im Freien.
Der CTAC-Präsident geniesst mit Gästen den herrlichen Sommerabend
Damit kam das Schlechtwetterprogramm - ein Videozusammenschnitt von Clubtreffen - fast zu kurz. Immerhin wurde deutlich, dass in früheren Zeiten die Tractionisten eine ziemlich wilde Bande gewesen sein mussten, welche sich sehr bemühte, dem Gangster-Image gerecht zu werden. Abgesehen von den seltsamen Kleidern (unsere Kinder können kaum glauben, dass wir in den Siebzigern wirklich so gewandet waren) war die Korrelation zwischen Tractionbesitz und Bartträgern damals ziemlich hoch. Ebenfalls war es zeitgemäss, den Haaren freien Wuchs zu gestatten. Einige Ueberreste sind noch heute bei Clubkollegen zu erkennen. Bei anderen sind Haare verschwunden, bei den Bärten aus eigener Initiative, auf dem Haupt meist in Folge höherer Gewalt.
Beeindruckende Aufstellung von Fahrzeugen der Jubiläumsbesucher
Der Samstag bot wiederum einen wolkenlosen Himmel und wer rechtzeitig auf dem Parkplatz stand, kam in den Genuss laufend vorfahrender Tractions. Nur Tractions? Nein - häufig vergessen geht ja, dass unser Club auch das automobile Erbe von Citroenwagen mit den Jahrgängen vor 1934 hütet. Dass einzelne dieser Veteranen auf eigenen vier Rädern nach Ruswil fanden, zeugt nicht nur von der unverwüstlichen Citroen-Technik sondern auch vom hohen Pflegezustand dieser Hinterrädler. Neu gesellte sich auch eine Rosalie dazu, welche samt Besitzer erst vor kurzem zum Club gestossen ist. War es grosse Selbstsicherheit oder die Unbekümmertheit eines Oldtimerneulings welche den Entschluss reifen liessen, aus dem Zürcher Weinland in die Zentralschweiz und zurück zu fahren? Die Rosalie hielt tapfer durch, auch wenn ihr Kühler zwischendurch mit Dampfen und Zischen auf ihre Leistungsgrenze hinwies.
"Hinterrädler" unter sich: v.l. Rosalie, AC4 Phaeton, AC4 Limousine, C3 Trèfle
Den Wagen sollte in Ruswil allerdings nicht die eigentlich verdiente Verschnaufpause gegönnt sein. Sie wurden sogleich auf eine Orientierungsfahrt geschickt, welche rund um den Sempachersee über 12 Posten verfügte. Zwangsläufig musste so die liebliche Landschaft des Luzernerlandes zu Kenntnis genommen werden. Die lebhaften Reaktionen der Fahrer (zumeist) und Beifahrerinnen (in der Regel) liessen erkennen, dass es in der Schweiz auch für Alteingesessene immer noch reizvolle Ecken neu zu entdecken gibt. Die Wagen blieben nach der Fahrt stumm oder liessen noch dieses und jenes Röcheln ertönen. Ich stelle mir in solchen Momenten dieselbe Frage, wie nach einem Hundespaziergang. Hat er (der Hund) oder sie (die Traction) den Ausflug auch genossen? Diese zwei Kreaturen können zwar nicht sprechen - doch der echte Hunde- und Tractionfreund versteht die Antwort trotzdem. "Natürlich", sagt die Traction, "wir sind ja zum Fahren da und hassen ein Leben, lediglich als Ausstellungsobjekt. Auch wenn uns Steigungen etwas Mühe machen - man beachte unser Alter - hält Bewegung fit und ist die Untätigkeit eine Abkürzung zu frühem Tod - jawohl!"
Das Siegerfahrzeug, Citroen HY von Milo und Rösli Trachsler

Was macht man nun - wenn bei dieser Fahrt (es ging darum, die 12 Posten mit möglichst wenigen Kilometern anzufahren und erst noch gewisse Fragen richtig zu beantworten) ausgerechnet ein HY Fahrer gewinnt, der kürzlich seine Traction verkauft hat? Eigentlich sollte man ihn ja in Sursee an den Pranger stellen (war übrigens Posten 5 auf der Orientierungsfahrt), weil er a) sich seiner Traction entledigte, b) mit einer HY die Fahrt durchführte und c) die Rundfahrt erst noch am besten absolvierte statt einem Tractionisten die Ehre zu lassen.

Aber nein - die Toleranz über den Clubzaun hinweg ist in unserem Club ein wichtiges Anliegen. Milo Trachsler und seine Frau Rösli sind auch mit ihrem Fourgon bei uns jederzeit herzlich willkommen genau so wie wir den Besuch diverser DS Modelle und gar eines SM sehr geschätzt haben.

Dass sogar ein moderner Opel die Fahrt mitmachte hat allerdings andere Gründe. Unglaublich aber wahr - es hat ein neuseeländischer Tractionist seinen Weg nach Ruswil gefunden. Dass er seine Traction nicht mitgenommen hat ist soweit verständlich, hat doch der gute André zwar wüsten- und hochgebirgstüchtige Fahrzeuge hergestellt und an Expeditionen geschickt. Von einer "Expédition bleu" ist allerdings nichts überliefert. Doch wer weiss, wenn der Gründer etwas länger gelebt hätte, wären vielleicht auch noch hochseetaugliche Fahzeuge der Palette beigesellt worden. Dann könnte man - um den Gedanken weiterzuspinnen - einmal ein Clubtreffen auf Mallorca durchführen.

Doch warum auch in die Ferne schweifen? Wachsen doch in Ruswil Kaffee und Bananen! Im Tropenhaus, welches die Gäste am Freitag besuchen konnten, wird dank der Wärme der dort durchführenden internationalen Erdgasleitung ein so warmes Klima erzeugt, dass Mangos und Papayas der heimischen Scholle entlockt werden können.
Kaffeebohnen aus der Schweiz!
Höhepunkt an Jubiläen ist natürlich traditionell der Samstagabend, wo man sich zum Galadinner zu versammeln pflegt. Nun - Gala ist vielleicht etwas weit gegriffen, wenn in einer Turnhalle getafelt wird. Die Vorstellung von Schlips und Schwalbenschwanz hat nämlich einen österreichischen Besucher derart erschreckt, dass er in Erwartung unerträglicher Steifheit seinen Besuch aufkündigen wollte.

Tractionisten feiern einträchtig in Jeans und Anzügen. Lediglich der Vorstand und die OK-Mitglieder trugen - der besseren Identifikation wegen - gelbe Krawatte mit CTAC-Logo und blaues Hemd - sicher ganz im Sinne von Citroens Marketingabteilung 1934.

Wo gegessen werden soll, muss die Logistik klappen. Davon können die Besucher des DS-Jubiläums in Paris im Herbst 2005 ein Liedlein singen. Ganz anders in Ruswil. Koni Fisch, von Beruf Fabrikant, hatte sich für einmal die Buchhalterärmel übergestreift und ein Zahlungssystem ausgetüftelt, welches monetären Differenzen nicht die kleinsten Schlupflöcher überliess. Geheimnisvolle Kästen mit noch geheimnisvolleren farbigen Zetteln wurden mit seltsamen Codes gestempelt. Die sogenannten "Gupöngli" dienten, einmal erworben, dem Bezug einer Speise oder eines Getränkes. Soweit alles klar. Dass aber einzelne dieser Gutscheine zum Bezug von Gutscheinen dienten, war höhere Mathematik führte aber - wie berichtet wird - am Abend zu einem absolut perfekten Kassensturz.

Auch während des Essens verlässt Koni Fisch seine Coupon-Station nicht!
It's showtime - nein, natürlich nicht die Reden, welche Edgar Stocker als OK Präsident hielt und auch nicht diejenige vom Präsidenten Walti Homberger, welcher seinem Vorredner für die perfekte Organisation dieses Anlasses dankte - nein, wir sprechen von Rock 'n' Roll. Eine auf Showtanz spezialisierte Gruppe zeigte Tanzakrobatik der höheren Art, so dass die Augen zwischendurch vom im Festraum zentral aufgestellten, makellosen 15CV H Modell abschweiften und sich der Tanzgruppe zuwandten - die Herren im Zwist, was jetzt erotischer sei, die Kotflügel der Traction oder die Waden der sportlichen Damen und die Zuschauerinnen in der steten Angst, ein Partner könnte seine Partnerin in einer schwungvollen Drehung verlieren und letztere könnte in ihrer Suppe landen.
Schlussbild der Rock 'n' Roll-Show

Nur kurz konnten sich die Gemüter beim anschliessenden Dessert abkühlen um sich dann sofort wieder in einer Diskussion zu erhitzen. Die angekündigte Mitternachtüberraschung war nämlich ein Auftritt von einem Dutzend Bassgeigern welche in dieser gewiss einmaligen Formation in tiefen Tonlagen diverse Stücke interpretierten. Waren einige Zuhörer so begeistert, dass sie nach Zugaben schrieen, meinte meine Frau hingegen, wenn eines unserer Kinder Bassgeige spielte, würde sie vermutlich depressiv werden.

Nun die Geschmäcker sind verschieden und das ist gut so. Nur in Sachen Traction sind wir uns einig. Und auch das ist gut so.

Nochmals sollte am Sonntag das Wetter strahlen, was es konnte. Entsprechend kamen die vielen Fahrzeuge zur Geltung und liessen ihren Chrom um die Wette blitzen. Heute sollten sie sich ja einem Vergleich stellen. Nach einem reichhaltigen Brunch - organisiert durch Hans Herzog, Tractionist und Wirt vom Hotel Post in Willisau, welcher auch für das fantastische Galadinner vom Vorabend verantwortlich war - erhielten die Jubilierenden nämlich Besuch vom Entlebucher Oldtimerclub. Deren Fahrzeuge waren zu diesem Zwecke auf Hochglanz gebracht worden und ergänzten die Traction-Palette mit Fahrzeugen aus der selben Epoche. So entstand ein repräsentatives Bild der 50er Jahre, Opel, VW, Fiat und Citroen schön vereint und natürlich vom fernen Osten noch keine Spur.

Stolzer Kapitän neben hübschem Topolino - die Entlebucher Oldtimerfreunde auf Besuch

Sind wir ehrlich, so schön die erwähnten Fahrzeuge sind, auch in den 50er Jahren hatten die neusten Schöpfungen der europäischen Autobauer technisch dem Vorkriegskonzept von Citroen nichts ebenbürtiges entgegenzustellen, wenn auch die äussere Erscheinung dieser Fahrzeuge wesentlich moderner anmuten.

Einen viel anspruchsvolleren Vergleich sollte aber die Traction - so quasi hausintern - über sich ergehen lassen. Unserem ACI-Schweiz-Präsidenten, Hanspeter Rubitschon, gelang es nämlich, einen brandneuen C6 direkt von Citroen Genf zu erhalten und den Clubmitgliedern für Probefahrten zur Verfügung zu stellen. Manch einer stieg mit leuchtenden Augen aus diesem Luxuswagen und rechnete geistig schon mal kurz sein Budget durch. Nein - billig wird dieses Vergnügen nicht zu haben sein aber günstig, wenn man Konkurrenzfahrzeuge aus dem deutschen Nachbarland mit selber Ausstattung damit vergleicht.

 

Nach langer Zeit scheint Citroen wieder einmal ein Wurf gelungen zu sein, der in der Traditon der grossen Fahrzeuge Traction 15CV und DS steht. Bevor der C6 aber zur selben Legende wie seine Vorgänger wird, muss er sich erst einige Jahre bewähren und seinem vorauseilenden Ruf gerecht werden.

Kehrt Citroen zu seiner alten Grösse zurück?

Dieser Vergleich zwischen alt und neu zeigt aber nüchtern betrachtet, wie wenig Zusätzliches ein neues Auto unserem Sammelobjekt gegenüber stellen kann. Die heutigen Verkehrsverhältnisse und -beschränkungen lassen Leistungspotentiale über demjenigen der Traction eigentlich überflüssig erscheinen. Der letzte Höhepunkt in der Tractionentwicklung, die 15CV H verfügt mit ihrer hydropneumatischen Federung über einen sehr hohen Fahrkomfort. Und mir ist kein einziger Fall bekannt, wo eine Traction wegen eines Elektronik- oder Programmdefektes eine Panne erlitt. Wenn in den dazwischenliegenden fast 50 Jahren von Fortschritt gesprochen werden kann, bezieht sich das eigentlich nur auf die Sicherheit heutiger Fahrzeuge, welche der damals stolz als verwindungssteif bezeichneten selbstragenden Karrosserie deutlich überlegen ist.

Lasst uns diesen unfairen Vergleich beenden. Was gewiss ist, dass unsere Tractions auch in 20 oder 50 Jahren als aussergewöhnliche Fahrzeuge Sammler zu begeistern vermögen. Und dass der CTAC alles unternimmt, um auch einer kommenden Generation die Freude an diesem speziellen Citroen Modell zu vermitteln.

Wer sich nun in die Finger beisst aus Frustration, diese schöne Jubiläumsveranstaltung, welche am Sonntag Nachmittag mit einem letzten Umtrunk ausklang, verpasst zu haben, sei versichert, dass der CTAC auch in fünf Jahren wiederum in Jubiläumsstimmung sein wird. Und wer findet, fünf Jahre seien eine doch gar lange Wartezeit soll sich doch im Veranstaltungskalender vom CTAC überzeugen lassen, dass eine rege Clubaktivität häufig Gelegenheit gibt, sein Auto in einer gemeinsamen Ausfahrt zu zeigen oder mit Kollegen an Treffen und Stammtischen über Rost- Oel und Vorderradantrieb zu fachsimpeln.