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CTAC Ausflug Nord 2006


Alte Turbinen und alte Motoren

Der CTAC Ausflug der Region Nord 2006

Rudolf Weber

Was unterscheidet ein 70-jähriges Kraftwerk von einem 70-jährigen Auto? Ein altes Auto ist eine reine Liebhaberei. Hinsichtlich Kraftstoffverbrauch, Sicherheit und Umweltschutz kann es sich nie mit einem modernen Wagen messen.

Nicht so bei Kraftwerken. Diese verfügen teilweise über eine Qualität, dass sich schlicht nichts optimieren lässt. Weshalb wird dann das altehrwürdige Flusskraftwerk in der Limmat bei Neuenhof mit grossem Aufwand umgebaut?

Dies und andere interessante Fakten erfuhren die Teilnehmer am Ausflug der Region Nord. Zustande kommen konnte der Kraftwerkbesuch dank Hanspeter Rubitschon, welcher bis vor einiger Zeit im Bauamt der Stadt Zürich unter anderem auch Verantwortung im Bereich der städtischen Kraftwerke gehabt hat und für den CTAC seine ehemaligen Kollegen sogar an einem Sonntag für eine Führung motivieren konnte.

Trotz guter Wegbeschreibung war das Finden des Treffpunktes nicht ganz ohne und ein Teilnehmer verfuhr sich dermassen, dass er sich in seiner Verzweiflung frustriert wieder auf den Heimweg machte, ohne seine Kameraden angetroffen zu haben.

 
Erfreulich war hingegen, ein bisher unbekanntes Citroën-Paar, José Thommen und Vroni Bolliger aus Oberbühren anzutreffen, welches sich nach diesem Anlass spontan entschloss, dem Club beizutreten. Sie fuhren mit ihrem hinterradangetriebenen C4 aus dem Jahre 1929 aus dem St. Gallischen den ganzen Weg bis nach Baden. Leider erhitzte sich der Motor etwas stark, so dass Kühlerwasser überkochte und der auf Hochglanz polierte Veteran sich nicht wie gewünscht im besten Licht präsentieren konnte. Das hinderte die Clubkameraden nicht, das Fahrzeug mit Begeisterung zu mustern, und die sich stets in der Minderheit befindende "Propulsion Arriere"-Sektion freut sich über diesen Zuwachs.
 

Nicht alle Damen können sich für Technik begeistern. Erfreut waren diese deshalb, dass im Infopavillon nicht nur technische Pläne und eine theoretische Einführung sondern auch ein kleines Buffet als Vorspiel zum Kraftwerkbesuch geboten wurde.

Doch zurück zur eingangs gestellten Frage. Weshalb wird dieses Kraftwerk aufwändig erneuert und umgebaut? So erstaunlich es tönt - die Umsetzung von Wasserkraft in elektrischen Strom leistet die bestehende 70-jährige Turbinen/Generator-Gruppe mit einem so hohen Wirkungsgrad, dass sich dieser auch mit modernster Technik kaum steigern lässt. Einmal mehr steigt da der Respekt für die schweizerischen Ingenieure, welche damals diese Werke schufen. Heute wird leider mehr Energie in das Verhindern von neuen Anlagen gelegt als in das Entwickeln derselben. So fehlen so klangvolle Namen wie Oerlikon, Von Roll oder Escher Wyss in der heutigen Firmenlandschaft. Einzig die BBC hat dank der Fusion mit Asea zur ABB sich einigermassen behaupten können. Die ETH beklagt das schwindende Interesse an Naturwissenschafts- und Ingenieursstudien. Doch kann eine Schweiz sich auch noch in Zukunft behaupten, wenn ihre Elite nur noch aus Soziologen, Politologen oder Psychologen besteht?

 

Aber ich schweife ab. Zurück zum Kraftwerk. Auch dies typisch für unsere Zeit - Einsparungen liegen vor allem im personellen Bereich. Folglich zielt der Kraftwerkumbau u.a. auf die völlig Automatisierung der Anlage. Die moderne Informatik machts möglich - nach Abschluss der Arbeiten wird das Flusskraftwerk Neuenhof aus dem Bündnerland ferngesteuert.

Der zweite Grund für den Umbau liegt in den geänderten Konzessionsbestimmungen. Die bestehende läuft in sechs Jahren aus und in der neuen wird eine grössere Restwassermenge vorgeschrieben. Das Kraftwerk lässt nämlich das Wasser nicht etwas unten an der Staumauer wieder ins Limmatbett fliessen sondern lässt es in einem Stollen eine Flussschlaufe durchqueren, so dass zusätzliche 24 m Gefälle erreicht werden können. Das zwischen Staumauer und Ausfluss liegende Flussstück führt deshalb nur wenig Wasser. Zudem stellt die Mauer für aufsteigende Fische ein unüberwindliches Hindernis dar.

 

Das Elektrizitätswerk lässt deshalb neu das gesteigerte Restwasservolumen ebenfalls durch eine Turbine laufen und kann damit einen zusätzliche Energiegewinn realisieren. Gleichzeitig wird eine Fischtreppe gebaut, wodurch diese Wassertiere "freie Fahrt" bis in den Zürichsee erhalten.

Ziemlich geschafft ab so viel Information und nach dem Besuch der düsteren Betongewölbe sich nach Sonne sehnend verabschiedete sich die Gesellschaft von den Gastgebern. Apropos Sonne: Diese war im Monat August praktisch inexistent, damit befürchtete man natürlich einen nassen Ausflug. Hinzu kommt, dass Regen ja zur Tradition bei Ausflügen der Region Nord gehört. Umso erstaunlicher war, dass sich dieser Sonntag mit vereinzelten blauen Flecken am Firmament präsentierte, so dass die Cabrioletfahrer sich sogar "oben ohne" auf die Strecke wagten. Eine abwechslungsreiche Fahrt auf wenig befahrenen und wenig bekannten Strassen durch die Kantone Aargau und Zürich sollte nun zum Mittagstisch in Zweidlen bei Eglisau führen.

 
Leider zeigten sich die blauen Flecken zwar weiterhin, aber nicht immer über den Fahrzeugen. Beim Durchfahren einer Schauerzone hatten die Limousinenbesitzer für einmal das Lachen - doch bald war wieder ein blaues Loch erreicht. Auch bei dieser Fahrt gingen etliche wackere Piloten verloren, doch diesmal nicht definitiv - die Aussicht auf ein währschaftes Essen mobilisierte die letzten navigatorischen Reserven und schliesslich trafen alle in Zweidlen ein. Alle? Nein nicht ganz. Unser St. Galler Pechvogel-Paar hatte eine weitere Panne. Eine gebrochene Benzinleitung ob dem Schauglas verhinderte eine Weiterfahrt. Wie die Entpannung respektive der Heimtransport verlief, ist eine Geschichte für sich - sie wird durch Werner Zimmermann im nächsten Clubheft erzählt werden!
 

Die Schifffahrt in Zweidlen verpflegte uns aufs köstlichste, machte aber ihrem Namen keine Ehre. Trotz weiter dräuenden Wolkenbänken schiffte es nämlich kaum mehr und die meisten Teilnehmer kamen - mit Befriedigung über diesen schönen Ausflug - trocken nach Hause.

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