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Durch den Schwarzwad

Winterthur - Sinsheim

6. Oktober 2007

Nicht Start zur Führerprüfung sondern zur grossen Hollandfahrt - Strassenverkehrsamt Winterthur

Pünktlich um 09 Uhr 29 Uhr drehten wir mit unserem 53 Jahre alten Wagen auf das Gelände des Strassenverkehrsamtes von Winterthur. Ruedi und Elisabeth Weber, unsere Reiseleiter, waren bereits von einer ganzen Gruppe von Teilnehmern umringt, oder diese stiegen eben aus ihren Fahrzeugen. Total waren es 12 Traction Avant, welche sich auf die Reise nach Holland wagten.

Nachdem sich alle begrüsst hatten, rief Ruedi Weber zum 1. Briefing, wo für jedes Fahrzeug eine Informationsmappe abgegeben wurde. Darin enthalten waren die Handy-Nummern der Teilnehmer, die Hoteladressen und Hinweise auf Sehenswürdigkeiten.

Wahrscheinlich war der Start für die 1. Etappe einmalig, fuhren doch alle Fahrzeuge miteinander und hintereinander los. Einmalig deshalb, weil sich im Laufe der Reise immer mehr das Prozedere „Patrouille Suisse“ entwickelte. Wädi Schmied führte diesen Begriff ein, da sich unsere Starts wie das Schlussbouquet unserer nationalen Fliegerstaffel (www.patrouillesuisse.ch) präsentierten: Eben waren noch alle da, schon sind sie in alle Himmelsrichtungen verstoben. Grund für dieses doch etwas erstaunliche Verfahren war die Tatsache, dass in den meisten Autos ein GPS (zu Neudeutsch: Global Positioning System (http://de.wikipedia.org/wiki/Global_Positioning_System) den Weg wies, und dieses führte bei den unterschiedlichen Fabrikaten in unterschiedliche Richtungen...

Beim 1. Tankstopp in der Nähe von Andelfingen zeigten sich bereits die ersten zaghaften Ansätze zur „Patrouille Suisse“, als ich früher losfuhr, um an meinem Wohnort, der am Weg lag, noch etwas zu holen und dabei von einem Tractionisten, verfolgt wurde. Zwar gelang es uns, die Gruppe nach Schaffhausen wieder einzuholen, aber in der Zwischenzeit musste ein Fahrzeug als vermisst gemeldet werden. Dank der modernen Telekommunikation (Handy) gelang es uns, das verlorene Schäfchen wieder auf den rechten Weg zu bringen. Von da weg beschloss ich, dass ich – gewissermassen als Besenwagen - jeweils den Schluss unserer Gruppe bilden werde.

Auf gemütlichen Nebenstrassen führte uns die Fahrt über Bargen, vorbei an Villingen/Schwenningen, via Bad Dürrheim, Königsfeld, Freudenstadt, Besenfeld nach Simmersfeld. Zu unserer Überraschung wurden wir auf einem Parkplatz mitten in bewaldeter Umgebung von einer Gruppe Tractionisten und einem Trabi mit Sekt empfangen: Herbert Kalmbach, Vorstand des Bezirkes 7-1 des CVC (Citroën Veteranen Club von Deutschland www.cvc-club.de) hatte einige Freunde zusammen getrommelt, um uns ein kurzes Stück zu begleiten. Natürlich waren wir hocherfreut darüber und genossen die gemeinsame Fahrt durch den herbstlichen Schwarzwald.
Adieu Schweiz, hallo Deutchland - am nördlichsten Punkt der Eidgenossenschaft
Zudem wurde für jedes Auto ein Exemplar des „Veteran“, der Clubzeitung des CVC, gereicht. Wir bedankten uns mit einem kleinen Drehorgel-Ständchen. Ich folgte vertrauensvoll dem hellblauen Trabi.
Bei der Einfahrtsschikane in eine kleinere Ortschaft fühlte sich meine Lenkung sehr streng an, und ich nahm mir vor, bei der nächsten Gelegenheit meine Reifen härter zu pumpen. Nach der Kreuzung in der Dorfmitte vernahm ich beim Beschleunigen ein ungewohntes Geräusch. Ich gab nochmals etwas Gas, und das merkwürdige Poltergeräusch verstärkte sich. – Hier war definitiv etwas nicht in Ordnung! Also: Weg von der Strasse und auf den Gehsteig. Der blaue Trabi vor mir entschwand in einer blauen Rauchwolke, aber hinter mir hielt das letzte Fahrzeug des Convoys, eine Traction aus dem CVC, sofort an.
Empfang durch CVC-Vertreter im Schwarzwald
Ich stieg aus und ging um meine Motorhaube herum – und erkannte sofort den Plattfuss vorne rechts. Also: Wagenheber aus dem Kofferraum geholt – wo ist der Kreuzschlüssel? Freundlicherweise holte der CVC-Tractionist sein Werkzeug aus seinem Auto, und so war das Rad schnell gewechselt. Wie nicht anders zu erwarten war, hatte auch das Reserverad zu wenig Luft. (Die Reisevorbereitung im Vor-Urlaubs-Stress liess grüssen...) Immerhin hatte ich einen Booster-Akku mit Kompressor dabei, so dass ich den Reifen voll pumpen konnte.
Auch Martin Nosers Traction fing einen Nage.

Inzwischen hatte der Trabi-Fahrer unser Fehlen entdeckt und war zurück gekommen. – Gerade rechtzeitig, um uns weiter zu lotsen. So setzten wir unsere Fahrt fort – um nach wenigen Kilometern zwei gestrandete Schweizer Tractions am Strassenrand zu finden: Martin und Rosita Noser hatten an ihrem englischen Light 15 ebenfalls einen Plattfuss zu beklagen, und Albi und Vreni Schorta waren zur Unterstützung bei ihnen geblieben. Der Radwechsel war eben beendet worden, und so konnten sie sich unserer Gruppe anschliessen.

Nach kurzer Weiterfahrt kamen wir zu einem Restaurant in der Nähe von Calw. Unsere Gastgeber sowie die übrigen Mitreisenden hatten sich dort bei Kaffee und Kuchen eingefunden. Bevor ich mich daran wagen konnte, musste ich allerdings erst meine Hände waschen...

Wir diskutierten verschiedene Lösungen, wie ich wieder zu einem intakten Reifen kommen konnte. Solange meine Frau und ich innerhalb der Gruppe reisten, war der defekte Reifen kein Problem, doch für die Heimreise wollte ich mich vorsehen, denn das Ersatzrad war biblischen Alters, vermutlich mit teilweise originaler Luft aus den 50-er Jahren. – Mein Vertrauen darin war mässig...

Schliesslich brachte uns Albi Schorta darauf, dass wir bei José Franssen in Plombières (Belgien), einem der bekanntesten Teilelieferanten Europas, vorbei fahren und dort einen neuen Schlauch besorgen könnten. Dies taten wir denn auch, doch davon später.

Nach dem Gasthausbesuch bedankten wir uns bei den Mitgliedern des CVC für die nette Überraschung und die Unterstützung. Danach verabschiedeten wir uns im Stil der Patrouille Suisse und fuhren weiter über Pforzheim, Bretten nach Sinsheim. In Sinsheim fanden wir uns trotz GPS alle wieder zusammen und bezogen die Zimmer im Hotel Sinsheim (www.hotel-sinsheim.de), welches sich unmittelbar neben dem bekannten Museum (www.museum-sinsheim.de ) mit den weit herum sichtbaren Überschall-Reiseflugzeugen, der französisch-englischen Concorde und dem russischen KonkurrenzproduktTupolev TU144, befindet.
Schwarzwald soweit das Auge reicht - und kein Verkehr

Zum Nachtessen gab’s eine Schlacht am (mehr oder weniger) warmen Buffet, wobei wir feststellen mussten, dass die Mitglieder eines ebenfalls anwesenden Alfa Romeo Clubs die Nase vorn hatten. Denkwürdig für uns war auch, dass uns der Kellner die allerletzte Flasche eines bestimmten Weines an unseren Tisch brachte. Die Länge unserer Gesichter dürfte über die Ränder dieser Seite hinausgegangen sein, als wir erfahren mussten, dass kein Nachschub der gleichen Sorte mehr aufzutreiben war. Leicht verstimmt begaben wir uns dann in die ansonsten tadellosen Gemächer.

Daniel Eberli

P.S. Tatsächlich konnten wir bei Franssen einen neuen Schlauch für unseren Six kaufen. In Purmerend in der Nähe des Lake Land Hotels, wo wir drei Nächte verbrachten, ging ich am 12. Oktober nach dem Frühstück zu „Kwik-Fit“ (www.kwik-fit.com), einem Reifen- und Auspuff-Spezialisten. Dort wurde der neue Schlauch montiert. Ein Auswuchten war wegen der besonderen Form der Traction Felge nicht möglich, aber der Mechaniker hatte die Position des Reifens auf der Felge markiert, und es zeigte sich, dass er seine Arbeit gut gemacht hatte, denn das Rad lief danach vibrationsfrei. Zu meinem absoluten Erstaunen musste ich für die Arbeit nichts bezahlen!

P.P.S. Im Gegensatz zu den meisten Reiseteilnehmern hatten wir ja unseren Aufenthalt in Holland verlängert. Dabei waren wir über Apeldoorn nach Nord- und Ostfriesland gekommen und hatten einen Abstecher zum Wattenmeer gemacht. Auf der Heimreise leuchtete auf der Autobahn im Raum Karlsruhe die einzige rote Lampe meines Armaturenbrettes auf: Der Alternator lud nicht mehr. Ein Blick auf das Ampèremeter bestätigte dies, und das leichte Ansteigen der Kühlertemperatur deutete darauf hin, dass der Keilriemen gerissen war. Im Gegensatz zum 4-Zylinder-Motor ist beim 6-Zylinder die Wasserpumpe separat angetrieben. Da ich zudem vor kurzer Zeit einen Elektrolüfter installiert hatte, konnte ich damit das Kühlwasser auf normaler Temperatur halten und die Fahrt fortsetzen.
In der Nähe von Dobel übernachteten wir bei Freunden, und dort konnte ich mich um den Defekt kümmern. Meine Diagnose erwies sich als richtig, und ich hatte sogar einen passenden Ersatzkeilriemen im Kofferraum. (So schlecht waren meine Reisevorbereitungen also nicht...) Das Wechseln des Keilriemens nahm beinahe eine Stunde in Anspruch: Die Arbeit beim 15-er ist erheblich aufwändiger als beim 11-er.
Am anderen Morgen musste ich zu meiner Überraschung feststellen, dass der rechte Vorderreifen erneut platt war. Zwar hatten wir vor der Montage des Schlauches geprüft, ob innerhalb der Karkasse etwas den Schlauch verletzen könnte, aber wir hatten nichts gefunden. So blieb mir nichts anderes übrig, als nochmals das Reserverad zu montieren, welches uns problemlos nach Hause brachte.

Daniel Eberli

Zum Bericht vom 7. Oktober

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