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Restauration Zimmerli Von Wetzikon nach Südfrankreich - mit einer Traction im Gepäck

René Zimmerli

1984 kaufte ich eine Traction Avant 11 B Familiale, Baujahr 1953 für umgerechnet 3000.- Frs. in Poitier (Frankreich). Dazumal noch im Zürcher Oberland zuhause, überführte ich ihn in die Schweiz, natürlich mit einigen Pannen unterwegs, allerdings nur Kleinikeiten wie verdreckte Benzinpumpe, leckhafter Wasserschlauch usw. Nachdem ich ihn verzollt und verwustet habe, begann ich sofort mit der Restauration, natürlich nur an den Wochenenden und an freien Tagen. In Hittnau fand ich einen Carossier, der die schlimmsten Spenglerarbeiten erledigte. Nur sehr langsam kam ich vorwärts, da mein Geschäft mich voll in Anspruch nahm. Trotzdem fand ich Zeit, viele Neuteile auf einem Oldie-Markt in Sultzmatt im Elsass (F) zu kaufen. Damit besass ich nun alle Gummidichtungen, Keder, Türpaneelen, Auspuffrohre und -töpfe, viele Kleinteile usw.

Neben der Traction bewegte uns aber noch ein anderer Traum. Wir wünschten uns ein Haus in Südfrankreich um den langen und kalten Wintermonate in der Schweiz entfliehen zu können. Später beabsichtigten wir, ganz auszuwandern. 1994 haben wir unser Traumhaus in Labastide de Penne gefunden. Labastide de Penne liegt im Südwesten von Frankreich, etwa 1000 Km von unserem früheren Wohnort (Wetzikon) entfernt, in der Nähe von Toulouse.

Die Ferienzeiten verbrachten wir von nun an damit Haus und Hof zu renovieren. Die arme Traction musste warten. In der einen Hälfte der riesigen Scheune richtete ich mir eine Oldtimerwerkstatt mit Platz für 6 Autos ein. Die andere Halfte sollte Platz für die bereits fertigen Autos und Motorrädern bieten, einen Renault Juva 4 von 1952, einen Renault Floride Cabrio von 1959, einen 2 CV von 1956 (der übrigens zu meinem Alltagsauto geworden ist), eine BMW mit Seitenwagen Baujahr 1955, eine Harley Davidson mit Seitenwagen von 1936 und eine Dollar 350 ccm mit Chaise Motor von 1936.

Wieder vergingen Jahre und das Haus war endlich bewohnbar. Selbstverständlich fehlt da und dort noch etwas, aber ein Haus wird wohl nie fertig sein.

Als ich im Jahre 2004 wieder mal in Frankreich am renovieren war - ich montierte gerade das Telefon - erlitt ich einen Hirnschlag und eine lange Leidenszeit begann. Die Ambulanz (ich erhoffte ein bequemer Citroen ID oder DS) brachte mich nach Wetzikon in das Spital. Dann das übliche... Unispital, Rekonvaleszenz-Zentrum usw. Die Traction musste aufs Neue warten.

Vor drei Jahren war es dann endlich soweit. Ich habe mich recht und schlecht erholt, die Firma verkauft, und unser Haus in Wetzikon vermietet. Auch meine Frau hat ihre Arbeit gekündigt und so konnten wir ins neue Heim umziehen, natürlich mit einer angefangenen Traction als Handgepäck auf dem Anhänger.

Labastide de Penne hat kein richtiges Ortszentrum, es ist eine Streusiedlung. Wir haben uns hier sehr gut integriert und haben viele Freunde und Bekannte und viel Lebensraum um unser Heim. Es ist ein altes Herrschaftshaus aus dem 15. Jahrhundert mit Backofenhaus, Piegonnier (Taubenturm), einer grossen Scheune und 2 1/2 Hektaren Land.

Im Backofenhaus hat mein Schatz ihr Töpferatelier eingerichtet und im "Piegonnier" auf einem steinernen Torbogen beabsichtige ich mein Privatmuseum mit meiner Citroen-Spielzeugsammlung einzurichten. In der Scheune mit Unterstelldach, unter dem es Platz für ca. 15 Fahrzeuge hat , habe ich, wie erwähnt meine Oldtimer Garage installiert und neben dem Pool ist ein kleines Häuschen für allerlei Gerümpel. Für Probefahrten reicht der Platz bestens, es gibt also kein Problem, wenn das Fahrzeug noch nicht eingelöst ist. Für Gäste ist in der Scheune eine einfache aber mit Küche, WC und Dusche eingerichtete Ferienwohnung für 2 Personen integriert.

Nach und nach holten wir alle meine alten Fahrzeuge nach Frankreich. Nur ein Renault Monasix von 1929 und eine Zündapp Bella von 1955 sind bis heute in der Schweiz geblieben.

Wir haben mittlerweile viele Freunde und Bekannte. Im letzten Herbst stellte uns die Bürgermeisterin einen Bekannten vor und sagte, dass er früher in Paris bei Citroen gearbeitet hätte und mit der Zeit der Tractions, 2 CV, ID, Amis usw. bestens vertraut sei. Wenn ich eine Frage hätte, soll ich keine Hemmungen haben und loslegen. Heute ist Alain ein guter Freund von mir und er verbringt viel Zeit hier um mir beim Restaurieren zu helfen. Manchmal tritt ein Problem auf, wo auch er wieder einige Zeit studieren muss, aber eine grosse Hilfe ist er doch. Der ersten Ausflug mit der Traction ist auf jedenfall für ein Picknick zu Viert geplant.
Beim Surfen im Internet bin ich auf die Seite vom CTAC gestossen und habe dabei Rudolf Weber und viele Tractionbesitzer kennen kennen gelernt, welch mich mit Tipps unterstützten. Leider fand der Kontakt nicht persönlich, sondern nur per Mail statt. Aber vielleicht macht der Club einmal eine grössere Ausfahrt zu uns nach Frankreich. Ich kann Euch versichern, wir wohnen an einem wirklich traumhaften Ort, zwar abgelegen in der "Campagne" aber trotzdem nicht weit weg vom nächsten Dorf, Puylaroque oder Stadt Montauban im Südwesten von Frankreich.
Heute ist die Traction fertig gespritzt, die Karosserieteile sind wieder montiert, der Motor hat die ersten Umdrehungen hinter sich und läuft, nachdem neue Ventilstangen montiert sind, Ventile und neuer Unterbrecher (Danke Hr. Schorta) eingestellt sind, wie neu. Alles Elektrische, Blinker, Bremslicht,Scheinwerfer usw. ist neu und funktioniert. Chromteile mussten nur poliert werden und sind fast alle wieder am Platz, jetzt fehlt eigentlich nur noch das Interieur. Von einem Autosattler in Albi, der auf Tractions spezialisiert ist, habe ich eine Offerte für Himmel, Sitze, Boden- und Kofferraumaustattung, Türverkleidungen und Teppiche, also komplett, für 2'500.- Euro erhalten. Das scheint mir ein fairer Preis. Nur muss die Arbeit noch warten, weil Freunde aus der Schweiz am 25. Mai hier heiraten werden und ich versprochen habe, Sie zu chauffieren. Ein Familiale eignet sich doch bestens dafür, wenn ich die 3 Strapontins nach vorne klappe, hat ein kleines Tischchen für Champagner Platz. Stretch-Limousinen haben die Franzosen schon lange vor den Amerikanern gebaut !
Heute ist Mittwoch, der 4.4.07 und der Traction Avant....................
.................hat nach langer Zeit wieder einmal die Garage verlassen. Er wird.......................

...........nochmals zum Carossier gefahren, um die hinteren Scheiben mit Carosseriekleber zu montieren !

Wenn die Traction fertig ist, warten schon ein 2 CV Cammionette AU von 1952 und ein 2 CV A von 1951, beide mit 375 ccm Motor, auf die Restauration. Eines ist jetzt schon sicher, lange Weile wird NIE aufkommen.