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Die Freunde des alten Blechs besuchen "HighTech"
Der CTAC zu Besuch bei der SR Technics
Rudolf Weber
Zieht der Traction-Tross des CTAC an seinen Ausflügen normalerweise beschauliche Nebenstrassen vor, war der Treffpunkt des diesjährigen Clubauftaktes an einem Brennpunkt des Verkehrs. Die anzufahrenden Koordinaten zeigten nämlich zum Parkhaus 6 des Flughafens Zürich-Kloten. Einen eher ungewöhnlichen Anblick für Flughafenangestellte und Reisende boten also 31 Tractions, 3 "Hinterrädler" sowie zwei Gast-Göttinnen welche sich teilweise direkt und teilweise im riesigen Flughafenareal herumirrend dem Treffpunkt genähert hatten.

Die grosse Anzahl Teilnehmer war nicht nur der Tatsache zuzuschreiben, dass der erste Ausflug nach dem Winter traditionell gut besucht wird - nein der ganz besondere Grund war der angekündigte Besuch der SR Technics, welcher auch Tractionisten hinter dem Ofen hervorlockte, die man nur selten an Treffen sieht. Möglich machte diese Besichtigung Wädi Schmid, der nach vielen Dienstjahren bei dieser renommierten Firma erst kürzlich pensioniert worden ist. Die Exklusivität des Anlasses wurden durch den Hinweis gesteigert, dass die SR Technics ihre Führungen generell eingestellt habe und der CTAC dank schon vor längerer Zeit erfolgter Anmeldung vermutlich die letzte Besuchergruppe auf diesem Rundgang sei.

Zuerst mischte man sich aber ganz unauffällig unter die Reisenden um in einem Flughafenrestaurant den obligaten Begrüssungskaffee samt Gipfeli zu konsumieren. Über die Besucherterrasse mit Röntgencheck und einer Treppe zum Rollfeld ging es zum wartenden Bus, welcher uns zu den gigantischen "Garagen" der Flugzeuge führte. Zu unserer Verblüffung outete sich einer der drei Führer als ehemaliger Tractionbesitzer und Clubmitglied. Eugen Galliker hat sich zwar von seiner Traction getrennt, ist sich aber - nach dem Anblick unseres imposanten Parkes - nicht mehr sicher, ob der Entscheid richtig war. Dass ihn das Fieber noch nicht ganz verlassen hat, zeigte seine Fliege, welche die Abbildung einer Tractionfront zierte.

Zur grossen Erleichterung aller konnte "Video-Peti" nach seiner schweren Erkrankung wieder an einem CTAC-Anlass teilnehmen.
Nun ging es aber zu Sache. Und unter Sache muss man sich grosse, ja riesige Sachen vorstellen. Die Entwicklung der SR Technics, welche nach der Swissair Pleite aus der Swissair Technik hervorging, ist auch die Geschichte ständig grösser gebauter Hangars. Der erste, heute schon historisch bezeichnete, Bogenhangar aus den Gründungsjahren des Flughafen Klotens ist so riesig, dass man darin mehrere Einfamilienhäuser aufstellen könnte. Und dies ist eben der kleinste Hangar. Er wurde 1950 erstellt, also zwei Jahre, nachdem die Swissair von Dübendorf nach Kloten umgezogen war.
Ein Spielzeug, verglichen mit den riesigen Jets, doch ein bedeutender Zeuge schweizerischer Luftfahrtsgeschichte: Der Comte AC-4


Zu unserer Verblüffung fand sich darin ein AC4. Nur - AC steht hier nicht für André Citroën sondern für Alfred Comte. Dass dieser einst in Oberrieden am Zürichsee ein Flugzeugwerk betrieb, wissen nur noch die älteren Semester. Eines seiner Fluggeräte steht perfekt restauriert im Bogenhangar. Es gehört der SR Technics und wird noch hie und da geflogen.

Die Führung zeigte Flugzeugkomponenten ganz aus der Nähe. So konnten sich Tractionschrauber ein Bild der entsprechenden Technik der fliegenden Sparte machen.

Schnittmodell eines Pratt & Whitney-Kolbenmotors, welcher 1939-1960 hergestellt wurde. Die Swissair verwendete für ihre Atlantikflüge die DC-6, welche vier dieser 16-zylindrigen Sternmotoren zu je 2400 PS besass!
Grosse Unterschiede finden sich im Material, welches im Gegensatz zum Auto leicht, äusserst fest und rostfrei sein muss. Auch die Befestigungstechnik kennt unterschiede. Muttern sind grundsätzlich mit Drähten oder ähnlichem gesichert. Fällt unseren fahrenden Untersätzen einmal eine Schraube ab, hat das im schlimmsten Fall ein unfreiwilliger Halt am Strassenrand zur Folge. Ein Flugzeug kann bekanntlich nicht in der Luft stillstehen, eine Panne wirkt sich deshalb in der Regel fatal aus.

Dass Komponenten, welche so hohen Ansprüchen genügen müssen, auch etwas kosten dürfen, ist klar. Dass sie aber so teuer sind, hätte sich niemand vorgestellt. So kann ein komplexes Teil, welches eine wichtige Aufgabe im Triebwerk wahrnimmt, ohne weiteres den Gegenwert eines Einfamilienhauses besitzen, obwohl man es mit blossen Händen tragen kann kann.

Flugzeuge rentieren nur im Flug. Deshalb werden Revisionen unter Zeitdruck durchgeführt. Auch an diesem Sonntag wurde an einzelnen Flugzeugen gearbeitet.

Wädi Schmid, seit kurzem Ex-SR Technics-Mitarbeiter, neben einem modernen Jet-Agregat
Im Gegensatz zu den Swissair-Jahren, in denen fast ausschliesslich Swissair-Flugzeuge gewartet wurden, hat die SR Technics Kunden aus aller Welt.Da einzelne Gesellschaften aus Sicherheitsgründen nicht wünschen, dass bekannt wird, wo der Service ihrer Maschinen stattfindet, galt ein Fotoverbot für solche Airliners. Ein isoliert im Raum stehendes Fahrwerk liess die Frage auftauchen, wie man einem Flugzeug am Boden die Räder entfernen kann. Die Antwort ist verblüffend einfach, man bockt sie auf. Allerdings haben die entsprechenden „Wagenheber“ und Böckli ein anderes Kaliber als die uns vertrauten Geräte in der heimischen Garage.

Wenn man bedenkt, dass moderne Jet-Triebwerke ohne weiteres 20'000 PS entwickeln können, wundert man sich, wie man diese Kraft auf das Flugzeug überträgt. Auch diese Frage konnte der Führer beantworten. Er zeigte an einem ausgebauten Triebwerk die Aufhängevorrichtung, welche erstaunlich klein dimensioniert ist. Diese erlaubt nicht nur die Übertragung des Schubs auf den Flügel sondern ermöglicht auch, dass die Triebwerke seitlich leicht schwingen können.

Ein Thema für sich sind die Bremsen, müssen diese doch die vielen Tonnen eines landenden Flugzeuges in kürzester Zeit abbremsen. Den Erläuterungen und am Objekt konnte man entnehmen, dass moderne Motorfahrzeuge viel von der fortgeschrittenen Bremstechnik der Flugzeuge profitieren konnten. So verwendet z.B. diese Branche bereits ABS-Systeme als Trommelbremsen noch das höchste der Gefühle für Autos waren. Ein Hauptproblem scheint aber, wie beim Auto, die Wegführung der enormen Hitze zu sein, welche beim Bremsen entsteht.

"Böckli" um Flugzeuge aufzubocken
 
Frisch revidierter Airbus A-340 der Swiss - Die Fan-Verkleidung am Triebwerk fehlt noch
 
Für die Männer war die zur Verfügung stehende Zeit viel zu kurz, die Frauen hingegen waren froh, dass gegen Mittag die Führung zu Ende ging, da sich doch langsam der Hunger bemerkbar machte. Die Weiterreise ans anvisierte Mittagsziel zeigte einmal mehr, dass Hanspeter Rubitschon den Kanton Zürich bestens kennt, hat er reizvolle verkehrsarme Nebenstrassen im doch so belasteten Grossraum Zürich gefunden, welche via Kyburg und Tösstal in den Kanton Thurgau führten.


Ein zusätzliches Novum für den CTAC waren seine präzisen Navigationsangaben wie sie bei Autorallys üblich sind. Trotzdem gelang es einzelnen Fahrern, den Schreibenden eingeschlossen, alternative Routen zu finden, doch führten schlussendlich alle Wege nach Tänikon bei Aadorf, wo die Wagen nochmals ausgerichtet wurden. Im früheren Franziskaner Kloster und der heutigen eidgenössischen landwirtschaftlichen Forschungsanstalt wurde das Mittagessen serviert.

Bei den üblichen Oel- und Rostgesprächen verweilte man gerne etwas länger in diesen historischen Mauern und verpasste dabei die Besichtigung des Landwirtschaftsmuseums „Agrotechnorama“ in den selben Gebäulichkeiten. Vielleicht wurde aber der eine oder die andere angeregt, dieser Ecke der Schweiz wieder einmal einen Besuch abzustatten und dabei in die Vergangenheit der Mechanisierung der Landwirtschaft einzutauchen.

Mehr Bilder:
Galerie von Fritz Müller (32 Bilder)
Galerie von Hans Georg Koch (62 Bilder):

 

Vergleiche auch weiteren Bericht dieses Anlasses:
"Tränen- und Tempo-reicher Besuch in der Schweiz"