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Lieber Leser,
mein letzter Bericht hat geendet mit der spannenden Frage, ob wohl die Kabine auf das"neue" Chassis passen würde. Obwohl ich vor dem Herrichten den neuen mit dem alten Rahmen verglichen hatte, war ich mir durchaus bewusst, dass ein "Restrisiko" bleiben würde. Einen Unterschied hatte ich bereits festgestellt, als ich den Unterdruck- Bremskraftverstärker montieren wollte. Dort war es mir leicht gefallen, mit Flacheisen den zu grossen Abstand der Befestigungsaugen zu überbrücken. Lange Zeit quälte mich die Frage, ob es dabei bleiben würde, oder ob grössere Probleme auf mich zu kommen würden. Aber lesen Sie selbst…

AC4. Taxi: Fortschritte - Bericht 4

Text und Bild: Daniel Eberli

Januar 2010: In meiner Garage war es empfindlich kühl geworden. Bedingt durch die Öffnung zum oberen Stock, die ich nicht verschliessen konnte, weil das B14-Chassis mit der aufgehängten Taxi-Kabine am Kran hing, brachte heizen nichts. Aber der wahre Fanatiker lässt sich nicht beirren, wenn die Temperatur um den Gefrierpunkt herum pendelt – solange das Werkzeug nicht an den Fingern anfriert…

Anfangs Jahr brachte ich die hinteren Blattfedern zum Richten nach Kriens. Beim Erteilen des Arbeitsauftrages entschloss ich mich zu einem Risiko: Die Position der Hinterachse in Relation zu den Kotflügeln schien optisch völlig unpassend. Nebenstehender Bildausschnitt zeigt das Auto beim Aufladen auf den Hänger in einem Vorort von Paris. Da es nicht möglich war, die Karosserie und damit verbunden die Kotflügel weiter nach vorne zu rücken, blieb nur der Weg, die Hinterachse weiter nach hinten zu schieben. Da die Aufhängepunkte für die Blattfedern fix waren, musste die Position der Achse unter den Blattfedern verändert werden. Der Blattfederspezialist der Firma Bieri versicherte mir, dass die Federcharakteristik durch eine Verschiebung von 5 cm nicht massgeblich beeinflusst werde, und so gab ich nach reiflicher Überlegung die entsprechende Anweisung. Für das Problem, dass danach die Kardanwelle 5 cm zu kurz sein würde, würde ich bestimmt eine Lösung finden…

Schon nach wenigen Tagen konnte ich die erneuerten Federpakete abholen. Nun konnte man wieder von Blattfedern sprechen, und nicht von Plattfedern… Auf jeder

Seite waren zwei Federblätter ersetzt und die ganzen Pakete neu gebogen worden. Ich fertigte an der Drehbank neue Lagerbüchsen und zog diese mit einem Stück einer Gewindestange in die Federösen. Dann montierte ich die Federn und danach die Hinterachse am "neuen" Chassis.

Als ich das "rollende" Chassis vor mir stehen sah – durch die neu gespannten Federn wirkte es viel höher – hatte ich zum 1. Mal seit Beginn meines Projektes wirklich das Gefühl, doch etwas erreicht zu haben.

In der Woche vor der Generalversammlung kam dann der grosse Moment. Ich hob die Kabine soweit es ging an und versuchte, mit dem Chassis darunter zu fahren. Sofort musste ich einsehen, dass dies so nicht ging: Das Chassis war zu hoch. Blieb nur die Demontage der vorderen Räder. Mit der nötigen Vorsicht platziere ich den Grubenheber unter die Vorderachse und schob das Gefährt Zentimeter um Zentimeter unter die schwebende Kabine.

Als ich nicht mehr weiter kam, entfernte ich auch die hinteren Räder. Die Hinterachse lag nur auf dem Rangierwagenheber, so dass ich es mit einem sehr labilen Vehikel zu tun hatte.

An der richtigen Position angekommen, hob ich das Chassis an. Schon bald musste ich feststellen, dass es nicht ging. Was hatte ich übersehen?

Ein Querträger stellte sich buchstäblich quer und verhinderte, dass sich der Fussraum des Passagierteiles zwischen den Längsträgern des Rahmens absenken konnte. Ein Vergleich mit dem "alten" Chassis zeigt, dass man dort den Querträger nicht senkrecht, sondern in einem Winkel von rund 45 Grad montiert hatte. Mit vereintem Einsatz von Winkelschleifer und Bohrmaschine entfernte ich die Nieten, bohrte neue Löcher und verschraubte den Querträger tiefer und schräg. Ich brauche wohl nicht extra zu erwähnen, dass ich dafür das Chassis wieder unter der Kabine hervor nehmen musste.

Beim zweiten Versuch konnte ich die Kabine einiges tiefer absenken. Im vorderen Teil lag sie auf dem Chassis auf, aber im hinteren blieben rund 7 cm Luft. Die Untersuchung ergab, dass der Rahmen für die Bodenbretter im hinteren Teil 2 cm zu breit war. Zur

Lösung des Problems gab es zwei Möglichkeiten: Ich konnte einen neuen Rahmen für die Bodenbretter bauen, oder ich konnte am Chassis auf jeder Seite einen Zentimeter abtrennen. Keine dieser Varianten sagten mir zu, und schliesslich löste ich die Schrauben der neu eingebauten Querverbindung, nahm ein massives Holzstück und einen kleinen hydraulischen Wagenheber, platzierte beides zwischen den Chassisholmen und drückte diese auseinander. Als die Breite genügte, senkte ich die Kabine ab. Ich montierte die Spritzwand, damit ich eine Referenz hatte, um die Kabine richtig zu platzieren. Mit den Wagenhebern hob ich Chassis und Kabine an und montierte die Räder Dann schraubte ich das "Häuschen" fest, wobei ich zum Teil neue Löcher bohren musste.

Mehr als ein Monat nach Weihnachten konnten die "Weihnachtsbändel" entfernt werden. Sogleich machte ich eine kurze Fahrt (mehr als 4 Meter!): Ich schob das Fahrzeug (endlich konnte man es wieder so nennen!) in den hinteren Teil der Garage. So gewann ich den Platz, um das B14-Chassis entfernen zu können, welches mir als Hilfsrahmen zum Aufhängen der Kabine gedient hatte. Damit war es endlich auch möglich, den Deckel in der Decke meiner Garage wieder zu schliessen, was rasch zu einem angenehmeren Klima führte (kuschelige 5 Grad Celsius, statt frostige 2).

Nun galt es, die weiteren Schritte zu planen und in die Wege zu leiten. Mein nächstes Ziel war, aus der SCHUBkarre wieder ein AUTOmobil zu machen. Es galt somit, sich um

Motor und Getriebe zu kümmern. Da der Motor funktioniert hatte, hatte ich beschlossen, diesen ohne Eingriff wieder einzubauen. Der Entscheid dazu war wesentlich beeinflusst worden durch die Tatsache, dass beim Ersatzmotor, den ich mir vor längerer Zeit einmal zugelegt hatte, beim Drehen der Kurbelwelle ein Klopfgeräusch zu hören war, das da nicht hingehörte. Und schliesslich konnte ich im Notfall den Motor ja wieder ausbauen. Auf alle Fälle hatte ich mir vorgenommen, die Kupplung anzusehen und ich hatte mich darauf eingestellt, dass ich sie erneuern musste. Und da sich in meinem Fundus auch ein Getriebe befand, wollte ich mir die Sache ansehen und allenfalls das Ersatzgetriebe einbauen.

Der Vergleich zeigte, dass die Zahnräder des Getriebes aus dem Taxi deutliche Spuren unsorgfältiger Gangwechsel zeigten, diejenigen des Ersatzes waren in viel besserem Zustand. Ich stellte aber auch fest, dass die beiden Gehäuse Unterschiede aufwiesen. Beim Ersatzgetriebe war die Handbremse so montiert, dass sie als Aussenbandbremse auf die Kardanwelle wirkte. Beim Taxi hingegen wurden über Seilzüge die Hinterradbremsen betätigt. Ich sah es an der Zeit, eine "Second Opinion", eine Zweitmeinung einzuholen, und wir luden die Familie Streit zum Nachtessen ein in der
erklärten Absicht, Hansueli möge seine Meinung zum Fall abgeben.

Hansueli untersuchte die beiden Getriebe und äusserte sich dahin gehend, dass die Zahnräder – verglichen mit moderneren Teilen – so viel massiver gebaut waren, dass er bedenkenlos diejenigen vom Taxi noch weiter verwenden würde. Allerdings würde er die Lager ersetzen.

 

 

Seine Meinung beruhigte mich – zumindest zum Teil. Ich konnte seiner Argumentation folgen – nur: Wenn ich das Getriebe ohnehin zerlegte, um die Lager zu wechseln, dann konnte ich auch gleich die besser erhaltenen Teile in das Gehäuse einbauen. Nun muss ich zugeben, dass ich keinerlei Erfahrung hatte im Zerlegen und

Zusammenbauen von Getrieben, und ich hatte grossen Respekt davor. Auf der anderen Seite war das C4-Getriebe extrem einfach aufgebaut, und schliesslich war ich in mechanischen Dingen nicht ganz unerfahren. Und falls ich gar nicht mehr klar kommen sollte, hatte ich ja noch ein zweites Getriebe, an dem ich mich orientieren konnte.

So zerlegte ich denn das Getriebe Schritt für Schritt. Zu erwähnen wäre noch, dass kaum Öl im Getriebe war. – Es reichte gerade, um mir die Überhosen und die Schuhe zu versauen und mich an Helge's Geschichte mit den nassen Socken zu erinnern…

Neue Lager für das Getriebe zu bekommen war kein Problem, nur beim Ausrücklager für die Kupplung hiess es: "Führen wir leider nicht." Die Firma Derendinger, die mir die Kupplung neu belegte, verwies mich an die Firma Hasler, Firma Hasler an die Firma Saurer Arbon, und diese an die Firma Berani in Uster. Immerhin gab mir die Firma Saurer eine Referenznummer. Als ich in Uster diese Nummer angab, überraschte mich Herr Berani ohne zu zögern mit der Aussage: "Aber Sie, das ist ein über 80 Jahre altes Lager!". Ich musste ihm Recht geben – und er fragte mich: "Wie viele brauen Sie denn?". – Am nächsten Tag hatte ich das gewünschte Lager in der Post…

Beim Zusammenbau musste ich dann feststellen, dass das Lager auf der Hauptwelle 1/10 mm Spiel hatte. Nun macht es natürlich wenig Sinn, ein neues Lager einzubauen, wenn sich nachher die Welle im Lager statt mit dem Lager dreht. Ich muss also eine Lösung finden, um die Welle aufschweissen und auf das genaue Mass abdrehen zu lassen.

Ach ja, noch etwas: Es gibt auch andere Clubmitglieder, die Lösungen bereit halten, bevor das Problem bekannt ist. Mein Taxi hat keine Lüftungsklappe für den Fussraum, und ich finde eine solche wünschenswert. Zudem vermute ich, dass das Blech vor der Windschutzscheibe ersetzt und dabei die Klappe weggelassen wurde. Als ich Hansueli Streit darauf ansprach, teilte er mir mit, er hätte einmal ein C4-Häuschen weggeworfen und vorher die Lüftungsklappe heraus geschnitten. Er würde mir diese überlassen. Zudem konnte ich von ihm das Abschlussblech unter dem Kühler, das beim Taxi fehlt, als Muster für eine Neuanfertigung bekommen.

An einem Sonntag reinigte ich das Armaturenbrett auf dem Küchentisch. Die Uhr und der Tacho sind etwas für den Fachmann, das Ampère-Meter und die Benzinuhr hatte ich in meinem Fundus für den B14.

Am 22. Februar – man spürte bereits ein kleines Frühlingslüftchen – holte ich beim Spengler die hinteren Kotflügel, um sie anzupassen. Natürlich war ich gespannt, wie die um 5 cm nach hinten verschobenen Hinterräder im Verhältnis zu den Kotflügeln aussehen würden. Man vergleiche mit dem 1. Bild in diesem Beitrag. Nun, ich finde: Gar nicht so übel...

Böse Zungen behaupten bereits, meine Frau Agi hätte das Taxi nicht gekauft, um damit herum zu fahren, sondern damit sie sicher sein könne, dass sie ihren Mann in der Garage finde. Nun, es gibt tatsächlich noch viel zu tun. Mehr darüber, - der geneigte Leser ahnt es bereits, - wenn es wieder heisst: "AC4 Taxi – Fortschritte…"

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