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Lieber Leser,
bislang war mir das Glück bei der Restauration des Taxis sehr wohl gesonnen. Jeweils genau im richtigen Moment fand ich im Internet das Chassis und die Achsen und erlaubten mir, die am meisten ausgeschlagenen Teile zu ersetzen. Die Nachricht, dass mir ein Kollege eine Lüftungsklappe liefern könne, kam just in dem Zeitraum, als mein Auto bereit so weit war, dass ich es dem Spengler überlassen konnte. Dass meine Gattin hin und wieder bei Ricardo (dem Schweizer Pendant zu Ebay) nachschaut, welche alten Kostbarkeiten ihr Sammlerherz erfreuen könnten, kam – ebenfalls genau im richtigen Augenblick – nun auch dem Taxi zu gute. Mehr darüber im nachfolgenden Bericht.

 

AC4. Taxi: Fortschritte - Bericht 5

Text und Bild: Daniel Eberli

Februar 2010: Am ersten sonnigen Samstag seit langem können wir es uns nicht verkneifen, mit dem AC4 Torpédo ins Nachbardorf zu fahren, zwar mit geschlossenem Verdeck, aber ohne Seitenscheiben. Die kleine Ausfahrt brachte einen Motivationsschub – der aber nur wenige Tage später wieder vom Schnee zugedeckt wurde…

Während ich mich mit dem Problem der Getriebewelle, welche sich im Lager drehte, kümmerte und diese beim Mechaniker, welcher mir bereits die Vorderachse repariert hatte, mit der WIG-Anlage aufschweissen und dann wieder abdrehen liess, durchforstete Agi das Internet und stiess dabei – wie in der Einleitung angetönt – auf eine Kostbarkeit: Da wurde doch tatsächlich ein altes Taxameter "Taxi BB" angeboten! Während normalerweise solche Geräte relativ rasch Schwindel erregende Preise erreichen, bot dieses Mal ein einziger Interessent einmal, und dann schien er entweder den Ablauftermin zu verschlafen, oder das Interesse war erloschen. Auf alle Fälle bekam Agi bei Fr. 55.- den Zuschlag. "Taxi BB"-Geräte waren auch in Pariser Taxis eingebaut. Bei unserem Teil handelte es sich jedoch um einen Apparat, der in der Schweiz gebraucht worden war. Zu unserer Freude fügte der Verkäufer der Lieferung noch ein kleines Schild mit den Tarifen bei. Somit wissen wir, dass im Jahre 1935 der Transport eines Hundes mit einem Zuschlag von 25 Rappen bezahlt werden musste!
Selbstverständlich wird diese Taxiuhr in unser Taxi eingebaut. - Der Kauf kam gerade im rechten Moment, denn ich war gerade dabei, für die zerbrochene obere Hälfte der Frontscheibe Ersatz machen zu lassen. Gemäss Bildern gehört das Taxameter in den rechten unteren Bereich der Frontscheibe, so dass man es von innen bedienen kann, und ich werde nun in der unteren Hälfte der Frontscheibe eine entsprechende Aussparung machen lassen.
Agi hat sich übrigens nicht nur mit Ricardo beschäftigt, sondern sie hat die Radkappen und die grosse Ballonhupe so gereinigt und poliert, dass die Teile wieder aussehen, wie neu.
Natürlich blieb ich auch von kleinen Rückschlägen nicht verschont. Ich hatte die aufgeschweisste Getriebewelle im Gehäuse eingebaut, die Kupplung zusammen gebaut und das Getriebe an den Motor geflanscht. Obwohl mir schien, dass das Kupplungspedal sehr weit nach unten gedrückt werden musste, damit die Kupplung trennte, baute ich den Motor und das Getriebe in das Chassis ein.
Nun, Dummheit muss bestraft werden, und so stellte ich dann fest, dass das Pedal im durchgedrückten Zustand an der Aufhängung des Motors anstand. Da konnte etwas nicht stimmen, auch wenn mir klar war, dass sich das Problem mit der Abnützung des Kupplungsbelages verringern würde. Ich entschloss mich, das Getriebe nochmals auszubauen, aber den Motor im Chassis zu belassen. Dank meiner Arbeitsgrube und einer speziellen Getriebeschale, welche ich vor Jahren für meinen Grubenheber gebaut hatte, ging dies relativ gut von statten.
Ich stellte dann fest, dass ich beim Ausrücklager einen Zwischenring auf der falschen Seite montiert hatte. Nachdem ich dies korrigiert hatte, waren die Distanzen zufrieden stellend und ich konnte das Getriebe wieder einbauen. – Etwa mehr "Luft" hätte ich mir zwar gewünscht, doch führe ich dies auf den allgemeinen Verschleiss der Ausrückhebel zurück.
Als nächstes montierte ich die Bremsseile. – Gar keine so einfache Sache, denn da gibt es Umlenkhebel, Seile und Stangen für die Unterdruck-Bremshilfe "System Westinghouse" und natürlich die Seile zu den Radbremsen. Nach einigem Grübeln war alles zusammengebaut, und ich konnte sowohl mit dem Handbremshebel, als auch per Fusspedal die Bremsen betätigen. – Die Einstellung habe ich erst nach Gefühl vorgenommen, denn für eine richtige Fahrt fehlt die Kardan-Verbindung zwischen Getriebe und Hinterachse – und es gibt noch keinen Fahrersitz.

Aber – und das war das Ziel der Aktion – ich konnte gefahrlos das Auto aus der Garage schieben und dort auf einen Hänger verladen. Dies tat ich denn auch, und am 9. März brachte ich das Auto zum Spengler, wo die Kotflügel, bei denen diverse Rostlöcher geschweisst und Beulen behoben werden mussten, angepasst werden.
Unser Kater Turbo überwachte die ganze Verladeaktion mit kritischem Blick.
Während der Fahrt konnte ich im Rückspiegel beobachten, wie sich der Ventilator im Fahrtwind langsam drehte (es war noch kein Keilriemen angebracht, der ihn gebremst hätte). Irgendwie schien mir, als wolle auch das Auto Frühlingsluft schnuppern…

Danach nutzte ich die Gelegenheit, um die Garage etwas aufzuräumen, damit sie bereit war für die beiden Reparatur- und Servicekurse, die im April bei mir stattfanden.
Anfänglich war vorgesehen gewesen, dass der Spengler die gesamten Schleifarbeiten vornimmt, und ich mich um Details wie Rücklichter, Blinker, das Verdeck etc. kümmern konnte. Es stellte sich dann bald heraus, dass der Spengler – dank des gewerbefreundlichen schneereichen Winters – mehr Arbeit als erwartet hatte. So war er froh darüber, dass ich die umfangreichen Spachtel- und Schleifarbeiten zum grössten Teil in seiner Werkstatt selbst erledigen konnte. – Und ich war froh um fachmännische Ratschläge und professionelles Material und um die zu erwartende Entlastung des Budgets.

Ich brauche wohl nicht extra zu erwähnen, dass an der einen und anderen Ecke noch ein Schaden zum Vorschein kam, der ebenfalls einer Sanierung bedurfte. So entschloss ich mich zum Beispiel, auch die Motorhaube neu zu lackieren...
Wenn ich dann das Auto wieder bekomme, muss die Spritzwand eingebaut werden, und dann mache ich mich hinter die Elektrik. Die steigenden Temperaturen motivieren mich, vorwärts zu machen…


Mehr darüber wie immer unter dem Titel: "AC4 Taxi – Fortschritte…"

P.S. Beim Spengler demontierte ich noch das hintere Verdeck, um es dem Sattler zu bringen. Und was kam dabei zum Vorschein? – Narrensamen (Konfetti)…- Räppli, wie die Basler sagen.


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