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Lieber Leser, manchmal kommt man im Leben an einen Punkt, an dem man nicht mehr weiter kommt. Die Restaurierung eines alten Autos – besonders wenn es so verbraucht ist, wie das Taxi – kann auch einen erfahrenen Bastler an die Grenze bringen. Als letzte Konsequenz kann man manchmal nur aufgeben. Tatsächlich bin auch in an diesen Punkt gelangt. Aber lesen Sie selbst…

AC4. Taxi: Fortschritte - Bericht 6

Bericht und Fotos: Daniel Eberli

In meinem letzten Bericht – ich stellte eben mit Schrecken fest, dass es schon fast ein halbes Jahr her ist, seit ich ihn geschrieben habe! – hatte ich noch berichtet, dass ich das Taxi (oder das, was von ihm übrig geblieben war) zum Spengler/Lackierer gebracht hatte. Dort war es bei weitem nicht so rasch vorwärts gegangen, wie ich erwartet oder zumindest erhofft hatte.

Da ich, um die Kosten einigermassen im Griff zu behalten – möglichst viele Arbeiten selbst erledigen wollte, verbrachte ich unzählige Tage in der Halle des Kleinbetriebes von Urs Gut in Basadingen, der nicht nur dem Taxi eine Bleibe bot, sondern mich mit Rat und Tat unterstützte und mir seine professionellen Geräte und Materialien zur Verfügung stellte. Dass er mich zudem mit grösseren Mengen von Kaffee wieder auf die Beine stellte, wenn ich nach einer Anzahl von Frühdiensten bei meinem Arbeitgeber und den dazu gehörenden Nachmittagen in seiner Halle allmählich etwas "alt" aussah, sei nur am Rande erwähnt, aber herzlich verdankt.

Was habe ich an meinem Auto herumge- schliffen, wieder gespachtelt und nochmals geschliffen… So weiss ich zum Beispiel, dass die Motorhaube 33 Schlitze auf jeder Seite hat. Macht 66 auf beiden Seite und 132, wenn man innen und aussen schleift. Genug, um sich die Fingerbeeren wund zu schleifen…
Dazwischen, das muss ich zugeben, war ich auch mal in den Ferien!
Noch sind nicht alle Lackierarbeiten abgeschlossen, aber seit dem 9. Oktober steht das Taxi wieder zu Hause, und ich habe begonnen, die demontierten Teile wieder anzuschrauben. Da zeigten und zeigen sich denn auch völlig unerwartete Probleme:
WO habe ich welches Teil hingelegt? Erschwert wird meine Suche durch den Umstand, dass mitten in der Zerlegungsphase unser Sohn Florian seinen Abschluss am Technikum Winterthur machte. Nun wird sich der geneigte Leser fragen, wo es um's Himmels Willen einen Zusammenhang geben könnte zwischen einem Technikum-Abschluss und meinem Taxi. Fairerweise muss ich hier wohl etwas ausholen:

Frackumzug Elektronikerfahrzeug

Seit Jahrzehnten ist es am Tech Tradition, dass die Studenten zum Abschluss ein möglichst innovatives Fahrzeug bauen und damit am Umzug anlässlich des Endes der Frackwoche mit viel Rauch und Lärm durch Winterthur fahren. Interessierte Leser können sich hier: http://www.frackwoche.ch/fotos.php einige Bilder des diesjährigen Umzuges anschauen. Florian's Klasse baute eine Sitzgruppe auf einen Ford Escort, doch fand – trotz grosszügiger Erweiterung des vorhandenen Platzes - ein Einzelsessel keinen Platz mehr.

frackumzug rasender fauteuil

Flugs wurde dieser – natürlich in meiner Garage – mit dem Motor einer Motorsäge zum "Rasenden Fauteuil" ausgebaut, der – notabene – bei Vollgas rund 80 km/h erreichte! Ich denke, dass damit der oben erwähnte Zusammenhang zur Genüge erklärt ist.
Somit also zurück zum Taxi-Bericht. Einen Teil der Zeit, welche das Fahrzeug in Basadingen stand, verwendete ich dazu, für die ausgeschlagenen Reibungsstossdämpfer neue Büchsen zu drehen und einzupressen, damit diese wieder zu gebrauchen waren. Obenstehendes Bild zeigt unten "vorher", oben "nachher".

Stossdämpfer AC4

Bei der Demontage der Spurstange hatte ich einen Zwischenring mit Filzeinsatz zerdrückt. Die Funktion des Filzringes dürfte darin liegen, etwas Öl zur Schmierung des Spurstangen-Endstückes festzuhalten. Ich drehte einen passenden Ring und setzte einen neuen Filzring ein, den ich aus einer alten Schreibmaschinen-Unterlage ausgestanzt hatte. (Leser des Jahrganges 1970 und jünger sollen sich dies von älteren Semestern erklären lassen…).

Auf der Suche nach einem Ersatz für die Motorhaubenscharniere, die sich in erbärmlichem Zustand befanden, stiess ich im Internet auf die Adresse einer Spezialfirma in Wien. Dort war man in der Lage, mir gegen gutes Geld ein perfekt passendes "Klavierband" in Messing anzufertigen. Die Gegenstücke, je ein vor der Windschutzscheibe und auf der Kühlermaske montierter Lagerbock, bestanden ebenfalls aus Messing. Während das Stück auf der Kühlermaske festgelötet war und kein Problem darstellte, erwies sich das verschraubte Stück als Knackpunkt. Ich hatte die zerkratzten Reste der Vernickelung abgeschliffen, und das Stück glänzte nun in blankem Messing. Das einstmals renommierte Eisenwarengeschäft in Herblingen, bei dem man noch vor einigen Jahren alles bekam, was man sich an speziellen Metallwaren und Maschinen vorstellen konnte, führt keine Messingschrauben mehr im Programm. Sogar von fast normalen M-6-Schrauben, die ich beziehen wollte, hatten sie nur noch 6 Stück am Lager. Frustriert und verärgert sagte ich, ich verzichte auf ihre Dienste, da hätten Migros und Jumbo noch das umfangreichere Programm. Während Stunden durchsuchte ich das Internet nach Angeboten von Messingschrauben. Ich telefonierte umher – erfolglos. Schliesslich war ich an dem Punkt, den ich am Anfang meines Berichtes erwähnt hatte: Ich gab auf.
Chromstahl oder verzinkte Schrauben zu verwenden, kam für mich nicht in Frage. Genau so wenig konnte ich natürlich ganz auf die Schrauben verzichten. War nun das ganze Taxi-Projekt gefährdet wegen zwei winzigen M5-Messingschrauben mit Linsen- oder Senkkopf? Wie sollte ich dies der CTAC-Leserschaft plausibel erklären?
Bald war mir klar, dass ich es nicht über’s Herz bringen würde, den treuen, interessierten Lesern mitzuteilen, dass ich aufgegeben hatte und dass ich das Taxi auf den nächsten Schrottplatz bringen würde.
Nein, ich musste den Kampf gegen die Schrauben-Mafia aufnehmen und ihnen ein Schnippchen schlagen!

Ich kam mir vor wie Don Quixote, nur dass dieser noch durch seinen Freund Sancho Pancho sowie seinem Klepper Rosinante unterstützt wurde, als er seinen Kampf gegen die Windmühlen antrat, während ich einsam und auf mich selbst gestellt den Kampf gegen die übermächtige Eisenwarenhändler- und Schrauben-Hersteller Lobby aufnahm. Ich bewaffnete mich mit einer 9mm- Messingstange und drehte mit einer entschlossenen Handbewegung den Schalter meiner Drehbank auf „VORWÄRTS“.
(Das obenstehende Bild von Don Quixote auf Rosinante stammt von Wikipedia.)
Ich darf an dieser Stelle nicht erwähnten, wie viel Zeit ich zur Herstellung der beiden Schräubchen benötigte. Sie wären unbezahlbar.
Zutreffend wäre allerdings auch der Werbespruch eines bekannten Kreditkarten-Anbieters: "Das Gefühl, der Schraubenhändler-Mafia ein Schnippchen geschlagen zu haben: Unbezahlbar. Für alles Andere gibt's die Kreditkarte!".

Messingschraube

Als ich die Abtrennung zwischen Kabine und Motorenraum einbaute (Fachleute nennen diese "Brandschott", aber ich hoffe nicht, dass sie je diese Funktion erfüllen muss!), machte ich die Feststellung, dass die Hebel für das Brems- und das Kupplungspedal zu tief lagen und dass dementsprechend die Pedalen nicht durch die im Brandschott vorgesehenen Löcher passten. Zum Ausgleich löste ich den Motor nochmals, hob ihn an und unterlegte die Motorenlager beidseitig zusätzlich mit einer 1 cm dicke Hartgummi-Unterlage. Damit war dieses Problem gelöst, und ich konnte mich dem nächsten widmen: Wo ist das Gaspedal?
Nach längerer Suche fand ich es in der Kiste mit den Batteriekabeln, die ich gleichzeitig ausgebaut hatte. Einmal mehr zeigte sich, dass unser Taxi harte Zeiten hinter sich hat und viel gefahren wurde: Der Pedalkopf war auf einer Fläche von ca. 1,5 cm2 durchgerieben. Ich schweisste die Öffnung zu und doppelte grosszügig auf. Danach schliff ich den Knopf wieder schön rund – und seither ist er verschollen. (Alzdings light…) Wenn ich ihn nicht innerhalb einer nützlichen Frist finde, werde ich mir einen neuen drehen müssen…
Als nächstes werde ich mich der Elektrik widmen, die vollständig neu aufgebaut werden muss. Und dann geht's wieder "in's Holz", fehlt doch zur Zeit der ganze Boden im vorderen Bereich.
Auch die Scheiben müssen ersetzt werden, da die Frontscheibe einen Bruch aufweist und die Seitenscheiben aussehen, als ob sich ein Scheibenbiber (ein Verwandter des Antriebsstummelbibers - für nähere Erklärungen verweise ich auf den Beitrag http://www.tractionavant.ch/Berichte/Technik/bruch/biberfrass.php ) daran gütlich getan hätte.
Somit darf der geneigte Leser auch diesmal zuversichtlich warten auf den nächsten Bericht über die Fortschritte des AC4 Taxi …
Daniel Eberli

P.S. Sollte einer der geschätzten Leser noch Anbieter von Maschinenschrauben aus Messing kennen oder sogar welche in seinem Fundus haben, so bin ich nach wie vor daran interessiert. Ich kann noch weitere Exemplare unterschiedlicher Grössen brauchen, und bei meinem Tempo ist es auszuschliessen, dass ich selbst Grossserien fabrizieren werde…


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