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Lieber Leser,
kaum zu glauben: Meinen letzten Bericht habe ich vor mehr als einem Jahr geschrieben!
Und drei Jahre sind es her, seit wir das Taxi gekauft haben. Wer nun erwartet, dass ich
mit dem Taxi schon lange am Bahnhof Marthalen auf Fahrgäste warte, täuscht sich leider.
Ich selbst frage mich, was ich in dieser Zeit gemacht habe. Äusserlich hat sich nur wenig
getan, und trotzdem habe ich das Gefühl, ich hätte viele Stunden am Taxi gearbeitet.

 

AC4 Taxi: Fortschritte - Bericht 8

Bericht und Fotos: Daniel Eberli

Zugegeben: Diesen Winter, als das Thermometer in meiner Garage kaum über null Grad kletterte, habe ich tatsächlich nicht viel Zeit dort verbracht. Dennoch muss ich auf meine Fotos zurückgreifen, damit ich mich erinnern kann, was ich alles gemacht habe. Tatsache ist, dass es viele Kleinigkeiten waren.
Picken wir einige heraus:
Im Bericht 7 habe ich aufgeführt, dass ich Halterungen für die Rücklichter und die Blinker angefertigt hatte. Diese sind inzwischen montiert und angeschlossen. Dazu die Befestigung für die Kennzeichen und die Nummernbeleuchtung.
Holzmässig gab's mehrere Arbeiten: Die Intarsien, welche das Armaturenbrett unterhalb der Windschutzscheibe und die Türen verzierten, hatten zum Teil erhebliche Wasserschäden. Da ich nicht noch mehr kaputt machen wollte, brachte ich die Teile einem Möbelrestaurator zum Restaurieren. – Keine billige Sache, aber dafür darf sich das Resultat sehen lassen.
Die inneren Türgriffe sind bei meinem Fahrzeug mit einem eleganten Abschluss aus Holz versehen. Um zu verhindern, dass das Holz unter der Belastung Risse bekam, hatte vermutlich ein Klempner am unteren Ende einen Ring aus Kupfer – wahrscheinlich von einer Gas- oder Warmwasserleitung – angebracht. Einer dieser Griffe war komplett ausgerissen, zwei andere hatten Risse. So fertigte ich nach dem Muster der alten neue Griffe, und statt der Kupferringe drehte ich mir welche aus Messing, so dass sie zu den übrigen Messingteilen am Auto passten.

Die Fenster in den hinteren Türen baute ich mit neuen Führungen ein. Einen erheblichen Aufwand bedeutete es, bei den Trennscheiben zwischen Fahrer saubere Führungen einzubauen. Bei der letzten Restauration hatte man die Plexiglasscheiben ohne Führung in eine Holznut gestellt, was mit Sicherheit bedeutet, dass die Scheiben beim Fahren klapperten. Ich fertigte aus Holz ein neues Profil, in das ich die gleichen Führungen wie bei den Seitenscheiben einpassen konnte.

Beim Boden setzte ich teilweise neue Bretter ein, und für den Vordersitz, der vorher nur auf einem Sockel lag, fabrizierte ich eine Kiste. Diese erlaubt mir eine bequemere Sitzposition (die Sitzbank ist nicht verstellbar). Zudem ermöglicht sie, Bordwerkzeug, die Kurbel etc. dort zu verstauen.

Anlässlich der Sommerreise nach Südfrankreich besuchten wir einmal mehr Eric Deschamps. Er verkaufte mir einen kompletten Ersatzmotor sowie mehrere Kleinteile, darunter auch einen Handgaszug und einen Original-Lichtschalter. Da der im Bericht 7 erwähnte Schalter immer noch Probleme machte, entschied ich mich dafür, den Originalschalter zu montieren. Dieser sitzt am unteren Ende der Lenkstange und wird zentral im Lenkrad über eine lange Stange in der Lenksäule bedient. Natürlich hatte dieser Entscheid Anpassungen bei der Verkabelung zur Folge, und auch der Schalter selbst verlangte nach „etwas Zuwendung“.
Ein ewiges Werk scheint die untere Hälfte der Frontscheibe zu werden. Dort fehlt auf der rechten Seite der Kasten aus Messingblech, welcher das Taxameter trägt. Ein Kollege anerbot sich, einen solchen anzufertigen. Da das passgenaue Abkanten der Bleche Erfahrung verlangt, die mir fehlt, nahm ich das Angebot dankend an. Leider hat der Kollege nur wenig Zeit, und ich warte inzwischen schon 1½ Jahre auf die Fertigstellung…
Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, dass ich zwar in Bericht 2 aufgeführt hatte, dass ich die vorderen Bremsen überholt hatte, dass aber die hinteren Bremsen bislang in keinem Bericht aufgetaucht sind. Ich hatte ja die Hinterachse, die ich zusammen mit dem "neuen" Chassis bekommen hatte, nur auf das Differentialspiel überprüft, ansonsten aber "unbesehen" eingebaut. Selbstverständlich wollte ich das Fahrzeug nicht ohne Überprüfen der Bremsen in Betrieb nehmen. Auch hatte ich festgestellt, dass das linke Radlager spürbares Axialspiel aufwies.

Das Abziehen der Bremstrommel mit dem Abzieher, den ich 2005 an meine AC4 Torpédo eingesetzt hatte (Bericht hier), gelang nicht: Die Trommel sass zu fest auf dem Konus. Hansueli Streit war so freundlich, mir seinen C4-Spezialabzieher zu leihen. Auch damit löste sich die Bremstrommel erst, nachdem ich sie im Nabenbereich mit einem Brenner gewärmt hatte.

Es erwies sich als weiser Entscheid, dass ich die Bremstrommeln demontierte: Auf der einen Seite waren die Beläge total verölt, auf der anderen Seite bis auf die Nieten abgeschliffen. Was ich schon früher vermutet hatte, bestätigte sich bei genauerem Hinsehen: Irgend wann in seiner über 80-jährigen Geschichte musste sich bei dieser Hinterachse das rechte Hinterrad mitsamt der Bremstrommel und möglicherweise auch der Halbachse verabschiedet und eine eigene Route eingeschlagen haben: Der Bremsschild ist unten um mehr als 1 cm abgeschliffen, - Zeugnis einer funkensprühenden Rutschpartie bis zum Stillstand des Fahrzeuges…

Der Blechring, welcher innerhalb der Bremstrommel verhindern soll, dass Öl und Fett aus der Achse auf die Bremsbeläge gelangen soll, war verbeult.
Bei der Berani Kugellager AG in Uster bekam ich neue Radlager in den korrekten Massen, aber in geschlossener Ausführung. Um den Ölaustritt auf ein absolutes Minimum zu beschränken, applizierte ich zudem sowohl auf der Seite des Achsrohres, als auch an der Halbachse rundherum eine dünne Silikonwurst. Da ich keine neuen Sicherungsbleche bekommen konnte und die alten zum Teil in schlechtem Zustand waren (angerissen), reparierte ich diese so gut es ging mit dem Schweissbrenner und brachte zusätzlich Loctite Schraubensicherungslack an.


Die Bremsbacken liess ich bei Derendinger neu belegen, wies aber darauf hin, dass man auf das Sandstrahlen verzichten solle, damit nicht wieder Sand in die beweglichen Walzen gelangen konnte. Da die Trommeln erhebliche Riefen aufwiesen, liess ich sie um ein Minimum ausdrehen. (Etwas, worauf ich, wenn immer möglich, verzichte, um das Material nicht mehr als nötig zu schwächen.)
Da auf beiden Seiten das Tragbild auf dem Konus der Antriebswellen zeigte, dass die Bremstrommel nicht ganz sauber auflag, trug ich etwas Zylinderschleifpaste auf und schliff auf jeder Seite die Bremstrommel zusammen mit dem Konus ein. Das Ergebnis darf sich sehen lassen.


Ich bin überzeugt, diese Methode lässt sich auch auf die Antriebswellen der Traction anwenden.

Die teilweise beschädigten Gewinde der Radbolzen auf der rechten Fahrzeugseite konnte ich mit einem passenden Gewindeschneider wieder herrichten. Da die Radmuttern aus Messing sind, ist es besonders wichtig, dass die Gewinde der Stahlbolzen in Ordnung sind. Damit ich den Gewindeschneider leichter drehen konnte, passte ich mir ein Werkzeug an. Auf der linken Fahrzeugseite muss ich mir noch einen passenden Gewindeschneider anschaffen: M14 x 1.5 LINKSGEWINDE. Gibt’s nicht in jedem Baumarkt…

Werni Ammann, ein guter Freund und noch-nicht-Oldtimer-Autobesitzer (erst muss er sein Oldtimer-Flugzeug vom Typ Klemm, Jahrgang 1939 verkaufen…) hat mir inzwischen einen perfekten Bremstrommel-Abzieher hergestellt, so dass ich mir in Zukunft für das Überprüfen der Bremsen keinen Abzieher mehr ausleihen muss…
Wie bei jedem Projekt dieser Grössenordnung blieben einzelne Rückschläge nicht aus. Einer davon betraf das Lenkrad. Wie einige Abschnitte früher erwähnt, wird der Original-Lichtschalter durch eine Verbindung im Lenkrohr bedient. Diese Verbindung wird durch ein Röhrchen von ca. 1 cm Aussendurchmesser hergestellt. In diesem Röhrchen führen zwei Kabel bis zur Lenkradnabe, da die Bedienungseinheit für den Lichtschalter auch mit zwei Kontakten für die Stadt- und die Überlandhupe ausgestattet ist. Diese Kabel fehlten bei meinem Auto – und es gelang mir nicht, sie einzuziehen.

Also musste das Röhrchen raus (welches, wie ich später feststellte, eine schlecht verschweisste Bruchstelle hatte…), und dazu musste ich das Lenkrad entfernen. Die Lenkstange ist aus Eisen, das Lenkkreuz und die Nabe sind aus Aluminium. (O-o, wird der Metallurgie-Kenner ausrufen, - und Recht hat er.) Das Lenkrad hatte sich auf der Lenkstange festgefressen, und als ich es endlich geschafft hatte, musste ich feststellen, dass die Nabe einen über fast 180 Grad laufenden Riss hatte. Ich glaube nicht, dass mir mein Zahnarzt (übrigens auch ein Traction-Besitzer und Clubmitglied…) mir übel nimmt, wenn ich hier schreibe, dass ich in seine Arbeit und meine Zähne zu wenig Vertrauen habe, als dass ich es riskieren möchte, die Fahrtrichtung des Taxis mit kräftigem Biss in die Lenkstange beeinflussen zu müssen. Somit blieb nur die Reparatur.
Ich brachte das Lenkrad zur Firma Käppeli in Neftenbach, von der man sagt, dort könne man alles schweissen, zur Not auch Papier. Tatsächlich verschweissten die Fachleute dort den Riss, allerdings kann die Schweissnaht nicht unbedingt als Zierde bezeichnet werden. Zudem war auch der alte Holzring nicht vom Feinsten.
Dies wiederum missfiel meinem Freund und Ästheten Werni Ammann. Als ich ihm gegenüber erwähnte, dass ich noch ein Lenkradkreuz ohne Holzring im Fundus hatte, anerbot er sich spontan, mir einen neuen Holzring dafür anzufertigen. – Was er denn auch tat. Da seine Drehbank für den Durchmesser des Lenkrades zu klein ist, spannte er es auf den Teileapparat auf und bearbeitet das Holz mit dem Fräskopf. – Das Resultat war absolut überzeugend. Ich hängte das alte Lenkrad an die Garagewand und baute Werni's Nachfertigung ein. Leider zeigte sich danach an der gleichen Stelle wie beim alten Lenkrad ein Riss… Ob dieser von der Montage stammte, oder vorbestanden hatte und von uns übersehen worden war, können wir nicht sagen.
Es sei dem geneigten Leser überlassen, zu entscheiden, ob meine Hartnäckigkeit, sich durch alle Schwierigkeiten durchzubeissen, oder aber das nach wie vor mangelhafte Vertrauen in die Qualitätsarbeit meines Zahnarztes der Grund waren, dass ich mich zusammen mit Werni entschloss, die Nabe des "neuen" Lenkrades ebenfalls schweissen zu lassen. Werni brachte es zu diesem Zweck zu einem Kollegen und wollte nach dem Schweissen die Naht an der Drehbank überarbeiten, bis die Optik stimmt. Ich werde das Ergebnis in den nächsten Tagen zurück erhalten.

Zum Befestigen des Lichtschalters fehlten mir die Senkschrauben, so dass ich mir in Feinarbeit selbst welche herstellen musste.
Und weiter?
Die Benzinuhr ("Digital"-Anzeige mit einer rotierenden Walze, zu erkennen auf dem Bild mit dem Lenkrad) muss noch mit einer feinen Schnur mit dem Schwimmer verbunden werden. Diese und jene zeitraubende Kleinigkeit muss noch gemacht werden. Das nächste grosse Ziel ist jedoch, dass ich endlich den unteren Teil der Frontscheibe montieren kann. Dann wird das Auto aufgeladen und zum Sattler gebracht, der vorne und hinten ein neues Verdeck montieren soll. – Am Teilemarkt in Fribourg habe ich einen schönen Scheibenrahmen für die Heckscheibe gefunden. Das hässliche ovale Teil aus Kupferblech werde ich sicher nicht mehr anbringen lassen…
Da ich diesen April drei Reparaturkurse durchführe, wird dies wohl erst im Juni stattfinden. Im August wollen wir mit dem Six an's ICCCR in England. Noch bin ich jedoch guter Hoffnung, dass ich Mitte Oktober mit dem Taxi an's Treffen in Hilzingen fahren kann…
… zumal für mich in diesem Sommer grosse Veränderungen anstehen: Ich habe meinen Geburtsschein weggeworfen und mich schätzen lassen, mit dem Ergebnis, dass mich meine Firma auf Ende Juli in Rente gehen lässt! Dies sollte mir etwas mehr Zeit für das Taxi geben – es sei denn, ich irre mich, und meine Absicht, ab dem Sommer Service- sowie kleinere Reparaturarbeiten für Tractions anzubieten, lässt mir weniger freie Zeit, als erwartet!

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