Home Galerie Berichte Inserate Shop Anlässe Links Bibliothek Feedback Club
 
75. Jahre Traction Avant
Grosses Jubiläumstreffen in Arras (F)
CTAC-Reise nach Nordfrankreich, 6. - 13. Juli 2009
Bericht: Rudolf Weber

Es war kurz nach der Passhöhe auf dem „Grand Ballon“ in den Vogesen. Wegen einsetzendem Regen mussten wir das Dach unseres Roadsters schliessen und die Scheibenwischer einschalten. Doch diese wollten sich nicht in Bewegung setzen. Draussen war es – trotz Sommer – empfindlich kühl, der Regen wurde stärker und einzelne Nebelschleier verschlechterten die Sicht zusätzlich. Das Ausstellen des Fahrzeuges war unumgänglich. Dabei hatte alles so gut begonnen. Um das 75-Jahr-Jubiläum der Traction Avant Modelle von Citroën zu feiern, bildete sich eine Gruppe von 20 Fahrzeugen des CTAC, um eine gemeinsame Fahrt nach Arras – dem Jubiläumstreffpunkt – durchzuführen.

Natürlich bereitete ich mich auf die 700km lange Strecke vor, indem ich einen kleinen Service durchführte, aber auch Werkzeuge und Ersatzteile im Fonds unseres Roadsters verstaute. Da meine Scheibenwischer sich nur in Zeitlupentempo bewegten, demontierte ich diese und reinigte und ölte die feinen Getriebe gründlich. Bei strahlendem Hochsommerwetter fuhren meine Frau und ich am 6. Juli gegen Mittag Richtung Schwarzwald. Begleitet wurden wir durch die repräsentative Präsidentenlimousine (15CV Six H) mit dem CTAC-Präsidenten am Steuer. Als Beifahrer hatte sich Chris Colpi zugesellt, welcher zwar aus der Schweiz stammt, aber seit über 30 Jahren in Neuseeland lebt und dort eine englische Traction fährt. Er ist damit das von der Schweiz am weitesten entfernte Clubmitglied. Da er diesen Sommer wieder einmal in der Schweiz weilte, entstand die Idee, ihn nach Arras mitzunehmen.


Unser Weg führte gemütlich dem Rhein entlang, bei Waldshut auf die deutsche Seite wechselnd und dann nördlich bei Schopfheim quer durch den Schwarzwald. Die romantische Strasse über den Blauen mit ihren erheblichen Steigungen stellte für die Veteranen eine erste Prüfung dar, welche sie allerdings ohne Probleme meisterten. Die Strecke steil hinunter nach Müllheim und quer durch die Rheinebene ins elsässische Bollwiller bildete den letzen Teil der Fahrt. Im Best Western Elsass Hotel trafen dann nach und nach alle Reiseteilnehmer für das Abendessen und die Übernachtung ein.
Grenzenlose Begeisterung: Marlies Denzler und Werni Zimmermann
Leider war mit diesem ersten Tag die Schönwetterperiode dieser Reise bereits beendet. Zwar konnte der „Grand Ballon“ in den Vogesen – nach einem Besuch der Kriegsgedenkstätte „Hartmannweilerkopf“ - noch auf trockenen Strassen erreicht werden, doch dann öffnete der Himmel seine Schleusen.
Zurück zum Pannenfahrzeug. Irgendwo musste der Strom unterbrochen sein. Um unter das Armaturenbrett zu kriechen, muss man die Türe öffnen und die Beine in den strömenden Regen strecken. Interessanterweise besitzt mein Fahrzeug eine einzige Sicherung, die wohl ein Vorbesitzer in die umgebördelte Armaturenbrettkante eingelassen hatte. Welchem Zweck diese diente, hatte ich nie abgeklärt und musste es nun auf die harte Tour erfahren. Sie sicherte nämlich die Scheibenwischer ab und war offensichtlich durchgebrannt.
Erfrischung nach dem ersten Reisetag. V.l. Wädi Schmid, Reiseleiter, Walti Homberger, Präsident, H.G. Koch, Redaktor

Mangels Ersatz kann man sich bekanntlich mit Alufolie helfen. Leider hatte niemand eine Schokolade zur Hand. Walti Homberger wendete deshalb und fuhr zur Passhöhe zurück. Nicht schlecht staunte dort das Personal, als er im Restaurant Kiosk eine Schokolade kaufen wollte, keinen Wert auf die Marke legte aber verlangte, dass sie in Alufolie verpackt sein müsse. Leider waren nur Kunststoffverpackunen im Angebot, doch nach Erklärung der Situation erbarmte sich der Küchenchef und offerierte ein Stück Haushaltsfolie aus der Küche.

Damit war nun die Weiterfahrt sichergestellt und die Strecke nach Nancy konnte unter die Räder genommen werden. Frankreich hat mit Paris eine so bedeutende Metropole, dass andere durchaus besuchenswerte Städte selten ins Bewusstsein von Touristen gelangen. Nancy ist mit seinem Place Stanislas unbedingt ein Besuch wert. Zu Unrecht planen viele Schweizer Städetreisen in die Toscana, kämen aber nie auf die Idee, etwas ähnliches in Frankreich zu tun. Das dies sehr reizvoll ist, zeigten die durchfahrenen Städte Nancy, Reims aber auch unsere Destination Arras. Die Einfahrt in Nancy bot bereits eine erste Überraschung. Eine Art Tram kreuzte unseren Weg, jedoch auf Autorädern und ohne Oberleitung. Dieses „Tramway de Nancy“ ist eine Strassenbahn auf Pneus. Die Führung erfolgt auf rund drei Fünfteln der Strecke über eine mittig angeordnete Schiene, gefahren wird auf herkömmlichen Gummirädern. Auf der restlichen Strecke bewegt sich das Fahrzeug ungeführt wie ein Trolley-Bus. Außerdem besitzen die Busse einen dieselelektrischen Antrieb: Er wird bei Umleitungen und bei Fahrten von und zum Depot benötigt, da dorthin keine Oberleitung führt. Es ist also nicht so, wie wir gerne meinen, dass die ganze Welt nur in Zürich lernen kann, wie man einen guten ÖV betreibt.

Teilansicht vom Place Stanislas

Der Abend war gekrönt durch eine Führung durch Nancy, beginnend am bereits erwähnten Place Stanislas. Der Ausdruck Platz muss für uns Schweizer allerdings neu definiert werden. Wird bei uns jede grössere Strassenkreuzung als Platz bezeichnet (in Zürich etwa der Schaffhauser- oder der Paradeplatz) sind Plätze in Frankreich wörtlich zu nehmen. Es hat Platz. Und zwar viel Platz. Der Place Stanislas misst 106 auf 124 Meter und gilt in Frankreich als eher moderat. Uns Eidgenossen kann aber eine solche Grosszügikeit einfach verblüffen. Wohlverstanden – es ist kein Parkplatz und auch keine Bäume oder Blumenrabatten verkleinern die leere Fläche. Lediglich das Denkmal für Stanislas Leszczyński markiert die Mitte. Eine Stadtfühung gab Aufschluss, wie es dazu kam, dass ein geflüchteter polnischer Adeliger ein französisches Herzogtum erhielt, aber auch wie er es zur Blüte brachte und Nancy zu einem kommerziellen und kulturellen Zentrum formte.

Ein kurzer Zwischenfall sei noch erwähnt. Am nächsten Morgen musste Hansruedi Lüscher konstatieren, dass seine linke hintere Scheibe zu Bruch gegangen war. Ob dies ein Einbruchsversuch war oder ob ein Steinschlag erst während der Nacht, durch das Abkühlen der Scheibe, zu Spannungen führte, war nicht festzustellen. Leider musste er auf der weiteren Reise mit einem Kartonprovisorium vorlieb nehmen.

Längstransport der Sonderklasse: Das einzelne Propellerblatt misst 45 Meter
Der dritte Reisetag sollte in die schöne Champagne führen. Dass die sanft modellierte Topografie nicht nur Reben sondern auch Winde begünstigt, war an den zahlreichen Windgeneratoren leicht zu erkennen. Auch hier müssen wir umweltbewussten Schweizer kläglich feststellen, dass wir in Sachen Alternativ-Energie im Vergleich mit unseren Nachbarn weit im Rückstand sind. Im kleinen Nest Chaumont-sur-Aire wurde Kaffeehalt gemacht. Die Wirtin hatte keine Mühe uns zu überreden von ihrer frischgebackenen Johannisbeerwähe zu versuchen. Der Verzögerung durch diese Nascherei war es zu verdanken, dass wir beim Besteigen der Fahrzeuge den wohl unglaublichsten Langtransport erlebten. Ein Sattelschlepper mit einem 50 Meter langen Aufleger, dessen Hinterachse separat steuerbar war, manövrierte vorsichtig durchs Dorf. Was war wohl die Ladung, die eine solche Länge beanspruchte? Kurz darauf kamen unsere Fahrzeuge ins Stocken, da wir den Langtransport eingeholt hatten. Nun klärte sich das Rätsel. Die Ladung bestand aus einem einzelnen Blatt eines Windpropellers mit der Länge von 45 Metern. Um eine solche „Windmühle“ zu transportieren, bedarf es also dreier Transporte, allein für den Propeller. Der Mast selbst misst 50 Meter und wird auch am Stück transportiert. Und dann kommt natürlich noch der Generator dazu. Sind diese Riesen dann montiert, hat der Propeller einen Durchmesser von knapp 100 Metern, also eine sehr eindrückliche Dimension.
Wunderbares Frankreich - freie Fahrt für freie Tractionisten
Aber unser Ziel war ja eigentlich, die Champagner-Welt kennen zu lernen. Deshalb steuerten wir das Hotel der weissen Königin, also das „Reine Blanche“ in Vertus an. Dieses diente schon auf der legendären Champagnerreise 1997 als Unterkunft für den CTAC und bot auch Station auf der Rückreise vom 70 Jahr Treffen in Dünkirchen, also quasi ein Stammlokal der Schweizer Tractionisten. Vertus, inmitten von Rebbergen gelegen war ideal um mit einem Car einen Ausflug nach Epernay zu machen, welches eine eigentliche Champagnerhauptstadt ist. Sämtlich grossen Marken haben hier ihre Häuser.
Organisiert war eine Besichtigung von Moët & Chandon, welche Champagner im industriellen Stil herstellen. Allerdings bringt es deren PR-Abteilung fertig, den Besuchern einen Rundgang zu bieten, welcher den Eindruck hinterlässt, hier werde noch ganz im traditionellen Stile Champagner produziert. Interessante Einblicke in die Champagnerwelt erhielt man jedoch auf jeden Fall.Der folgende Tag führte schon ganz in die Nähe unseres Ziels, nämlich nach Cambrai.
Dom Pérignon, ein französischer Benediktinermönch hat die Méthode Champenoise massgeblich entwickelt und wird deshalb in Epernay mit einem Denkmal geehrt.
Da der Weg über Reims lief, war ein Stopp zur Besichtigung der weltberühmten Kathedrale ein "must". Während Jahrhunderten wurden hier die französischen Könige gekrönt und gesalbt. Leider erlitt dieses hochgotische Juwel massive Schäden durch die deutsche Artillerie im ersten Weltkrieg. Über 20 Jahre hat die Renovation gedauert.
Wiederum erfreuten uns abwechslungsreiche, leicht hügelige Landschaften mit gut ausgebauten Strassen und wenig Verkehr, so dass am Nachmittag bald einmal Cambrai erreicht wurde. Auf dem Parkplatz des Hotels Beatus spielten sich dann gegen Abend interessante Szenen ab. Ein unangenehmes Geräusch im linken Vorderrad bewog Fritz Müller, das Radlager zu demontieren. Daniel Eberli, eben erst eingetroffen, stürzte sich in seinen Blaumantel, um bei der Arbeit assistieren zu können. Für die umstehenden Tractionisten und weiteren Hotelgästen war es interessant zuzusehen, wie die zwei Cracks zu Werke gingen. Natürlich konnte man sich gut gemeinte Tipps oder lockere Sprüche nicht ganz verkneifen. Schliesslich erwies sich, dass ein Radlager Spiel hatte, aber die Rückfahrt noch ohne weiteres zulassen würde. Am Teilemarkt in Arras konnte Fritz dann ein entsprechendes Lager erwerben.
Blick auf die Kathedrale von Reims aus der Traction
Cambrai war wie viele Ortschaften in der Gegend stark in den ersten Weltkrieg involviert. Bald kamen wir mit dem Wirt auf dieses Thema zu sprechen. Dieser erwies sich als Laienhistoriker und erzählte uns die unglaubliche Geschichte, wie er vor einigen Jahren einen englischen Panzer ausgegraben hatte. Dieser wurde 1918 vermutlich in eine Stellung eingegraben. Später muss er verschüttet worden sein und überlebte so das Kriegsende.
Nun steht das Resultat fest - das Lager hat Spiel
Seine Forschungen hatte der Wirt auch in englischen Archiven durchgeführt, die Besatzung festgestellt und deren Nachkommen aufgetrieben. Selbst die französische Armee musste helfen, da sehr starke Metalldetektoren nötig waren, um den recht tief unter dem Boden liegenden Metallkörper orten zu können.
Ebenfalls diesem Wirt zu verdanken hatten wir am nächsten Tag ein nicht geplantes Sonderprogramm. 2009 jährt sich der legendäre Erstüberflug des Ärmelkanals nämlich zum hundertsten Male. Louis Blériot, der Pilot, war ein Sohn dieser Stadt und hat neben der Fliegerei (wofür man sich damals das Flugzeug noch selbst bauen musste) als Unternehmer verschiedene industrielle Produkte hergestellt, u.a. auch Motorräder. Es lohnte sich deshalb, im Stadthaus von Cambrai die Jubiläumsausstellung zu besichtigen.
Louis Blériot, als Flugpionier bekannt, baute auch Motorräder
Zentraler Platz und Rathaus von Cambrai, wo die Blériot-Ausstellung untergebracht ist. Auf dem Rathausbalkon sind die Schweizer Tractionisten versammelt.

Oskar Bider, der Schweizer Flugpionier, hat übrigens die welterste Alpenüberquerung mit einem Blériot Apparat vollzogen. Auch die schweizerischen Fliegertruppen verfügten bei ihrer Gründung 1914 über solche Geräte.

Nach diesem Intermezzo wurde nun endgültig Kurs auf Arras genommen. welches dann auch im Verlaufe des Nachmittages erreicht wurde. Die geschlossene Einfahrt der Schweizer Tractionisten missriet aber, da die Wegweisung zum Jubiläumsgelände mangelhaft war. Dies sollte aber praktisch die einzige organisatorische Schwachstelle bleiben.

Citroën Traction Avants, soweit das Auge reicht
Es war überwältigend, nach der langen Anreise plötzlich auf den Messeparkplatz zu fahren, wo hunderte von Tractions bereits aufgestellt waren. Modelle jeder Art, jeder Herkunft und jeden Zustandes waren hier versammelt. Um die Wagen auf diesem Parkplatz gründlich zu besichtigen hätte man allein einen halben Tag investieren können. Doch das Messegelände bot noch mehr. Ein Teilemarkt zeigte alles, was es im Bereich Teile und Zubehör auf dem Markt gibt. Erstmals war auch ein Stand zu besichtigen, an welchem demonstriert wurde, wie man eine Traction mit einer Servo-Lenkung aufrüsten kann.
Höhepunkt war aber sicher ein Halle mit 75 ausgewählten Tractionmodellen, welche die Geschichte dieses legendären Wagens aufzeigte. So waren die meisten Modelljahre vorhanden aber auch Sonderanfertigungen und Spezialkarosserien. Besonders stolz waren die Organisatoren, dass sie die Dienstfahrzeuge der französischen Präsidenten René Coty und Charles de Gaulle ausstellen konnten.
Das seltenste Tractionmodell: Das Faux-cabriolet
Ein Publikumsmagnet war der vom Conservatoire Citroën zur Verfügung gestellte, aufgeschnittene Motor, an welchem dessen Funktion im einzelnen studiert werden konnte. Für mich interessant war ein Einblick in die Kühlkanäle, da mein Motor rasch zur Überhitzung neigt. Auch das Fahrzeug mit der abgeflanschten Vorderachsen/Motor-Einheit, welches am Autosalon 1934 Aufsehen erregt hat, konnte begutachtet werden.
Einblick in die Kühlkanäle
Am Abend war Feststimmung angesagt. In einem Park in einem Vorort von Arras war ein Grillempfang für die Tractiongemeinde vorbereitet. Hier hörte man Sprachen aus aller Herrren Länder aber auch wenn man nichts verstand, vestand man, dass gewiss von Öl und Rost die Rede war.
Der "Grande Place" von Arras, für drei Tage exklusiver Traction-Parkplatz
War man am Vorabend von der grossen Anzahl Fahrzeuge auf dem Messeplatz überwältigt gewesen, so zeigte der Samstag, dass dies erst die Hälfte war. Touristischer und historischer Höhepunkt von Arras ist dessen Grande Place – ein Platz von riesigen Dimensionen - , welcher ausschliesslich von historischen Häusern im flämischen Stil umgeben ist, also den kulturellen Einfluss Hollands spürbar macht.

Es ist den Organisatoren hoch anzurechnen, dass sie es schafften, diesen einmaligen historischen Platz für drei Tage von der Stadt zur Verfügung gestellt zu bekommen. Hätte es eine schönere und würdigere Kulisse für unsere Jubilare geben können? Das Wochenende wurde durch die Bevölkerung genutzt, um ausgiebig durch die Fahrezeugreihen zu flanieren und sich von den Tractionisten über die Besonderheiten dieses Fahrzeugtyps informieren zu lassen.

Da Arras mehr bietet als nur Oldtimer und historisch äusserst interessant ist, wäre es schade gewesen, ausser Traction Avants nichts gesehen zu haben. Der Initiative von Hans Georg Koch ist es zu verdanken, dass ein spontaner Besuche an einer Denkstätte des ersten Weltkrieges möglich war.

Die Schlacht von Arras ist in die Geschichtsbücher eingegangen. Vor allem Engländer, Neuseeländer und Kanadier hatten in einem unterirdischen ehemaligen Kreidesteinbruch eine Schlachtinitiative grösseren Stils vorbereitet. Eine Besichtigung dieser Kreideminen gibt einen guten Einblick in das beklemmende Leben unter Tag, wo tausende Soldaten auf den Angriff warteten und wussten, dass nur wenige von ihnen überleben würden.
Vorallem die Damen zeigten sich für das Dinner in eleganter Kleidung
Die Stimmung hob sich erst wieder, als man das Tageslicht erblickte und sich an der frischen Luft auf den Abend freute. Die CTAC-Gruppe traf sich unter den Arkaden des grossen Platzes zu einem Galadinner, um die erfolgreiche Reise zu feiern. Natürlich wurde der Organisator und seine ihn unterstützende Gattin in verschiedenen Reden ausführlich gelobt. Wädi Schmid durfte ein Tractionmodell im sehr raren reseda-grün entgegen nehmen und Annemarie kocht seither nur noch in einer Moët & Chandon-Schürze.
Traction-Modell mit äusserst seltener Farbe: reseda-grün


Der Sonntag war grau und trüb . Da vor allem unsere Frauen in den vergangen Tagen schon fast eine Überdosis Traction verabreicht kriegten, beschlossen einige von uns, trotz des unsommerlichen Wetters, die Gelegenheit zu nutzen und an die Kanalküste zu fahren. Für uns Schweizer ist das Meer immer etwas besonderes und man ist natürlich besonders stolz, dieses auf eigenen Rädern in einer Traction erreicht zu haben.

Kaum unterwegs begann es wieder zu regnen. Da wir mit unserem Roadster an der Spitze der Kolonne fuhren, verzichteten wir auf das Schliessen des Verdecks, damit nicht die ganze Gruppe anhalten musste. Sicher würde der Regen bald aufhören. Dem war leider nicht so. Er nahm noch zu. Interessanterweise bleibt man aber im offenen Fahrzeug praktisch trocken, wenn man mindestens 60 km/h fahren kann. Die Luftströmung leitet das Wasser elegant über die offene Kabine. Natürlich erregten wir aufsehen und nicht wenige, uns überholende Fahrer, zollten uns mit einem erhobenen Daumen Respekt. Wahrscheinlich vermuteten sie, dass unser Verdeck defekt sei.

Am Strand von Touquet-Paris-Plage: Die Fahrzeuge zogen das Interesse des Publikums auf sich und viele Franzosen zeigten nostalgische Gefühle.

Ca. 10 km vor der Küste zeigte sich am Horizont ein blauer Streifen. Unglaublich aber wahr - bei der Einfahrt in das Küstenstädtchen Touquet-Paris-Plage herrschte strahlendes Wetter. Der Strand war wie im Bilderbuch und bot auch grosszügige Parkplätze. Trotz steifer Brise wagte sich Ernst Mühlheim ins Wasser. Der Rest begnügte sich, mit blossen Füssen am Strand zu spazieren und die frische Luft zu geniessen.

Da auch der Sonntag ein reichhaltiges Programm bot, verpassten die Meeresurlauber natürlich einiges. Die Veranstalter hatten zum Abschluss ein grosses Défilé durch die Innenstadt von Arras vorbereitet, in welchem man die Traction im Verlauf der Geschichte darstellte. So sah man sie im Einsatz als Gangsterlimousine, aber auch als Präsidialfahrzeug mit De Gaulle als Passagier. Ihre Rolle als Hochzeitsauto wurde genau so gezeigt, wie der Einsatz als Expeditionsfahrzeug in exotischen Ländern.

Unter der Programmnummer "L'aventure en traction" wurde mit der "hommage Lecot" an den legendären Franzosen erinnert, welcher 1935 in 363 Tagen 400'000 km in einer 11BL zurücklegte.

Zuschnell war der Sonntag Abend und damit der Abschluss der gemeinsamen Fahrt da. Die Rückreise würden die Teilnehmer in kleineren Gruppen individuell unter die Räder nehmen. Doch vorher, beim Eindunkeln, sah man im Halbschatten Gestalten, welche sich an Wegweisern zu schaffen machten. Die in der ganzen Stadt verteilten Plakate, welche für das Jubiläum warben, sowie die Challons zum Festgelände, wurden rasch ein Opfer der Souvenirjäger. Einige dürften auch den Weg in die Schweiz gefunden haben.

Der Präsident und sein Vize fuhren am Montag in einem Stück 600 km weit um nochmals im Elsass zu übernachten. Der Besuch von Riquewihr und des Schlosses Königsburg waren abschliessende Highlights, bevor es definitv nach Hause in die Schweiz ging. Die 1911 zurückgelegten Kilometer mit meinem 70 jährigen Auto zeigten, dass Citroën vor 75 Jahren eine Technik entwickelte, die auch noch im 21. Jahrhundert das problemlose Reisen grosser Strecken zulässt - kein Wunder, dass dieses legendäre Fahrzeug bis heute einen hervorragenden Ruf geniesst.

Die Reisegruppe in den Rebbergen der Champagne