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Schweizer Bananen

CTAC-West-Ausfahrt vom 19.6.2011

Rudolf Weber

Schweizer Bananen? Kaviar aus dem Berner Oberland? Was wie ein Märchen tönt, wurde uns vom Vorstand der Region West für den 19. Juni versprochen. Natürlich liess es sich eine stattliche Anzahl Tractionisten nicht nehmen, dieser unglaublichen Geschichte persönlich vor Ort nachzugehen. Selbst in der fernen Ostschweiz stieg man in aller Herrgottsfrüh aus den Federn um bereits um 09:00 Uhr die Gleichgesinnten an den Gestaden des Thunersees zu treffen.

Doch vorerst musste man sich bei Kaffee und Gipfeli in Geduld üben, was angesichts der prächtigen Aussicht aus dem Restaurant Lido da Elio zwischen Leissigen und Faulensee einfach war. Doch dann formierte sich eine lange Tractionschlange hinter Ernst Mühlheim, welcher als Organisator und Einheimischer die historischen Fahrzeuge weg von der Kantonsstrasse auf idyllische Seitenpfade lockte um gemächlich das Kandertal hochzufahren. Offensichtlich ist Ernst in der Region eine bekannte Grösse, wurden wir doch vor vielen Gehöften bereits erwartet. Wo das nicht der Fall war, half Ernst mit einem lauten Hupenstoss nach, worauf Kind und Kegel zur Strasse rannte um dem seltsamen Aufmarsch beizuwohnen.

Kandertal

Bald tauchte im Tal Frutigen auf, ein traditionelles Berner Oberländer Dorf, woraus allerdings ein modernes Gebäude mit anschliessenden Triebhäusern herausstach. Das Tropenhaus liegt am nördlichen Ortsrand und ist auf Besucher gut vorbereitet. Ein abgetrennter Parkplatzbereich ermöglichte das saubere Aufstellen aller Fahrzeuge, was natürlich bald allerhand Interessenten anzog. Trotz der ehen kühlen Witterung - auf den Anhöhen war Neuschnee zu sehen - empfahl es sich, in leichter Kleidung das Gebäude zu betreten, ist doch dessen Klima, wie schon der Name sagt, eher tropisch.

Beim Bau des Lötschberg-Basistunnels fiel, wie bei jedem Tunnelbau, Wasser an. Um den Tunnel trocken zu halten, muss solches abgeleitet werden. Normalerweise wird dieses Bergwasser bei der Tunnelmündung in ein örtliches Gewässer geleitet. Das Lötschbergwasser hat allerdings eine Temperatur von rund 20 Grad, was zu einer Erwärmung der Kander geführt hätte. Da die vom Aussterben bedrohten Seeforellen des Thunersees während der Laichzeit in die Kander schwimmen, wird diesem Fluss eine besondere Aufmerksamkeit zu teil. Wie Zoologen festgestellt haben, würde eine Erhöhung der durchschnittlichen Kandertemperatur von mehr als einem halben Grad bereits den Laicherfolg der Seeforelle gefährden. Deshalb musste nach einer Möglichkeit gesucht werden, um die Kandererwärmung zu verhindern.

Der ursprüngliche Plan, die Frutiger Häuser mit Fernwärme zu versorgen, wurde rasch fallen gelassen, da dieses Projekt, wegen dem Streusiedlungscharakter von Frutigen, viel zu teuer gekommen wäre. Eine zuerst abenteuerliche Idee - im Kandertal eine Störzucht für Kaviargewinnung zu bauen - erwies sich bei einer Machbarkeitsstudie als durchaus realistisch. Als auch die Gemeinde ihren Segen gab und mit Coop ein wichtiger langfristiger Partner gefunden werden konnte, stand dem Projekt nichts mehr im Wege.

Mittels einer Wärmepumpe wird dem Bergwasser Wärme entzogen und auf die nötige Temperatur transformiert, um sowohl die Treibhäuser wie auch die Fischbecken zu heizen. Frutigen liefert zudem die überschüssige Trinkwasserproduktion, welche statt direkt in die Kander zu fliessen, im Tropenhaus eine Turbine/Generatorgruppe antreibt, womit ein Teil des Strombedarfs des Tropenhauses abgedeckt werden kann.

Tropenhaus Frutigen

Auf einer interessanten Führung konnten die verschiedenen Bereiche des Tropenhauses besichtigt werden. Im Treibhaus wird eine Vielfalt an exotischen Pflanzen gezüchtet - u.a. Kaffee, Baumwollen, Ananas - um Besuchern ein echtes Tropenerlebnis zu ermöglichen. Landwirtschaftlich, also zu Verkaufszwecken, hat man sich allerdings auf Bananen und Papayas konzentriert.

Ein zweiter Bereich ist als Ausstellung konzipiert und zeigt die verschiedenen Möglichkeiten nachhaltiger Energieformen. Ebenfalls demonstriert hier Coop, wie sie ihre Lieferanten, beispielsweise aus Vietnam, kontrollieren, damit deren Produkte, Pangasius und Makrelen, das Bio-Label verdienen.

Bananen

Endlich wurde der dritte Bereich erreicht - die grossen Fischbecken, wo Störe ihre Runden ziehen. Die ganze Anlage wird nach ihrem Endausbau Platz für 60'000 Fische bieten, mit dem Ziel, jährlich 2 bis 3 Tonnen Kaviar zu produzieren. Den Fischen wird der Kaviar nie lebend entnommen, sondern sie werden vorher geschlachtet, womit auch das Störfleisch als weiteres Produkt verkauft werden kann.

Hotel Des Alpes Terminus

Zurück aus den Tropen wurde erfreut festgestellt, dass in der Zwischenzeit die Junisonne die "normale" Luft auf angenehme Temperatur erwärmt hatte. Eine kurze Fahrt durch Frutigen zum Restaurant Terminus führte zum Mittagessen und damit zum Abschluss dieses interessanten Tages. Wer allerdings noch nicht genug hatte, konnte bei Mühlheims zu Hause den Anlass ausklingen lassen.