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Anstelle von Einkaufen!

Karel Beukema toe Water

Der grosse Erfolg des ICCCR wurde bereits von vielen besungen. Abgesehen davon, dass ich froh bin, dass mein 15-H die Reise ohne allzu grosse Schwierigkeiten vollbracht hat, war das Wiedersehen mit vielen Citroën Freunde aus aller Welt erfreulich. Die Leute aus Süd- und Osteuropa sind vermutlich die weitest angereisten, da ich vermute, dass die Dänen und die Norweger -sowie die Holländer- den grössten Teil der Reise schlafend und speisend auf einer Fähre zurückgelegt hatten; obwohl wir aus 2004 wissen, dass die Skandinavier sich nicht scheuen, grosse Strecken fahrend zurückzulegen. Aus Italien, Österreich und sogar Russland habe ich nur DS oder spätere Modelle gesehen, so dass ich annehme, dass das Kontingent Tractionisten aus der Schweiz wohl zu den tapfersten gehört. Obwohl die höchsten und längsten Bergpässe Europas sich meines Wissens nach in der Schweiz befinden, werdet Ihr wohl erfahren haben, dass Grossbrittanien ungeschlagener Weltmeister, nicht nur mit Roundabouts aber eben auch mit steilen Strassen ist.

low gear
Bekanntlich ist die gerade Linie der kürzeste Weg von A nach B; ob sich auf diesem Weg zufälligerweise auch Hügel und Täler befinden, tut nichts zur Sache. Das führt dazu, dass in der UK Steigungen bis zu 25% keine Ausnahmen sind. Man versteht jetzt besser, warum bei fast alle Austin, Morris, Hillman, Triumph, MG usw. der 1. Gang sehr kurz ist.
Gefaelle
Das er, gleich wie beim Traction, nicht synchronisiert ist (bis weit in den 70er Jahren war das bei englischen Autos die Regel), lässt sich nur dadurch erklären, dass die zahlreichen Schilder “Low gear now” und “Keep in low gear!” (in welchem Alpenland findet man sie?) sonst überflüssig würden. Die wenigen Fahrer, die das Zurückschalten mit Zwischengas beherrschen, hat man vermutlich mit in Kauf genommen; Ziel war, die Leute mit harten Mittel davon zurückzuhalten, auf solchen Strecken im Übermut den 2. Gang zu wählen, und dann mit jämmerlichem Zähen Kratzen zurückschalten zu müssen. Vielleicht haben einige von Euch auf dem A170 zwischen Helmsley und Thirsk den Sutton Bank befahren. Es ist in Grossbritannien die einzige A-Road-Strecke mit einer solch starken Steigung. Für Wohnwagen und beladene LKW verboten. Bei glatter aber eben auch nasser Fahrbahn gibt es dort jährlich viele Opfer, und in Helmsley wie auch in Thirsk sind die Garagisten auf Kupplungen und Bremsen spezialisiert.

Leider lief die Reise an das ICCCR nicht für alle ohne Schwierigkeiten ab. Daniel und Agi mussten nach einige hundert Kilometer nach Hause zurückkehren und den Six mit dem Berlingo tauschen, wonach sie die Reise mit dem Eriba Puck erfreulicherweise erneut machen konnten. Unser Freund Nico Michon – viele kennen ihn - musste sich einen Mietwagen besorgen da in Schottland bei seinem 51er Six A.E.A.T. die Zylinderkopfdichtung zwischen dem 3. Und dem 4. Zylinder durchgeblasen hat. Da er auf dem ICCCR nicht fehlen wollte ist er trotzdem mit dem Auto aus eigener Kraft nach Harrogate gefahren, und hat dabei fast mehr Kühlflüssigkeit als Benzin verbraucht. Seine Frau ist ihm mit dem Mietwagen hinterhergefahren, und hat sich für das vom Six verursachten Smog geschämt. Bei vielen Engländern wird dies wohl die Erinnerungen an alten Zeiten wachgerufen haben.

Über meinen ersten Auslandserfahrungen mit dem 15-H werde ich Euch separat berichten. Das Auto selbst hat übrigens mehr Auslands- als Innenlandeserfahrungen, da es vor etwa 30 Jahre in einem nicht fahrbaren Zustand nach Holland importiert wurde. Für jedes Fahrzeug ist das Leben in Holland reine Verwöhnerei, da weder die Bremsen noch das Fahrwerk grossen Belastungen ausgesetzt werden. Der 15-H wurde also, genauso wie sein Besitzer, wieder in das echte Leben geworfen. Darauf komme ich also bald zurück.

Schon vor der ICCCR Reise hatten wir mehr oder wenig mit Dani und Agi abgesprochen, dass sie entweder auf dem Hin-, oder den Zurückweg bei uns in Opperdoes vorbeikommen würden. Gäste, die ihr eigenes Bett mitnehmen, haben wir immer gerne! Nach der erzwungenen Rückkehr zum Umtauschen des Autos, blieb ihnen für einen Besuch nur der Rückweg übrig. Am Montag dem 20. August kamen sie mit der Fähre aus Newcastle in Ijmuiden an und gegen Mittag erreichte der Kombi Berlingo-Puck unsere bescheidene Niederlassung in Opperdoes. Da sie am nächsten Tag schon weiterreisen wollten, wurden unter dem Mittagessen die Pläne für den Rest des Tages geschmiedet.
Agi wollte gerne nach Amsterdam zum Einkaufen. Wir überliessen dies gerne den Damen, die sich bald über Hoorn mit dem Zug in Richtung Amsterdam begaben. Wenn Frauen einkaufen wollen, suchen sich viele Männer Ausflüchte, damit sie nicht stundenlang vom einen Geschäft in das andere zu schlendern brauchen. Liebe Tractionisten, folgende Ausflüchte haben bisher für mich gewirkt: “Schatz, ich würde gerne mit dir einkaufen gehen” (diese Präambel gehört immer dazu!). Dann kommt der zweite, kreative Teil: “jedoch für das Treffen nächste Woche muss ich noch Öl wechseln”, oder “es gibt jedoch im Traction ein fremdes Geräusch das ich unbedingt untersuchen und beseitigen will”.

In meinem Fall wirkt auch: “ich muss jedoch unbedingt heute Rasen mähen, für morgen ist Regen vorhergesagt”. Vollkommen neu in meiner Ausflüchtensammlung, jedoch höchst interessant, war Danis Vorschlag: “… Es wäre vielleicht interessant, bei dem Six Block, der bei dir noch in der Garage steht, mal zu untersuchen warum die Kurbelwelle blockiert ist…..”. Sie wirkte, wenigstens bei Agi! Meine Frau Angeline hätte ohne Zweifel geantwortet, dass dieser alter Motor schon mehr als ein Jahr in der Garage steht, und dass sich in den Autos bereits zwei gut funktionierende Motoren befinden, also bitte nicht jetzt! Frauen - wenigstens meine - sind immer so praktisch veranlagt! Zugegeben, das Zerlegen des Motors - aus reiner Neugier! - stand schon eine Weile auf meiner “to-do Liste”, jedoch die zu erwartenden schwarzen Händen und die Frage, wo ich mit den aus dem Block herausgeholten schmutzigen und fetten Teilen hin sollte (ich besitze davon bereits eine Menge Kisten!), hatte mich bisher davon abgehalten. Dies war jedoch die Chance meines Lebens: ein Sachverständiger, der sich freiwillig meldet. Ein solches Angebot konnte unmöglich ausgeschlagen werden!

Ob wir darauf gerade stolz sein müssen, weiss ich nicht, aber wir gehören zu der Gruppe von Tractionisten, für die das Ein- und Ausbauen und das Zerlegen eines Six Motors gewissermassen Routine geworden ist. In der Garage meldete sich Daniel im Overall -mit Citroën Logo! (wer nimmt nur auf eine Ferienreise den Overall mit, ich ruiniere in solchen Fällen immer meine besten
Hemden!) und die Arbeit fing an. Viel wurde dabei nicht gesprochen – jeder weiss ja genau was gemacht werden soll - und es dauerte nicht lange, bevor die inneren Teile, die eben auch Ursache der Blockade waren, aus dem Block zum Vorschein kamen. Beim Ablassen des Öls aus dem Getriebe und der Ölwanne kam zuerst eine Menge Wasser raus, dann eben dickes schwarzes Öl, das wie immer schlecht duftete.
Lagerschale

Nach Abnehmen des Zylinderkopfes wurden Spinnengeweben freigelegt! Nach Abschrauben der Pleuellagerkappen kamen die sechs Büchsen mit Kolben und Pleuel heraus und jetzt drehte die Kurbelwelle frei und rund. Die Pleuel mit eingegossenen Lagern sind ein Hinweis dafür, dass diese Kurbelwelle möglicherweise noch nicht abgeschliffen wurde. Die Zapfen für die Pleuellager sahen übrigens nicht schlecht aus, bei mehreren Pleueln war jedoch das Weissmetall weitgehend abgebröckelt.

Büchsen 15CVsix
Daniel entpuppte sich als ein echter Experte beim Reinigen schwer verschmutzter Motorenteile. Nicht unerwartet, kam aus der Ölwanne nur fetter schwarzer Schlamm, der vorzugsweise sofort in einem Becken mit Reinigungsflüssigkeit abgewaschen werden soll, um zu vermeiden dass nachher überall in der Garage schwarze Fettspuren auftauchen. Gleiches gilt eigentlich für alle verschmutzte Teile: sofort reinigen, dann lassen sie sich in Zukunft anfassen ohne jedes Mal schwarze Hände zu bekommen! Die Reinigungsarbeit ging rasch voran, und nach knapp drei Stunden stand der enthauptete Block mit angeschraubter Ölwanne wieder auf dem Bock und war die Garage aufgeräumt.

Noch ein letzter wichtiger Tipp: bitte sorgt dafür, dass die Hände zwar gewaschen sind, jedoch klare Spuren der Arbeit aufweisen. Sonst glauben die Frauen nach der Rückkehr nicht, dass sich tatsächlich etwas getan hat.
Was ist die Ernte dieses wohl verbrachten Nachmittags? Wieder eine Kiste mit alten, teilweise nutzlosen Motorenteilen, 6 zusätzliche Aschenbecher für die Sammlung, die vorher bereits 12 Exemplare umfasste. Die Wissenschaft, dass es ein 6-H Block mit einer vielleicht noch gut revidierbaren Kurbelwelle gibt - ist schon was wert.

Dann ist es erfreulich, dass wir für die ankommende Weltmeisterschaft „Zerlegen eines Six Motors“ trainieren konnten. Unsere Schweizerisch-Niederländische Mannschaft hat gute Chancen, die Habsburger Hegemonie in diesem Bereich der Feinen Künste endlich mal zu durchbrechen! Bitte nicht an die Frauen weiterzählen, aber ganz nebenbei sei noch erwähnt, dass eine neue Ausflucht zum Einkaufengehen der Sammlung beigefügt werden konnte.

Sixblock