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Das Geheimnis des Appenzeller Käses

Ausfahrt der Region Ost ins geheimnisvolle Appenzell vom 18. August 2013

Bericht: Rudolf Weber  Bilder: Rudolf und Elisabeth Weber

Mit den Worten „… und – wisst Ihr nun das Geheimnis des Appenzeller-Käses?“ dürften die Heimkehrer vom CTAC-Ausflug Ost von ihren Angehörigen begrüsst worden sein. Und – wissen wir es? So einfach ist aber diese Frage nicht zu beantworten. Dazu muss man etwas ausholen. Um dem Geheimnis der sagenumwobenen Kräutermischung, welche dem Appenzellerkäse seinen einmaligen Geschmack verleiht, auf die Spur zu kommen, muss man schon nach Appenzell reisen. Und das macht der eingefleischten Tractionist natürlich mit der Traction. Diese muss für eine solche Reise erst in Betrieb genommen werden, was bekanntlich nicht ganz so rasch wie bei einem modernen Auto geht. Hat es genug Kühlwasser und ist eine Reserveflasche eingepackt? Stimmt der Ölstand? Ist das Bremsölgefäss voll und deutet nichts auf ein Leck der Bremsleitung? Haben die Räder genügend Luft für diese Reise? Und last but not least, hat die Batterie genug Leistung um das Auto überhaupt anzuwerfen?

Zum Glück war der von der Region Ost organisierte Ausflug nicht der erste des Jahres und hatte ein seit Wochen andauerndes Sommerwetter auch die trägsten Tractionisten das eine oder das andere Mal aus der Garage gelockt. Somit waren die Autos eigentlich fahrbereit und der Reise in das „geheimnisvolle Appenzellerland“ (Originalzitat aus der Appenzellerkäsewerbung) konnte nichts mehr im Wege stehen.

Sammelplatz

Sammelplatz - 1405 für die Krieger und 2013 für den CTAC

Markus Roth, Werner König und Hans Bollhalder hatten den Sammelplatz für die Anfahrenden sinnigerweise auf den Sammelplatz gelegt. Diese Ortschaft gibt es im Appenzellischen wirklich und erinnert an den Ort, wo sich die Appenzeller trafen, um in die Schlacht am Stoos zu ziehen. Nicht ganz so ernst meinten es die Tractionisten, welche sich bei Kaffee und Gipfeli zu Begrüssungsgesprächen trafen. Es würde heute nicht um die Freiheit des Appenzells, sondern um die Lüftung des Geheimnisses des Käsgeheimnisses gehen.

CTAC Appenzell

Bergauf, bergab, aber immer grün

Zur Kolonne aufgereiht bewegte sich der Tross nun, mit ausführlichem Kartenmaterial ausgerüstet (ein Kompliment an die Organisatoren) und mit Markus Roth an der Spitze, Richtung Stein, in der Annahme, dass Navigation nur noch ein Detail sei. Schliesslich war Markus Roth erst vor wenigen Tagen von einer Rallye aus Spanien und Portugal zurückgekehrt, und könnte er sich nicht orientieren, würde er mit seinem 2CV wohl noch immer irgendwo auf der iberischen Halbinsel umherirren. Erste Zweifel an dieser Annahme beschlichen den Schreibenden, als das bekannte Weissbad passiert und der Kronberg sichtbar wurde. Doch die „Ahs“ und „Ohs“ der Flachländer über die pittoresken Appenzellerhäuser, über die von Geranien überbordenden Fenstersimse, die in der Qualität von Golfrasen gemähten Hügel, über den von weissen Federwolken verzierten porzellanblauen Himmel (ja ich gebe es zu, das ist von Erich Kästner) über dem Säntis und natürlich über die unermüdlich die Landschaft düngenden Kühe, liess wohl kaum jemanden realisieren, dass dieser Umweg nicht ein Extra, sondern eben ein kleiner Verfahrer war. Und diejenigen, welche es merkten, waren froh, dadurch die Gelegenheit gehabt zu haben, diese schöne Strecke kennenzulernen.

CTAC Appenzell

Wenn Blumen Fenster ersetzen

Schon fast zu bald wurde Stein erreicht und mit einer Spezialbewilligung der Fuhrpark direkt vor dem Eingang des Brauchtummuseums erstellt. Die Tractions genossen das Bad in der Menge (es wimmelte von Touristen) derweil die Tractionisten sich am kühlen Weissen in der Gartenanlage der Käserei erlabten.

CTAC Appenzell

Bad in der Menge

Was nun folgte, war Werbung der höchsten Schule: Ein obligatorisch zu betrachtender Film zeigte ein Appenzellerland und sein Brauchtum so schön, dass einem fast das Augenwasser kam. Die Sennen in ihren prächtigen Trachten beim Käsen, die Kühe geputzt und gestriegelt beim Äsen. Die Zeuerlein klangen und die Bauern sangen – und endlich ging es um das Geheimnis des Käsens in Appenzell.
Doch die Film-Szenen waren kurz geschnitten. Geheimnisvolle Kräuter wurden flüchtig eingeblendet und schon sah man sah einen flotten Käser in blütenweiser Arbeitskleidung, welcher Kräutersulz auf die Käse bürstete.

CTAC Appenzell

Käsen im Werbefilm...

Aber wir waren ja in einer Schaukäserei – nach dem Film würde wohl der praktische Teil kommen und wir wollten genau hinschauen, wie nun dieses würzige Aroma hergestellt wird. Grosse Glaswände schirmten zwar die Besucher vom eigentlichen Käsefabrikationsraum ab und sicherten so die Hygiene, liessen aber vollen Einblick in die Arbeitsprozesse. Oder doch nicht? Im ersten Raum wurde Milch im grossen Becken automatisch gerührt, während ein Mitarbeiter, welcher wohl nicht aus dem Appenzell stammte, ab und zu den Vorgang kontrollierte.

Und an der zweiten Besucherstation waren die Käse schon fertig und in einem riesigen Hochregal-Lager aufgeschichtet. Dieses war menschenleer, doch eine Roboterautomatik nahm reihenweise Käse aus den Gestellen, rieb nun den geheimnisumwitterten Kräutersulz auf die Käse, drehte diese um und wiederholte die Prozedur auf der anderen Seite. Und schwupp waren die Käse schon wieder verstaut und die nächste Charge wurde aus dem Gestell gezogen.

CTAC Appenzell Käseroboter

... und mit Roboter in der Wirklichkeit

Irgendwo dazwischen wird wohl ein geheimes Labor stecken, wo die Kräutersulz zubereitet wird. Eine nette Dame bemühte sich, uns die Prozesse detailliert zu erklären. Leider war nicht nur die Akustik des Besucherraumes, sondern auch der starke bayrische Akzent der Führerin dafür verantwortlich, dass man nicht ganz alles verstand. Und vielleicht war das so gewollt, sollte doch das Geheimnis des Käses wirklich ein Geheimnis bleiben.

CTAC Appenzell

Appenzeller-Käse mit bayrischem Akzent

Beim anschliessenden gemeinsamen Mittagessen in der Schaukäserei – es gab natürlich eine Käsespezialität – war man sich einig: Appenzellerkäse schmeckt hervorragend, aber hinter das Geheimnis seiner Herstellung sind auch wir Tractionisten nicht gekommen. Aber ein schöner Ausflug aber war es alleweil …

Appenzeller Käse

Viele weitere Bilder findet man in der Photogalerie