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Techniktag der Veteranen-Dachverbände FSVA/SO

Rudolf Weber

Die FIVA, also die Fédération Internationale des Véhicules Anciens, ist der internationale Dachverband der nationalen Veteranenverbände. Sie setzt sich ein für den Erhalt, den Schutz und die Förderung historischer Fahrzeuge und der damit verbundenen Kultur.

Mittel dazu sind unter anderem eine Vereinheitlichung der Definition des Begriffes "Historisches Fahrzeug" und die Herausgabe einer "Identity Card" welche das Fahrzeug und seine Geschichte in standardisierter Weises beschreibt.

In der Schweiz existieren seit langem parallel zwei Dachverbände. Es laufen zur Zeit Bemühungen, diese zu fusionieren. Doch bis dahin müssen Veranstaltungen auf nationaler Ebene von beiden Verbänden gemeinsam getragen werden.

Einer dieser jährlichen Fixpunkte im Kalender ist der sogenannte Technik-Tag. An diesem haben Delegierte der einzelnen Oldtimer-Clubs die Gelegenheit, sich über die nationalen und internationalen Aktivitäten zu informieren. Dadurch sollen sie in die Lage versetzt werden, in ihren Clubs als Experten für die FIVA-Standards aufzutreten. So können sie u.a. beurteilen, ob ein Auto ein Veteranenfahrzeug nach FIVA-Regeln ist, wozu auch eine technische Prüfung gehört, welche die Originalität des Autos untersucht.

Techniktag FSVA Parkplatz

Der diesjährige Techniktag fand am 10. Januar im Martinhaus der Berufsfachschule BBB (BerufsBildungBaden) statt und unsere Experten, Fritz Müller, Walti Rey und Peter Weber konnten vollzählig teilnehmen. Da die Dachverbände an einer Information der Öffentlichkeit interessiert sind, steht das Seminar auch Journalisten offen. In dieser Funktion haben auch Hans Georg Koch (Clubheft) und ich (Internet) die Möglichkeit erhalten, den Präsentationen zu folgen.

Experten CTAC

Von rechts: Die Experten Fritz Müller, Walti Rey und Peter Weber, Hans Georg Koch (Clubheft)

Der diesjährige Techniktag umfasste – im Gegensatz zu früheren Veranstaltungen – keine Arbeit an Fahrzeugen sondern beschränkte sich auf informative Vorträge.

Christian Ackermann, Präsident der IgFS, informierte über den Stand der "IG-Fahrzeugrestaurator"

Da die heutige Ausbildung der verschiedenen Berufe im Autogewerbe die spezifischen Anforderungen an Oldtimers nicht mehr berücksichtigt, ist es Ziel dieser Interessensgemeinschaft, zusätzliche Ausbildungslehrgänge zu konzipieren und anzubieten. Dabei sollen auf eidgenössischer Ebene anerkannte Fachausweise erstellt werden. In der IG vertreten ist der Automobil Gewerbe Verband Schweiz AGVS und der Schweizerische Carrosserieverband VSCI. Eine Fachgruppe beschäftig sich mit Mechanik/Elektrik um beispielsweis Kenntnis zu Kabelzugbremsen oder Magnetzündungen zu vermitteln. Eine weiter Gruppe hat eine Lehrplan "Carrosserie" erstellt. Ein Gönnerverein sorgt für die nötige Finanzierung.

Felix Aschwanden, Präsident Technikkommission informierte über den überarbeiteten FIVA Technical Code 2015.

Felix Aschwanden FSVA

Seit 2010 existiert die FIVA Charta von Turin. Nun wird diese abgelöst durch den FIVA Technical Code 2015, welcher vermutlich gegen Ende dieses Jahres in Kraft treten wird. Die Anträge für FIVA-Pässe werden überarbeitet, da die bisherigen keine klaren Klassifikationen vorschrieben und entsprechend Grauzonen entstanden. Zudem kommt es vor, dass unter der selben Identifikation zwei Fahrzeuge aufgeführt sind. Eine technische Kommission mit Vertretern aus 11 Ländern (darunter die Schweiz) hat ein neues Layout der FIVA-Karte entwickelt und Handbücher für die Beteiligten geschrieben. Bisher wurden "Historische Fahrzeuge" in 20 Kategorien eingeteilt. Neu wird nur noch entschieden, ob das Fahrzeug den Titel "Historisch" verdient oder nicht:

Die Fiva unterstützt:

Die FIVA unterstützt nicht:

Der neue Pass wird voraussichtlich wie folgt aussehen:

FIVA Pass

FIVA Pass

Eine wichtige Zielsetzung der FIVA ist, die materiellen und immateriellen Elemente der Vergangenheit eines Fahrzeuges beweisbar zu dokumentieren:

Die FIVA stellt die Pflichten der Experte deutlich dar: Jeder Inspektor ist für die Kontrolle der Angaben und die korrekte Ausfüllung vom Antragsformular persönlich verantwortlich. In Zweifelsfällen nimmt er Rücksprache mit dem Präsident der FSVA Technik-Kommission. Mögliche Interessenkonflikte aller Beteiligten sollen vorgängig ausgeräumt werden!

Zum Schluss noch eine interessante Problematik. Es geht um die Abänderungen an Serienfahrzeugen. Die FIVA sagt klar, dass wenn Anpassungen in der Periode der normalen Strassennutzung vorgenommen wurden, solche akzeptabel sind. Das gilt bei den Tractions beispielsweise für die zeitgenössischen Accessoires von Robri. Falls eine Traction heute umgebaut oder modernisiert wird (Stichwort Vietnam), verfällt ihr Oldtimerstatus. Erst wenn der Umbau 30 Jahre zurückliegt, kann das Auto wieder ein anerkannter Veteran werden.

Wie steht es aber mit kubanischen USA-Strassenkreuzern, welche mit Toyotamotoren angetrieben werden und auch sonst sehr stark umgebaut wurden? Die sogenannte "Periode Time", also die alltägliche Nutzung dieser Fahrzeuge ist ja in Folge des USA Embargos für diese Autos bis heute noch nicht abgelaufen, folglich müssten solche Modifikationen, wenn die Fahrzeuge dereinst auf den Oldtimer-Markt gelangen, eigentlich akzeptiert werden. Die FIVA ist sich wohl selbst noch nicht einig, wie in einem solchen Fall vorzugehen ist.

Wer sich für Thematik FIVA und FIVA-Pass weiter interessiert, kann sich auf deren Homepage informieren: http://www.fsva.ch/de/