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 Eine vorweihnächtliche Orientierungsfahrt oder wenn Zürcher in die Zentralschweiz fahren

Text und Photos: Rudolf Weber

Klausfeier CTAC Zentralschweiz 2016

Lieber Leser – warst Du schon einmal in Lotzwil? Oder in Obersteckholz? Vielleicht ist auch Bollodingen oder Leimbütz eine Reise wert? Oder gar ein Abstecher nach Ebersecken? Nein – ich spreche nicht von Thüringen, Deutschlands wildem Osten. Zwar hat auch das Ziel einen recht kuriosen Namen, ist aber wegen seinen Ringli bekannt: Willisau.

Ich möchte fast von einer vorweihnächtlichen Orientierungsfahrt sprechen, obwohl eine solche nicht im Veranstaltungskalender des CTAC ausgeschrieben war. Wir schreiben den 7. Dezember und damit wird auch der Bezug zu Willisau klar. Die Tractionisten der Zentralschweiz luden auf diesen Mittwoch zu einem Klaus-Fondue ein.

Klausfeier CTAC Zentralschweiz 2016

Aber beginnen wir von vorn. Es ist schon fast Tradition, dass Walti Homberger und ich zusammen diesen Anlass besuchen, obwohl dabei jeweils der Grossraum Zürich zur besten Staustunde durchquert werden muss. So beschlossen wir diesmal bei der Abfahrt in Effretikon, kurz vor fünf, den berüchtigten Gubristtunnel zu umfahren. Als Wagenchef (pardon, Beifahrer) lotste ich Walti über Nebenstrassen, um den Flughafen, im Zickzack durch Rümlang und über den «Hoger» ins Furttal. Dass natürlich auch diese Nebenstrecken zwischen fünf und sechs Uhr nicht gerade verkehrsfrei waren und jede Agglo-Gemeinde stolz auf ihre mindestens drei Kreisel ist, versteht sich.
Doch langsam aber sicher gelangten wir nach Neuenhof, wo es zwangsläufig auf die Autobahn ging. Als Navigator glaube ich, nun meinen Dienst erledigt zu haben, denn jetzt konnten wir bis Dagmarsellen auf der Autobahn bleiben. Was in den Verkehrsmeldungen so schön «stockender Kolonnenverkehr» heisst, ist nicht sehr vergnüglich und begleitete uns bis Aarau West. Doch auch weiter Richtung Bern blieb der Verkehr heftig und verlangte Konzentration. Draussen leichter Nebel und Dunkelheit. Wir fuhren fast immer links da die rechte Spur von riesigen Lastwagen besetzt war.

Im Auto war es gemütlich warm und unsere Gespräche sehr angeregt. Bis dann plötzlich eine Ausfahrtstafel Wangen an der Aare ankündigt. Moment – das liegt doch lange nach der A6 Abzweigung Richtung Gotthard! Was läuft hier schief? Haben wir eine Zeitreise gemacht? Wie konnten wir mehr als 20 km zu weit fahren?

Offensichtlich hatten wir beide, bedingt durch die Kriechfahrt im Grossraum Zürich, welcher bekanntlich bis Aarau reicht, völlig das Zeitgefühl verloren und dabei die Ausfahrten kaum beachtet. Peinlich, peinlich … Bei Dunkelheit sind auch die bekannten Wegmarken entlang der Autobahn nicht sichtbar, z. B. der etwas seltsame, aber unübersehbare Turm der Kirche von Oftringen, welche übrigens 1934 eingeweiht wurde, also im selben Jahr, in dem die Traction Avant auf dem Markt erschien.

Nun wurde ich als Navigator reaktiviert was mich aber ohne elektronische Hilfe überfordert hätte. Also rasch «Willisau» in den Bordcomputer eingetippt und schon lotste uns eine nette Dame durch das bernische Oberaargau, als ob es um ein fröhliches Kaffeefährtchen ginge. Bergauf, bergab, in den Wald hinein und wieder hinaus. Kein Verkehr, nicht mal Traktoren verkehren auf diesen Nebenstrassen dritter Ordnung. Alles ist still, fast feierlich. Heinrichswil, Mösli, Regenhalden: unbekannte Schweiz! Lotzwil, Obersteckholz, Melchnau zieht an uns vorüber. Jetzt steht Altbüron auf einer Tafel. Sind wir schon im Kanton Luzern? Doch Willisau liegt noch fern, zuerst will Grossdietwil, Fischbach, Leimbütz durchfahren sein – es nimmt kein Ende.

Klausfeier CTAC Zentralschweiz 2016

Endlich das vertraute Willisau. Der Parkplatz vor dem Restaurant Post von Hans Herzog erlaubte einen Einblick in die warme Gaststube. Eine fröhliche Schar Tractionisten und Tractionistinnen sind am Feiern. Die Stimmung schien gut und soeben wurden die leeren Salatteller abgetragen. Uns geistig auf den zu erwartenden Spott einstellend betraten wir flott das Restaurant und wurden natürlich mit grossem Hallo begrüsst. Ganz am Rand eines Tisches hatte es gerade noch zwei Plätze für uns und schon wurde die heisse Bouillon für das Fondue Chinoise auf den Brenner gestellt.

Klausfeier CTAC Zentralschweiz 2016

Nach dieser langen Einleitung kann ich mich nun kurz fassen. Der Abend war gleich wie jedes Jahr, d. h. das Essen war vom Feinsten, die Stimmung fantastisch, das Dessert lecker und die hausgemachten Guetzli von Hans köstlich. Eigentlich gab es nur eines zu kritisieren. Warum steht Hans Herzogs Post nicht nördlich von Zürich?

Klausfeier CTAC Zentralschweiz 2016

Nachsatz:
Mancher wundert sich vielleicht, warum wir auf der A1 nicht einfach kehrtgemacht haben, um via Oftringen die A6 zu erreichen. Nun – wir haben das Navigationsgerät entscheiden lassen. Die Strecke via Autobahn wäre 57.8 km lang gewesen, unsere zurückgelegte Kaffeefahrt nur 43 km. Allerdings rechnet die zu Hause konsultierte Map von Google fünf Minuten länger für die Überlandstrecke. Gut haben wir dem Navi gehorcht, sonst wüssten wir noch heute nicht, wo Leimbütz, Ebersecken, Bollodingen oder Altbüron liegen.