Der Citroen Traction Avant Club Schweiz hat auch Mitglieder in Deutschland und in Oesterreich. Unser Clubmitglied Thomas Loebenstein aus Wien besitzt eine prächtige 15 CV mit welcher er kürzlich den 2. GP für Oldtimer in Wien bestritt. Hier sein Bericht:

Grand Prix Wien 2002

Voller Stolz darf ich Euch berichten, dass am Samstag in Wien der 2.Grand Prix fuer Oldtimer stattgefunden hat, eine Rallye durch die Innenstadt als Gleichmaeßigkeitspruefung(!), und dass dabei die am staerksten besetzte Klasse E - Fahrzeuge 1946 bis 1960 - von einer Traction Avant 15/6, naemlich meiner, gewonnen wurde. Es war meine erste Teilnahme an einer solchen Veranstaltung ueberhaupt und ich war mehr als ueberrascht als mein Name als Sieger aufgerufen wurde. Sogar ein Fernsehinterview, stilgerecht mit Borsalino und Thompson MP wurde am Abend gesendet.



Am 4.Mai wurde nach dem grossen Erfolg im Vorjahr zum zweiten Mal der Grosse Preis von Wien Classic ausgetragen. Da ja die Stadt Wien seit Jahren den Slogan 'Wien ist anders' propagiert, ist auch diese Veranstaltung etwas Besonderes: Der 3x zu fahrende Rundkurs geht durch die Innenstadt inklusive Fussgängerzone auf nicht gesperrter Strecke, mit 4 Sonderprüfungen auf Gleichmässigkeit pro Runde und jeweils einem Streichresultat.
Man fährt im Stadtkern also hinter Fiakergespannen und Citybussen durch die kleinsten Gässchen und an den schönsten Sehenswürdigkeiten vorbei - einfach sensationell, und das bei Kaiserwetter und zigtausend Zuschauern, allein am Startplatz vor dem Rathaus etwa 30.000!
Es war meine allererste Rallye überhaupt, mein Beifahrer, ein befreundeter Zahnarzt und erfahrener Oldiefahrer und ich waren sehr locker und ohne Ehrgeiz an die Sache herangegangen, eine kleine Handstoppuhr musste genügen.



Im Gegensatz dazu manche Konkurrenten mit professionellem und teurem Halda-, Heuer- usw. Outfit. Insgesamt 70 Fahrzeuge waren zugelassen, mein 15/6 1951 fiel in die am stärksten besetzte Klasse der Autos von Kriegsende bis 1960. Im Fond des Autos lag das typische Sonderzubehör aus der Zeit - Borsalino und eine Thompson MP für eventuell notwendige Überzeugungsarbeit bei den Zeitnehmern.
Das gute Stück fiel schon vor dem Start einem Fernsehteam auf, und so wurde ein Interview mit dem Fahrer der Gangsterlimousine aufgezeichnet und abends auch gesendet.
Die Rallye selbst war für uns problemlos, locker, in jeder Runde ging es in einem Gott sei Dank nicht gezeiteten Abschnitt am berühmtesten Bierlokal Wiens vorbei - der Gösser Bierklinik - und zwei Ärzte müssen einfach an der Klinik anhalten und jedesmal (unter leichter Überzeugungsarbeit, s.o.) wegen der Hitze im Auto den Pilskühler einschalten. Das führte in der Folge zu kleinen Unkonzentriertheiten des Beifahrers - wenn man nicht auf die Stoppuhr drückt muss der Fahrer eben sehr viel Gefühl zeigen!
Nach den 3 Runden durch die Menschenmassen war das Ziel wieder am Rathaus und nach längerer Wartezeit wurde ich zu meiner grössten Überraschung als Sieger der Klasse E aufgerufen und mit einem sehr schönen grossen Pokal geehrt. Ihr könnt Euch vorstellen wie gross meine Freude war, alles habe ich erwartet, aber das nicht, meinen Copiloten konnte ich erst am nächsten Tag mit der freudigen Nachricht überraschen, er war ebenso baff.
Für das nächste Jahr habe ich schon wieder genannt, aber die Titelverteidigung wird dann nicht mehr so locker, oder?

Herzlichst aus Wien, Euer Thomas