Fahrbewilligung im Jahr 1923

Ein historisches Dokument

Das nachstehende Dokument erhielt Daniel Eberli von den Nachkommen eines Schreiners aus seinem Dorfe. Dieser war bereits in den Zwanzigerjahren des letzen Jahrhunderts im Besitz eines Fahrzeuges. Um dieses zu fahren brauchte er - wie es seinerzeit hiess - eine Fahrbewilligung zum Führen eines Personenautomobils mit Benz-Explosionsmotor. Bedingung war schon damals das Bestehen einer Prüfung. Mit Schmunzeln, aber auch etwas Wehmut über die noch einfachere Zeit, sehen wir, dass die Motorfahrzeugkontrolle des Kantons Zürich den Neulenker mit 10 Geboten in Gedichtform gute Ratschläge mit auf den Weg gegeben hat. Die Effizienz der damaligen Ämter erkennt man auch , dass die Fahrbewilligung mit dem Fahrzeugausweis kombiniert war und das Dokument auch für die Quittierung der geleisteten Motorfahrzeugsteuer verwendet wurde. Es würde uns alle freuen, wenn man auch heute noch für die Fahrprüfung Fr. 5.-berappen müsste und die jährliche Gebühr mit lediglich Fr. 10.- das Budget belasten würde.

Das Ausweisdokument enthält ebenfalls das Strassenverkehrsgesetz. Dem entnehmen wir, dass damals Innerorts höchstens mit 18 km/h (gleich Pferdegeschwindigkeit) dafür ausserorts mit flotten 40 km/h gefahren werden durfte. Allerdings galt das nur für Werktage - Sonntags und an Feiertagen durfte auch im flachen Land und auf offenem Feld nur 25 km/h gefahren werden. Nebst dem bereits vorgeschriebenen Horn durften auch andere Signalapparate wie Mundpfeife, mehrtörnige Hupe oder Sirenen benutzt werden, aber nur ausserorts. Interessant sind auch die Einschränkungen zu lesen, welche für Motorlastwagen bei Benutzung von eisernen Reifen zu respektieren waren. Ob wohl die Bestimmung für Radfahrer, welche das Anhängen oder Nachschleppen von Ästen untersagt, heute noch gilt?

Nachdenklich stimmen dürfte uns Tractionisten § 10 der Vollziehungsverordnung: "An Wagen, deren Konstruktion das Abtropfen von Oel nicht verhindert, müssen Auffangvorrichtungen angebracht werden". Diese Vollziehungsverordnung wurde übrigens bereits 1916 erlassen!