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Ein Autokauf im Jahr 1951

Eine komplett erhaltene Traction-Avant-Kaufdokumentation

Bericht: Rudolf Weber

Kaufdokumentation Traction Avant

Im November 2008 habe ich auf unserer Web-Seite ein Fahrzeug vorgestellt, welches damals im Besitz von Christian Heussi gewesen ist. Dieser Wagen war etwas Besonderes, da er 1951 direkt in der Schweiz verkauft wurde und unverändert geblieben ist. So können wir uns einen Eindruck verschaffen, wie Traction Avant-Fahrzeuge von Schweizer Händlern angeboten worden sind. Schon damals wurde versucht, das Auto durch allerhand Anpassungen für die anspruchsvolle Schweizer Kundschaft zu veredeln.

Bei einem kürzlichen Besuch in Christians Werkstatt sind wir wieder auf diesen Wagen, welcher in der Zwischenzeit einen neuen Besitzer in Basel gefunden hat, zu sprechen gekommen. Zu meiner Überraschung zog Christian ein Couvert aus einer Schublade und zeigte mir, dass nicht nur der Wagen im Originalzustand erhalten ist, sondern dass auch die Verkaufsdokumentation vollständig erhalten geblieben ist.

So erfahren wir, dass am 19. Oktober 1951 ein Légère in Schweizer Ausführung für Fr. 9'620 zu erwerben war. Wollte man - was in der Schweiz wichtig war - zusätzlich eine Kühlerjalousie und eine Frostschutzscheibe montiert haben, kostete das zusätzlich 140.- Franken.

Interessant ist auch das Kleingedruckte zu lesen. Auch damals mussten sich die Händler juristisch absichern, da die Zahlungsmoral offensichtlich nicht besser war, als heute. Wäre ein Käufer bei der Zahlung seiner Raten mehr als 8 Tage in Verzug geraten, hätte er einen täglichen Mietzins von 1/4% des Kaufpreises und zusätzlich 1/2% des Kaufpreises als Entschädigung für die Abnützung des Wagens berappen müssen. Nehmen wir an, dieser Passus würde heute für ein Neuwagen im Wert von Fr. 30'000 gelten, wären täglich Fr. 225 fällig!

Etwas enttäuscht hat mich die Garantierleistung. Die Garage (und vermutlich Citroën Schweiz) bot lediglich 6 Monate Garantie. Glaubte sie wohl selbst nicht an die Qualität ihrer Autos? Noch schlimmer steht es um die Zuberhörteile. So ist explizit erwähnt, dass sich diese Garantie z.B. nicht auf den Kilomenterzähler, auf Pneus oder weitere elektrische Komponenten bezieht. Hätte also die Lichtmaschine eine Woche nach Kauf die Funktion verweigert, wäre das das Problem des Kunden gewesen!

Auch wenn der Schaden glücklicherweise ein unter Garantier stehendes Teil betroffen hätte, wäre der Käufer noch nicht aus dem Schneider gewesen. Zwar übernimmt die Garage die Kosten für das Ersatzteil, doch sowohl die Frachtspesen (wohl von Paris aus) wie auch die Montage hat gemäss der Verkaufsbedingungen der Käufer zu berappen.

Ich habe die Dokumente im Pdf-Format eingescannt, damit Interessenten diese historischen Papier selber im Detail studiern können:

Kaufvertrag

Rechnung

Quittung

Dankesschreiben

Ratschläge der Citroën SA

Unter den Papieren fanden sich auch die Statuten des TCS, Stand 23.4.51, welche ich aber nicht eingescannt habe. Falls jemand auch an diesem historischen Papier Interesse hat, soll er sich bei mir melden.