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Mamma Mia - André Citroën im Palace Hotel St. Moritz

Alice Kohli in der NZZ vom 14.1.2015

Ist das ein Hotel oder eine Kirche? Wer zum ersten Mal die Halle des «Badrutt's Palace» betritt, wundert sich über allerlei fromme Bilder und Heiligenfiguren, die das mitunter ausschweifende Treiben hier mit Gleichmut betrachten. Am eigenartigsten wirkt der rund 1,5 Meter hohe Bischof ohne Hände. Es handelt sich um ein Artefakt aus der italienischen Spätgotik und gehört zu der Sammlung, welche die ersten drei Generationen der Hotelierfamilie zusammengetragen haben.

Bischof-Statue im Palace Hotel St. Moritz

Er wacht seit Jahrzehnten über eine besondere Ecke der Lobby, den sogenannten «Royal Corner». Bis zum Zweiten Weltkrieg sollen nur Adlige Anspruch auf einen Tisch in dieser Ecke gehabt haben. Bis ein unverschämter französischer Industrieller mit dieser Tradition brach. Es war André Citroën, Gründer der gleichnamigen Autofabrik, der sich eines Tages gänzlich frei von blauem Blut in die königliche Ecke setzte, noch dazu in Gesellschaft seines Haustieres, eines kleinen Äffchens. Seit da wird die Ecke unter vorgehaltener Hand auch «Monkey Corner» genannt. Apropos Hand: Der arme Bischof soll seine Hände genau wegen solcher Skandale verloren haben. Immer wenn der zu seinen Füssen ausgetauschte Klatsch besonders gemein geworden sei, habe er die Holzhände über dem Kopf zusammengeschlagen und «Mamma mia» gemurmelt. Bis sie ihm abfielen. So zumindest will es die Legende.