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Der legendäre Citroën Radio

Rudolf Weber

In einem meiner Bücher über die Traction Avant hat mich immer die Abbildung eines Inserates fasziniert, welches einen Radioapparat zeigt, den man 1934 als Zubehör für die Traction Avant kaufen konnte. Wenn man sich allerdings die Radiotechnik der dreissiger Jahre vor Augen führt, ist es klar, das ein solches Gerät nicht im Handschuhfach Platz findet. Da der Transistor erst 30 Jahre später erfunden wurde, mussten damals Empfangsgeräte auf der Röhrentechnik basieren. Wegen der benötigten Betriebsspannung wurde bei Fahrzeugen ein sogenannter Zerhacker (convertisseur) eingesetzt, ein auf der Relaistechnik basierender Apparat, welcher den Batteriegleichstrom in einen rechteckigen Wechselstrom transformiert, da bekanntlich Transformatoren keinen Gleichstrom umwandeln können.

Obwohl der Zerhacker als separates Gerät im Motorraum installiert wurde, war die Radiokiste noch immer ein recht sperriges Möbel und wurde deshalb unterhalb des Handschuhfaches montiert. Der damalige Preis ist mir nicht bekannt, doch waren Radiogeräte vor dem Krieg noch Luxusgüter. Deshalb kam Citroën auf die pfiffige Idee, das Gerät so zu montieren, dass man es einfach ausbauen und ebenfalls in der guten Stube betreiben konnte. Ein Schlüssel schützte dabei im Auto vor Diebstahl.

Citroën Radio

Kürzlich wurde nun eine solche Antiquität im Ebay angeboten. Das war eine echte Sensation, dürften doch nur noch sehr wenige Geräte bis in die heutige Zeit überlebt haben. Billige und kleine Transistorengeräte verdrängten diese alten Kisten rasch und Ersatzröhren verschwanden nach der Einführung der Transistoren vom Markt. Chemische Prozesse zerstörten über die Zeit Bauteile, deren Eigenschaften sich damit veränderten was häufig zu Kurzschlüssen führte.

Ich war natürlich gespannt, in welchem Zustand sich dieses Gerät befinden würde. Glücklicherweise war das Angebot mit vielen Fotos dokumentiert. Die gute Nachricht zuerst – äusserlich scheint der Radio intakt und im Originalzustand zu sein. Wertvoll ist auch, dass die Original-Einbau- und Bedienungsanleitung immer noch vorhanden ist.

Citroën Radio

Schlimmer sieht es im Innern aus. Die Röhren fehlen komplett, was die Suche nach Ersatzröhren schwierig macht. Zudem erkennt man, dass ebenso die Röhrensockel ausgebaut sind. Üblicherweise sieht man auf Radio-Chassis auch grosse Elektrolyt-Kondensatoren oder Transformatoren, welche hier ebenfalls nicht mehr vorhanden sind. Einzig der Drehkondensator (rechts) zur Senderabstimmung und der Lautsprecher sind (vermutlich) im Original erhalten. Die Lautstärke wird mit einem Potentiometer (links) geregelt, welches aber jüngeren Datums zu sein scheint.

Citroën Radio

Auf Grund der farbigen kunststoffisolierten Kabel kann man darauf schliessen, dass das Gerät einmal umgebaut oder gar zweckentfremdet worden ist.

Eine Abbildung der Chassis-Unterseite fehlt leider. Vermutlich sieht es ähnlich aus, wie der Blick auf die Unterseite des Zerhackers, den nachstehendes Bild zeigt. Die Bauteile sind korrodiert und verrottet. Das Anlegen einer Betriebsspannung würde wohl zu einer Rauchentwicklung und kurz darauf zu einem Kurzschluss führen.

Citroën Radio

Ein solcher Radio kann zwar theoretisch restauriert werden. Genau wie bei uns Freunden historischer Autos gibt es auch Enthusiasten, welche die historische Röhrentechnik pflegen. Der Apparat wurde von Milde Fils & Cie Paris im Auftrag von Citroën hergestellt. Man kann annehmen, dass er auf der Schaltung eines stationären, in Serie hergestellten Radios beruht, von welchem vielleicht noch einige Exemplare überlebt haben. Dadurch könnte eventuell eine Teileliste ermittelt werden.

Es hätte mich einerseits gereizt, bei der Versteigerung mitzubieten. Andererseits war mir der Zustand zu schlecht. Und einfach einen modernen Radio in das alte Gehäuse einbauen entspricht nicht meinem Verständnis von historischer Technik.

Ich war aber sehr gespannt, zu welchem Preis dieser Citroën Radio einen Käufer finden würde. Am 30.10.2014 um 7 Uhr früh war Auktionsende und der glückliche Gewinner blätterte 3'555 Euro für diese Radio-Ruine hin. Exorbitante Preise für technische Güter in äusserst schlechtem Zustand kennen wir sonst nur aus der Autosparte, wo echte Raritäten, gleich welchen Zustandes, Höchstpreise erzielen. Der Preis, welche für diesen Radio bezahlt wurde, zeigt, dass es sich vielleicht sogar um eines der letztes Exemplare handelt. In meinen 42 Jahren als Traction-Fahrer habe ich weder im In- noch im Ausland je so ein Gerät gesehen.

Weitere Bilder dieses Citroën-Radios inkl. die Einbauschemas

Viele Informationen über historische Radios findet man hier:

http://www.radiomuseum.org/

Traction-Autoradios:

http://www.traction.fr/pages/autoradios.htm