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Citroën Nutzfahrzeuge für den Personentransport

 

Daniel Eberli
 
Das Thema Citroën Nutzfahrzeuge ist für viele Tractionisten ein Buch mit sieben Siegeln. Natürlich kennt jeder den HY, den "Schrumpfelefanten", aber sonst? Es ist kaum bekannt, dass Citroën fast von Anbeginn an eine breite Palette von Nutzfahrzeugen anbot. Anfänglich waren dies Konstruktionen auf Basis des Personenwagen-Programms.
So wurde bereits 1920 auf dem Chassis des Typ "A" ein offener und ein geschlossener Lieferwagen angeboten. Die erlaubte Zuladung bewegte sich je nach Version im Rahmen von 250 bis 500 kg.
1927/28 kletterte die Nutzlast beim B15 auf 1000 kg. Mit dem Erscheinen des C6 waren es gar 2 Tonnen, wobei Traktoren mit einer Anhängelast von 5 Tonnen zugelassen wurden.
Die späteren Konstruktionen hatten mit den Personenwagen immer weniger gemeinsam. Immerhin waren sie während vieler Jahre noch mit den gleichen Motoren versehen. Dies erklärt auch, weshalb Lastwagen früher immer sehr viel langsamer waren, als die Personenwagen.
Wenn man mit den gleichen Motoren die mehrfache Last transportieren will, geht dies nur mit geringerer Geschwindigkeit – insbesondere am Berg.

Ein schönes Beispiel ist der oben gezeigte Bus auf Basis B2 (1924): Ausgerüstet mit dem kleinen Motor war dies bestimmt keine Rakete, aber für die Fahrgäste zählte damals: Fahren ist besser als zu Fuss gehen!
Auch der Bus auf B15 (1927) Basis dürfte mit seinen 22 PS wahrlich kein "Raceing-feeling" verursacht haben. Auf die andere Seite – wenn man den Zustand der Strassen in Betracht zieht, kam wohl bei den wenigsten Fahrgästen der Wunsch nach höherer Geschwindigkeit auf…
Auch die in der Schweiz im Einsatz stehenden Busse der einstmals berühmten Marken wir Saurer, Berna, FBW etc. waren nicht schneller. Im Jahre 1937 erschienen die ersten Citroën Nutzfahrzeuge auf dem Markt mit Dieselmotoren. Dies bedeutete jedoch für viele Jahre nicht mehr Leistung, sondern "nur" geringerer Verbrauch. Dies war bereits damals ein gewichtiges Argument, denn im Vergleich zu den damaligen Löhnen kostete ein Liter Benzin vor dem Krieg wesentlich mehr, als heute.
Typ 23 Diesel, 12 Plätze, 1938

Zum Vergleich: Der Verbrauch eines Nutzfahrzeuges von 800 kg Nutzlast mit Benzinmotor konnte ohne weiteres 30 Liter auf 100 Kilometer betragen, während der 850 kg Fourgon von Citroën gerade mal 8 Liter Diesel auf 100 Kilometer verbrauchte.
Vor dem Krieg war der kleinste Dieselmotor von Citroën ein 1,8 Liter Vierzylinder, der 40 PS bei 3500 U/min leistete.
Dieser Motor (Eigengewicht 220 kg) wurde in das Nutzfahrzeug-Chassis Typ 23 eingebaut, welches in verschiedenen Längen Basis für viele Lastwagen und Busse (bis 17 Plätze) war.
Es folgten der Typ 29 (Nutzlast bis 3.2 Tonnen
Typ 23 Diesel als Postbus
respektive 25 Plätze) und der Typ 32 (Nutzlast bis 4 Tonnen, respektive bis 30 Plätze als Bus) und schliesslich der Typ 45 (Nutzlast bis 5 Tonnen oder 35 Plätze – als Stadtbus sogar mit 40 Plätzen). Im Jahre 1934 nahm der berühmte Fahrer François Lecot mit einem Autocar Typ 45 an der Rally Monte Carlo teil und legte die 2456 Kilometer von Warschau über
Typ 23 Diesel 16/17 2 Plätze, 1938

Prag  und Frankfurt nach Monte Carlo in 59 Stunden und 30 Minuten (inklusive aller Haltezeiten!) ohne Strafpunkte zurück. – Eine Leistung, die auch heute noch Bewunderung erheischt.

Auch die Deutsche Wehrmacht bediente sich des Typs 45, hauptsächlich als Lastwagen. Während des Krieges wurden viele Benziner-Nutzfahrzeuge mit Holzvergasern ausgestattet, weil es an Treibstoff mangelte.

Typ 45 Diesel mit François Lecot, Rally Monte Carlo, 1934
Auch nach dem Krieg erfreuten sich die Citroën Nutzfahrzeuge grosser Beliebtheit. Dass sie in der Schweiz wenig bekannt waren und sind, liegt an der starken Position und Qualität der Schweizer Marken.

Insbesondere Busse wurden nach dem Krieg häufig mit Spezialkarosserien versehen, bei denen der Ursprung nur mehr schwer zu erkennen war. Es gab Fahrzeugbauer, bei denen der Bus eher einem Flugzeug glich.
Anfang der 50-er Jahre begann die Produktion der "Hamsterbäckchen". Auch diese Fahrzeuge wurden auf verschiedenen Chassis und mit unterschiedlichen Motoren angeboten. Indem man die Autobusse als Frontlenker konzipierte, waren bei gleichem Radstand mehr Passagierplätze möglich.
Typ Diesel "Hamsterbacke", 1954
Die letzten Versionen – im Beispiel ein Bus auf U 35-Basis aus dem Jahre 1968 – sahen schon richtig futuristisch aus. Böse Zungen könnten allerdings behaupten, es handle sich um einen Verschnitt zwischen AMI 6 und HY…
Ein richtig schweres, geländefähiges Gefährt war der Club 350 4x4. Für die Armee und insbesondere auch für Feuerwehren wurden weitere schwere 4x4 Fahrzeuge vom Typ 350 und 700 Club gebaut.
U23 Diesel Karosserie Heuliez, 1958

Im Jahre 1970 waren die Citroën Lastwagen und die Berliet Fahrzeuge nur noch an der Beschriftung zu unterscheiden…
Danach war mit den mittelschweren Nutzfahrzeugen Schluss und damit verschwand der Name Citroën auch von den grossen Bussen und Autocars. Bei den leichten Nutzfahrzeugen ist Citroën auch heute noch zu finden. Allerdings erkennt nur der Kenner den Unterschied zwischen einem Citroën, einem Peugeot und einem Fiat…



50 Club Karosserie Heuliez, 1968
Wer mehr zum Thema Citroën Nutz­fahrzeuge erfahren möchte, dem sei die Lektüre "Les Camions Citroën" von Fabian Sabatès und Wouter Jansen an's Herz gelegt. Zwar ist der Text auf Französisch, aber die Bilder sind auf Deutsch…

350 club 4x4 1970
   
Daniel Eberli