Hinterrädler-Abenteuer

Der Kabelbrand

Daniel Eberli

Am Samstag 2. August lud uns ein lieber Kollege zu seinem Hochzeitsfest ein. Wir wollten ihn gerne überraschen und organisierten zusammen mit dem Brautführer, dass wir seine Braut und ihren Vater im bald 75-jährigen AC4 zur Kirche führen konnten.

Trotz des heissen Tages zeigte "Fréderik" keine Schwächen, sondern brachte Agi und mich problemlos nach Seuzach. Erfreut nahm die Braut mit ihrem Vater hinten Platz, und in gemütlicher Fahrt (damit die Frisur nicht zerzaust wurde) fuhren wir nach Warth in der Nähe der Kartause Ittingen. Alles klappte wie am Schnürchen. Braut und Brautvater versteckten sich hinter einem Baum, damit der Bräutigam, welcher in einem Londoner Doppelstöcker anreiste, sie nicht zu früh zu sehen bekam. Es war eine Freude, seinen Gesichtsausdruck zu beobachten, als die hübsche Braut in die Kirche geführt wurde.Während der üblichen Photo-Session wollte ich den AC4 wenden, damit er für die Weiterfahrt bereitstand. (Punkt 1 des Kurses für angehende Rolls-Royce - Fahrer: Fahre nie mit Fahrgästen im Auto rückwärts!).
Ich startete also den alten Citroën.
Während ich erst einige Meter vorwärts bergab und dann rückwärts bergauf in einen günstigen Wendeplatz fuhr, nahm ich ein merkwürdig schnarrendes Geräusch war. Praktisch gleichzeitig stieg mir ein übler Geruch in die Nase. Konnte es sein, dass mich ausgerechnet jetzt die Kupplung im Stich liess?
Ich musste wegen des schlechten Lenkeinschlages zweimal zurücksetzen, bis ich vorwärts den Berg hinauf wieder zur meinem Standplatz fahren konnte. Noch bevor ich diesen erreicht hatte – und ausserhalb des Blickwinkels des Hochzeitspaares – gab ich auf, weil der Gestank unerträglich geworden war. Ich stellte den Motor ab und beobachtete gleichzeitig, wie schwarzer Rauch unter der Kühlerhaube und aus dem Fussraum meines Autos aufstieg.
Das Ausschalten der Zündung zeigte keinen Einfluss auf die Intensität des Rauches. Einer der Hochzeitsgäste beobachtete den Rauch und rief nach einem Feuerlöscher.
Ich realisierte, dass die Ursache nicht bei der Kupplung liegen konnte, sondern dass es sich um einen Elektrobrand handeln musste. Mit einem raschen Griff nach dem Hauptschalter, den ich in den ersten Tagen nach dem Kauf meines Veteranen installiert hatte, trennte ich das Bordnetz von der Batterie. Sofort liess der Qualm nach.
Ich stieg aus und öffnete die Motorhaube. Da bei meinem AC4 mit Ausnahme der beiden Hupen alle Stromverbraucher über das Zündschloss geschaltet sind, konnte das Problem eigentlich nur dort liegen. Und richtig: das Kabel, welches zur Hupe, die auf dem Zylinderkopf montiert ist, führt, war total verschmort.
Beim AC4 – wie übrigens bei vielen Autos – ist die Hupe direkt am "Plus" angeschlossen, während der "Minus" zum Knopf im Lenkrad und von dort an die Masse geführt ist. Dieses Schema hat den Vorteil, dass lediglich pro Hupe ein Kabel in die Mitte des Lenkrades geführt werden muss. Der grosse Nachteil zeigt sich, wenn, wie in meinem Fall, keine Sicherungen dazwischen geschaltet sind. Dann fliesst bei einem Kurzschluss der Strom ungehemmt, was katastrophale Folgen haben kann.
Ich klemmte das verschmorte Kabel beidseitig ab und schaltete erst den Hauptschalter, dann die Zündung ein. Es kam zu keiner weiteren Rauchentwicklung mehr. Ich konnte den Motor starten, und ausser den beiden Hupen, welche ich mit meiner Aktion stillgelegt hatte, funktionierte alles normal. – Schwein gehabt!
Zwar hielt sich der Brandgeruch hartnäckig, aber "Fréderik" leistete zuverlässig und zum Vergnügen des Hochzeitspaares (und zu meiner Beruhigung…) seine Dienste.
Am Montag schaute ich mir die Sache näher an und stellte folgende Schäden fest:
- Ungenügende Isolation der Hupe auf dem Motorblock. Dies hatte zum Kurzschluss geführt.
- Plus-Kabel vom Regler zur Hupe total verschmort. Isolation teilweise mit anderen Kabeln verschweisst, darunter beide Verbindungen von der Lichtmaschine zum Regler.
- Isolation des Kabels vom Regler zum Ampèremeter teilweise verschweisst mit der Isolation des Kabels vom Anlasserschalter zum Ampèremeter. Da dieses Kabel sehr dick (6 mm2 ) ist, lässt sich erahnen, welch hoher Strom geflossen sein muss. – Nach meinen Schätzungen über 100 Ampères!
- Reglerkontakte verschweisst.

Es dauerte ungefähr 4½ Stunden, bis ich den Schaden repariert hatte. Ich verlegte dabei gegen 10 Meter neue Kabel und baute bei dieser Gelegenheit gleich einige Sicherungen ein. Den Reglerkontakt konnte ich lösen und mit einer Feile glätten.

Fazit: Der Entscheid, gleich am Anfang einen Hauptschalter einzubauen, war weise und hat grossen Schaden verhindert. Das Abklemmen der Batterie hätte viel Zeit in Anspruch genommen, liegt sie doch beim AC4 unter dem Bodenbrett der Kabine, und das Werkzeug ist unter der vorderen Sitzbank verstaut. In dieser Zeit hätte sich das Feuer offen ausbrechen und sich ausbreiten können. Ein Feuerlöscher hätte wohl wenig genützt, so lange der Stromfluss nicht unterbrochen war.
Ich rate deshalb dringend jedem Oldtimer-Besitzer, einen Hauptschalter oder Sicherungen in seinen Wagen einzubauen. – Am Besten sogar beides!