Ausflug der Region Ost - 14. September 2003
Lustenau oder Lust am Auto
Rudolf Weber
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Dass der CTAC Grenzen überschreitet ist nicht neu sondern schon bald eine Tradition. War 2002 Italien Ziel der Tractionisten und im selben Jahr ebenso das Tirol bei der zweitägigen grossen Alpenfahrt, ist 2003 mit Badenweiler eine deutsche Destination auf dem Programm. Dies zeigt, wie wir meinen, dass die Traction für grosse internationale Reisen geeignet ist. Weniger Angefressene würden diese Ausflüge vermutliche eher darauf zurück führen, dass die Schweiz eben so schrecklich klein ist.

Wie auch immer - auch die Region Ost des CTAC liess sich aber am letzen Sonntag nicht Lumpen und machte mit dem Wort Ost ernst. Oesterreich sollte von den Tractions erobert werden, wenn auch nur das Land Vorarlberg ganz am Rande gestreift werden konnte. Und mit dem Ziel Lustenau sollte auch für einen lustvollen (oder lustigen) Ausflug garantiert werden.

Matzingen - Treffpunkt der Verkaterten

Die Stimmung Dank Zielort sicherzustellen erwies sich aber als völlig überflüssig, war doch das Wetter perfekt (war es das nicht bei allen Ausfügen dieses Jahr?) und die Tractionisten sind sogar bei schlechtem Wetter mit Lust bei der Sache.

Zwischen Aadorf und Matzingen trafen sich bereits vier Wagen mit leicht verkatertem Inhalt. Die Fahrer waren am Vorabend alle bei einem sich deutlich in den Sonntag hineinziehenden Anlass gewesen, welcher eigentlich ein gründliches Ausschlafen erfordert hätte. Zum Glück kennen Tractions keinen Kater, sie schnurrten, wie es sich gehörte, Richtung St. Gallen und weiter ins Rheintal zum Treffpunkt in Oberriet.

Grosses Hallo und Begrüssung unter nicht weniger als 17 Wagen und zahlreichen Begleiter(innen). Eine abwechslungreiche Strecke führte auf Nebenwegen wieder nach Norden und bei Lustenau über die Grenze.

Fahrt wie im Bilderbuch, auf der A13 Richtung Süden

Ob die Handbewegung der Zöllner ein freundliches Winken für die Veteranen war oder das Zeichen, einfach durchzufahren, war nicht ganz klar, aber nach Drogen durchsuchten sie kein Fahrzeug.

Auf einem Werkgelände wurde dann die repräsentative Parkordnung erstellt wobei sich zeigte, dass die Beteiligung international war. Ein oesterreichisches und ein lichtensteinisches Nummernschild fielen auf und auch der angereiste Tessiner kann man an diesem Treffen fast als Exoten erwähnen. Dani Eberli liess für diesen Anlass extra ein englisches Paar einfliegen. Leider mussten diese Mitglieder des britischen TOC ihren "Light Fifteen" auf der Insel lassen.

Problemloser Grenzübertritt ins Land Vorarlberg

Die Organisatoren begrüssten den unternehmungslustigen Trupp und erläuterten das Programm. Hans Brunner, Werni König und Hans Bollhalter haben sich eine ungewöhnliche Attraktion einfallen lassen. Ein Museum auf diesem ehemaligen Werkgelände zeigte einen Rückblick in die Geschichte des Rheintals. Der junge Rhein mäandrierte früher quer über die Ebene und brachte mit seinen häufigen Überschwemmungen viel Elend in die Gegend. Im vorletzten Jahrhundert haben sich dann die schweizerischen und oesterreichischen Behörden zusammengerauft und gemeinsam ein Projekt zur Eindämmung und Begradigung des Rheins gestartet.

 

Das ehemalige Werksgelände beheimatet heute ein Museum und die Bahndepots

Dieser Bau war natürlich mit unglaublichen Erdverschiebungen verbunden, was damals praktisch ausschliesslich von Hand geschah. Lediglich für den Transport wurde auf dem künftigen Damm eine Feldbahn erstellt, welche mit Dampf und später elektrisch die Loren gezogen hat.Bis heute ist diese Anlage in Betrieb.

Da der Rhein ständig neues Geschiebe Richtung Bodensee bringt, muss verhindert werden, dass sich das östliche und wenig tiefe Seebecken auffüllt, sonst könnte man in absehbarer Zeit von Altenrhein zu Fuss nach Lindau gelangen. Deshalb wird der Damm noch immer periodisch verlängert um die Ablagerung in eine tiefe Stelle des Sees zu kanalisieren.

Diese Bahn wird aber gleichzeitig touristisch genutzt und führ von Lustenau bis an den See. Doch zuerst sollte gevespert werden, was dank des milden Klimas noch immer im Freien möglich war.

Autos und Fahrer geniessen den Mittagsrast

Ebenso war genügend Zeit vorhanden, um wieder einmal endlos über die revolutionäre Technik von 1934 zu diskutieren. Dani Eberlis 6-Zylinder Aggregat ist ja in der Zwischenzeit im Klub zur Legende geworden (Sechs Aschenbecher für einen Nichtraucher!) und keiner staunte, als eben dieser Motor plötzlich abgedeckt war, weil Dani quietschende Geräusche zu hören vermeinte, welche er auf einen schlecht geschmierten Kipphebel zurückführte. Hansueli Streit packte mit an und bald konnte das faszinierende Ventilspiel dieses Oberklassenmotors beobachtet werden.

Hansueli Streit und Dani Eberli (verdeckt) an den Kipphebeln

Am nachmittag wurde Züglein mit einem leicht angeheiterten Männerverein (Chor, Turner?) geteilt, welche zeigten, dass man es auch im fortgeschrittenen Alter (und offensichtlich ohne Tractions) noch sehr fidel haben kann.

Gemütlich zuckelte der Zug auf dem Damm und zeigte auf der einen Seite den Rhein und auf der anderen die fitte Bevölkerung auf Rollerskates, Fahrräder oder Schusters Rappen.

Die Dammbahn fuhr an diesem Tag leider elektrisch
In der Nähe des Sees konnten dann renaturierte Auen beobachtet werden, welche aber wegen des tiefen Wasserpegels des Bodensees einen eher braunen Eindruck machten.Spätestens hier wurde klar, dass der Name Lustenau vermutlich auf diese Auen zurückzuführen ist und nicht ein Schreibfehler von "Lust am Auto" ist.
Renaturierte Auenlandschaft - so muss der Rhein früher ausgesehen haben
Trotzdem verging den Clubmitgliedern die Lust nicht und beim Geleisende folgte ein Bummel dem See entlang Dieser lockte dank einer recht steifen Bise nicht zum Baden. Fürs Segeln währe es aber ideal gewesen. doch dafür fehlte die Zeit, hatte die Lokomotive doch in der Zwischenzeit vom Zugskopf ans Zugsende gewechselt welches somit nun wieder Zugskopf war. Gut muss man das mit dem Auto nicht jedesmal machen, wenn man aus einer Parklücke fährt!
Hanspeter Rubitschon, Walti Homberger, Hans Brunner (v.l.)

Grosses Abschiednehmen wieder auf dem Werkgelände. Die unermüdlich Freunde hatten nun ihren Kater endgültig überwunden und beschlossen, noch eins draufzugeben. So führte die individuelle Rückreise nach steilem Aufstieg aus dem Rheintal ins appenzellische Gais und dann via Appenzell, Hundwil, Herisau nach Gossau und von dort wieder nach Matzingen.

Die letzten Kilometer zu den heimatlichen Garagen waren durch eine untergehende Sonne gekrönt welche diesen schönen Anlass ein letztes Mal vergoldete.

Rückreise in den Abend

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