Traction und andere Oldies am anderen Ende der Welt
 

Urlaub, weg aus dem Alltag und das für längere Zeit! Ja ich hab mir das vor mehr als einem Jahr mal gegönnt. Und so machten meine Freundin Bea und ich, uns am 15.12.2000 auf den Weg zum Flughafen Zürich - Ziel Auckland - Neuseeland.
Von der wunderbaren Natur und dem Meer gefesselt, vergasen wir relativ schnell den Alltag und es kam bald so richtige Urlaubsstimmung auf. Unterwegs mit einem gemieteten Toyota Corolla fuhren wir entlang der Küste Richtung Süden. Die Schönheit der Landschaft, die einsamen Buchten und das rauschen des Meeres hab ich heute noch vor mir bzw. in meinen Ohren. Beim so dahinträumen und betrachten der Landschaft musste ich doch hin und wieder auch auf die Strasse schauen, und da erblickte ich überraschend oft Autos, denen ich so lange nachsehen musste, dass sich Bea ab und zu gezwungen fühlte mich daran zu erinnern, dass ich am fahren bin und gefälligst auf die Strasse zu achten habe. Es waren natürlich Oldtimer, die mich für einiges Sekunden Aufmerksamkeit kosteten.
. Da ein Morris Pickup, was zu verkaufen. Vollbremsung - Rückwärtsgang. Ich musste diesen hübschen "Mini-LKW" natürlich auch gleich von allen Seiten fotografieren, so was sieht man bei uns ja auch nicht alle Tage. Sicher etwas renovierungsbedürftig schien mir aber 800 NZ Doller ( sind ca. 600 sFr) nicht sehr viel.Weiter ging es Richtung Süden in die Stadt Tauranga. Na ja Stadt kann man nicht wirklich sagen, nicht größer wie St. Margarethen, aber für Neuseeland eine Stadt. In einer Strasse viel mir auch gleich schon wieder so ein "altes" Ding auf - ein Rover Baujahr 57. Nachdem wir unsere Essensvorräte wieder aufgestockt hatten machten wir es uns in einen Cafe gemütlich und begannen Ansichtskarten zu schreiben. Es ging nicht lange, da hörte ich das Gurgeln eines V8 Motors.
Da fuhr ein tiefergelegter Cadillac an mir vorbei, so laut, dass man das eigene Wort nicht verstand. Es ging nicht lange, da folgte noch so einer. Tiefergelegt, der Fahrer so klein, dass er durchs Lenkrad hindurch auf die Strasse sah. Von da an war es mit Kartenschreiben vorbei, denn ca. alle 5 Minuten schlich so eine Limousine vorbei. Nicht mehr als 40 km/h dafür aber umso lauter die "Musik" aus Radio und Motorraum. Ich dachte ein an Oldtimertreffen, aber dem war nicht so. Anscheinend gibt's dort ein paar junge Leute, die solche Schlitten aufmotzen und dann den ganzen Tag nichts anderes machen als im Corso durch die Stadt zu fahren.
Einer blieb sogar stehen, damit ich ein Foto von ihm machen kann und legte dann einen Kavalierstart hin.
Das Motorgeräusch noch in den Ohren ging es zurück zu unserem Campingplatz. An einer Kreuzung, ich auf das Grünwerden wartend, wurde ich von Bea geschupst und sie deutete auf ein Auto, das uns gerade rechts überholt. He eine DS - In den Rückwartsspiegel geschaut, rechts blinken und schon nachgedüst. Ich wollte zumindest ein Foto machen, damit ich's Euch erzählen kann, dass man auf der anderen Seite der Welt auch Citroen fährt ;-). Während dem Fahren zu fotografieren ist nicht sehr einfach und darum ist das Foto auch nicht wirklich etwas geworden - total verschwommen und unscharf - leider.
Zufällig bekamen wir mit, dass sich ganz in der Nähe ein Oldtimermuseum befindet und das war auch das Ziel des nächsten Tages. Wir waren die Ersten die vor dem Gebäude standen, ungeduldig bis der Zeiger der Uhr auf 12 sprang und es 9 Uhr morgens war. Der ältere Herr an der Kassa war sehr freundlich und überrascht, dass wir von so weit her in sein Museum kommen.
Ein Stück schöner als das Anderen und vor allem waren da Marken zu sehen, von denen ich teilweise noch nie was gehört hab, bzw. vielleicht mal gehört, aber noch nie gesehen. Bea verliebte sich gleich in einen wunderschönen himmelblauen Morris Minor.Und da war doch ein "For sale" Schildchen in der Windschutzscheibe. Rein interessehalber wollte ich wissen was er kostet und so fragten wir den Herrn, der gleich in einem Redeschwall uns die ganze Geschichte der Oldtimer in Neuseeland erzählte. Schlussendlich bekamen wir ein Zettelchen in die Hand gedrückt wo alle Wagen, die verkauft werden aufgelistet waren. Morris Minor : 3500,- NZD = 2600 sFr. Das kam mir sehr wenig vor, da er sich doch in einem rein optisch und anscheinend auch technisch einwandfreiem Zustand befand. 2 Wagen danach stand ein Morris Open Tour auch zu verkaufen. Auch die 1000,- NZD die dafür verlangt wurden fand ich sehr wenig. Da fragte ich spaßeshalber den Herrn, dem unsere Begeisterung für die Autos sichtlich erfreute, wie es denn wohl mit einem Transport nach Europa aussehen würde. Gar nicht überrascht sagte er: "Na ja das ich eigentlich kein Problem, ein Container, in den 2 Autos reingehen kostet ca. 4000 sFr und dann steht er in Amsterdam oder Hamburg. Ich rechnete so vor mich hin und fing schon an das ganze auszumalen, wie das wohl wäre...
Dann rief mich Bea: "He Martin schau ein Citroen !". Die Gedanken über Transport usw. mal auf die Seite geschoben folgte ich Bea in den 2. Schauraum. Wau, das standen doch tatsächlich Citroens und das nicht nur einer. 0Schön, echt superschön. Leider kenn ich mich in der Traction-Geschichte nicht so perfekt aus und so kann ich euch nur erzählen was auf dem Schildern stand. Auf dem Schild stand Citroen 15 Light (Baujahr 55). Wie man sieht ist es ein Linkslenger und so denke ich dass der Wagen in England produziert wurde, aber ich denke ihr kennt euch da besser aus. Da Neuseeland unter der Englischen Krone stand gibts dort auch sehr viele Englische Wagen. Neben diesem stand ein noch schönerer, der mit Citroen Faux Cabriolet Baujahr 36 beschriftet war. Schön nicht ? - vor allem die Farbe, anscheinend original. Kurzfristiges Heimweh machte sich bei mir bemerkbar - Heimweh zu meinem Restaurierungsobjekt. "Mann wenn meiner nur auch mal so schön wird wie diese hier" dachte ich mir, und denke ich übrigens immer wieder wenn ich die Autos in der Galerie auf der Homepage betrachte.

Auch ein 2CV und eine DS waren in der Sammlung vertreten. Diese Franzosen waren aber alle nicht zu verkaufen. Leider war der Herr, der uns bis dahin eine quasi Führung gegeben hatte, wieder mit dem kassieren des Eintrittes beschäftigt uns so konnte ich nicht mehr genaueres über die Tractions erfahren.
Ganz hin und weg von den schönen Autos fiel es uns nicht leicht das Museum wieder zu verlassen. Der Gedanke an die günstigen Oldies und der anscheinend nicht allzu komplizierte Transport lies mich aber noch lange nicht los, doch angesichts des Kontostandes, den wir nach unserer Rückkehr erwarteten, musste ich auch diesen Traum schnell wieder vergessen.
Auch während der nächsten 3 Wochen unserer Reise sahen wir wunderschöne alte Autos, leider war aber kein Citroen mehr dabei. Unsere Reise ging am 14.1.2001 nach wunderschönen 4 Wochen leider wieder zu Ende und der Alltag hatte uns relativ schnell wieder. Zum Glück haben wir viele Dias gemacht und so können wir uns heute noch hin und wieder in der Vergangenheit zurückversetzen.
Ich kann - nicht nur der Auto wegen - dieses Land wirklich jedem empfehlen, der seine Reiselust stillen will.
Das Museum befindet sich übrigens in Te Puke in der Nähe von Tauranga, direkt am Rotorua Highway und nennt sich "Vitage Auto Barn, where older cars are seen and loved".

Martin Schreiber & Beatix Ernst

:martin.schreiber@extranetz.net

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