Schweizer Illustrierte Zeitung Nr. 46, 11. November 1957

Der Mord an Peter Märki

Der vermisste Vertreter wurde das Opfer eines verbrecherischen Liebespaares
Als sich der 26jährige Gipser Max Märki aus Brugg am Mittwoch freiwillig der Polizei stellte, die seit 18 Tagen erfolglos nach einer Spur des seit dem 19. Oktober vermissten Vertreters Peter Stadelmann aus Rohr gesucht hatte, enthüllte er eines der grausamsten Verbrechen der schweizerischen Kriminalgeschichte. Um mit seiner 21jährigen Geliebten, dem norwegischen Küchenmädchen Ragnhild Flater, das ein Kind von ihm erwartetet, nach Amerika auswandern zu können, hatte Märki im Einverständnis mit seiner Freundin Peter Stadelmann durch ein Lockinserat dazu bewogen, nach Baden zu kommen, wo er ihm einen Occasionswagen für 4000 Franken verkaufen wollten. Auf der Fahrt in Märkis Auto zur angegebenen Besichtigung des Wagens schlugen die beiden Verbrecher ihr Opfer tot, raubten es aus und warfen es bei Birmenstorf in die Reuss. Nachdem Märki gestanden hatte, wurde Ragnhild Flater verhaftet - auch sie gab die Tat sofort zu. P.W. B
Der Mordwagen hatte einen Unfall. Märki hatte sein Auto nach dem Mord gewaschen, die blutbespritzte Dachauskleidung herausgerissen und den Wagenheber ausgeglüht. Zehn Tage nach der Tat hatte er aber mit dem Automobil einen Unfall und versteckte es in Unter-Bözberg.
Der 30jährige Peter Stadelmann, ein erfolgreicher und ausgezeichnet beleumdeter Vertreter aus Rohr, wurde von Märki zu einem Rendez-vous nach Baden bestellt und im Auto ermordet. Dieses hübsche Mädchen aus guter Norweger Bauernfamilie war nicht nur mit Märkis teuflischem Plan einverstanden, sondern wirkte bei der Ausführung der furchtbaren Tat aktiv mit.
Schon acht Tage nach dem Mord hatte Landwirt Rudolf Schälki aus Bözberg die Polizei in Stalden auf Märki als möglichen Täter aufmerksam gemacht. Schälki, der als Betreibungsbeamter in Bözberg Märkis Schrift nach einer Reproduktion des Lockinserates in einer Wochenzeitung unseres Verlages erkannt hatte, fand unverständlicherweise keine Beachtung. Märkis Meister, Hans Urech, ist der Mann, dem die Aufklärung des Mordes gelang. Er war stutzig geworden, als ein Mitarbeiter Märkis ihm von dessen merkwürdigen Redensarten berichtet hatte, und hatte ihn gestellt. In Urechs Verhör brach der Mörder zusammen.
Bisher suchten die Froschmänner der Polizei umsonst nach dem Leichnam Peter Stadelmanns, der von der Reussbrücke bei Birmenstorf ins Wasser geworfen wurde.
Der Gipser Max Märki aus Brugg, der von seiner Frau getrennt lebte und ein Kind von seiner norwegischen Geliebten erwartete, hatte den gemeinen Mordplan ersonnen, um sich und Ragnhild Flater Geld für ihre Auswanderung zu beschaffen.

 

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