Sonne, Regen und Geschicklichkeit
Ausflug 2004 der Region Nord
Unter diesem Motto ging am 20. Juni der CTAC-Ausflug der Region Nord über die Bühne. Da die Zeiten, als Nord-Anlässe grundsätzlich „unter Wasser“ stattfanden, längst vorbei sind, waren im Feld der Fahrer auch erfreulich viele aus den benachbarten Regionen anzutreffen. So hatte unter anderem auch der Präsident des CTAC samt seiner Gattin den Weg aus dem luzernischen Hinterland ins zürcherische Adliswil unter die Räder genommen, wo er auf eine grosse Schar von erwartungsfreudigen Tractionisten stiess.
     
Für einmal waren die Einheitsreihen der Gangsterlimousinen aber durch DS-Fahrzeuge aufgelockert, welche als Gäste an diesem CTAC-Anlass teilnehmen konnten. Der offerierte Begrüssungskaffee wurde in einer Werkhalle eines nicht gerade Romantik versprühenden Gewerbeareals eingenommen, welches sich aber für den ersten Programmpunkt als geradezu ideal erweisen sollte. Vorerst erfolgte aber die Registrierung und „Benamsung“ der Teilnehmer durch die charmante Corinne Bräuer.
     
Diese zeichnete zusammen mit ihrem Gatten Ruedi für die Organisation dieses Ausflugs. Letzterer, nicht nur Tractionist sondern auch Mitglied des Oldtimer Clubs der Feuerwehr Adliswil, hatte seine Kollegen motivieren können, diesen Anlass logistisch tatkräftig zu unterstützen. Angefahren waren die wackeren Mannen im historischen, und schön restaurierten Mowag-Feuerwehrfahrzeug, welches noch für eine Ueberraschung gut sein würde. Doch davon später.
     
Zum Start galt es nun, - ein Graus für alle Morgenmuffel – volle Konzentration zu zeigen, denn ein Geschicklichkeitsparcour der Sonderklasse wartete zwischen den Gewerbebauten auf die Fahrer und Fahrerinnen. Die erste Prüfung sah noch relativ harmlos aus. Ein Keil war mit dem rechten Vorderrad zu treffen und genau auf dessen Mitte – durch einen roten Strich markiert – musste gestoppt werden.
     
Bereits hier zeigte sich aber klar: die Traction ist ein tolles Fahrzeug aber die mangelnde Sicht macht das präzise Fahren zu einer reinen Gefühls- und Erfahrungssache. Noch schwieriger war die nächste Herausforderung. Ein an der vorderen Stossstange hängender Pendel musste über eine, auf dem Boden liegende, Zielscheibe gebracht werden. Nur waren natürlich aus dem Cockpit weder Pendel noch Zielscheibe zu sehen!
     
Etwas leichter die folgende Prüfung: Das linke Vorderrad drückte, falls präzis gefahren wurde, Wasser aus einem Feuerwehrschlauch in ein Messgerät, welches bis zu einem präzisen Niveau mit Wasser gefüllt werden musste. Waren alle bisherigen Uebungen im Vorwärtsgang absolviert worden, wechselte nun der Fahrer in den Rückwärtsgang und versuchte so nahe an ein Tor zu fahren, dass sich dieses gerade noch öffnen liess, ohne die hintere Stossstange zu touchieren.
     
Schmerzlich wurde hier den Fahrern bewusst, dass die Sicht nach hinten, wegen der bescheidenen Rückscheibe, den Eindruck eines Blindfluges erweckte.Ebenfalls im Rückwärtsgang war durch das Fahrzeug an einer Leine sehr dosiert zu ziehen. Diese war nämlich mit dem Ventil eines Gerätes verbunden, welches einen Ballon füllte. Dieser durfte weder zu gross noch zu klein aufgeblasen werden, um dem Fahrer die volle Punktzahl zu bescheren.
Die Versuchung war natürlich gross, etwas zu rasch rückwärts zu fahren, um den Ballon zum Platzen zu bringen und ... Agi Eberli – die als Postenchefin amtete - bös zu erschrecken.
Der zweitletzte Posten diente trefflich dazu, den Grössenwahnsinn gewisser Fahrer zu kurieren. Aus Distanz konnte per Fernsteuerung ein Tor in der Breite und Höhe verstellt werden. Ziel war es, dieses genau dem Profil des Fahrzeuges anzupassen. Hier zeigte sich praktisch bei allen Fahrern, dass sie die Grösse ihres Fahrzeuges massiv überschätzten. Rühmliche Ausnahme war Christian Heussi, welcher die Prüfung mit seinem Cabriolet absolvierte.
Da er als einziger die Höhe seines Wagens unterschätzt hatte, klappte er flugs die Frontscheibe nach unten, womit ein Unterfahren des Hindernisses mühelos möglich wurde.
Der Höhepunkt des Parcours war zugleich der Abschluss. Die Uebung war so heikel, dass die Tractions geschont und eine nicht mehr ganz strassentaugliche Dyane verwendet wurde. Diese hatte es in sich. Lenkte man nach links, brach das Fahrzeug nach rechts aus und umgekehrt. Peter Weber hatte dieses Vehikel vor Jahren einmal trickreich so abgeändert, dass die Lenkung genau verkehrt funktioniert.
Ein an und für sich einfacher Parcours erwies sich nun plötzlich als so schwierig, dass unweigerlich traumatische Erinnerungen an die ersten Fahrstunden auftauchten. Interessanterweise gab es aber vereinzelte Fahrer, die auch mit der verkehrten Steuerung so gut zu recht kamen, dass man meinte, sie könnten auf Knopfdruck ihr Hirn umpolen.
Eigentlich war das Mittagessen nun verdient, noch fehlte aber die eigentliche Ausfahrt. Rasch wurde der Convoy gebildet und eine glänzende Fahrzeugkolonne bewegte sich über den Albispass ins Säuliamt. Ebertswil (in der Gemeinde Hausen am Albis) verfügt über einen gastfreundlichen Bauernhof, welcher für das gemeinsame Mal die ideale Kulisse bot.
     
Hier sollte nun auch das bereits erwähnte MOWAG seinem Löschauftrag gerecht werden. Oeffnet man hinten die Hecktüren, findet man zwar wie erwartet Ventile. Diese dienen aber nicht der Wasserbeförderung sondern lassen reines Bier sprudeln. Somit kann dieser originelle Oldtimer immerhin noch Durst löschen. Ebenfalls schon vorbereitet war ein Grillbuffet, welches durch die Helfer vom Oldimer-Feuerwehrclub bedient wurde und mit welchem sie ihrer Lust am Feuer frönen konnten.
Es muss nicht speziell betont werden, dass unter diesen Umständen die Stimmung rasch in Höchstform war.
Eine weitere Ueberraschung sollte aber kurz darauf folgen. Litten die Verantwortlichen der Region Nord (Hanspeter Rubitschon, Ruedi Jutz und Peter Weber) halt doch etwas darunter, dass ihr Ruf, schlechtes Wetter planen zu können, dermassen Schaden genommen hatte? Wie auf Befehl verschob sich nämlich gegen 13:00 ein ganz kleines, lokales Gewitterwölklein präzis über Ebertswil und öffnete seine Schleusen. Die sich nun abspielenden Szenen waren filmreif.
     
Ob allerdings der Clubfilmer Peter Weber die Versuche, die angebissenen Bratwürste vor dem Regen zu retten, aufgenommen hat oder lieber seine Kamera vor dem Regen in Schutz brachte, werden wir wohl erst an der nächsten GV anlässlich seiner Filmpräsentation in Erfahrung bringen.Zum Glück haben Bauernhöfe grosse Vordächer und allerhand Scheunen und Geräteräume. Der Regen trieb sein fieses Spiel gerade so lange, bis alle in Sicherheit waren um dann wieder dem Sonnenschein Platz zu machen.
     
So konnte die Rangverkündigung wieder im Freien stattfinden. Hansruedi Lüscher durfte unter Applaus den ersten Preis entgegen nehmen. Speziell sind aber Monika Trümmel und Renate Streit zu erwähnen, welche sich ebenfalls tapfer geschlagen hatten und die Hoffnung aufkeimen lassen, dass zumindest im fahrerischen Teil unseres Hobbies, sich vermehrt Frauen beteiligen.
     
Offiziell war der Anlass damit beendet. Gerhard und Monika Trümmel luden aber spontan diejenigen, deren Heimweg in Richtung Zürcher Oberland lag, zu einem Kaffee ein. Diese inoffizielle Verlängerung bescherte den Beteiligten eine schöne Fahrt über den Hirzel nach Horgen. Die Einschiffung auf die Fähre erinnerte an einen früheren Nordausflug, wo dieselbe Uebung im Scheeschauer und mit heftigen Winden verbunden war.
     

Diesmal aber lachte der Himmel und der Pfannenstil konnte bei schönstem Wetter traversiert werden. Entlang des Greifensees erreichten die Fahrer Hermikon im Glatttal, wo der Tag auf dem gastfreundlichen Hof der Trümmels ausklingen konnte.

Bericht: Rudolf Weber

Fotos: Rudolf und Elisabeth Weber

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