Der Traction Avant Tachometer
am Beispiel einer 11B, 1955

Rudolf Weber

Am Tage der letzten CTAC-GV herrschte zwar kaltes, aber schönes Wetter. Ich beschloss deshalb - Januar hin oder her - mit meiner Traction nach Nottwil zu reisen. Doch kaum auf der Strasse, riss mich ein kreischender Ton aus meiner GV-Vorfreude. Eine kurze Kontrolle am Strassenrand ergab, dass das Geräusch nicht vom Motor kam. Ein weiterer Fahrversuch führte, ab ca. 60 km/h wiederum zu diesem unangenehmen Geräusch. Doch irgendwie hatte ich den Eindruck, dass mein Fahrzeug nicht nachhaltig geschädigt würde, und so setzte ich meine Fahrt fort.

Auch auf der Heimreise begleitete mich das Geräusch, mal stärker mal weniger stark. Deshalb untersuchte ich das Problem, sobald ich zu hause war. War es der Zündverteiler? Oder streifte der Ventilator am Kühler? Doch diese Geräusche müssten eigentlich auch bei stehendem Fahrzeug zu hören sein. Die Vorderachse konnte es nicht sein, dazu war der Ton zu hoch. Nach langem Grübeln beschloss ich, die Tachosaite abzuhängen. Und siehe da, das Geräusch war weg.

Pfingsten nahte und damit unser grosses Jubiläum. Anfänglich hielt sich der Wagen recht gut doch je näher das Ziel kam, je häufiger lärmte der Tacho. Da Albi Schorta in Frutigen einen fliegenden Stand hatte, kaufte ich bei ihm eine neue Tachosaite. Ein Einbau auf dem nassen, kühlen Flugplatz war mir aber zu mühsam, das musste bis zu hause warten.

Doch nach dem Brünig stieg der Lärmpegel ständig, das Kreischen ging in ein Heulen über und verunmöglichte jegliche Unterhaltung in der Kabine. Meine Frau bastelte sogar aus Taschentüchern einen Gehörschutz. Beim Autobahnende in Sihlbrugg ging dann der Lärm in ein so schrilles Crescendo über, dass die Weiterfahrt unmöglich war. Ich musste die Tachosaite abhängen und mich bei der Fahrt durch Zürich - vorbei an vielen Radarkästen - auf meine Schätzung verlassen.

Die Ueberraschung folgte dann zu hause, als die sofort eingebaute, neue Tachosaite überhaupt keine Besserung brachte. Nun blieb nichts anderes übrig, als den Tacho auszubauen. Das ist - zumindest bei meinem Citroen-Modell - eine äusserst mühsame Angelegenheit, muss doch ein zwischen dem Fensterrahmen - der auch den Tacho umschliesst - und dem Armaturenbrett steckendes Zwischenblech entfernt werden. Darin eingebaut ist der Lichtregler für die Tachobeleuchtung, welcher natürlich auch entfernt werden muss. Nun können - mit dem Kopf auf dem Kupplungspedal - von unten zwei Muttern erreicht werden, die den Tacho im Fensterrahmen festhalten.

Sind diese gelöst, folgt das Abflanschen der Tachosaite und das Abklemmen der Kabel zu Tank- und Batterieanzeige, sowie der Stromversorgung für die Tachobeleuchtung. Das ausgebaute Teil sieht dann wie folgt aus:


Um zum eigentlichen Zählwerk zu gelangen, welches im viereckigen Kästchen sitzt, müssen dessen Befestigungsschrauben links und rechts gelöst werden. Leider lässt sich der Deckel aber noch nicht abheben. Die Tageskilometer-Rückstellschraube verhindert dies. Nach langem Rätseln entdeckte ich dann die kleine Schraube, mit der sich diese Achse trennen lässt:

Nun ist es möglich, die Funktion des Tachos zu studieren. Die Tachosaite bewirkt zweierlei. Erstens überträgt sie die Drehung via ein Schneckengetriebe auf das Zahnräderwerk des Kilometerzählers und zweitens dreht eine seltsame Scheibe völlig leer. Wie kommt nun Bewegung auf die Tachonadel? Es besteht keine mechanische Verbindung von dieser Scheibe auf die Nadel. Die Tachonadel ihrerseits sitzt ebenfalls auf einer Scheibe, die ganz nahe bei der ersten Scheibe liegt. Die erste Scheibe ist aus magnetischem Material. Ein Magnet erzeugt ein Magnetfeld. Dreht die Scheibe, so dreht sich auch das Magnnetfeld. Die zweite Scheibe liegt nun in diesem Magnetfeld und hat, weil sie aus Eisen ist, das Verlangen, ebenfalls mitzudrehen. Nun wäre aber ein Tacho, dessen Nadel sich mit hoher Geschwindigkeit dreht, nicht sehr hilfreich.

Die Tachonadel muss also gebremst werden. Sie ist deshalb an einer Feder fixiert, die ähnlich aussieht, wie die Unruhe einer Uhr. Federn neigen dazu, je stärker sie gespannt werden um so mehr Widerstand zu leisten. Die zweite Scheibe will also fleissig mitdrehen, wird aber von der Feder gebremst. Je schneller nun die erste Scheibe dreht, umso stärker sind die magnetischen Kräfte auf der zweiten Scheibe und um so mehr kann diese ausschlagen.

Das Reinigen und vorsichtige Schmieren der Zahnräder, vor allem die Uebertragung von der Saite auf das Km-Zählwerk haben die störenden Geräusche völlig zum Verschwinden gebracht. Noch waren aber nicht alle Klippen umschifft. Nach dem Zusammenbau muss der Tacho neu geeicht werden. Dazu hat es im Gehäuse eine kleine Oeffnung, durch die ein Schraubenzieher eingeführt werden kann, um die Federvorspannung einzustellen.

Mangels Prüfstand musste ich das während dem Fahren machen, wozu die Tachoeinheit noch nicht im Fensterrahmen eingebaut sein darf. Einem Begleitfahrzeug folgend, das z.B. konstant 60 km/h fährt, kann nun mit etwas Geduld der Tacho wieder präzis eingestellt werden.

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