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15CV Six Fachsimpeleien

Wieder einmal erreicht uns ein sehr interessanter Bericht unsers holländischen Traction Kollegen Karel Beukemann. Er schildert, wie er dem grossen Ölverlust in seinem Six-Motor begegnet ist.

Liebe Freunde

Seit langem habt Ihr von mir kaum etwas gehört. Grund ist nicht, dass ich Euch nicht mehr mag, oder dass ich des Traction Virus genesen bin. Also nichts Beunruhigendes; das Erste wäre bereits unerträglich; was ich jedoch ohne Tractions mit meiner Freizeit und meinem sich dann nicht mehr ständig entleerenden Bankkonto machen sollte, darüber will ich gar nicht mal nachdenken!

Ab 1. Juli hab ich in der Firma eine neue oder eher erweiterte Verantwortlichkeit bekommen, die mich viel öfter als vorher auch zu unseren englischen Konzerngesellschaften bringt. Der Grosse Chef hat gemeint, ich könne wohl das Gesamte zusätzlich auf meine Schultern nehmen. Bei meiner Frage, ob er der Meinung war, dass ich die Hälfte meiner Zeit aus dem Fenster gucke, blieb es still.... Abgesehen davon, ist es selbstverständlich immer gut, eine neue Herausforderung anzugehen. Ich darf ja noch gute sechs Jahre an die Arbeit, wass übrigens im Hinblick auf meine unheilbare oleopneumatische Krankheit eher als Notwendigkeit, statt als Luxus zu betrachten ist.

In den letzten Monaten habe ich also eher Flugmeilen als Traction Kilometer gesammelt. Es hat auch damit zu tun, dass ich durch Umständen gezwungen war, meine Freizeit über größere Arbeit an zwei Tractions statt einer zu verteilen. Meine Hoffnung, dass der schwarzen Six es bis zur Fertigung des Hydrauliqe ohne größeren Mangeln aushalten würde, hat sich leider als voreilig ausgewiesen. Im Juli bereits spürte ich auf einmal ein leeres Expansionsgefäß der Kühlanlage und ein dementsprechend erhöhtes Ölniveau in der Wanne. Die Experten wissen bereits, was dies bedeutet. Ersetzen der Zylinderkopfdichtung - die einfachste Kur ohne den Motor auszubauen - hat nichts gebracht. Logisch, da der Kopf noch richtig flach war (gemessen wurden 0,03 mm Abweichung, nicht schlecht nach 17.000 km!) und die alte Dichtung keine Leckspuren aufwies. Aber man konnte es doch immerhin versuchen, nicht war….

Dass der Weltrekord beim Ausbauen eines Six Motors auf meinem Namen steht, wißt Ihr bereits: es hat nichts mit Talent, alles mit Erfahrung zu tun. Nach der Demontage stellte sich heraus, dass eine der Fußdichtungen unter den Zylinderbüchsen teilweise verschwunden war. Wie dies nach diesen vielen Kilometer, vom einen Moment auf den anderen so passieren konnte, kann ich schwer verstehen; Fakt ist es jedoch.

Die Kolben und Büchsen waren noch in bestem Zustand; fast wie neu! Das wundert mich ehrlich gesagt nicht, da ja mit dem hohen Ölverbrauch die Schmierung optimal gewesen sein muss. Nach Rücksprache mit ein Paar Experten habe ich die Zylinderbüchsen jetzt sorgfaltig mit Ventilschleifpaste auf den Sitzen eingeschliffen.Nachdem ich dies gemacht hatte,wunderte es mich, dass die ganze Chose es so lange ohne Lecken ausgehalten hat! Dazu kommt, dass jetzt die Überstände der Büchsen besser sind als vorher: 0-0,03 mm ohne Dichtungen, mit 0,08 mm Dichtungen also 0,08-0,11 mm,was nahezu genau den Werksvorschriften entspricht. Eines habe ich noch gelernt: die sogenannte „Standart“ Fußdichtungen von 0,10 mm, die von den unterschiedlichen Händlern geliefert werden, haben eine Stärke von nur 0,05 mm. Um etwas mit der Stärke der Fußdichtungen experimentieren zu können, hatte ich mir auch einen Satz 0,075 mm gekauft. Die erwiesen sich also wie 0,08 mm, was übrigens vermutlich eher eine Abrundungssache des digitalen Messgerätes ist.Diesmal hatte ich mich auch entschieden, die Dichtungen mit ein ganz wenig Silikonendichtungspaste einzuschmieren. Jetzt bin ich mir 100% sicher, dass die Fußdichtungen nicht mehr Ursache einer Leckerei sein werden. „Jeder Nachteil hat seinen Vorteil“ ist eine in unserem Land berühmte Aussage des famosen Fußballpropheten Johan Cruijff. Sie trifft auch hier zu: in der Hoffnung, den Ölverbrauch herunterbringen zu können, hatte ich mir auch einen Satz neue Kolbenringe gekauft. Diese Kolbenringe sind zwar genau von der gleichen Größe wie ihre Vorgänger, besitzen jedoch eine erheblich größere auswärts gezielte Federkraft. Hiermit scheint wohl das öfters gehörte Problem des hohen Ölverbrauches bei den LKAP Kolben erklärt zu sein. Obwohl der Motor noch immer zusammengebaut in meiner Garage, fertig zum Einbauen steht, bin ich mir fast sicher, dass das Problem des Ölverbrauchs zur Vergangenheit gehören wird.

Diese Gelegenheit habe ich auch genutzt, das Getriebe teilweise zu zerlegen und die meisten Lager zu ersetzen. Der Lärm des Getriebe hat mich alle inzwischen 32.000 km,die ich mit dem Auto gefahren bin, gestört und ich hatte immer das Gefühl, dass das Getriebe mich nach der nächsten Kurve im Stich lassen würde. Wie man auf dem Bild sehen kann, sind die Zahnräder noch in gutem Zustand und ich habe nur die Lager der beiden oberen Wellen und die des Rückwärtsganges ersetzt. Das gleiche habe ich mit den äußeren Lager und den Dichtungsringen der Antriebswellenflanschen gemacht. Die letzten sind jetzt mit „Speedy
Sleeves“ ausgerüstet und werden kein Wasser mehr herein oder Getriebenöl heraus lassen. Ohne –wie schon gesagt- noch einen einzelnen Meter mit dem Auto gefahren zu haben, weiß ich schon jetzt, dass das Getriebe erheblich weniger Lärm produzieren und besser als vorher schalten wird.

Also stehen bei mir zu Hause in der Garage bereits einige Wochen ein Motor und ein Getriebe fertig zum Transport zum Auto, wofür ich mir vor etwa einem Jahr bei uns in der Nähe in eine separate Garage erworben habe. Das Wetter und die Temperatur der letzten Zeit laden jedoch nicht zu dieser Arbeit ein.

Der Streit wird wie gesagt an zwei Fronten geliefert: bei mir zu Hause, so wie etwa 35 km entfernt. Gestern war der große Tag, dass wir den Hydraulique beim Autospritzer abholen konnten.

Nach endlosem Schmirgeln und Polieren, waren wir natürlich sehr gespannt auf das Ergebnis. Die ersten Bilder sind natürlich typisch die eines Autos, dass gerade lackiert wurde. Ich kann nur sagen, dass ich nicht enttäuscht bin, im Gegenteil. Jetzt fängt die mühsame Arbeit des Wiederaufbauens an: ohne den neuen Lack zu beschädigen! Dies wird noch viel Zeit in Anspruch nehmen und es wird sich bestimmt lohnen, den schwarzen Six wieder fahrbereit zu machen, um wenigstens das Traction Gefühl nicht zu verlieren.

Ich wünsche Euch allen frohe ein gutes Neues Jahr.

Karel

Hier die neusten Bilder der Revision der Hydraulique:
 
 
 

Auf diesen Artikel sind verschiedene Reaktionen eingegangen:

Michael Werther, Salzburg

Daniel Eberli, Benken ZH

Helge Torgersen, Wien