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15CV Six Motor-Revision

Hans Georg Koch

Citroën Traction Avant Six Motor

Der erfolgreiche Probelauf ist der Abschluss einer Motorrevision, die ich mir eigentlich ersparen wollte. Anfang September waren wir mit dem in vier Jahren restaurierten und wieder vollständig zusammengesetzten Traction 15 Six H von 1955 auf einer Probefahrt, um alles zu testen, bevor das Auto zur Motorfahrzeugkontrolle musste. Insgesamt fuhren wir ca. 150 km.

Den Motor haben Andreas (mein Sohn) und ich schon vor dem Einbau getestet. Er lief einwandfrei, allerdings testeten wir ohne Belastung. Wir beschlossen aber damals, den Motor nicht auch noch zu zerlegen, sondern ihn nach einem Ölwechsel so einzubauen wie er war. Wahrscheinlich eine falsche Entscheidung, wie sich zeigen sollte.
Auf der Probefahrt machte sich auch nach dem Warmfahren ein hässliches, klopfendes Geräusch bemerkbar, immer beim Beschleunigen oder bergauf. Ebenaus und bergab war alles fantastisch und es war eigentlich eine Freude mit dem Auto zu fahren. Das ungemütlich klopfende Geräusch liess mir keine Ruhe, ich überlegte von Pleuellagerschaden über Kolbenkippen bis zur gebrochenen Kurbelwelle. Ich konnte das keinesfalls so lassen und wollte die Ölwanne zur Kontrolle abnehmen. Bald musste ich jedoch einsehen, dass das ein unmögliches Unterfangen ist, solange der Motor eingebaut ist. Drei Stunden später hing er am Haken des Krans. Beim Ablassen des Öls kam mir bereits eine 12 cm lange M7 Schraube entgegen und nach Ablösen der Ölwanne mit sanften Hammerschlägen fand ich neben allen Teilen des zerlegten Ölsiebes auch ein Drittel eines Kolbenringes im Ölsumpf. Es war ein Ölabstreifring und es war mir rätselhaft, wie der in die Ölwanne gelangen konnte, ohne dass der Motor blockiert hätte. Ich löste die Schrauben der Pleuellager, die aber allesamt eigentlich gut aussahen. Wo war wohl der Fehler?

Der Zylinderkopf musste weg, damit ich die Kolben ausbauen konnte. Kolben Nr. 6, den ich eigentlich verdächtigte hatte alle Kolbenringe und auch Nr. 5. Hingegen fehlte bei Nr. 4 einer der beiden Ölabstreifringe. Die Pleuel waren zwar mit Schlagzahlen nummeriert, aber nicht in dieser Reihenfolge eingebaut. In Zylinder 6 steckte Kolben Nr. 4. usw.. Bei verschiedenen Kolben hatten die Kompressionsringe 1mm und mehr Längsspiel. Wahrscheinlich verursachte dies das mich störende Geräusch beim Beschleunigen, der fehlende Kolbenring von Nr. 4 kann ja unmöglich klappern.
Nach dem Ausbau aller Kolben war mir klar, dass die Sache nicht mehr zu retten war. Es brauchte neue Zylinderlaufbüchsen, neue Kolben mit Kolbenringen und auch neue Pleuelstangen vom D Motor (Schrägpleuel mit einsetzbaren Lagerschalen). Da keine originalen mehr verfügbar waren, entschied ich mich schweren Herzens nachgefertigte aus Indien zu verwenden.

Beim Herausklopfen der Zylinder fand ich im Bodensatz des Kühlwassers einen weiteren Teil des fehlenden Kolbenringes, was mir schliesslich bewies, dass hier jemand den Motor mit brutaler Gewalt und ohne die nötige Feinfühligkeit für Technik zusammengemurkst hatte.

Die Neuteile kamen nach der vorausgesagten Lieferfrist von zwei Wochen pünktlich per Post an. Die Pleuelstangen wiesen aber bei der Kontrolle auf der Waage eine erhebliche Gewichtsdifferenz von über 20 Gramm auf, so dass ich mich entschloss die Pleuelstangen auszuwiegen, damit alle oszillierenden und alle rotierenden Massen gleich schwer waren. (Dies wird Thema eines speziellen Artikels.)
Der Zusammenbau mit Wädi Schmid liess sich an einem Wochenende realisieren nachdem wir auch eine gewaltsame Verletzung eines Kurbelzapfens (nicht durch uns) entdeckt und korrigiert hatten. Je mehr Zylinder (mit Kolben) montiert waren, desto zäher liess sich der Motor von Hand drehen. Nach dem Aufsetzen des Zylinderkopfes erreichten wir das notwendige Anzugsmoment der Zylinderkopfschrauben in mehreren Stufen nach einem komplizierten Schema. Mit 5 Litern Öl eingefüllt, liessen wir uns einen ersten Probelauf auf dem „Prüfstand“ nicht nehmen. Die Mühle läuft!!

Video vom Motorentest:


Nachtrag des Webmasters:
Wie mir Hans Georg Koch mitteilte, ist der Motor in der Zwischenzeit wieder eingebaut und hat eine Testfahrt tadellos bestanden.

Ctroen Traction Avant 15CV Six