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Rostvorsorge an der Traction

"Wo Fett ist, kommt kein wasser hin und wo kein Wasser ist, kann es nicht rosten."

Klaus Barthel

tuerinnenraum Traction Avant

Türinnenraum mit Korrosionsschurtzfett behandelt

Manchmal sind die Dinge logisch und einfach, auch wenn sie in der Umsetzung mit viel Arbeit verbunden sind.
Rostvorsorge ist ein essentielles Thema für jeden Tractionisten und Oldiebesitzer.

Da ich mittlerweile auf fast 40 Jahre Erfahrung mit Rostschutz bei meiner 11 Légère zurückblicken kann, möchte ich meine Erkenntnisse hier weitergeben:

Meine 11BL hatte ich 1977 von einem Bauern aus dem Départment Vienne gekauft, sein Zustand passte zum Kaufpreis von 450 Francs, heute 75 €.

Eine komplette Restauration war fällig, im Rahmen meiner finanziellen Möglichkeiten als angehender Student und im Rahmen der technischen Randbedingungen hinsichtlich der Verfügbarkeit von Ersatzteilen.

Zuerst wurde die Légère komplett zerlegt. Um an die Karosserieschrauben zu gelangen, musste erst einmal der natürliche, bäuerliche Unterbodenschutz entfernt werden. Der bestand aus einem Gemisch von reichlich verwendetem Abschmierfett und Kuhmist, einfach alles, was man auf départementalen Straßen und Hof findet.

Volle 8 Eimer von dieser Pampe kratzte ich mit der Spachtel ab. Darunter sah es recht gut aus. Unter der Fettpampe war kein Rost, generell hatte der Wagen scheinbar noch nie Streusalz gesehen. Lediglich die vorderen Kotflügelecken unter den Robri-Teilen waren durchgerostet. Die wurden durch Reparaturbleche ersetzt.

Dann wurde der gesamte Karosserieunterboden, der Innenboden, Türeninnenteile und die Kotflügelunterseiten, also alles, was keine Aussenlackierung erhielt, mit dem Bürstenaufsatz auf der Bohrmaschine blank gebürstet.

Zinkstaubfarbe

Anschließend wurden alle blanken Bleche mit Zinkstaubfarbe von Hand eingepinselt.
Auch die Kontaktstellen der Kotflügel zur Karosse sowie die Türinnenteile.
Dann wurde die offenporige Zinkstaubgrundierung mit schwarzem Lack überlackiert.

Als nächstes wurde der gesamte Wagen in der Lackiererei von außen lackiert.
Erst danach kam der eigentliche Rostschutz dran.
Zusammen mit einem Oldtimerkameraden hatte ich einen speziellen Schutz ausgetüftelt. Basis unserer Überlegungen war die Erkenntnis, dass dort, wo Fett ist kein Wasser hinkommt und wo kein Wasser ist, rostet es nicht.
Auch die Fettpampe des bäuerlichen Vorbesitzers hatte uns überzeugt.

Wir suchten nach einem Material, welches einerseits kriechfähig ist, andererseits aber auch dauerhaft als elastische Schicht hält und sich nicht „abwäscht“.

Wir suchten nach einem Material, welches einerseits kriechfähig ist, andererseits aber auch dauerhaft als elastische Schicht hält und sich nicht „abwäscht“.

Nach mehreren Versuchen stellte sich ein Gemisch von weißem Kerzenwachs, Frittierfett und säurefreiem Getriebeöl als Optimum heraus. Die Bestandteile wurden in einem großen Topf heiß zusammengekocht und ergaben erkaltet eine Masse mit der Konsistenz von Nutella und der Farbe von weißlicher Schokolade.

Zur Verarbeitung wurde die Masse auf ca. 110-120 Grad erhitzt und mit einer Art Unterbodenschutz- Sprühpistole aufgetragen. Normalerweise mittels Kompressor, wir verwendeten damals einen alten Staubsauger über die Ausblasseite.

Das hört sich alles verwegen an, aber keine Angst. Heute kann man das Material fertig als „Mike Sander Korrosionsschutzfett“ einkaufen. Bei Bedarf gibt es dort auch das passende Verarbeitungswerkzeug dazu. Mike Sander hat mir vor einigen Jahren bestätigt, dass sein Produkt, (mehrfacher Testsieger) auf einem ähnlichen Rezept basiert wie meines, aber einige Jahre später, Anfang der 80er auf den Markt kam.

Korrosionsschutzfett

Korrosionschutzfett

Das Material wird aufgetragen wie Unterbodenschutz, aber auch die Hohlräume, Schweller, Türinnenräume etc. werden ausgespritzt. Wichtig ist, dass das Material bei der Verarbeitung immer heiß ist, weil es dann die Konsistenz von dünnflüssigem Öl besitzt und schön in alle Fugen und Ritzen kriecht.

Eine saubere Arbeit ist das nicht, manchmal sieht man anschließend aus wie ein Schw.... Also alles schön auslegen und abdecken!

Grundsätzlich kann man das Korrosionsschutzfett auch mit dem Pinsel auftragen, wobei hier gilt: je wärmer das Material ist, desto einfacher lässt es sich verarbeiten.

Auch eine anschließende Behandlung mit der Heißluftpistole ist sehr hilfreich.
Optimal ist auch eine Verarbeitung bei sommerlicher Temperatur.

Die sommerliche Hitze nutze ich jedes Jahr, indem ich die Tractions bei Temperaturen um 35 Grad oder mehr in die Sonne stelle. Dann wird das gesamte aufgetragene Korrosionsschutzfett nochmal dünnflüssig und kriecht nochmal von Neuem. Auch kleine Beschädigungen verschließen sich nochmal. Anfangs gab es dann unter den Türen Fett- „Rotznasen“, die sich aber leicht abwischen lassen.

Generell bleibt das Material immer elastisch, anders als Unterbodenschutz, der mit der Zeit verhärtet, reißt und dann Wasser eindringen lässt. Meine 11Légère sieht mit einer 25 Jahre alten Lackierung noch top aus. Kein Rost, keine Blasen, nichts.

Hohlraum behandelt

Hohlraum Tractiion 11C vorne links mit Korrosionsschutzfett behandelt

Ich verwende das Rostschutzfett auch bei der Montage von Karosserieteilen, Blinkern, Türgriffen, Schrauben, Benzin- oder Bremsleitungen. Alles bleibt rostfrei und leicht demontierbar, unter Gummidichtungen entstehen keine Blasen oder Anrostungen. Auch Achsträger lassen sich hervorragend von innen/außen schützen.

Auch defekte Stellen an normalem Unterbodenschutz auf Teerbasis lassen sich mit dem Karosserieschutzfett gut ausbessern.

Wer sich die Arbeit nicht zutraut, findet überall Karosserie- und Unterbodenschutz- Betriebe, die das Mike Sander Korrosionsschutzfett fachgerecht verarbeiten.

Hochzeitsauto

Das vor Korrosion geschützte Auto im Hochzeitseinsatz

Für Rückfragen stehe ich unter klaus@kbarthel.de gerne zur Verfügung.

Klaus Barthel
Dipl.Wirtsch.-Ing. und Tractionist seit 1977