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Ventile des C4
Ventile beim Citroën C4
1. Teil: Der Ausbau

Daniel Eberli

 

Schon eine Weile ärgerte ich mich jeweils, wenn mir die anderen „Hinterrädler“ aus unserem Club in den Steigungen davon fuhren. Dies ging so weit, dass ich mit dem Gedanken spielte, einen 2.1 Liter Renault Motor von ca. 1930 einzubauen, der noch bei mir herumstand, nur um mal die Kollegen ärgern zu können. – Der C4 hat einen 1600-er Motor... (Den Renault Motor würde ich übrigens gerne verkaufen, und wie ich dazu kam, ist eine längere Geschichte.) Die einzige Alternative sah ich darin, bei meinem C4 mal die Ventile einzuschleifen.
Ich hatte mir vorgenommen, im Winter diese Arbeit zu machen und zählte dabei auf die Hilfe eines lieben Kollegen, da ich in dieser Beziehung unerfahren bin. Vor dem 2. Weltkrieg allerdings war es ganz normal, regelmässig den Zylinderkopf abzunehmen, die Ventile auszubauen, zu schleifen und alles wieder zusammen zu bauen. Man nannte dies „den Motor entrussen“. Die schlechtere Benzin- und Ölqualität und der Umstand, dass dem Benzin noch kein Blei beigemischt war, machten diese Arbeit zur notwendigen Routine.
Nachdem ich das Kühlerwasser abgelassen und den Zylinderkopf demontiert hatte, versuchte ich, mich anhand meiner C4 Dokumentation „Les Archives du Collectionneur“ von „Revue Technique Automobile“ schlau zu machen. Ich konnte feststellen, dass die Ventile mit einem Stift gesichert waren – bei der Traction sind es Keile. Ansonsten halfen mir die Bilder wenig, und der Text war so knapp gehalten, dass er mir kaum weitere Informationen lieferte, auch wenn ich das Französisch verstand.

Nun, wozu hat man denn noch das Reparaturbuch vom gleichen Verlag für den Vorgänger des C4, den B14? Insbesondere half mir das nebenstehende Bild für die nötige Erkenntnis, wie ich vorzugehen hatte. Offensichtlich erwartete man beim früheren Modell weniger Sachkenntnis vom Besitzer oder vom Garagisten, denn dort waren die Arbeiten viel detaillierter beschrieben.
Ich entfernte den seitlichen Deckel, wobei ich mich einer grossen Wasserpumpenzange bedienen musste,um die Schrauben zu lösen.

Bevor ich den Motor mit der Kurbel durchdrehte, um die Ventile, die ich ausbauen wollte, zu schliessen, goss ich etwas Öl auf die Kolben, um zu vermeiden, dass durch allfällige Schmutzpartikel an den Zylinderwänden Kratzer entstehen konnten.

Bekanntlich sind bei geschlossenen Ventilen die Stössel entlastet. Ich löste die Kontermutter und stellte das grösstmögliche Ventilspiel ein.

Dann stellte sich die Frage, wie ich die Ventilfeder spannen konnte. Dies war nötig, um den Dorn, der den Druck der Feder auf das Ventil leitet, herausnehmen zu können. Um mehr Platz zu bekommen, entfernte ich den Vergaser. Dann versuchte ich es mit verschiedenen Hebeln und Unterlagen, aber keines der Behelfsmittel funktionierte wunschgemäss. Man müsste eine spezielle Zange haben... Bevor ich weiter arbeitete, wusch ich mit einem mit Dieselöl getränkten Pinsel die Ventilfedern und den Raum darum herum aus.
Schliesslich stellte ich fest, dass sich mit einer Seegering-Zange die Ventilfeder genügend zusammendrücken liess, dass ich ein Stück eines Flacheisens einklemmen konnte. Da der Druck leicht seitlich versetzt war, wurde beim Anheben auch das Ventil gehoben. Dank des eingeklemmten Eisens liess es sich dann jedoch wieder nach unten klopfen, so dass es möglich war, an den Dorn heranzukommen.
Meine Absicht war, den Dorn nach hinten zu schieben, dann das Ventil um 180° zu drehen und den Dorn mit einer Zange vorne raus zu ziehen.Ich drückte mit den Fingern auf den Dorn – und wurde völlig überrascht, wie leicht er sich bewegen liess.
Er fiel gleich hinten raus! Trotz intensiver Suche mit einem Magneten konnte ich ihn nicht mehr finden... (Als ich später den Motor weiter drehte, hörte ich ein einmaliges, leises „Klick“ in der Ölwanne, so dass ich annehmen konnte, dass der Dorn dort unten gelandet war. Ich werde beim Ölwechsel danach suchen...)
Danach spannte ich die Ventifeder wieder mit der Zange, nahm das Flacheisen heraus und entspannte die Feder.

Nun konnte ich das Ventil ohne Probleme nach oben herausziehen.
Mit den anderen Ventilen verfuhr ich gleich. Zwei oder drei Mal war es etwas schwieriger, das Ventil nach oben ab zu ziehen. Indem ich mit der Zange mehrere Hubbewegungen an der Ventilfeder machte und dabei mit dem Ventil eine Drehbewegung ausführte, gelang mir der Ausbau jedoch jedes Mal ohne grössere Probleme.
Bei der optischen Überprüfung stellte ich fest, dass das hinterste Auslassventil einen Riss hatte und nicht mehr rund war. Ein anderes war ebenfalls nicht mehr 100-prozentig rund. Ich rief Peter Weber an, und er konnte mir mitteilen, dass er noch einen Satz Ventile bei sich lagern hatte. Bei unserer Zusammenkunft stellte sich heraus, dass die Hälse der Ersatzventile um 5/10 dicker waren, als diejenigen, welche ich ausgebaut hatte. Dies war ideal, denn bei rund der Hälfte der Ventile hatte ich das Gefühl gehabt, dass die Ventilführungen übermässig Spiel hatten. Dank der dickeren Schäfte können wir die Führungenausweiten, bis die Teile wieder optimal zusammen passen.

Bis Hansueli Streit mir zeigt, wie die Ventilsitze geschliffen werden müssen, werde ich Motorblock und Zylinderkopf reinigen. Über die weiteren Arbeiten werde ich im Teil 2 berichten.

Weiter zu Teil 2