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Restaurierung eines KIVA-Anhängers

Hubert Krome

Seit Erwerb unserer Traction Avant träumen wir von einem Anhängergespann. Die berühmtesten Marken dieser Einachshänger waren sicherlich die Marken O.L.D, E.D.M (Établisssement Denis Michel, Nice), bzw. KIVA aus dem Hause Gourdon Père & Fils in F-49 Brissac (Maine et Loire). Alle drei französischen Marken sind heute so gut wie auf dem Markt nicht mehr zu finden. Während die OLD-Anhänger recht klobig wirken, die Einzelanfertigungen der Umbaukarosseriefirma EDM heute nur noch als fernkosmische Unikate irgendwo als Bilddokument auftauchen, sind die GOURDON KIVA-Anhänger heute als ästhetisch schönste die sicherlich gesuchtesten. Dementsprechend lange dauerte ein "Scheunenfund" über das Internet. Rechtzeitig zur Eurocitro 2014 in Le Mans und der 80-Jahrfeier für die Traction Avant nur 1 Monat später in La Ferté Vidame fand sich im Sommer 2013 ein Kiva-Anhänger "dans son jus" im Département 44. Seit Ende der 1970er-Jahre stand der hauptsächlich im Département 49 gelaufene Anhänger quasi unter freiem Himmel und befand sich in einem dementsprechenden Zustand. Schnell wurden für Blindkauf und Transport zur Offenburger Karosseriebaufirma Frank Basler 500 € "Spielgeld" locker gemacht und ein pekuniärer Totalverlust in Kauf genommen. Selbst ein ansonsten unempfindlicher polnischer Fahrer konstatierte beim Abladen bei Herrn Basler, er habe ja schließlich "nur noch Schrott" transportiert. So werden die folgenden Zeilen eher zum Restaurationsbericht über den Anhänger denn zu einem über die Traction Avant. Traumziel wäre eine Resultatsannäherung an das Marseiller Parademodell in blau gewesen.- Aber zunächst kam es auf die Daumenbewegung von Herrn Basler an, ob das Projekt Wieder-/Neuaufbau Sinn mache oder nicht.

KIVA Anhänger

Herr Baslers Daumen zeigte nach oben, wenn wir zwei Bedingungen mitmachten: dort, wo eine Teilneuanferigung 1:1 nach Modell des Originals mehr Sinn mache als eine viel teurere Aufarbeitung des entsprechenden Parts und Verwendung von Gasfedern zum Ausschluss des früher wegen Fingerabrisses bei Deckelfall höchst gefährlichen, weil unzuverlässigen Halbkreis-Zahnradaufstellers. Die Bedingungen waren ein Heimspiel.
Bei unserem Anhängermodell handelte es sich um eine Planenvariante, die mit ihrem breiteren oberen Rand ohne Deckel so auf die Welt gekommen war. Eine realistische Deckelhöhe von 16 cm teilte uns der Besitzer des Marseiller blauen Modells mit. Und so konnte es los gehen.

Letztlich wurde der ganze Kasten erneuert. Der untere Teil machte nur in einem deckungsgleichen Nachbau Sinn. Den Deckel galt es sowieso herzustellen. Des breiten Randes wegen ist dieser Anhänger heute sicherlich der einzige, der mit Überstand unterwegs ist. An den beiden äußeren Enden wurde die Achse jeweils mit dem neuen Teil verschweißt. Felgen und Radkappen wurden an die Stop-Räder von 1937 harmonisierend angeglichen. Der Kastenboden wurde bewusst wieder mit Rippen in Metall und nicht in Holz gefertigt. Den Deckel ziert nun eine Galerie mit den lichten Innenmaßen 73 x 99 cm, so dass 2 alte Koffer Aufnahme finden. Bei der Bereifung wurde auf historisches Profil Wert gelegt. Jetzt galt es, für die V-Deichsel mit einer Kugelaufnahme von nur 45 mm die entsprechende Anhängerkupplung für die Traction zu finden. Ein Fiat aus den 1970er-Jahren lieferte das gute Stück. TÜV und Zulassungsstelle in Offenburg segneten die Lateral-Aufnahme über die alte V-Deichsel, die Folien beklebten Rückstrahler, ein auf dem linken Kotflügel stehendes „Motorrad“-Nummernschild mit dessen Beleuchtung von unten aus dem Rücklicht für die Traction-Avant-Pilotfelgen-Generation etc. ab, so dass der Wiederinbetriebnahme der Restauration nichts mehr im wege stand. Die in die Deichsel eingeschlagene Jahreszahl 1942 wurde als Indikator der Erstzulassung übernommen.

KIVA-Anhänger

Obwohl M. Olivier de Serres und M. Jean-Louis Poussard, Leiter der Traction Universelle, auf die Einheitsfarbe schwarz bei den KIVA-Anhängern verwies und wir ihre Originalitätshinweise immer als Dogma zu erfüllen versuchte, wichen wir einmal ab.

Heute erscheint das Tandem im „Partnerlook“ bordeaux-schwarz, eine der Zweifarbigkeiten, die für die Traction von 1937 erlaubt sind. Der Innenraum wurde bewusst freundlich in Hellgrau gehalten. Der KIVA-Anhänger ist mit dem soeben wiederbelebten Kennzeichen für Lahr/Schwarzwald hinweisend mit LR – K 42 immatrikuliert. Sämtliche anderen Arbeiten wie Elektrik, Nivellierung etc. führte die u.a. auf Oldtimer-Restauration (am liebsten natürlich Eigenmarke) spezialisierte Citroën-Niederlassung Autohaus Ell in Achern durch. Der Senior-Chef hat noch an der Traction Avant gelernt und fährt heute die selbst restaurierten 15/6, DS 23 Pallas und XM. Unsere 7C wird hier als derzeit ältestes Kundenfahrzeug im Service scheckheftgepflegt.

KIVA-Anhänger

Vielleicht kann noch der Tausch der unpassenden Lampen bis zu den Sommerereignissen in Le Mans und La Ferté Vidame erfolgen. Zum Zeitpunkt dieser Abfassung stehen die Töpfe vor der Verchromung. Es werden original Cibié-Lampen von 1937 werden, die uns M. Dominique Bellière besorgen konnte.

Weitere Bilder der Restaurierung in dieser Bilder-Galerie:

Verleiche auch Bericht über Restaurierung meiner Traction Avant 7C von 1937

Links zum Thema:

Restaurierung eines KIVA-Anhängers durch Jean-Louis Poussard

Bilder weiterer Traction Avant Anhänger