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Neues aus Holland
Bericht und Fotos: Karel Beukema
Mail von Karel Beukema, welcher bekanntlich an der Revision eines 15CV Six Hydraulique arbeitet

Liebe Freunde,

Es freut mich sehr, ein neues Opfer des oleopneumatischen Virus in unserer Freundesgruppe begrüssen zu können. Hans Georg, Du wirst merken, dass wir unsere freudigen Ereignisse untereinander teilen, jedoch auch Mitglieder die dem totalen mentalen Zusammenbruch nahe sind, mental unterstützen. Der Andrang, das Hobby beiseite zu schmeissen und nie mehr die Wörter „Citroën“ oder „Traction“ hören zu wollen, passiert jedem von uns mehrmals. Man lernt allmählich, damit umzugehen.

Es gibt in unserer Gruppe auch Wettkämpfe, insbesondere um den Rekord des Ein- und Ausbauens eines Six Motors. Es handelt sich hier sowohl um die Frequenz, wie auch um die Zeit, die man für diese Arbeit benötigt. Darum streiten Helge und ich die letzten Jahre, obwohl früher Dani bestimmt auch an der Spitze mitmachte. Hans Georg wird sich als Newcomer in dieser Arena noch bewähren müssen. Der Motor meines schwarzen Six läuft nach dem letzten Eingriff wider ganz gut (Helge und Christine waren davon kurz vor Ostern sogar Zeugen). Nachdem ich alle Schlauchklemmen der Kühlanlage noch einmal richtig nachgezogen hatte, ist der Verlust an Kühlflüssigkeit bis auf null heruntergegangen. Der Ölverbrauch war im Vergleich zum vorigen Zustand schon erfreulich geringer. Jetzt sind wir auf etwa 0,25 L/1000 km. Was mich genauso freut, ist dass das Auto weder aus dem Motor, noch aus dem Getriebe Öl leckt wenn ich es irgendwo hinstelle. Für Tractions ist dies eine Ausnahme.

Dani scheint übrigens zunehmend von einem unheilbaren C- oder PA-Virus betroffen zu sein, insbesondere dessen autochenillen Variante. Sogar seine Kleider passt er den Umständen an und seine Fotos lässt er nur noch in Schwarz/Weiss drucken. Vielleicht ist es für Dani interessant zu wissen, dass Kodak und Voigtländer für ihre Vorkriegs-Balgenkameras im 6 x 9 Format bald neue digitale Einbausätze angekündigt haben! Man spart zwar das Filmmaterial (mit nur 8 Aufnahmen pro Film!), braucht jedoch zum Speichern der Bilder ohne Zweifel Scheiben in der Grössenordnung mehrerer Tb; zum Glück werden die immer billiger.

Wie jedes Jahr, traf ich am vergangenen Wochenende bei der Citromobile Börse in Utrecht wieder eine Menge alter Bekannten, auch aus der Schweiz. Auffallend ist es, dass sich die Traction allmählich in den Hintergrund schiebt, weil gleichzeitig die HY Lieferwagen und Camper eine Hochkonjunktur erleben. 2CV aus der frühen A-Serie sind momentan ebenfalls „de rigueur“. Man kann zwar im heutigen Verkehr kaum noch mit dem Wagen fahren, Spass macht es anscheinend trotzdem.

Nicht dem bling-bling, sondern den Kisten mit originalen verstaubten, teilweise verrosteten Ersatzteilen und speziellem Werkzeug, widme ich meine grösste Aufmerksamkeit.

Die Popularität des HY ist uns Six Eignern dabei behilflich, da etliche Sachen, insbesondere die Spezialwerkzeuge, für beide Modelle gleich sind. Letztes Jahr hatte ich ein Zentrierungsgerät für die Vorderbremsbeläge des HY an meiner Nase vorbei gehen lassen. Mein 15-H hat ja Vorderbremsen mit HY Trommel! Dieses Jahr erwischte ich am Samstag bereits vor der offiziellen Eröffnung der Börse das Spezialwerkzeug 2042-T fürs Einstellen der Pignonhöhe des Six (und HY) Getriebes und ein (selbst gebasteltes) Gerät womit man beim Six (und HY) die vordere Bremstrommel inklusive Radlager ausziehen kann. Das kaum vermeidbare Klopfen mit Hammer gegen den Rand des Trommels um diese herauszuziehen, hat mich immer gestört.

 

Etwas weiter traf ich noch zwei angeblich neue Vorderschirme eines Six. Die habe ich liegen lassen (an meiner Hydraulique sind zwei nagelneue Vorderschirme dran), obwohle eine bessere Versicherung bei einem Aufprallschaden kaum denkbar ist.

Was ich mir jedoch nach einigem Zögern doch gekauft habe, ist ein originaler Luftfilter für die 15 Hydraulique. Dieses Exemplar ist ohne Beule wie mein heutiger, und hat noch die originale Dichtung und die waschbaren Filterelemente drin.

Fast wie immer, traf ich auch Olivier de Serres, der diesmal sein neues Buch „Traction au Panthéon de l’automobile“ verkaufte. Ein von ihm signiertes Exemplar wollte ich mir nicht entgehen lassen.

Als letztes ist noch bemerkenswert, dass ab 1. Juni der ehemalige Konzernchef meines Arbeitgebers, Philippe Varin, der neue PDG von Peugeot S.A. (Mutterkonzern von Peugeot und Citroën) sein wird. Philippe wird Nachfolger des nach einem Jahresverlust von 384 Mio Euro entlassen Christian Streiff sein. In meinem persönlichen Abschiedsbericht an Philippe (ich hatte regelmässig geschäftlich mit ihm zu tun), habe ich die Gelegenheit genutzt, ihn auf die umfangreiche Erbschaft von André Citroën aufmerksam zu machen, und ihn freundlichst gebeten vor allem dafür zu sorgen, dass wir in Zukunft noch Citroën Produkte abnehmen können. Philippe Varin ist als Sanierer bekannt, der es nicht scheut, schwache oder schlecht funktionierende Geschäfte zu schliessen. Hoffen wir also fürs Beste….

Bis bald,

Karel