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Restaurierung unserer „Lola – Légère“

Text und Bild: Franz Wyss / Marlen Hagmann

Nachdem Marlen und ich im Jahre 2006 dank unseren Nachbarn Dani und Agi Eberli dem Club beigetreten waren, mussten wir bald feststellen, dass wir mit unserer „Rosalie“ C8 bei den Ausfahrten nicht immer mithalten konnten. So entschlossen wir uns im Juli/Aug nach einer „Traction Avant“ Ausschau zu halten. Wenn denn, so waren wir uns einig, musste es ein „Rädli“ und ein Légère sein.

Zum Glück mussten wir nicht allzu lange suchen, wollte doch im „Bärnbiet“ ein Besitzer zweier solcher Schmuckstücke, die „Teile“ loswerden, da seine Söhne plötzlich das Interesse an Oldis verloren hatten. Der eine Légère war bereits restauriert und wurde Richtung Norden (Dänemark) verkauft. Beim zweiten handelte es sich um einen Légère Jg 47 und in absolut fahrbarem Zustand, aber noch im Original Zustand. Für uns war eigentlich schnell klar „yes we can“. Trotzdem wollten wir zur Sicherheit auch noch Dani Eberlis fachmännischen Rat dazu ziehen, so dass einem Kauf nichts mehr im Wege stehen sollte. Ausgerüstet mit dem nötigen „Münz“ im Sack und einer Garagennummer, machten Marlen und ich uns auf den Weg „unsere Lola“ (ja einen Namen hatte sie bereits von Marlen erhalten) nach Hause zu bringen. Nach einer problemlosen Fahrt stand das gute Stück nun bei uns in der Scheune und wartete Geduldig auf das was nun kommen möge. Nach gründlicher Inspektion sämtlicher Teile und Ecken, stand relativ schnell fest: es wird nur über eine Komplettsanierung gehen. Wenn schon, dann sollten gleich „Nägel mit Köpfen“ oder eben Schrauben mit Muttern gemacht werden.

Teil 1 - Die "Zerlegung"

Ohne viel Vorkenntnisse aber mit einer guten Kamera und dem nötigen Mut zur Wahrheit machte ich mich daran unsere Lola in sämtliche Einzelteile zu zerlegen. Mit jeder Schraube, jedem Stück Blech das demontiert wurde kam etwas mehr der gesamten Wahrheit zum Vorschein. Nach ca. 3 Wochen intensivster Arbeit war unsere Lola nicht mehr zu erkennen, resp. es waren so viele Teile vorhanden, dass es mir etwas Angst bereitete, wenn ich daran dachte, dass irgendwo in ferner Zukunft, wieder ein fahrbarer Untersatz daraus werden sollte…… Was nun folgte war eine langwierige Auslegeordnung: was kann gebraucht werden, was muss revidiert werden, was muss komplett ersetzt werden, was kann wieder aufgebaut sprich teilweise erneuert werden. Die Liste der zu ersetzenden Teile wurde immer länger und länger…….


Teil 2 - Wer macht was??

Nachdem ja die komplette Karosserie zerlegt war, stand fest, sie musste von sämtlicher Farbe und Rost und sonstigem Schmutz befreit werden.Sandstrahlen im Normalen sinne kam Aufgrund der Gefahr der Verformung des Bleches nicht in Frage.Was tun? Ablaugen? Ja aber, Trockeneisstrahlen ja aber sehr teuer… Glasperlen mit Softstrahltechnik, ja aber ebenso teuer und nur wenige die dies können. Schliesslich gab Albi Schorta den entscheidenden Tipp: „Kunststoffstrahlen“. Meines Wissens gibt es in der Deutschschweiz gerade mal zwei Anbieter, wovon der eine nicht mehr aktiv anbietet aus gesundheitlichen Gründen. Nach einer konkreten Terminvereinbarung ging’s Huckepack mit der gesamten Karosserie zum Spezialisten, der unsere Lola zur Gänze „nackt“ machen sollte. Das Strahlen der gesamten Karosserie oder eben deren Einzelteile beanspruchte dann viel mehr Zeit als uns eigentlich lieb war, dies aber aus den schon erwähnten gesundheitlichen Problemen des Spezialisten.

Teil 3 - Organisieren der Ersatz- resp. Neuteile für den Wiederaufbau.
Damit die Wartezeit resp. die Weiterarbeit an der Karosserie nicht ins Stocken geraten sollte, begann die „Kleinarbeit“ mit der Beschaffung der zu ersetzenden Teile. Verchromte Teile die noch brauchbar waren, gingen zum Verchromen, Felgen zum strahlen und anschliessend zum Pulverbeschichten, sämtliche Schrauben, Muttern und sonstige Kleinteile zum Entsäuern und anschliessendem Verzinken. Hier hatte ich das erste mal meine liebe Mühe, nachdem ich alle Kleinteile wie Schrauben Muttern usw. fein säuberlich in kleine Schächtelchen verpackt und angeschrieben hatte, musste ich jetzt quasi alles in einen Kübel „schmeissen“ und zum Verzinken bringen. Ob ich hier jemals wieder jede Schraube am richtigen Ort platzieren könnte?? Ich zweifelte echt daran. Klar war, was diskussionslos ersetzt werden musste: die gesamte Polsterung, die Türverkleidungen, der gesamte Himmel mit allem was dazu gehört, Teppiche, Stosstangen, Batterie, Pneus, Keder aussen sowie an den Türen innen, sämtliche Dichtungen, Schläuche, der gesamte Kabelbaum inkl. neuer Kabel für Rückfahr - Lampe sowie vorne Nebellampen, Blinker und Winker, Kotschutzlappen, Rückspiegel, die Türschweller, Türblätter unten, Kotflügelenden sowie die Unterbodenverstärkungen.

Teil 4 - Spenglerarbeiten und Neulackierung

Endlich kam die Nachricht "Karosserie ist fertig und abholbereit" und der Spengler kann seine Arbeit beginnen. Nach einen Zwischenstopp um gewisse Kontrollen und Vergleiche mit Neuteilen machen zu können, ging es mit der inzwischen „nackten“ Lola zum Spengler.Leider hatte auch dieser so seine Probleme mit der Fertigstellung auf den bestimmten Termin, hatte er doch einen Unfall mit gebrochenem Arm und so mussten wir wieder einige Wochen länger warten…….
Nachdem die „Grobarbeit“ endlich fertig war und die erste 2K Grundierung mithalf, dass beim Transport im Winter nicht gleich wieder der Rost mit auf die Reise gehen konnte, durfte unsere „Lola“ Endlich in den Genuss eines neuen farbigen Kleides kommen. Die Farbe der Karosserie gab natürlich beinahe ebenso lange Anlass zu Diskussionen bis
man(n) Frau sich einig war. Lange sah es nach einer Schwarzen (ach wie normal) aus, dann wieder nach einem Waldgrün, man(n) wollte eigentlich 2-farbig….. und am Ende - welch Zufall - konnten wir uns auf ein Nachtblau (keine Originalfarbe) einigen.

Teil 5 - Der Zusammenbau
Die Freude war gross, wir konnten endlich sehen oder zumindest ahnen wie unsere Lola einmal von aussen aussehen könnte, wenn auch noch ohne Glanz aber trotzdem…. Endlich kam unser gutes Stück wieder nach Hause in unsere Scheune und man(n) konnte sich daran machen das Riesenpuzzele zusammenzubauen. Schneller gesagt als getan…. Aber um es vorweg zu nehmen, in knapp 10 Wochen habe ich es mit Hilfe von Marlen und unseren beiden Nachbarn Dani (Motor) sowie Paulo (Elektrik) geschafft aus den tausend Teilen ein Schmuckstück auf die Beine (Räder) zu stellen. Aber wo Anfangen, was sollte zuerst gemacht werden, Fragen, die ich mir vorher immer wieder gestellt hatte und nie so recht eine Antwort erhalten habe. Schlussendlich habe ich damit begonnen sämtliche Kabel (Kabelbaum) zu verlegen, dann eigentlich von hinten nach vorne alles was vorhanden war zu montieren.

Anschliessend Innenausbau, Isolation kleben, hier habe ich teilweise Isolation benutzt die an sich in der Kälteindustrie verwendet wird, also eine Schaumstoff mit hoher Dichte und teileweise selbstklebend. Weiter ging es mit dem Einbau des Himmels den ich bereits fertig konfektioniert gekauft hatte und so ging dies eigentlich recht problemlos ausser beim Heckfenster. Da gestaltete sich die Befestigung etwas schwieriger. Bevor es zum Ausbau des Kofferraumes gehen konnte, musste der Benzintank wieder montiert werden.
Diesen hatte ich strahlen und anschliessend pulverbeschichten lassen. Beim Pulverbeschichten passierte das nächste „Unglück“. Die Teile (Tankstutzen sowie Überlaufrohr) die mittels Zinn verarbeitet waren, haben sich im „Ofen“ (200°C) gelöst und mussten wieder eingelötet werden, (man(n) lernt dazu…. Bei der Druckprobe stellte ich ein kleines Leck fest, das wiederum mittels Flüssigmetall abgedichtet werden konnte. Benzinleitung verlegen bis in den Motorraum. Nicht zu vergessen: je nach Arbeitsfortschritt am Unterboden immer gleich Unterbodenschutz, so dass der Boden gegen Korrosion geschützt bleibt. Als nächstes der Ausbau des Kofferraumes mit
Spezialfilz-Teppich vollflächig verklebt. Der weitere Ausbau des Innenraumes mit den Verkleidungselementen brauchte echt viel Fingerspitzengefühl und eine Vielzahl von neu zu schneidenden Verkleidungselementen. Das Verkleben der festen Teppichelemente lies sich mit Kontaktkleber sehr gut machen. Auch hier verwendete ich zur Isolation Schaumstoff, dieser isoliert nicht nur, er dämmt ebenso durch seine Dichte die Geräusche. Ein nächstes Highlight bedeutete der Einbau der überholten Fensterheber samt Scheiben, mit Hilfe von Marlen und ein paar klärenden Worten aus dem Tierbereich konnte auch dies gelöst werden.Weiter mit Dichtungen am
Laufmeter wo überall diese vorgesehen waren. Die Türverkleidungen wurden anhand des alten Muster aus 3mm Kunststoff geschnitten und mit den nötigen Löchern für die Klammern versehen. Das Bespannen mit Originalstoff und Leder besorgte uns ein sehr innovativer Sattler aus Schaffhausen, der ebenso die Sitze und Sitzbank völlig neu aufgebaut hat. So langsam kam ich immer weiter Richtung Motorraum und hier hat einmal mehr Dani mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Was darf bereits verbaut werden so dass der Motor immer noch problemlos eingebaut werden konnte? Das Thema Motor hatte ich lange vorher bereits so gelöst, dass ich einen völlig revidierten Perfo–Motor kaufen konnte, der unserer Lola etwas mehr Power verleihen sollte. Getriebe und Kupplung waren revidiert und mit dem Motor verbunden, so konnte der Einbau beginnen. Hier hatte ich
sicher das grosse Glück einmal mehr auf Dani, unseren selber „angefressenen Schrauber“, zurück greifen zu können. In dessen Werkstatt (mit Grube) lies sich der Motor relativ problemlos einbauen, so dass ich zurück in unsere Scheune die ganzen Verkabelungen angehen konnte. Hier stellte sich heraus, dass man(n) einfach nicht alles kann und weiss. Der gesamte Kabelsalat erwies sich für mich als ein Wirrwarr von farbigen Drähten, deren ich nicht Herr werden konnte. Durch einen Tipp aus der Nachbarschaft fanden wir einen Nachbarn, der vermutlich einer der letzten Lehrabgänger als echter Autoelektriker war.

Heute nennt sich dies ja „Mechatroniker“ (tönt gut oder). Nachdem alle Drähte und Relais usw. am richtigen Ort und ebenso richtig angeschlossen waren, konnte endlich der Versuch gewagt werden dem „Vehikel“ wieder Leben einzuhauchen. Nach einigen Fehlversuchen und mit Hilfe von Dani schnurrte das gute Teil bald und konnte für eine erste Probefahrt aus der Scheune entlassen werden (notabene ohne Kotflügel und Motorhaube). Was war das für ein Gefühl, das erste Mal wieder durch die Gegend zu rauschen…………



Bevor jedoch jetzt alle kleine Details wie Lampen, Blinker, Rückspiegel, Sonnenblenden (Eigenbau) usw. montiert werden konnten, musste nochmals der Lackierer ran und der letzte Finish (polieren) gemacht werden. Was uns jetzt noch bevorstand, war der Gang (Fahrt) zum Strassenverkehrsamt um die Zulassung inkl. Veteranenstatus wieder zu erlangen. Um ganz sicher zu gehen, musste Peter Weber (Video-Peti) an das gute Stück ran um die letzten Details zu richten. Ein Aufwand, der sich absolut gelohnt hat, war doch die Zulassung beim Strassenverkehrsamt dann mehr oder weniger eine Formsache. Alles in allem nach 19 Monaten war unsere Lola – Légère zu einer absoluten Schönheit erwacht und bereitet uns seither viel Freude und ebenso viele Bewundernden Blicke.


Was Abschliessend zu bemerken gilt, ist folgendes: Selbst eine totalrestaurierte Lola Légère ist und bleibt eine ewige Baustelle und das ist und soll ja so sein. In gewissen Bereichen ist unsere Lola heute sicher als neuwertig zu bezeichnen, in anderen Bereichen darf aber immer wieder etwas „vollbracht“ werden.