Mit der Traction an die Tractionade
Rudolf Weber

Schon lange reizte mich die Aussicht, einmal an ein internationales Oldtimertreffen fahren zu können, an der sich ausschliesslich Tractions einfinden würden. Als dann vor etwa einem Jahr Eric Massie de Biest, ein Traction-Fan der Sonderklasse (ja, das ist der Mann, welcher diese Tracbars weltweit organisiert) ein Treffen in Zentralfrankreich ankündigte, war mein Interesse sofort geweckt.

Eher erstaunt war ich, dass sich bei den Schweizer Besitzern von Tractions die Begeisterung in Grenzen hielt, trotz meiner Aufrufe via Internet und Newsletter. Zum Glück meldete sich Walti Homberger, der furchtlos seiner 15H jegliche Auslandfahrten zumutet. Er ist auch der einzige im Club der - anlässlich des 12. ICCCR - seinen Wagen gar durch die neue Welt steuerte und auf den amerikanischen Highways für etliches Aufsehen erregte.

Eduard Herren aus der Region West war ein weiterer Interessent, aber aus terminlichen Gründen kam er für eine Fahrgemeinschaft nicht in Frage. Zuletzt sei noch Caspar Türler erwähnt, der allerdings eine solche Fahrt mit Frankreichferien zu verbinden gedachte. Wegen "Baby on Board" zog er seinen Golf vor und reiste somit ebenfalls separat.

Unverhofft meldete sich plötzlich Helge Torgerson via Internet beim CTAC, mit der Idee, in der Schweiz einen Zwischenstop einzulegen und ev. mit einer Schweizer Gruppe nach Frankreich zu fahren. Ich war interessiert, tippte ich doch auf eine blonde Norwegerin und war deshalb eher erstaunt, dass sich hinter dem nordischen Namen ein Doktor aus Wien versteckte. Dieser gedachte mit einer echten Rarität, einer englischen Six, von Wien per Autozug nach Feldkirch und von dort tractional nach Effretikon zu reisen. Natürlich war Helge auch als österreichischer Akademiker in unserem Kreis willkommen, ermöglicht doch ein gemeinsames Hobby sofort lebhafte Kontakte. Es stellte sich dann heraus, dass Helge einen norwegischen Vater hat, in Deutschland die Schulen besuchte und in Wien arbeitet. Sogar eine schweizerische Grossmutter kann er vorweisen und ist damit ein echter Europäer.

So traf sich dann die reiselustige Truppe am Donnerstag vor dem grossen Wochenende in Effretikon. Da Walter noch Heinz, einen alten Freund aus Linz als Kartenleser an Bord hatte, waren wir zu viert in drei Fahrzeugen, wobei sich meine 11B fast schamhaft zwischen den zwei 6-Zylinder-Wagen versteckte. Sie sollte dann aber das zügige Tempo der 15er problemlos mithalten können.

Das Wetter während der 6-tägigen Reise sei in einem Satz abgehandelt: Schön, heiss, trocken. Fast bedauerte ich, dass ich meine frisch überholten Scheibenwischer (Motörchen ausgewechselt) nicht einmal erproben konnte. So ging es unbeschwert und vorderhand auf der Schweizer Heeresstrasse namens A1 los Richtung Westen.


Startbereit und unternehmungslustig in Effretikon  

Ein erster Halt erfolgte am Bielersee in Twan, wo wir im selben Restaurant gastierten, in dem sich einige Treberwurstfahrer der Region Nord diesen Winter zusammenfanden. Fast war es schade, die Schweiz, welche sich mit bestem Touristenwetter zeigte, zu verlassen, doch die Tractionade lockte. Via St.Croix, wo jung Walter ehemals das Welschlandjahr absolvierte ging es Richtung Pontarlier und Macon. Den ersten Reisetag beschlossen wir in einem spontan am Weg gefundenen romantischen kleinen Hotel mit Hühnern im Restaurant und Pool im Garten.

Die Abkühlung tat gut - allerdings waren wir alle erstaunt, wie wenig man in der Traction unter der Hitze leiden muss. Wenn alle Fenster geöffnet sind und man vorne die Lüftungsklappe anstellt und ev. sogar die Frontscheibe etwas nach aussen dreht, ist das Fahren unter der heissen französischen Sonne eigentlich sehr angenehm.

  Der Abschied von der schönen Schweizer Heimat fällt schwer . Twann am Bielersee
       

Moderne Autos haben so grosse, flache Scheiben, dass die Sonne unbarmherzig hineinscheint und ohne Klimaanlage das Wageninnere bis zur Gluthitze aufheizt. Der moderne Wagenbau mag zwar den Cw Wert erheblich gesteigert haben, klimatisch ist er aber ein Rückschritt.

Ein Wort zu den französischen Strassen. Abseits der gebührenpflichtigen Autobahnen durchziehen Hautpstrassen das Land, welche gut unterhalten sind, genügend Breite aufweisen, wenig Kurven haben und damit recht hohe Geschwindigkeiten ermöglichen. Und das beste - in Frankreich gibt es offensichtlich keine Baustellen.

 

Französische Strassenszene - fast wie früher  
       

So kamen wir auch am zweiten Tag zügig voran - der Tachometer war meist bei 90 bis 100 km/h - und erreichten bald Vichy, die alte Bäderstadt. Mit ihren alten Hotels erinnert dieser Kurort an Baden oder Bad Ragaz.

Nach einer Verpflegungspause wurde die letzte Etappe in Angriff genommen. Die grosse Distanz verlangte nach einem Tankstopp. Sehr zu unserer Verwunderung waren Tankstellen rar. Angelockt durch Schilder gerieten wir auch öfters an Tankstellen, die mangels Rentabilität geschlossen waren. Ueberhaupt entstand der Eindruck, dass die französische Provinz sehr unter der Rezession leidet, vor allem abseits der Industrie- und Touristenzentren.

Als wir dann im Verlauf des Freitagnachmittags am Horizont den Puy de Dôme, den erloschenen Vulkan, auftauchen sahen wussten wir, dass unser Ziel nicht mehr weit sein konnte.

  Mittagsrast in Vichy - ein Glas mag es leiden: Ruedi, Walti, Helge und Heinz

Clermont Ferrant ist eigentlich eine Industriestadt und den Tractionisten sicherlich als Ursprungsort von Michelin bekannt. Dass diese zentralfranzösische Stadt aber mit ihren Vororten Royat und Chamalière auch einen Bädertourismus bietet, dürften nur wenige wissen. Auch traf man auf den etwas morbider Charme vergangener Tage mit Hotelkästen der belle époque und einem veritablen Casino. Ein grosses Bier und der Hotelbezug standen nach längerem navigieren durch die Stadt im Abendverkehr auf dem Programm.

Hatten wir auf all den vielen Kilometern kaum ältere Fahrzeuge angetroffen, schon gar keine Tractions, waren bei einem abendlichen Bummel plötzlich solche Vehikel allgegenwärtig im Strassenverkehr. Von allen Richtungen fanden sich die Légères und Normales ein, meist mit französischen, aber auch englischen oder belgischen Nummernschildern.

Einkaufszentrum mit Tankstelle - alles wegen der Krise geschlossen  
       

Auf den öffentlichen Parkplätzen kam es zu ersten spontanen Tractiontreffen. Und in unserer Hotelgarage standen zwei wunderschöne Worblaufen-Carosserien auf Traction-Basis. Die freudige Erwartung auf den nächsten Tag stieg von Minute zu Minute.

Wer nun denkt, dass es am nächsten Morgen sofort auf die Rennpiste ging, täuscht sich. Walti Hombergers 15CV H ist sich ihrer Prominenz bewusst und muss entsprechend herausgeputzt werden.

Noch einmal irrten wir in Clermont Ferrant herum um einen "Elephant Bleu" zu suchen. Dahinter verbirgt sich eine populäre, französische Wagenwaschkette. Natürlich wurden auch die zwei anderen Fahrzeuge auf Hochglanz gebracht, wollten wir doch am Treffen einen guten Eindruck hinterlassen.

  Endlich taucht der Puy de Dôme am Horizont auf, das Ziel ist nahe
       

Endlich ging es Richtung Circuit de Charade, der Autorennbahn, die das Treffen beherbergen würde. Wunderlich war nur, dass der Weg nicht etwa in eine Ebene führte, sondern ein halber Berg erklommen werden musste, an welchem in einem muldenartigen Einschnitt das Renngelände angelegt war. Die Rennbahn besteht aus einem Rundkreis mit mehreren unterschiedlich engen Kurven und Steigungen. Im sehr grossen Inneren der Bahn gab es problemlos Platz für schlussendlich 525 Tractions aus 14 Ländern, die sich hier besammelten.

Die Einweisung erfolgte durch französische "Pfadfinder" und auf dem eigentlichen Gelände war für die angemeldeten Clubs Platz reserviert. Oder hätte reserviert sein sollen. Zwar hatte es eine Tafel "CTAC" doch keine Parkplätze. Dies war typisch für den ganzen Anlass, alles wirkte etwas improvisiert, vielleicht aber nur auf uns Schweizer Perfektionisten.

Grosse Wagenwäsche - Horst legt sich tüchtig ins Zeug - selbst die Räder werden shampooniert.  
       

Wer sich durch solche Kleinigkeiten irritieren liess, gehörte nicht hierher.

Auf einem zweiten Platz wollten wir uns dann einreihen, doch der Pfadfinder erklärte die Reihe für Cabrions reserviert. Also mussten wir uns einen dritten Platz suchen. Später stellten wir fest, dass andere Fahrer sich nicht durch solche Hinweise aufhalten liessen, und parkierten, wo sie wollten.

Der erste Platz
Da war man nun also und wusste gar nicht, wo beginnen mit schauen. Grob aufgeteilt gab es drei Plätze. Der unterste (unserer) umfasste die übrigen Fahrzeuge, ein Zelt mit Händlern, wo auch das ICCCR-Komitee mit einem Tisch vertreten war - repräsentiert durch Caspar Türler und einem Korb voll Schweizer Aepfel. Diese waren ein willkommenes Geschenk um mit den Besuchern ins Gespräch zu kommen und sie für Interlaken zu begeistern.

  Caspar, das Sprachtalent, verkauft Interlaken mit Schweizer Aepfeln (Bild wurde von Caspar Türler geliefert)
       

Das Interesse war gross. Etwas überschätzt wurde das Publikum. Der typische französische Tractionist spricht nur französisch und kann in der Regel auch mit dem Internet nichts anfangen. Zum Glück ist Caspar ein absolutes Sprachgenie. Neben perfektem englisch und französisch sprach er bei Bedarf auch flämisch resp. holländisch. Ab und zu löste ihn Walti Homberger ab wobei auch dieser sich als äusserst eloquenter Französischsprecher entpuppte.

Waltis Beifahrer, Heinz, spricht zwar gut englisch, kann aber kein Wort französisch. Deshalb wurde er auf die Piste geschickt, um unter alle 500 Windschutzscheiben den Werbezettel für das ICCCR zu stecken.

Im Umfeld des Zeltes waren diverse Schrotthändler - pardon - Ersatzteillieferanten angesiedelt. Einige hatte ich mit ihren Rosthaufen schon an der Citro Mobile in Utrecht angetroffen.

Der zweite Platz mit den Clubaufstellungen - im Hintergrund der erste Platz. Auf dem Hügel befanden sich die Zeltplätze. Dazwischen verläuft die Rennbahn.  
       
Doch neben Lenk- und anderen Getrieben im fortgeschrittenen Zustand des Verfalls und Carosserieteilen die sogar einen Meisterspengler zur Verzweiflung bringen würden, fand sich ebenso das übliche Angebot. Obwohl mein Wagen so ziemlich komplett ist, kaufte ich doch das eine oder andere Schnäppchen. So besitze nun auch ich einen Original Wagenheber, der noch bestens funktioniert. Das Preisniveau war zudem deutlich tiefer als in Utrecht. Nebenan waren einige Tractionisten mit Reparaturen beschäftigt. Ob sie gleich neuerstandene Teile einbauten oder ihr Fahrzeug unterwegs ans Treffen eine Panne erlitten hatte, wurde mir nicht ganz klar. Aber da waren offene Getriebe zu sehen, die an böser Karies litten. Alles wurde auf einem festgewalzten Platz, ohne Asphalt aber mit viel Staub demontiert, natürlich ohne Lift und ohne Grube. Ob beim Zusammenbau dann auch wieder alle Teile zu finden waren, möchte ich bezweifeln.
  "Dans son jus" ...
       

Der zweite Platz
Der zweite Platz war den Clubs vorbehalten.
Dort reihten sich Tractions an Tractions, allerdings in recht unterschiedlichem Zustand. Wagen, die man als fabrikneu bezeichnen müsste, waren eher selten. Auch selten aber nicht minder bestaunt wurden Fahrzeuge, welche in absolutem Orignialzustand waren. Das heisst im Klartext, dass unabhängig vom Rostzustand nie ein Pinsel das Blech berührt hat, Textilien, auch mit handtellergrossen Löchern nicht geflickt wurden. Gereinigt werden solche Schocker grundsätzlich auch nie. Stolz erklärten uns die Fahrer, dass man diesen Zustand als "dans son jus" nennt. Eine seltsame Mischung von Abscheu aber auch von Faszination geht von solchen Sammelstücken aus.


... und fabrikneu  
       
Bei den Clubfahrzeugen trafen sich die Clubmitglieder unter schattenspendenden Zelten zur fröhlichen Runde und machten die zwei Tage zu einem Dauerfest mit Wein, Käse und Fleisch.

Der dritte Platz
Der dritte Platz stand offiziellen Anlässen zur Verfügung. Dominiert wurde er durch ein riesiges Zelt, in welchem eine Sammlung von Tractions die Entwicklung und die Modellvielfalt dieses Fahrzeugtyps dokumentierten. Vermutlich sind die meisten Besucher mit mir einig, dass diese Ausstellung der Höhepunkt der Tractionade war. Seltene Fahrzeuge der frühen Jahrgänge waren so perfekt restauriert, dass man sich in einem Verkaufsraum von Citroen im Jahre 1934 wähnte. Selbst Schlauchbriden oder die Isolation der elektrischen Kabel waren à l'époche.

  Wohl die teuerste Traction auf der Welt, 15CV Cabriolet von Mme Michelin
       
Mit schon fast religiöser Verzückung wurde dann aber ein Wagen bestaunt, welcher nun wirklich einmalig ist. Es handelte sich um eine der wenigen gebauten 15 CV Cabriolets, das Modell, welches einst Mme Michelin gehörte und über viele Umwege, u.a. auch über Kalifornien nun zu einem belgischen Sammler gelangte, welcher keine Kosten scheute, dass Fahrzeug in seinen Originalzustand zu versetzen. Die Geschichte machte die Runde, dass der heutige Besitzer, welcher eine ganze Sammlung von Traction-Cabriolets hat, schon lange ein Auge auf dieses einmalige Stück geworfen hätte. Als dann der vormalige Besitzer Konkurs ging, witterte er seine Chance. Doch das Auto fiel in die Konkursmasse der Firma des Besitzers und war einzeln nicht zu erstehen. Der passionierte Sammler erstand deshalb kurzerhand die ganze Firma, nur um an diesen Wagen zu gelangen.
Das Interieur des 15 CV Cabriolet  
       

Ein spezielles Fahrzeug kam von den Michelinwerken. Eine Traction wurde damals mit einer Hinteraches ausgerüstet, an der man den Sturz der Räder während der Fahrt verstellen konnte. An diesen Felgen wurden Versuchspneus harten Tests auf realen Strassen unterzogen.

Der einheimische Tractionclub mit Sitz in Clermont Ferrant war natürlich mit besonders vielen Fahrzeugen vertreten. U.a. stellten sie eine Dreiergruppe, bestehend aus zwei Cabriolets und einem Faux Cabriolet aus. Diese ebenfalls perfekt restaurierten Wagen waren weiss, rot und blau lackiert und stellten zusammen die französischen Nationalfarben dar.

  Michelin-Testfahrzeug mit beweglichen Hinterrädern
       
Der Platz hinter dem grossen Zelt war für die Verpflegung reserviert. Bereits am frühen Morgen drehten sich zwei Ochsen am Spiess über Feuer und zeugten von der herzhaften Kost, welche für die Auvergne typisch ist. Ein mobiler Bäcker bot ebenfalls lokale Spezialitäten an, darunter in Brotteig gebackene Aepfel. Im grossen und ganzen war aber das Verpflegungsangebot eher enttäuschend, sind doch die Erwartungen an Frankreich hoch. Auch Getränke gab es auf diesem weiträumigen Areal nur gerade hier, obwohl eine unglaubliche Hitze herrschte. Bevor man aber an das kühlende Nass gelangte, musste man zwei mal Schlange stehen, zuerst an einer Kasse um einen Gutschein zu kaufen und dann an der eigentlichen Getränkebar. Ein fliegender Getränke- und Eisverkäufer hätte sicher an diesen zwei Tagen das Geschäft seines Lebens gemacht.
Die Tricoleur, zusammengestellt vom lokalen Verein  
       
Doch eigentlich störte die schlecht organisierte Verpflegung niemanden, richtete sich doch die ganze Konzentration auf das eine Auto, das unser Leben beherrscht, die Traction. Da stand etwa ein bis auf das Blech ausgeweidetes Fahrzeug, an welchem ebenfalls die Vorderachse samt Motor demontiert war. Besonders Sportliche konnten nun die Karosserie an den Bolzen, welche die Vorderachse aufnehmen, anheben und allfällige Passagiere im Fond wie mit einer Rischka transportieren. Nach wenigen Metern gaben allerdings die meisten mit hängender Zunge auf. Dies gab einen kleinen Eindruck davon, was der wackere Tractionmotor eigentlich leistet.

Ganz spannend wurde es dann, als der holländische CTA Service eine Probe seines Könnens ablegte. Ein Team von Mechanikern (und einer Mechanikerin), organisiert wie ein Formel 1 Service-Team, stellte sich zur Aufgabe, in Rekordzeit an einem soeben auf den Platz gefahrenen Fahrzeug den Motor

  Der holländische CTA Service bietet einen totalrevidierten Motor mit Vierganggetriebe an.
       

auszubauen (er musste neben dem Wagen den Boden berühren), und ihn sofort wieder zu montieren und mit dem Fahrzeug wegzufahren. Was wir Amateure uns wahrscheinlich auch nicht an einem einzigen Wochenende zutrauen, schaffte die Equipe vom CTA Service in einer knappen halben Stunde. Allerdings ist zu erwähnen, dass am ausgewählten Fahrzeug vermutlich keine Schraube klemmte und kein Rost die Arbeit erschwerte.

Nicht vergessen darf man nun aber ein wichtiges Element der Tractionade - der Dauertest. Ca. 30 Autos fuhren in diesen zwei Tagen, so lange es hell war, nonstop Runden auf der Rennbahn. Und dies mit vollem Tempo. Wie bei Formel 1 Rennen gab es Boxenstopps, um kleinere Probleme zu beheben oder um aufzutanken. Es handelte sich allerdings nicht um ein Rennen, Zeiten wurden also nicht gestoppt. Doch während den insgesamt 11 Stunden fuhr das schnellste Fahrzeug immerhin 802 Kilometer.

Eine Tractiont beim Boxenstopp  
       
Das Ziel war, Mängel an Ersatzteilen aus der Nachproduktion zu erkennen, sind doch die Organisatoren der Tractionade in der Guilde Mondiale des Tractionnistes vereint, welche für Ersatzteile eine Qualitätssicherung anstreben.

Am Samstagabend stand dann die Rennbahn für einen Concours d'élégance frei, an welchem schöne, aber auch originelle Fahrzeuge dem staundenden Publikum vorgeführt wurden. Die Fahrer und ihre Passagiere waren meist mehr oder weniger zeitgenössisch bekleidet, während die Besatzung eines Fahrzeuges sich als Asterix und Obelix präsentierten. Der erste Preis ging an einen italienischen Fahrer, nicht nur wegen der weiten Anreise sondern auch wegen seines ausserordentlich schönen und originalgetreu restaurierten Fahrzeuges aus dem Jahr 1934.

Der Sonntagnachmittag wurde mit einer folkloristischen Show eines einheimischen Trachtenverbandes eingeläutet und später

  Vor dem Vulcania, im Hintergrund der Puy de Dôme
       

durften dann alle Fahrzeuge auf die grosse Rundbahn. Dies war sicher ein eindrücklicher Anblick, da sich 430 Tractions dieses Vergnügen nicht entgehen liessen. Unser Schweizer/Oesterreicherteam hatte sich aber bereits vom Festival verabschiedet, sollte doch auch die Region noch etwas studiert werden.

Als lokale Attraktion von überregionaler Bedeutung lohnt sich der Besuch des Vulkanmuseum wo multimedial mit viel Show und Effekten die Funktion und Wirkung von Vulkanen erläutert wird.

Wieder gefordert wurden unsere Tractions als wir beschlossen, den Hausberg von Clermont Ferrant zu bezwingen. Der Puy de Dôme ist mit 1465 Metern die höchste Erhebung des französischen Zentralmassivs welches aus erloschenen Vulkanen besteht. Die Strasse ist steil und gebührenpflichtig. Teilweise im ersten Gang führten uns unsere zuverlässigen Fahrzeuge, trotz grosser Wärme, problemlos auf den Gipfel.

Attraktion Traction auf dem Puy de Dôme  
       
Etwas ähnlich wie die Rigi befindet sich auf dem Gipfel ein Restaurant und eine Fernmeldestation. Ebenfalls ist der Berg als Startpunkt für Hängegleiter populär.

Doch für einmal waren wir die Attraktion. Unsere drei Fahrzeuge verursachten einen Menschenauflauf. Viele Touristen liessen es sich nicht nehmen, vor den Wagen zu posieren und sich von ihren Angehörigen fotografieren zu lassen. Die Erinnerung an diese einmaligen Wagen lebt in Frankreich noch immer fort und viele Franzosen erkennen erst jetzt, was für eine grosse automobiltechnische Geschichte ihr Land besitzt.

Die Rückreise erfolgte, wiederum in zwei Tagesetappen problemlos. Die Nacht verbrachten wir in einem kleinen französischen Juradorf, wo man uns im einzigen Gasthaus mitten im Sommer ein Raclette jurassienne servierte, welches uns trotz der Wärme hervorragend mundete und einen stimmigen Abschluss dieses einmaligen Ausfluges bildete.

Bereit für die Heimreise

Bedauert jemand, dass er diesen Anlass verpasste? Dann bitte vormerken: vom 8. bis zum 12. Juli 2005 wird wiederum eine Tractionade stattfinden.

Zu diesem Anlass hat Caspar Türler einen Bericht auf der Seite der ICCCR-Organisation verfasst, er befindet sich hier: http://www.icccr.org/roadshow_tract03_de.html