La douce France en 4 Vitesses, Mai 2002    

Ein Bericht von Caspar Türler


Welche Ersatzteile soll ich mitnehmen? Funktioniert mein Handy auch im Ausland? Was steht genau in den Versicherungsunterlagen?
Vor unserer ersten Reise ins Ausland nach dem belgischen ICCCR bin ich schon etwas nervös, aber auch freudig erregt. Denn wir haben vor, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden, sprich Frankreich auf nostalgische Art zu entdecken, Verwandte und Freunde zu besuchen - aber auch den Ursprung unserer Traction zu erkunden und ihr gleichzeitig eine Verjüngung angedeihen zu lassen.

Das magische Flugblatt
Meine Reisepläne hatten ihren Anfang präzis am erwähnten Treffen von Chevetogne genommen. An irgend einem Stand muss ich u.a. diesen kleinen Flyer mitgenommen haben. Wieder zu hause, werfe ich die meisten Unterlagen und Werbematerialien weg, und beinahe auch dieses Flugblatt.
Doch halt, was steht da? "La Boite 4. Kit de montage boite de vitesse ID19 sur Traction 4 cylindres." Abgebildet ist eine Auslage von Stahlteilen, Stangen, Rondellen, Dichtungsringen und Federn, einer Kupplungsscheibe, Sekundenleim, einem Kabelzug, einer Videokassette und einer Schaltschablone. Interessant, aber zu was soll das gut sein? Auf der Rückseite gibt es mehr Informationen, wie man mit diesem "kit d'adaptation" eine 11er Traction mit dem 4-Gang Getriebe ihrer Nachfahren vermählen kann. Und wo wohnt dieser Konstrukteur, in La Houssaye en Brie? Nie gehört. Mein Frankreich-Atlas zeigt auf, dass dieses "Atelier Philippe Chauvet" im Dept. Seine et Marne liegt, ca. 70 km östlich von Paris.
Also weit weg. Das Kit ist allerdings auch per Versand zu haben, und der Umbau nimmt gemäss den Angaben nur 20 Stunden in Anspruch für einen Profi, 30 für einen Amateur. Aber allein schon die Vorstellung vom Ausbau des Getriebes in der Tiefgarage, ohne Hebe- oder Stemmwerkzeuge, bereitete mir Kopfzerbrechen.

Was wäre, wenn?
Trotzdem lässt mich die Idee eines 4. Ganges während der folgenden zwei Jahren nicht los. Zum Rumgondeln ist die Traction ja angenehm, doch bei längeren und zügigeren Fahrten denke ich oft, dass der Motor nicht so hoch drehen müsste und mehr Auslauf hätte mit einem Overdrive oder dergleichen. So fahre ich maximal mit 90km/h (über 100 wird es ohrenbetäubend und wohl auch unangehm für den Motor) und glaube den Voten von Clubkollegen, sie hätten kein Problem mit 120, deshalb nie wirklich.
Durch Diskussionen im TA-L Internet-Forum und über verschiedene Websites werde ich im Herbst 2001 wieder auf das Thema aufmerksam. Ein four speed conversion kit für ein ID19 Getriebe bietet z.B. Roger Williams in England per Versand an, und auch Peter Larson in Schweden.
Ich hole das Flugblatt wieder hervor und studiere es eingehender. Das Gebotene tönt wirklich nicht schlecht:
  • boite de vitesse (toutes synchronisées) suivant ID19, réputée inusable
  • à vitesse égale, chute d'environ 900 tours/mn du régime moteur
  • 80% des vibrations éliminés
  • vitesse de pointe augmentée - possiblité de prendre les autoroutes pour les longs parcours à 120km/h
  • accelerations plus performantes
  • utilisation plus réaliste du frein moteur
  • conservation de la BV 3 d'origine
  • économie de carburant
  • retour à l'origine (BV 3) sans difficultés

Gute Ausrede für eine Frankreichreise
Unweigerlich beginne ich, Pläne zu schmieden, ein Budget aufzustellen, Routen zu überlegen und diskutiere das alles mit meiner besseren Hälfte. Sie muss entweder eingesehen haben, dass es bereits zwecklos war, mir das Projekt auszureden, oder ich habe mit meinen in diesem Jahr tiefen Hobbykosten Bonuspunkte gesammelt. Zudem befindet sich diese ominöse Garage nicht weit von Verwandten in Troyes entfernt, welche wir schon lange wieder mal besuchen wollten.

So schön, wie es dann wirklich wird, kann man es sich beim Reisen planen gar nicht vorstellen...
Mein bestes Französisch zusammenkratzend schicke ich also eine Offertenanfrage an Herrn Chauvet, verbunden mit den uns vorschwebenden Reisedaten. Keine drei Tage später flattert ein zweiseitiger, handgeschriebener Fax herein! Darin findet sich Voranschlag (Kit, revidiertes ID/DS Getriebe, Arbeitsstunden und Steuern) und die Bestätigung, dass der Umbau am Freitagabend fertig sein sollte, wenn ich die Traction am Donnerstagmorgen vorbeibrächte. Ich sage voller Vorfreude zu und mache auch schon eine Anzahlung, damit Herr Chauvet schon den einen Teil des Kits auf die Umrüstung des ID-Getriebes verwenden kann, d.h. die Hälfte der Arbeiten bereits vor unserer Ankunft vorbereitet sind.

Das erste Chambre d' Hôte (Dienstag, 30. April, 155km)
Den Auftakt nimmt die Reise mit einer rund dreistündigen Abendfahrt über Birmensdorf, Mutschellen, Mellingen (mit seinen schönen Stadttoren) und ab Lupfig auf die Autobahn nach Basel.
Einmal aus der Agglo draussen, folgen wir der schönen Landstrasse über Altkirch, die uns an sanften Hügeln und kleinen Fachwerkhäuserdörfern vorbeiführt. Nach 155km auf dem Tacho übernachten wir in Foussemagne in einem grossen Landhaus, das "chambres d'hôtes" anbietet. Eine prima Sache, wie B&B in England, nur mit dem Unterschied, dass es sich oft auch um herrschaftliche Anwesen handelt. Auf der gesamten Reise machten wir damit nur die besten Erfahrungen.

Meieriisli, Rapsfelder, Leslie Caron (Mittwoch, 1. Mai, 370km)
Das Frühstück nehmen wir mit der Hausherrin in der grossen alten Küche ein. Während draussen im Nieselregen brave Pferde und Ponies weiden, stärken wir uns am alten Holztisch an frischen Croissants und hauseigner Marmelade unter zwei grossen Billardlampen. Zur Feier des Tages erhält meine Frau ein Sträusschen "Muguets", dh. Meieriisli. Scheinbar ein Brauch in ganz Frankreich, um am Tag der Arbeit besonders die Frau zu ehren. Beim Tanken in Belfort gibt's ein zweites Sträusschen, und überall am Strassenrand stehen Leute unter Regenschirme, die für einen Euro selbstgepflückte Muguets an Passanten und Autofahrer zu verkaufen versuchen.
Bis Lure regnet es, dafür ist an diesem Feiertag kaum Verkehr anzutreffen. Via Vesoul erreichen wir kurz nach Mittag Langres, eine mittelalterliche, befestigte Stadt auf einem Felsplateau. Auf der Suche nach einem Restaurant mit Parkplatz durchqueren wir sehr enge Gässchen, und ziehen schliesslich weiter. Nach 30 km Autobahn in westlicher Richtung finden wir eine Raststätte, von wo wir unsere Légère im Auge behalten können. Hinter Troyes verlassen wir die Autobahn und fahren zwischen Rapsfeldern über Land.
In Villeneuve sur Yonne machen wir im malerischen Hotel "La Lucarne aux Chouettes" Station. Das Hotel, bestehend aus vier aneinanderstehenden, historischen Häusern direkt am Fluss, wurden von der Schauspielerin Leslie Caron und ihrem Sohn liebevoll renoviert und eingerichtet.
Kaum sind wir angekommen, setzt heftiger Regen ein, und wir packen die Traction mit dem halben Plastikhüüsli ein, das wir für diese Fälle mitgenommen haben. Und unters Auto kommt der rote Reisewecker, das Ticken soll Marder fernhalten.
Aus dem Restaurant des Hotels beobachten wir Passanten, die sich wundern, was das wohl soll - eine Schweizer Autonummer, ein Reisewecker unter dem rechten Vorderrad, hat das etwas mit Swiss Timing zu tun?

Toyotraction und Quai de Javel (Donnerstag, 2. Mai, 140km)
Nach dem Frühstück (und einigen Fotos von Leslie Carons alten Filmplakaten) fahren wir die restlichen Strecke bis zur "Ferme du Limodin" in La Houssaye en Brie, einem versteckten Traction-Mekka. Mr. Chauvet ist der typische französische Mechaniker mit Schnäuzchen, Beret und ölverschmierten, praktischen Händen, doch er raucht Dunhill statt Gauloises.
Er zeigt uns erst das bereits für unsere Traction vorbereitete DS Getriebe und führt uns durch diverse Garagen und Nebengebäude schliesslich zu einer nochmals abgeschlossenen Innengarage, die ein wahres Unikum enthält: die "Toyotraction" oder "Tractiotoyota", wie man will, jedenfalls eine abenteuerliche Verbindung zwischen einer allradbetriebenen Reisschüssel und dem Oberteil einer TA-Karosserie!
Das Fahrzeug, eine Arbeit von 4000 Stunden, ist zusammengeschraubt (ni coupé ni soudé) und von Toyota abgenommen worden, wenn auch nicht in Frankreich zugelassen. Mir ihr hat er im Jahr 2000 anlässlich der Tracbar Dundee Australien durchquert und wird sie nun nach Amerika verkaufen. Es warten aber auch noch andere Tractions auf die Verschiffung ans 12. ICCCR, so z.B. eine silberfarbene mit Automatikschaltung, die ebenfalls von Herrn Chauvet als Premiere gebaut worden ist. Der Besitzer hat ein steifes linkes Bein, kann aber dank Knöpfchen am Schalthebel und Zusatzhydraulik vorne die Kupplung trotzdem bedienen.
Kurz nach Mittag bringt uns Mr. Chauvet mit dieser Automatik-Traction an den Bahnhof von Tournans, denn wir wollen zwei Nächte in Paris verbringen, währenddem unser Gefährt auf vier Gänge umgesattelt wird.
Nach weniger als einer Stunde im Transilien (so heissen die Züge, die durch die Ile-de-France fahren) erreichen wir schon den Gare de l'Est. Am Kiosk decke ich mich mit den in Zurich nicht auffindbaren Zeitschriften "Rétroviseur", "La vie de l'auto" und "Automobilia" ein.
Letzere bietet sogar eine Komplette Revue pro Jahrgang der vergangenen Französischen Autosalons an - im Gestell finde ein ganzes Heft nur über den Salon von 1934 (!), und darin wird die Sensation der "Traction Avant" auch ausführlich beschrieben. Unser Hotel liegt ruhig und trotzdem nur ein paar Schritte von der Métro Poissonnière entfernt.
Gestärkt durch einen chinesischen Imbiss steuern wir den ersten Punkt auf André Baumanns Liste von Paris Tips an: den Parc André Citroën am "Quai de Javel" an der Seine, welcher mit seiner grünen Fläche die unglaubliche Grösse der einstigen, abgebrochenen Citroën-Werke aufzeigt.
Mitten im Park stehen als Symbol für die industrielle Vergangenheit zwei grosse Gewächshäuser, umflankt von intermittierenden Wasserspielen. Die beiden Glashäuser haben dieselbe Form und Kubatur der Montagehallen, in denen einst an dieser Stelle hunderte von Fabrikarbeitern am Fliessband standen und unter vielen anderen auch unsere Traction bauten!
Irgendwie ein erhabenes und wehmütiges Gefühl, an dieser nur noch symbolisch präsenten Geburtstätte zu stehen, und gleichzeitig zu sehen, wie ihre Schleifung einer modernen Stadt-Oase Raum bietet und Menschen aller Kulturen erfreut. Eine Stadt verändert sich, und in jedem Zeitabschnitt prägt sie ihre Bewohner - noch früher, als hier noch mit "Javel-Wasser" gebleicht wurde, roch es wohl auch nicht besser als zur Zeit der Fabrikschlote Citroëns.
Nach einer chocolat chaud im Jugendstilcafé 'Sarah Bernard' entdecke ich auf dem Heimweg, grad vor dem Centre Pompidou, das Buchantiquariat "Mona Lisait" (auch das ein guter Tip von André, wie ich erst im Hotel feststellte). Prompt finde ich eine spannende, grossformatige Bibliographie von A.C., der bezeichnende Titel ist "une vie à quitte ou double" - oder zu deutsch "dopplet oder nüt."

"Citroën-freier Tag" (Freitag, 3. Mai, Paris)
Als Auftakt sehen wir uns die Galleries Laffayette an, und staunen ob der wunderschönen Jugendstil-Glaskuppel in deren Innenhof und den herrlichen Blick vom Dach, wo man an der Opéra vorbei den Eiffelturm auf dem Präsentierteller sieht. Eigentlich hatte ich meiner Frau versprochen, heute sei endlich mal ein "Citroën-freier Tag", doch "per Zufall" tauchen wir bei der nächsten Sehenswürdigkeit, den Champs Elysées, an der Stelle aus der Métro auf, wo sich der ehemalige Citroën-Ausstellungsraum befindet!
Die grosse Glasfassade birgt heute ein Café / Disco, das Hippo Citroën und man zeigt auch die neuesten paar Doppelwinkel-Modelle. In Zukunft soll das Gebäude aber wieder zum prominentesten Citroën-Verkaufspunkt der Stadt werden, wie in den Dreissigerjahren.
Von diesem Punkt an widmen wir uns aber wirklich den schönen Künsten und geniessen die Parkanlagen der Tuillerien und das Musée d'Orsay, einem ehemaligen Bahnhof, der heute eine Unzahl von Plastiken beherbergt. Den Eintritt verdienen wir uns mit über einer Stunde Anstehen in der Hitze, doch es lohnt sich, vor allem auch das Mittagessen im Café, wo man Paris durch die Rückseite eines riesigen Zifferblattes sieht.

Erholung in Troyes (Samstag/Sonntag 4./5. Mai, 150 km)
Gegen Mittag werden wir wieder von Herrn Chauvet am Bahnhof in Tournans abgeholt, und zwar mit unserem neuen Viergänger. In seiner Garage kaufen wir noch einen seiner ingeniösen Trucs, den selbstgemachten "anti-vol". Mit dieser Vorrichtung aus gefrästem Aluminium lässt sich der Schalthebel jeder Traction elegant blockieren (oben rechts, d.h. entweder im Rückwärtsgang oder im vierten Gang).
Die Strecke bis nach Troyes legen wir in ungeahnt kurzer Zeit hin. Es ist ein Freude, den elf Pferdchen nun bei Bedarf die Sporen geben zu können und die Tachonadel zum ersten Mal richtig mit der rechten Tachohälfte bekannt zu machen. Das Wochendene verbringen wir bei Charles und Françoise, Verwandte meiner Frau in Troyes, und während des regnerischen Sonntagnachmittags schaue ich mir in Ruhe das von Herrn Chauvet beigelegte Video an, das den Umbau Schritt für Schritt nachvollzieht.

Links Reflexion im Flüsschen "le Serein" in Pontigny bei Auxerre, rechts das behelfsmässige Regencape in Troyes

Eine Woche voller Feiertage (Mo. 6. - Fr.10. Mai, rund 1000 km)
Um eine schöne, angenehme Reise zwecks Konzentration auf Traction-Spezifisches kurz zu machen: Ab Troyes geht's in südlicher Richtung auf (Über-)Landsträsschen dem bezaubernenden Flusstal der Yonne entlang und vorbei an weiteren Flüsschen und Kanälen durchs Weingebiet von Chablis nach Vézélay.
Wir besichtigen die fürs kleine Dörfchen verhältnismässig riesige Kathedrale und übernachten wiederum in einem historischen "chambre d'hôte" in St. Aubin sur Loire. Tags darauf folgen wir Udo Kenkels Geheimtip zum Automuseum von La Clayette. Udo hatte mir extra einen Magazin-Artikel samt Ausschnitt der dazugehörigen Michelinkarte kopiert und zugeschickt.

Der malerische See des Schlosses La Clayette
Begeistert sehen wir uns das Museum an, das eigentlich eine Verkaufsaustellung ist (alle Autos haben Preise!) und direkt neben einem Schloss mit Wassergraben und See liegt. Neben dem tollen Lorraine-DeDietrich Torpedo gefallen wir besonders die drei gelben 5HP Citroën. Einer davon ist ausgewachsen, die beiden anderen sind Tretautos verschiedener Grösse - wieder ein Hinweis aufs Marketingtalent von André selig. Früh übt sich, was ein potentieller Kunde wird!
Zum Pendant in Chauffailles (wo es vom gleichen Anbieter Jolivet noch mehr historische Autos zu sehen und kaufen gibt) fehlt uns leider die Zeit - doch man muss auch noch was fürs nächste Mal haben!

Das Problem französischer Tankstellen
Nach dem Umbau merken wir, dass wir weniger Benzin brauchen. Der längere Atem oder Saftvorrat bis zur nächsten Tankstelle wurde dann aber auch unerwartet wichtig. Wir freuen uns nichtsahnend an der wunderbaren Landschaft, fahren Umwege zu versteckten Chateaus und benutzen gerne die auf der Karte weiss oder gelb eingezeichneten Nebenstrassen. Doch Tankstellen scheinen auf dem Lande rar gesät zu sein, und wenn doch mal eine auftaucht, hängt meist eine rostige Gliederkette übers Areal, "fermé".

Diese Citroën-Tankstelle war die Ausnahme: offen und erst noch ein Urahne im Schaufenster!
Zumindest an Montagen scheinen in Frankreich viele "Pompiers" blau zu machen - Museen sind ja schliesslich auch zu. Am Mittwoch ist wegen Armistice (Waffenstillstand 1945) Feiertag, gefolgt von Auffahrt am Donnerstag. Dadurch sind ab Mitte Woche aber auch viele Chambres d’Hôte ausgebucht und wir müssen jeweils mehrere telefonische Anläufe machen, um eine Unterkunft zu finden.
Obwohl wir einen 5l-Kanister mitführen vertraue ich der munter schwankenden Benzinanzeige nicht wirklich - was nicht unbedingt zur Beruhigung meiner Navigatorin und Gattin beiträgt. Wie gesagt gibt es auf den "weissen" Strassen kaum Tankstellen, und hier ist natürlich auch der Verbrauch grösser als auf der Schnellstrasse. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als immer wieder einen grösseren Ort anzufahren, und unser Glück bei den Grand Surfaces der Banlieus zu versuchen. Diese Manöver können bis zu einer Stunde abseits der Route in Anspruch nehmen, denn teilweise werden nur die landeseigenen Cartes Bleus akzeptiert, oder die Supermarchés sind noch zu klein für eine Tankstelle. Wenn dann allerdings eine gefunden ist, "erfreut" man sich an Preisen knapp unterhalb eines Euro, also ca. CHF 1.50. Überhaupt diese Euromünzen... nicht auseinanderzuhalten ist noch nett gesagt.
Doch zurück zur Reise. Wir verbringen eine Nacht auf dem Landhof von Bekannten in der Bresse und kommen nach einigen Abstechern und Entdeckungen auf Seitenwegen (Pesmes, Besançon, cirques de la Loue, Herberge im hohen Jura, St. Imier und die noch unfertigen Arteplages) müde aber glücklich wieder zu Hause an - ohne eine einzige Panne!

Die neue Schaltung
An dieser Stelle möchte ich eine erste Bilzanz zum Umbau anfügen. Wie erwähnt sind wir bereits über 1000km mit der neuen "boite de vitesse" gefahren und ich kann mich schon kaum mehr entsinnen, wie ich die Gänge vorher einlegte! Die Anordnung der Gänge sieht nun folgendermassen aus:
  1. links unten
  2. links oben
  3. rechts unten
  4. rechts oben
Diese Verteilung auf die H-förmige Schaltung kommt dem näher, was die meisten von uns aus modernen handgeschalteten Autos kennen, dh. man schaltet von links nach rechts, statt wie bei der Original-Schaltschablone von rechts nach links. Daraus ergibt sich auch der Vorteil, dass einem der "Senflöffel" weniger oft in die Quere kommen kann, zumal er in den am meisten benutzten Gängen 3 und 4 am weitesten vom rechten Knie entfernt ist (analog zur Stellung "1" und "AR" beim Dreigänger):

Links die neue Schaltschablone, rechts Chauvets "Antivol" sur place
Der grosse schwarze Knopf unterhalb des Zündschlosses dient - richtig geraten - zur Einlegung des Rückwärtsganges! Vielleicht nicht das Gelbe vom Ei für Puristen, doch immerhin ist er aus Bakelit, was in die Zeit passt und für mich bereits aussieht, als wäre er immer dort gewesen. Die Bedienung will allerdings gelernt sein. Man legt den Rückwärtsgang ein, indem man den Knopf mit dem Handballen hineindrückt. Dadurch wird über einen Bowdenzug die Kippwelle auf der Oberseite des Getriebes nach vorne gestossen und das betreffende Zahnrad engagiert. Der Vorgang braucht eine gewisse Kraft, deshalb auch die Grösse des Knopfs. Die Vorwärtsgänge sind blockiert, solange man den Knopf nicht wieder herausgezogen hat, was in der Hektik aber auch schon mal vergessen geht.

Das Schöne am 4-Gang Kit à la Chauvet ist für mich u.a., dass statt das originale Schaltgestänge elegant wiederverwendet wird. Als ich letzthin in einer Garage eine andere Art des 4-Gang-Umbaus sah, die aus lauter durchhängenden Kabelzügen bestand, dachte ich im ersten Augenblick, es sei etwas defekt - es fehlten eben die Traction-typischen Schaltstängeli! Und scheinbar ist es damit nicht immer einfach, gewisse Gänge zu finden. Bei mir hingegen ist das kein Problem. In Anbetracht der Photos merkt der geneigte Tractionist, dass meine Schaltstangen in umgekehrter Weise montiert, etwas umgebogen und verlängert, sowie mit zusätzlichen Halterungen an der Spritzwand neben der Batterie befestigt sind.
Der Kabelzug des Rückwärtsganges benötigt eine minime Vergrösserung des Wandlochs, das bereits das Tachometerkabel aufnimmt, sowie eine neue Halterung unter dem Armaturenbrett. Doch ansonsten ist die Adaption à la Chauvet sehr behutsam und vollkommen reversibel, falls z.B. der nächste Besitzer auf Originalität bedacht sein sollte.

Weniger Durst - grösserer Radius
Der Benzinverbrauch sank markant. Während der Reise notierte ich mir jeweils die gefahrenen Kilometer von einer Tankstelle zur nächsten und füllte immer bis knapp unter den Rand des Stutzens auf. So ergab sich vor dem Umbau ein Verbrauch von 15 bis 18 Liter /100 km. Ich hatte das schon vor der Reise mit einigen Clubkollegen angesprochen und viele meinten, das sei nicht besonders gut.
Vielleicht liegt’s an einem schlecht eingestellten Vergaser, oder an der halben Garage im Kofferraum? Jetzt bin ich jedenfalls wieder bei den Leuten, kann ich doch mittlerweile einen Verbrauch von 10 bis 13 Litern beobachten. Ein Teil des besseren Resultates liegt wohl auch daran, dass ich die Pneus von wegen Gepäck etc. etwas mehr aufgepumpt hatte und den Verbrauch von Tag zu Tag messen konnte, statt von einem Fährtchen hier zu einem Fährtchen dort, Wochen später, währenddem ev. ein Teil verdampfte und die Messung verfälschte.
Über den Daumen gepeilt gehe ich von einem durschnittlichen Reduzierung von 16 l (vorher) auf 12 l (heute) aus. Also 25% weniger Benzin, und ein um 33% vergrösserter Tank-Radius: Aus 6.25 km/l wurden 8.33 km/l, ergo (8.33 - 6.25) / 6.25 = 33%.

Neue oder alte Geräusche?
Natürlich ist nun auch der Fahrkomfort ein anderer. Die Vibrationen reduzieren sich nach Chauvets Angaben um 80%, doch für welche Tourenzahl und welchen Gang das gelten soll, konnte ich bisher nicht eruieren. Mehr wert als eine genaue Prozentangabe ist mir die Freude meiner Frau darüber, dass "wir nun im Traction auch bei höheren Tempi normal miteinander reden können."
Es leuchtet ein, dass die Tourenzahl und der Benzinverbrauch sinkt, wenn man einen zusätzlichen Gang mit grösserer Übersetzung zu Verfügung hat. Schön wäre es natürlich gewesen, einen Tourenzähler zu haben, um das genau zu verfolgen. Aber das DS-Getriebe ist nicht nur ein Traction-Getriebe plus 1 Gang, sondern hat auch leicht andere Übersetzungen. Die genauen Zahlen liegen mir leider noch nicht vor.
Ich kann Euch also nur berichten, was ich optisch und akustisch feststellen konnte. Zum einen klappern verschiedene Teile wie Rückspiegel, Handschuhfachdeckel, Türen und andere UVO (unidentifizierte vibrierende Objekte) wie zuvor, teilweise aber bei anderen Geschwindigkeiten. Zum anderen hat sich mit dem vierten Gang die wiederkehrende Lärmspitze des Motors nach oben verschoben. Mit Lärmspitze meine ich eine bestimmte Drehzahl des Motors im mittleren bis oberen Bereich, der wahrscheinlich seiner Eigenresonanz entspricht. Wenn man weiter beschleunigt, wird das Geräusch wieder leiser, es ist jedoch nicht mehr so angenehm wie vorher. Diese Vibrationen treten wie gehabt im ersten Gang bei 20-30km/h auf, im zweiten bei 40-50km/h, im dritten bei 60-70km/h und im vierten nun bei 80-90km/h. Darüber hinaus beschleunigt man bis ca 115km/h, wenn es mal sein muss. Zudem kann ich den dritten Gang nun sogar als Motorbremse bergab brauchen...

Weitere Erkenntnisse sind für einen Heftartikel geplant. Für Fragen oder Anregungen stehe ich Euch gerne zur Verfügung. Herzlichen Dank nochmals an André und Udo für die tollen Tips!

Herzlich grüssen Euch: Caspar & Jacqueline

Zurück zum Index der Berichte

CTAC-Homepage