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Tausche Bugatti gegen Traction

Wie das Autofahren vor 50 Jahren war

Louis Krähenbühl

Ich hatte Ende der 50-er bis Anfangs der 60-er Jahre eine Traction 11 BL Légère, Jahrgang 1950, die ich dann meinem Bruder überliess, als ich nach Mexiko kam, aber, wie schrieb Erich Kästner: Die Geschichte fängt noch gar nicht an....

Vor der Traction hatte ich, bzw. mein Vater und Grossvater, noch andere Autos, und da wir schon am plaudern sind, erzähle ich mal davon, schön der Reihe nach.

Mein Grossvater Alfred, (1878-1938) hatte anno 1919 seinen ersten Wagen gekauft, ein Zedel aus Frankreich. - Im Jahre 1929 kaufte er einen Chrysler und später ein Hupmobile aus den USA, ca. 1932, alle Autos waren Cabriolet. Er fuhr gerne in der Schweiz herum; mein Vater erklärte mir, dass er einer der ersten war, die in Chur einfahren konnten, weil damals Graubünden für Autos gesperrt waren, wurde mir gesagt. -
Der Chrysler - man beachte die alte Autonummer, noch weiss auf schwarzem Grund (1927)

Wenn das Wetter schön ist und die Sonne scheint, ist ein Cabriolet angenehm, wenn es aber regnet, fährt man mit hochgeklapptem Verdeck und seitlich eingesteckten Celluloidscheiben, die dann meistens verkratzt sind, nicht abdichten, sodass der Regen überall hieintropft, aber die Herrschaften fuhren in Leder- oder weissen Staubmänteln.

Nicht alle Autos hatten Winker, wer kennt heute die korrekten Zeichen eines Fahrers eines Autos ohne Winker, bzw. Blinker:



Das Hupmobil! Für alle Zubehörfreunde: Orignal Aussenkoffer! Der Staubmantel ist bei der heutigen Asphaltwelt auch in Cabrios kein Thema mehr

Abbiegen nach links: linke Hand schräg nach unten, mit ausgestreckter Hand, Handfläche nach untenAbbiegen nach rechts; linke Hand, herausgestreckt, abgewinkelt 45 Grad, Handfläche nach oben zeigend,
Abbremsen: linke Hand herausgestreckt, waagrecht, Handfläche senkrecht
Das Hupmobil bei einem Reifenwechsel in Tarragona (1933)  
Das war alles vor dem 2. Weltkrieg. - Während dem Krieg waren ja die meisten Autos in der Garage oder in Scheunen aufgebockt, es gab keine Pneus und Benzin war Mangelware, und der Autoboom kam erst Anfangs der 60-er Jahre.Die ersten Autos nach dem Krieg waren eigentlich Nachbauten von Vorkriegsautos, mit einer verschönerter Karrosserie. Beispiele: Opel Olympia, Renault Juvaquatre, Peugeot 202, Ford Consul, Mercedes 170 und andere mehr - Ich erinnere mich, wie wir Schüler in Basel anno 46 und 47 riefen: siehe dort, ein Amerikanerwagen, wenn wir einen neuen Ford, Chevy oder Chrysler fahren sahen. -

Wer hatte damals Autos? Der Bäcker, der Metzger, der Arzt; unsere Ärztin, Frau Doktor L., hatte auch noch während dem Krieg einen Topolino, sie kriegte Benzin und ich erinnere mich, wie sie uns in Militäruniform besuchte.Ich fuhr mit dem Velo in die Schule und auch später zur Arbeit, Sommer und Winter, mit dem Tram nur bei Erkältung. - Mit 18 kaufte mir meine Mutter eine gebrauchte Vespa, Jahrgang 50, dann musste ich nicht mehr gegen Wind strampeln im Winter, wenn er über die Basler Wettsteinbrücke blies. In der Lehre lernte ich einen einen Freund kennen, der wollte mit einem anderen "Stift" nach Spanien fahren, aha, sagte ich, da komme ich auch mit, ich spreche Spanisch, was die anderen nicht konnten.- Sein Vater hatte einen alten Chevy 1934, genannt "das Gartehüsli", weil viereckig.- Der Vater des Freundes, welcher den Wagen besass, fuhr einen Chevy 51 (auch ein schönes, klassisches Modell heute) mit Wechselnummer, und wenn er am Sonntag einverstanden war, daheim zu bleiben, montierten wir die Nummer an den Chevy und fuhren los. - An die Rückwand schrieben wir:

WER SEINEN WAGEN LIEBT, DER SCHIEBT.

und: DAMENABTEIL. - Wir hatten das Gaudi mit dem Wagen, nur war der Motor auf dem Rumpf, und meine Freunde wollten ihn überholen und schliffen Ventile ein, aber trotzdem, beim Anfahren kam eine blaue Rauchwolke aus dem Auspuff, und wir sahen ein: So kommen wir nicht nach Spanien, und wollten den Wagen verkaufen an andere Freunde. - Wir luden sie ein, eine Probefahrt zu machen, und fuhren von Riehen nach Bettingen, bis uns ein Polizist auf einem Motorrad anhielt und erklärte, dass wir nicht weiterfahren können, wegen dem blauen Rauch aus dem Auspuff. - Als er dann zufällig an das Steuerrad langte und dieses 10 Zentimeter Spiel hatte, ohne dass sich die Vorderräder bewegten, befahl er uns, sofort zurück in die Garage zu fahren. Wir hatten Schwein, keine Busse zu kriegen.

Was sollen wir nun weiter tun? Wir waren also 4 Lehrlinge, der Jüngste nicht mal 18, noch ohne Fahrausweis, wir andere 2 noch nicht ganz 19, mit Fahrausweis, und der älteste war 20, mit Fahrausweis.

Einer von uns lehrte in einer grösseren Autogarage in Basel, dort kaufte ein Basler einen neuen Opel Kapitän und gab seinen alten Wagen an Zahlung, es war ein Buick 1934 , also gleicher Jahrgang wie der Chevy 34, und ganz ähnlich, nur hatte er einen 8 Zylinder Reihenmotor, 3 Gänge, ein Lenkschloss , kombiniert mit Zündung, eine elektrische 8 Tage-Uhr,und man konnte die Geschwindigkeit einstellen, wenn man immer die gleiche fahren wollte, genau wie heute auch..Ihr wollt wissen, wie? Ganz einfach: man zog einen Knopf im Armaturenbrett heraus, an den ein Kabel angeschlossen war, und das Gaskabel war auf 60 km pro Stunde blockiert....Dann eine Blumenvase links zwischen den beiden Türen, ein Schiebedach, ein Gepäckträger hinten und einen Metallkoffer, der auf den Gepäckträger passte, und den man auf beiden Seiten aufschrauben konnte. In den beiden vorderen Kotflügeln war je ein Reserverad mit Schloss. Die Bremsen waren mechanisch.Sie zogen, aber meistens auf eine Seite man musste also aufpassen beim Bremsen. - Der Wagen hatte ein Chassis und eine Karrosserie, und der Boden war aus Holz, die Sitze aus Plüsch, braun, und am hinteren Fenster war ein Storen angebracht, den wir damals nachts gut gebrauchen konnten für Sachen, die man eben macht, wenn man noch nicht 20 Jahre alt ist im Wald und natürlich nicht allein.
Es war lustig und romantisch, nachts mit zurückgeschobenem Dach zu fahren, im Fahrtwind stehend, ausser dem Fahrer natürlich.

Der Buick Model 1934
Das Nummernschild war hinten links, beleuchtet, mit einem roten Stoplicht, und auf der rechten Seite war ein beleuchtetes CH-Schild.

Sollen wir den Wagen kaufen? 350 Stutz hob ich vom Sparkonto ab ohne es natürlich den Eltern zu sagen, wir fuhren den Wagen in die Garage des Freundes, der den Chevy 34 hatte.

Das war im Winter 55.

Der Wagen hatte noch keine Nummer. - Im März 56 wollten wir damit an den Automobilsalon in Genf fahren, und luden einen Mechaniker der erwähnten Garage ein, der montierte hinten und vorne eine Garagenummer an den Wagen und wir fuhren los nach Genf. - Wir übernachteten auf der Strasse dort downtown, gingen anderntags an den Salon, ich erinnere mich überhaupt nicht mehr, welche Wagen wir dort sahen, und fuhren dann nach Hause. Unterwegs ging die Wasserpumpe kaputt, also Riemen weg und nur mit der Batterie fahren, und kamen dann mit lerer Batterie und ohne Licht trotzdem noch nach Hause.

Jetzt musste eine neue Wasserpumpe her, Kostenpunkt 110 Franken (war viel für die damalige Zeit), also ein anderer zahlte diesen Betrag, wer montiert sie? - Ein Mechaniker der genannten Garage, Kostenpunkt 25 Franken, wobei es damals den Automechanikern streng verboten war, Arbeiten privat auszuführen. - Also getan.

Dann kam der Sommer, und ich liess den Wagen einlösen, zum Glück musste ich ihn nicht vorführen, da noch kein Jahr vergangen war, seit der vorherige Besitzer den Wagen abmeldete. - Ich kriegte die Nummer BS 37523, und am 1. Juli 1956 fuhren wir 4 zur Garage, es war an einem Samstag, um ihn abschmieren zu lassen und das Öl zu wechseln. - Die Servicearbeiter hatten helle Freude, und als wir zahlen wollten, sagten sie: Haut ab, und sagt ja nicht, ihr seid da gewesen. - Die Versicherung wurde für nur 3 Monate abgeschlossen, zu einem Spezialpreis von 280 Franken, vom Freund, der Lehrling in der Grossgarage war...

Der Buick 34 war in besserem Zustand wie der Chevy, aber der Motor brauchte einen Liter Oel auf 100 km bei Vollgas, die Höchstgeschwindigkeit war ungefähr 115 Km, und man musste Zwischengas geben beim Runterschalten, sonst kratzte es, und wenn es kratzte beim Runterschalten, wurde der Fahrer gescholten von den anderen. "Jetzt chum ich dra mit fahre, by Dir hetzt jetzte scho zwaimool kratzt", hiess es jeweilen. - In der Mitte des Armaturenbrettes war der Schalter für die beiden Winker, die nachts beleuchtet waren. - Der Vergaser hatte einen kleinen Filter, mit Stahlwolle gefüllt, den man von Zeit zu Zeit reinigen musste mit Benzin, und das Ansauggeräusch war ziemlich laut.

Wir hatten das Gaudi mit dem Wagen, wenn wir abends losfuhren, brachte jeder 5 Franken, und damit wurde getankt, ich glaube, das Benzin kostete damals um die 50 Rappen, Der Motor soff rund 20 Liter pro hundert Kilometer,

Am ersten Wochenende fuhren wir nach Mumpf im Baselland an ein Fest. Beim Rückwärtsfahren touchierte ich einen anderen Wagen, da man hinten raus überhaupt nichts sah, und Aussenrückspiegel gabe es keinen, also schon die erste Reperatur mit 350 Franken, von der Versicherung bezahlt.

Dann wurde der Wagen auf die Reise vorbereitet: Einige Reifen wurden nachprofiliert mit einem Schneidwerkzeug, d.h. nachgerillt bis auf die Leinwand, (Einige von Euch werden jetzt den Kopf schütteln, aber das war damals halt Brauch...) ein gebrauchter Gepäcktrager aufs Dach wurde gekauft, und ein Lehrling, dessen Vater Vertreter einer Autoölfirma war, verkaufte uns einen 20 Liter Kanister, der schön hinten im Koffer Platz hatte.- Dazu kam noch eine komplette Werkzeugkiste, geliehen von der Grossgarage wieder, mit allen Werkzeugen, und ein Scheinwerfer mit Kabel zum Anschliessen an der Batterie, gedacht für nächtlichen Radwechsel.

Dann gab es ein Fest, die Taufpatin war die Schwester eines anderen Freundes, auch Jahrgang 34, und der Wagen wurde auf den Namen
CAROLINE CHERIE getauft, uns gefiel dieses Lied, welches die Katharina Valente damals sang (ich glaube, die singt heute noch?).

Wir fuhren mit dem Wagen nach Spanien bis nach Gibraltar und zurück; ich berichte ein andermal über diese Reise, war auch abenteuerlich..

Leider konnten wir den Wagen nur bis Ende September fahren, wobei zwei von uns je noch einen Unfall bauten; einmal fuhr einer von uns rückwärts in einen anderen Wagen beim Abfahren, weil er den Rückwärtsgang anstatt den Vorwärtsgang eingeschaltet hatte, und beschädigte den Kühler des hintenstehenden Autos, und kurz vor Ende September streifte ein anderer bei einer Ausfahrt nach Zürich einen Wagen.
Totale Schadensumme war über 900 Franken, und der Mann der Versicherung rief bei mir an und sagte mir seine Meinung und versprach, nie mehr in seinem Leben eine Versicherung für Burschen unter 20 Jahren abzuschliessen.

Traurig gaben wir unsere Nummer ab und fuhren den Wagen auf den Abbruch und erhielten noch 70 "Schdai" dafür.

Im nächsten Jahr kam ich in die Rekrutenschule und absolvierte auch noch die UO und verdiente meinen Grad ab. - Ein Kamerad von mir hatte einen alten DKW (Du kannst warten,), Meisterklasse, also Vorkriegsauto, 2 Zylinder, Zweitakter, mit Schaltung im Armaturenbrett ähnlich der Traction, Sperrholzkarrosserie mit Schiebedach, bum ..be ...bum...bum...tönte der Motor, und es kam blauer Rauch hinten raus.
Sein Garagist war in Lyss, und wir fuhren dorthin im Urlaub.

Dann sah ich ihn....er stand in einer Ecke der Garage, er war rot, Hammerschlagfarbe. - Ein Bugatti Cabriolet, die Kotflügel schön nach hinten gezogen, weg von der Motorhaube, Speichenräder, Radnabe, die mit einem Bleihammer auf und zugeschraubt werden musste. - rechtsgesteuert, 2 Sitze, Ersatzrad offen hinten, Kofferraum klein und nur zugänglich von innen, ähnlich wie Traction 7 A, Winker, Nummernschild hinten links. - 4 Zylinder, Doppelvergaser, 4 Vorwärtsgänge.Metall - Instrumentenbrett mit Rundungen poliert, so wie es damals Mode war, wer weiss, wie man das machte? Mit einer Bohrmaschine, der man einen Kork aufzieht..

Was kostet der Wagen? 750 Franken. was macht der Louis Krähenbühl? Er geht im grossen Urlaub wieder auf die Bank und hebt wieder das Geld vom Sparkonto ab, wieder nichts den Eltern gesagt, löst die BS Autonummer ein, und fährt mit dem Wagen nach Basel zum Vater. - Der riss die Augen auf, als der ältere Sprössling mit einem Bugatti Grand Sport, Jahrgang 1929 vor dem Haus parkierte. Mein Vater war aber gar nicht begeistert, ich verstand ihn nicht, er fuhr auch Autos vor dem Krieg und sprach immer von den schönen Bugattis, und jetzt, wo ich einen solchen kaufen konnte, war er gar nicht damit einverstanden.

"Was willst Du mit diesem Wagen tun, mit dem Sold und Lohnausgleich als UOF, ohne Lohn deines Arbeitgebers, der Wagen kostet Geld im Unterhalt....musste ich hören.

Ich fuhr den Wagen nicht lange, war ja im Dienst im Welschland, fuhr mit Kameraden einige Male mal nach Genf , das war alles.

Ich sagte mir: Habe ich richtig gehandelt? - Aber eben, ich war schon damals von klassischen Autos angefressen. - Es gab zu Hause kein Auto, und am Schluss sagte mein Vater: Wir wollen Dir helfen, da ist einer, der hat eine Traction 11 BL Jahrgang 1950, und ist bereit, diesen gegen den Bugatti einzutauschen, bist Du einverstanden? - Ja sagte ich, und so kam ich zu meiner Traction.

Der Vater zahlte dann die Motorrevision, die nötig war, und wir hatten einen Wagen für die Familie.Er bekam das alte Nummernschild wieder. - Der Lack war auch schlecht, und ein Freund von mir anerbot sich, den Wagen neu zu bemalen, es kam aber so ein Mist zustande, dass mein Vater den Wagen in einer Garage in Basel neu lackieren liess, dunkelgrau.

Nachdem mein Vater fast 20 Jahre lang nicht mehr fuhr, musste er wieder Fahrstunden nehmen, auch auf Traction, und bekam den Fahrausweis wieder.

Ich fuhr die Traction 4 Jahre lang, bis ich Anfangs der 60-er Jahre für ein Jahr zu einem Onkel nach Mexico kam, für ein Jahr, sagte ich. Inzwischen sind es 44 geworden, und werden noch mehr, so Gott will. - Mein Vater und dann mein 8 Jahre jüngerer Bruder Alfred fuhren die Traction noch einige Jahre, bis dann mein Bruder eines Tages aus dem Elsass nur noch mit den Nummernschildern zurückkam, und die Traction dort stehen liess, und Vater kaufte sich einen Peugeot 203.

So, ich bin ein wenig abgeschweift, aber es war lustig, in den 50-er Jahren Auto zu fahren. - Autobahnen gabe es ja keine, wenn man vom 5,8 km Paradestück von Luzern zum Lopper absieht. - Also fuhr man schön brav in der Kolonne, jeder bedacht, ja keine Lücke zum überholen zu lassen; da die meisten Autos schwachbrünstige Motoren hatten, war überholen schwierig. - Ferraris, Jaguar XKs und Mercedes Flügeltüren gab es nur wenige, und diese wurden gross bestaunt, wenn man sie sehen konnte. .

Die Traction immer noch BS 37523
Die Plastiksitze mit den grün und rotkarierten Muster meiner Traction waren heiss im Sommer und kalt im Winter. - Hinten war wunderschöner Platz für die Beine, Hand aufs Herz: Heute noch haben die meisten Mittelklasswagen nicht die Beinfreiheit wie ein Legere oder Normale...Dazu noch die gute Strassenhaltung, die man am besten mit einer Freundin ausprobieren konnte; scharfe Rechtskurve, wenn dann die Dame nach links fiel und lachte, wusste man, woran man war, und wenn man auf Nummer sicher gehen konnte, war ja noch die Handbremse da, bei deren Betätigung im Stand die rechte Hand auf bestimmte Körperteile der Damen landen konnte, und man je nach Reaktion schnell im Bild war.

Meistens fuhren wir nicht im Winter, wir gaben die Nummer im Dezember ab und lösten sie wieder auf den 1. März oder 1. April ein, und liessen den Wagen in einer Garage überwintern, andere Freunde brachten ihn zu Bauern auf dem Land.. - Ich hatte auch noch eine Heizscheibe, die im Winter montiert wurde, und die Batterie "zusammenzog", aber ich hatte eine eisfreie Frontscheibe, dazu kaufte ich eine Autoheizung, montierte sie unten beim rechten Fahrersitz ein, die mit dem Kühlwasser arbeitet und einem Ventilator, sie heizte schlecht und recht. - Ich hatte kein Kühlerrouleau, dafür montierte ich vor dem Kühler einen schwarzen Kühlerschutz, der je nach Temperatur, auf und runtergerollt wurde, ich konnte die Kühlertemperatur an einem eingebauten Thermometer messen. - Im Winter wurde Antigefriermittel eingefüllt, eine grüne Sausse, und eine Etikette dran. - Wer erinnert sich noch an den Oktober 1956, wo das Thermometer von einem Tag auf den anderen auf einige Grad unter Null fiel, und die meisten Autos noch keinen Gefrierschutz eingefüllt hatten, da gab es einen Haufen Motorblockrisse.. Wer weiss, was die Leute in den 20 und 30-er Jahren tun mussten im Winter, als es noch keinen Gefrierschutz gab? Ein alter Mann sagte mir: "Beim Stehenlassen des Autos wurde das Kühlwasser abgelassen, und nachher warmes Wasser wieder eingefüllt beim Wegfahren...." Das waren noch Bräuche...

Die Michelin X-Pneu reichten mir für nicht mehr als 43000 Kilometer, - Mein Vater und ich fuhren mit dem Wagen nach Spanien und Italien, und hatten auch einen Gepäcktrager für das Dach, da ja im Kofferraum kein grosser Platz ist.

Ich vergesse heute noch nicht den schönen, tiefen Ton, den der Auspuff abgab. - Am liebsten fuhr ich kurvenreiche Strecken, wo man im 2. Gang hohe Touren fahren kann, und man die Opels Olympia, Peugeot, Ford und sonst noch andere, schön abhängen konnte.

Zum Reparieren fuhr mein Vater von Basel nach St.Louis im Elsass (Deswegen sagen die anderen Schweizer, wir Basler seien halbe Ausländer), dort hatte er seinen Garagisten, einen Tractionspezialist. - Zurück fuhr er aber über Deutschland...Hoffentlich ist kein Tractionist Zöllner und liest das...Aber die Zöllner waren und sind nicht dumm, und sehen sich den Motor genau an, und wenn sie sehen, dass Neuteile eingebaut wurden, musste man Zoll zahlen.

Nach einer Motorrevision musste man damals schön langsam fahren, es wurde vorgeschrieben, bis 500 km soviel, bis 1000 km soviel, erst nach 2000 konnte man "volle Pulle fahren", wie die Deutschen sagen. - Da pflanzte man hinten ein Abziehbild: Wird eingefahren, oder: en rodage...wobei wir dann hinten auf den Buick schrieben: wird ausgefahren. - Alles das ist passè

Und nun wird der eine oder andere denken und zu mir sagen: Warst Du nicht verrückt, einen Bugatti gegen eine Traction zu tauschen?
Dazu kann ich sagen:

Damals gab es sehr wenig Leute, die an klassischen Autos Freude hatten. Warum? Es waren ja nur einige Jahre nach dem Krieg, Geld war Mangelware, nicht lachen, alle die 70 sind und älter, wissen das noch...Man wollte keine Autos, die Benzinfresser waren und teuer im Unterhalt, sondern solche wie VW, Opel, Peugeot etc. die wenig Benzin brauchten. - Ich erinnere mich noch, wie anno 51 an Samstagen vor der Mustermesse in Basel Autos verkauft wurden; schöne, alte DE SOTO Cabriolets, klar, 22 Steuer-PS, zu 300 Franken, aber eben: Die Zeiten waren anders....Da kann jeder heute kommen und sagen, man hätte....


Wenn das Wörtlein "wenn" nicht wär,
wär mein Vater Millionär.

Und zum Schluss: Hätte ich den Bugatti behalten, wäre ich kein Tractionist geworden....

Louis Krähenbühl

 

Anmerkung des Webmasters:
Louis Krähenbühl ist Mitglied vom CTAC obwohl er in Mexico lebt und keine Traction fährt. Das Auto muss ihm in seiner Jugend also einen sehr grossen Eindruck gemacht haben. Gerne würde er auch heute noch eine "Zitrone" fahren, doch sinde diese Oldtimer in Mexico nicht so leicht zu bekommen, wie in Europa. Anlässlich eines Heimataufenthaltes hat er an einem CTAC-Treffen teilgenommen und war glücklich, wieder einmal in einer seiner geliebten Tractions fahren zu können.
Vergl. dazu den entsprechenden Bericht mit einer Foto von Louis Krähenbühl