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Photoapparate aus der Zeit unserer alten Autos

2. Teil: Anspruchsvollere Kameras

Daniel Eberli

Nachdem ich im 1. Teil auf die populären Box-Kameras eingegangen bin, möchte ich im zweiten Teil auf die anspruchsvolleren Kameras eingehen. Diese unterscheiden sich von den Box-Kameras in 1. Linie dadurch, dass sie technisch komplizierter aufgebaut sind und über Einstellmöglichkeiten verfügen, die in der Regel die Bildqualität verbessern und auch bei schwierigen Lichtverhältnissen gute Resultate ermöglichen.
Meistens handelt es sich um die folgenden Merkmale:

Aber genug der Theorie, die meisten Leser werden dies ohnehin wissen, und wer sich mehr interessiert, kann sich über Bücher und das Internet informieren.

Die erste anspruchsvollere Kamera, mit der ich selbst fotografierte, war eine „Corina“. Sie war ein Erbstück von einem Grossonkel, und technisch ein recht interessantes Gerät. Linse, Blende und Verschluss sassen am vorderen Ende eines Rohres, das bei Nichtgebrauch der Kamera ca. 2.5 cm in das Gehäuse versenkt werden kann und mit einem Bajonett-Verschluss verriegelt wird.
Lange war mir nicht bekannt, wo der Apparat hergestellt worden war. Erst eine Anfrage an ein Internetforum brachte mir den richtigen Tipp. Gefertigt wurde die Kamera in den frühen 60-er Jahren von Gerhard Goldammer in Frankfurt, das Objektiv 1:2,9 75mm (dies konnte ich natürlich selbst lesen...) stammte von Steiner in Bayreuth. Bildformat: 6x6 cm auf Rollfilm 120, Verschlusszeiten Vario B, 1/25, 1/50 1:100 Sek. Gemäss Angabe auf dem Internet muss es sich um eine interessante und relativ seltene Kamera handeln.

Zusammen mit der Kamera habe ich auch einen optischen Belichtungsmesser „Sixtomat“ bekommen, der die Einstellung von Blende und Verschlussgeschwindigkeit sehr erleichterte. Auch er dürfte kurz nach 1950 gebaut worden sein. Er funktioniert noch heute einwandfrei.
Auch ein Agfalux Blitz mit faltbarem Reflektor gehört dazu.

Leider waren die Bilder aus dieser Kamera nur im Zentrum richtig scharf. – Ich habe nie untersucht, was der Grund dafür ist. Ich kaufte mir in den frühen 80-er Jahren eine gebrauchte Spiegelreflexkamera, auf die ich an dieser Stelle nicht eingehen will.

1984, am Cinquantenaire der Traction, kaufte ich am Flohmarkt in Paris meine erste Balgenkamera. Interessanterweise ist es mir bis heute nicht gelungen, mehr über die Kamera herauszufinden, als dass das, was auf dem Objektiv steht. Objektiv Steinhell München Anastigma, 1:4,5 F = 10.5 cm. Ich vermute, dass sie aus der Zwischenkriegszeit stammt. Negativformat vermutlich 6 x 9 cm.
Verschlusszeiten: B, 1/25, 1/50 und 1/100 Sekunden. Der kleine Winkelsucher ist drehbar befestigt, so dass er sowohl für hoch, als auch für breitformatige Bilder verwendet werden kann. Das Scharfstellen geschieht durch Verschieben des ganzen Objektives.

Die Carina und meine beiden ersten KODAK-Brownie-Kameras und die oben erwähnte Taschenkamera hatten bereits ihren Platz auf unserer Wohnwand, als ein Verwandter uns besuchte und die Mini-Sammlung bemerkte. Als Folge davon bekamen wir von ihm seine alte Taschenkamera geschenkt: Eine Zeiss Ikon Nettar 316/18. Man spürt die Qualität gleich beim ersten Kontakt am Gewicht von über 550 Gramm.

Diese Rollfilm-Klappkamera ist typisch für die 50-er und 60-er Jahre. Mein Exemplar dürfte zwischen 1953 und 1959 gebaut worden sein. Negativformat 6 x 6 cm, Objektiv 1:6,3 F=75 mm. Scharfstellung durch Drehen des Objektives. Selbstauslöser und Blitzkontakt, sind vorhanden. Dies war in der damaligen Zeit keineswegs selbstverständlich. Mit dem Anwachsen meiner kleinen Sammlung wuchs auch der Wunsch, eine dieser uralten Holzkameras zu besitzen. Am CTAC-Treffen bei der Autobahnraststätte Thurau ergab es sich, dass gleichzeitig auf der gegenüberliegenden Seite ein Flohmarkt stattfand. Dort wurde eine grosse Kamera angeboten, und dies zu einem bescheidenen Preis. Zwar war sie nicht in Naturholz und mit Messing-Beschlägen, wie ich dies gerne gehabt hätte, trotzdem fand ich, dies sei eine günstige Gelegenheit, und ich erstand die Kiste. Dank der Segnung des Internets konnte ich sie recht zuverlässig datieren.

Es handelt sich um eine Goldmann, welche ca. 1897 in Wien gebaut wurde. Das Objektiv ist von Carl Zeiss, mit Scharfstellung durch Schraubgewinde und verstellbarer Blende. Format der Photoplatten: Ca. 12 x 17 cm.

Der vordere Teil des Gehäuses kann mittels eines Lederbalges zusammengeklappt werden. Hinten ist ein Magazin angeflanscht, in dem mehrere Photoplatten Platz finden, welche nach der Belichtung in einen daran befestigten, lichtdichten Sack geschoben werden können.Am Gehäuse sind die Bedienelemente für den Schlitzverschluss angebracht. Durch Verändern der Schlitzbreite liess sich bereits damals die Belichtungszeit einstellen.
Selbstverständlich hat die Kamera zwei Stativschrauben – für Hoch- und Querformat – sowie zwei kleine Wasserwaagen, damit die Bilder nicht schief werden. Der „Sportsucher“, ist sogar mit einer Linse versehen.

Ein Freund schenkte mir kurz darauf eine Taschenkamera mit Balg, ganz ähnlich dem Modell, das ich an zweiter Stelle erwähnt habe.Es handelt sich um eine AGFA Billy Record, welche ab 1933 für Preise zwischen 26 und 30 Reichsmark im Handel war. In einer Werbeaktion bot Agfa an, die Box 44 welche für 4 Reichsmark erhältlich gewesen war (siehe Teil 1), zum gleichen Preis an Zahlung zu nehmen.

Leider klemmt alles ein bisschen, dennoch handelt es sich um ein faszinierendes Stück mehr als 100
Jahre alter Technik.

Negativformat: 6 x 9 cm, Verschlusszeiten 1/25, 1/50, 1/100 Sek.; und "B", Entfernungseinstellung manuell, 2.5 m bis unendlich, Blende 8,8, 11 und 16.

Aus der gleichen Zeit ist die zweiäugige Voigtländer Brillant. Das Gehäuse ist aus Bakelit. Sie hat einen hellen Schachtsucher und ein vergütetes Objektiv. Verschlusszeiten: B, 1/25 und 1/75 sec., Objektiv: Voigtar 1:6,3/75 mm. Auch die Voigtländer mit verschiedenen Objektiven und Verschlüssen erhältlich.

Auf der Seite hat sie ein kleines Klappfach, wo ein Gelbfilter und eine Nahlinse untergebracht waren. Leider fehlt dieses Zubehör bei meiner Kamera. Das Bild kommt deshalb aus dem Internet.
Der Ausführung nach könnte es sich bei meinem Exemplar um ein Vorkriegsmodell handeln.

Ein billigeres Konkurrenzprodukt zur Zeiss Ikon Nettar, ansonsten aber fast identisch, ist die Agfa Jsolette. Sie wurde ab 1937 sowie nach dem Krieg bis 1949 gebaut und passt somit – wie die KODAK-Brownie-Boxen – hervorragend in die Zeit der Tractions. Negativformat 6x6 cm, Blitzlicht-Synchronisation, Belichtung von 1 – 1/500 Sekunden sowie „B“, Entfernungseinstellung am Objektivring (leider etwas schwergängig), Auslösung am Gehäuse. Gekauft habe ich sie am Flohmarkt in Hilzingen.
Die Agfa Jsolette wurde in verschiedenen Ausführungen gebaut, welche sich hauptsächlich im Bereich des Objektivs unterscheiden.

Sie wurden in den 50-er Jahren zu Preisen zwischen 81 und 175 DM angeboten und waren recht populär.

Die letzte Kamera, die ich Euch vorstellen möchte, markiert bereits den Übergang zur „Neuzeit“. Die Zeiss Ikon Contaflex Super ist eine echte Spiegelreflex-Kamera. Sie erschien 1959 und ist bereits mit einem integrierten, gekoppelten Belichtungsmesser ausgestattet, der sowohl im Sucher, als auch auf der Oberseite des Gehäuses sichtbar ist..
Mit einem griffigen Rädchen, an dem auch die Filmempfindlichkeit eingestellt wird, bringt man den Zeiger des Belichtungsmessers in Mittelstellung. Gleichzeitig stellt sich der Blendenring am Verschluss auf die korrekte Blendenöffnung. Der Zeiger des Belichtungsmessers ist in den Sucher eingespiegelt und er ist ebenfalls von oben in der Deckkappe sichtbar.

Für Verschlussaufzug und Filmtransport hat die Contaflex Super einen Schnellschalthebel erhalten und ein grosses, gerändeltes Rückspulrad mit ausklappbarer Kurbel. Gebaut wurde sie in dieser Ausstattung bis 1963. Auch bezüglich des Filmformates ist sie auf dem Stand der „modernen“ Kleinbildkamera: Negativformat 24 x 36 mm.


Nun hoffe ich, dass ich Euch mit diesem Streifzug durch meine Sammlung von Photoapparaten einen Zeitvertreib für einen kalten Wintertag bieten konnte.Und sollte sich auf Eurem Dachboden noch ein alter Photoapparat finden, so würde es mich freuen, wenn ich Euer Interesse wecken konnte und dazu beitragen kann, dass das gute Stück den Weg in Eure Wohnung und einen ehrenvollen Platz findet.

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