Citroën 11B 1949
marcel.aellen@freesurf.ch Frauenkappeln

Meine "neue" Traction

Der Grund, weshalb ich nun seit gut einem halben Jahr stolzer Eigentümer einer Traction Avant bin, ist nachgerade klassisch: die Erfüllung eines Bubentraums. Dieser Traum nimmt seinen Anfang in den sechziger Jahren und hängt mit meinem Götti und Onkel zusammen. Nebst dem er mir in meiner Jugend ein toller Götti war und nach wie vor ein solcher Onkel ist, hatte er zu dieser Zeit zwei weitere Qualitäten: er war seinerseits stolzer Eigentümer einer Traction und wohnte in der Berner Altstadt. Bei meinen häufigen Besuchen bei eben diesem Onkel hat sich das Bild der vor den Lauben der Berner Altstadt parkierten Traction unauslöschlich in meinen Erinnerungen an meine Jugend eingeprägt.

Während mehr als dreissig Jahren lebte ich meine Bewunderung für dieses einzigartige Automobil mit dem Kauf und dem Aufstellen von Modellen verschiedener Tractions aus. Bis letzten Sommer: da befand ich, dass ich nun über das nötige Kleingeld verfüge und mir nun eine echte Traction leisten könnte. Gesagt getan, im Internet-Zeitalter war es ein leichtes auf die Homepage des Traction-Clubs Schweiz zu stossen. Und von dort war es nicht mehr weit bis zu Albi Schorta. Ein kurzes Telefon und dann ein erster Besuch bei Albi in Wangen an der Aare. Die vor und in seiner Werkstatt stehenden Tractions lassen das Herz eines jeden Bewunderers sofort höher schlagen. Ich konnte mit Albi ein erstes interessantes und informatives Gespräch über Tractions führen und lernte bereits sehr viel zu meinem Bücherwissen über Tractions hinzu. Das war im Spätherbst 2003.

In der Folge konsultierte ich weiter regelmässig die Inserate-Rubrik des Tractions-Clubs sowie andere Quellen über Verkaufsinteressenten. Dann, Ende Januar 2004, erhielt ich den entscheidenden Telefonanruf von Albi. Er hätte da eine einwandfrei erhaltene Traction gefunden, die wie für mich gemacht sei; motorisch und mechanisch in tadelosem Zustand, einzig die Bremsen seien zu machen. Mein umgehender Besuch bei Albi zwecks Besichtigung dieser Trouvaille bestätigte Albis Einschätzung: eine schwarze Traction Avant, Jahrgang 1949, Large, Radmodell und geschwungene Stossstangen. Alles noch nahezu im Originalzustand, aussen wie innen und natürlich mit etwas Patina. Genauso wie ich mir meine Traction im Idealfall vorgestellt hatte. Ich umkreiste diese Traction zwei- oder dreimal und sie war per Handschlag meine. Nicht einmal ans Lenkrad hatte ich mich gesetzt. Die Traction war übrigens bis 1975 in Frankreich immatrikuliert und wurde dann, wohl vom Voreigentümer in die Schweiz gebracht.

Albi machte sich, trotz und neben zahlreichen anderen Aufträgen, umgehend ans Werk und ich durfte ihn als sein "Stift" ab und zu unterstützen und lernte so viel über meine Traction. Als erstes wurden die Kotflügel demontiert und die Achsen bzw. Aufhängungen zerlegt sowie der Unterboden intensivstens gereinigt. Ausgebaut haben wir dann auch noch die Auspfuffanlage und den Tank. All diese Arbeiten bestätigten die Erstdiagnose von Albi bzw. übertrafen diese gar noch. Namentlich der Unterboden erwies sich als in absolut einwandfreiem Zustand, kein Rost, rein gar nichts, wie neu; da staunte sogar Albi und kam aus dem Schwärmen nicht mehr hinaus. Der Prüfexperte fragte später gar, ob ein neuer Unterboden eingesetzt worden sei. Und mich freute es umso mehr, schien ich doch tatsächlich eine besondere Traction mein Eigentum nennen zu können. Beeindruckend wie präzis, systematisch und detailgetreu Albi arbeitete. Die ausgebauten Teile wurden sorgfältig gereinigt oder sandgestrahlt sowie wo nötig und angezeigt neu gespritzt; alle Schrauben und Muttern wurden gar verzinkt. So waren innert kurzer Zeit die Bremsen revidiert und die Radaufhängungen präsentierten sich wie neu.

Mehr Zeit beanspruchten dann allerdings doch die Arbeiten an der Carrosserie. Von Anfang an war klar, dass an allen vier Kotflügel aufwändigere Instandstellungen erforderlich waren. Die Unterkanten waren stellenweise an- bzw. durchgerostet. Dies bedeutete Sandstrahlen der vier Kotflügel und Auftrag an den Carrosserie-Spengler zum Einschweissen und Treiben von neuen Blechteilen und anschliessender Neulackierung. Auf meinen Wunsch wurden auch an den ebenfalls leicht angerosteten Unterkanten aller vier Türen neue Blechteile eingeschweisst und anschliessend die unteren Hälften der Türen neu lackiert. Eine Neumalerei erhielten zudem auch der Kofferraumdeckel und die Haube für das Reserverad. Nach einer eingehenden und gründlichen Politur der anderen Carrosserieteile, auch hier leistete Albi ganze Arbeit, fügten sich die neu- und originallackierten Teile ohne weiteres zu einem schwarzglänzenden Ganzen zusammen, das meine Traction in neu-altem Glanz erstrahlen lässt. Zwischenzeitlich hatte Albi auch das Interieur gereingt, welches, wenn wundert's inzwischen, ebenfalls in durchaus untadeligem Zustand war: keine Löcher oder durchgescheuerten Stellen, weder in den Polsterbezügen, in den Türpanneaus noch in den Bordüren und auch keine herunterhängenden Stoffteile des Dachhimmels, einfach himmlisch. Und noch immer hatte ich mich bei all meinen Besuchen bei Albi, bei welchen ich an der Revision meiner Traction mitwirken durfte, nicht auf den Fahrersitz hinters Lenkrad gesetzt. Dieses Lenkrad war übrigens eines der wenigen Nicht-Originalteile. Selbstverständlich war es aber für Albi kein Problem ein Original-Lenkrad aufzutreiben.

Ende Juni 2004 war's dann soweit. Meine Traction war prüfbereit. Ich hatte nie daran gezweifelt, dass sie aufgrund ihres tadellosen Zustands und insbesondere dank Albis erstklassiger Arbeit bereits beim ersten Vorführen wieder den Veteranenstatus erhalten würde. Und so war es dann auch.

Mitte Juli 2004, um genau zu sein, am Montag, 12. Juli 2004, konnte ich dann, lange entgegengefiebert, per Zug und mit Nummernschildern unter dem Arm mit dem Zug nach Wangen an der Aare reisen. Nach letzten fachmännischen Instruktionen von Albi und einer Einführungsfahrt auf dem Beifahrersitz, nahm ich schliesslich und endlich selber auf dem Fahrersitz meiner Traction Platz. Was für ein Gefühl! Auf der Heimfahrt wurde meine Traction von einem recht heftigen Gewitter geduscht und ich konnte dabei gleich ihre Regentauglichkeit testen. Bis auf ein paar Tropfen, die über den Rand der Windschutzscheibe eindrangen, bestand sie auch diesen Test. Zuhause konnte ich mich dann als erstes im Trocknen der Traction üben.

Nach gut einem Monat mit meiner Traction kann ich nur bestätigen was ich mir zuvor schon immer vorgestellt hatte: Eine Ausfahrt mit der Traction ist eine Attraktion und ein spektakuläres Erlebnis, für sich selber aber auch für die anderen Verkehrsteilnehmer und die Fussgänger.


Frauenkappelen, August 2004, Marcel Livio Aellen,

Bilder der Restauration