Aus der "Zürichseezeitung Linkes Ufer" vom Donnerstag 1. November 2001

Dem Charme der Oldtimer erlegen

Adliswil: Für Ruedi Bräuers Ohren sind Motorengeräusche Musik

Seit bald zehn Jahren ist Ruedi Bräuer passionierter Oldtimer-Fan. Sein Hobby ist ihm viel Freizeit und Geld wert, und regelmässig trifft er sich auch mit Gleichgesinnten.

Hans Lenzi

"Schon mein Vater hat auf Citroën-Autos geschworen. Ihre französische Anmut und ihre mechanischen Eigenschaften hatten es ihm angetan. Diese Neigung hat sich offensichtlich auf mich übertragen": Dies die Einschätzung des Maschineningenieurs Ruedi Bräuer: Was lag da näher, als sich selber einen besagten Autoveteran zu kaufen...

 
 

Fast 50 und noch voll im Schuss

Seit 1994 ist der Adliswiler im Besitz eines Citroën Traction Avant 11 BL mit Baujahr 1952. "Heute kenne ich den Wagen in- und auswendig, habe ich doch schon viele Teile komplett auseinander- und dann wieder zusammengebaut. Als Maschinenfachmann fasziniert mich die Konstruktionsart. Noch immer läuft das Auto prima", freut sich Bräuer.
"Damals war dieses Fahrzeug eines der innovativsten: Die Karosserie war aus Stahl und nicht aus Holz wie bei ähnlichen Modellen, es war der erste Personenwagen mit Vorderradantrieb, die Bremsen waren erstmalig hydraulisch unterstützt, die Federung besorgten Torsionsstäbe statt Blattfedern, und auch die sogenannten nassen Büchsen (auswechselbare Zylinderbüchsen werden von Wasser umflossen) stellten ein Novum dar. Selbstverständlich werden Ölwechsel, Einstellung von Zündung und Ventilen sowie das Schmieren - bei dieser Automobilgeneration ist dies regelmässig vorzunehmen - von mir vorgenommen" erklärt Bräuer stolz.

In Frankreich einSymbol

"Zusammen mit meiner Frau Corinne bewege ich den Wagen regelmässig", bestätigt Ruedi Bräuer, der im Nebenamt auch noch als Präsident der hiesigen Jugendmusik amtet. "Zu Beginn waren wir oft erstaunt und etwas verunsichert, weil uns so viele Leute zuwinkten. Heute wissen wir, dass dies Zeichen von Sympathie und Bewunderung fürs Auto sind. In ihrem Ursprungsland werden diese Oldtimer wohlgelitten und stellen gleichsam ein nationales Symbol dar, war es damals doch das Auto, das von der Résistance in der Hauptsache verwendet wurde."
Selbstredend, dass das Ehepaar auch Mitglied des entsprechenden "Citroën Traction Avant Club" (CTAC) ist. Der gut 300 Teilhaber umfassende Verein führt jährlich mindestens vier Veranstaltungen durch, an denen sich nebst kulturellem und kulinarischem Angebot viel Zeit fürs Fachsimpeln und Bewundern der Wagen bietet. Ausserdem legt er entsprechende Fachliteratur auf.

Mit dem Auto auf du

"Achten Sie auf die Motorengeräusche. Sie sind Musik in meinen Ohren und helfen mir, das Gefährt optimal zu fahren. Ich höre sofort, wenn etwas nicht stimmt. Zudem besitzen diese Autos noch ihren typischen Geruch. Servohilfen sind natürlich unbekannt, das Lenken und Bremsen verlangt schon etwa Kondition, sodass man beispielsweise bei Passfahrten ganz zünftig ins Schwitzen kommt", schmunzelt der Familienvater. Über einen entsprechenden Schalter lässt sich überdies der Zündzeitpunkt während des Fahrens verstellen und damit die Motorenkraft beeinflussen. Die Gänge schliesslich sind nur teilweise synchronisiert, das heisst, es muss noch mit Zwischengas gearbeitet werden. Eingelöst als sogenanntes Veteranenfahrzeug, darf das Ehepaar mit ihm jährlich rund 3000 Kilometer abspulen; dafür muss der Wagen auch nur alle sechs Jahre vorgeführt werden. Und: Hat der Oldtimer-Begeisterte noch Wünsche offen? "Ja, klar: Da existiert nämlich so ein Langenthal-Cabriolet von derselben Automarke. Wer weiss, vielleicht sieht man mich einmal damit in der Gegend herumkurven... Das wäre der Hammer"

 

Hochzeits- und andere spezielle Fahrten im Oldtimer: Auskunft über Oldtimer-Fahrten erteilen der CTAC (siehe Internet unter www.tractionavant.ch) oder Ruedi Bräuer, Telefon 01 710 09 73.

Ruedi Bräuer in der Galerie 1

Ruedi Bräuer in der Galerie 2

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® 2000-2001: Citroën Traction Avant Club (Schweiz)
zuletzt geändert am: 11.November 2001