Citroën 11BL 1949
Stephan Ingold

Modell : 11 BL
Fahrgestell-Nr. : 520'753
Farbe : schwarz
Jahrgang : 1949 (.... 25 Jahre älter als ich)
Zustand : unrestauriert

Hallo !

Ich freue mich, hier "kurz" meine persönliche Geschichte zu meiner Traction erzählen zu dürfen. Ich darf mich seit Sommer 2004 zu den stolzen Besitzer einer Traction Avant 11 BL zählen.

Bereits in meiner frühen Kindheit war ich, obschon nicht familiär vorbelastet, von Auto's fasziniert. Wie und wann ich aber genau zur Traction gekommen bin, kann ich leider heute nicht mehr nachvollziehen. Es war aber bereits vor Ende meiner obligatorischen Grundschulzeit. Ich erinnere mich zum Beispiel noch an eine Begegnung auf dem Brünig Pass. Da stand mal ein Restaurations-Objekt draussen vor der Brockenstube zum Verkauf. Ich denke aber nicht, dass es sich um die für mich prägende Begegnung gehandelt hat. Ich weiss auch, ich habe mir vor der Lehre schon 2 Burago Modelle der Traction, im Massstab 1:24, in die Vitrine gestellt, eine weiteres Indiz für mich, dass ich schon früh von diesem Auto angetan war.

Mit achtzehn folgten dann aber Jahre der Bastelei mit einer deutschen Marke. Rund 8 Fahrzeuge dieses Typ's haben mich begleitet, alle zwischen Baujahr ´73 und ´84. Es waren nie verspoilerte oder schnelle Autos, alt, dezent und gepflegt war schon immer mein Stil.

Irgendwann, im Alter von knapp 27 Jahren, überkam mich dann plötzlich eine Welle der Vernunft. Ich löste den Fuhrpark und die Hobby-Garage auf, und blieb danach fast zwei Jahre "clean" (... im Sinne von Faszination Auto versteht sich !).

Dann, im Jahre 2003 hatte ich am OTM in Fribourg die zweite einschneidende Begegnung mit einer Citroen Traction Avant, Baujahr, ich glaub es war ´54 . Der Anblick traf mich wie ein Blitz. Die grossen freistehenden Kotflügel, die grossen Scheinwerfer, die Frontmaske mit dem Doppelwinkel, einfach ein absolut faszinierend schönes Auto ! Ich stand damals vor diesem Wagen, und es wurde mir bewusst, es muss wieder ein Oldtimer her, und diesmal kann es nur eine Traction Avant sein.
Der Wagen war damals für wenig Geld zu haben, doch eine komplett Restaurierung wohl auch unausweichlich. Ich habe an diesem Tag richtig gekämpft, sie wäre so leicht und schnell greifbar gewesen. Der damalige Besitzer hatte sogar angeboten, das Auto sofort zu verladen und mir nach Hause zu bringen. Irgendwie konnte ich dann doch wiederstehen, was ich heute als vernünftig betrachten muss. Mein Verständnis für Auto's hätte eine Restaurierung in diesem Umfang nicht zugelassen. Aber nach dieser Begegnung war ich verloren, in mir hatte sich mit dieser Begegnung ein Feuer entfacht, das nicht mehr ohne Besitz einer Traction zu löschen war.

Ich begann dann rasch, mich sehr intensiv mit dem Kauf einer Traction Avant auseinander zu setzen. Ich erstellte ein Budget, besuchte fast täglich die Homepage vom CTAC, suchte fast täglich die Internetplattformen nach Verkaufsangeboten ab, bestellte Reparaturanleitung und Ersatzteilkatalog. Ich suchte dabei auch meine ganzen Stapel Oldtimer Praxis und Oldtimer Markt Hefte der vergangenen Jahre nach Berichten durch, und siehe da, ich hatte sogar ältere Verkaufsberatungen der Traction zur Seite gelegt.

Ich nahm zum Glück auch zwei, dreimal Kontakt mit dem damaligen Präsidenten des CTAC, Hans Georg Koch auf, und wurde sehr kompetent und ausführlich beraten. Auch Albi Schorta habe ich kontaktiert, und durfte auch von seinen Erfahrungen profitieren. Heute bin ich über die Unterstützung des CTAC und namentlich den beiden erwähnten Herren sehr dankbar !

Erstaunlich war, dass ich ganz klar wusste, wie meine Traction aussehen sollte. Schwarz, Rädli-Modell, Innenraum grau, Frontmaske schwarz, sogar Details wie Scheinwerfertöpfe müssen schwarz sein, keine Pilot-Felgen, Raddeckel etc. Ich hatte meine persönliche Traction bildlich fest vor den Augen. Das es eine 11er sein sollte, hat das Budget unkompliziert entschieden. Stellte sich noch die Frage nach Large oder Légère, welche ich mir damals offen lies. Die Large fasziniert mich noch heute, vor allem wegen der Grösse.

Im Juli 2004 schien dann mein Tag gekommen zu sein. Ich hatte mir schon mehrere Fahrzeuge angesehen, doch da blieb noch ein Inserat auf der Homepage des CTAC. Fast ein dreiviertel Jahr beobachtete ich dieses Inserat nun schon. Anrufen wollte ich aber nie, weil der Verkaufspreis mein Budget überstieg. Am Montag 05. Juli 2004, nach einem schönen Wochenende, checkte ich erneut über Mittag die Verkaufsangebote und dann blieb mir fast das Herz stehen. Der Verkaufspreis im Inserat wurde über das Wochenende deutlich herunter gesetzt, jetzt würde mein Budget reichen. Ich brauchte kurz ein paar Minuten um mich zu fassen, und dann griff ich zum Hörer. Es war für mich auch klar, dass ich am selben Abend noch zu der Traction hinfahren musste und so setzte ich mich auch abends um 19:30 Uhr mit meinem Kollegen noch ins Auto und fuhr Richtung Winterthur.
Obschon ich unglaublich nervös war, erinnere ich mich noch sehr genau an diesen Abend. Wir waren wohl insgesamt etwa drei Stunden da, und haben das Auto angesehen. Wir konnten kaum fassen, dass wir ein Auto in diesem tadellosen Zustand vor uns hatten. Bei einer ersten Probefahrt nahm der Besitzer auf meinen Wunsch hin hinter dem Steuer platz und gab einige gute Erklärungen zum Umgang mit der Traction ab. Ich war erstens zu nervös zum Fahren, und zweitens bis zu diesem Tag noch gar nie mit einer Traction gefahren. Erst nach einer weiteren Stunde, wir waren noch immer am schauen, und es war bereits etwa 22:00 Uhr, wollte ich doch noch selber hinters Steuer. Die Traction wurde erneut aus der Garage gefahren, der Besitzer zeigte unheimlich Geduld mit uns, und ich startete meine erste Fahrt. Ehrlich gesagt, es hätte sein können, wie es wollte, ich hätte sie mir trotzdem gekauft !
Es folgten dann aber nochmals 24 Stunden der inneren Unruhe, bis ich am Dienstagabend, 06. Juli, endlich definitiv zugesagt habe. Die damals montierten Pilot-Felgen wurden auf meinen Wunsch hin noch vom Eigentümer gewechselt (... er hat sich darüber gefreut), die restlichen optischen Details (sie hatte zum Beispiel eine verchromte Frontmaske) habe ich dann im ersten Winter noch meinen Vorstellungen angepasst.

Am Freitag 09. Juli 2004 konnte ich die Traction, bereits auf mich eingelöst, mit meinen Kennzeichen abholen. Bevor ich dann aber so richtig damit gefahren bin, lies ich sie von Albi Schorta erst mal durchchecken, ob ihr auch wirklich nichts fehlte. Albi hat mir dies bestätigt, hat das Oel gewechselt, sie frisch abgeschmiert, Bremsen eingestellt und mich mit sinnvollen Ersatzteilen ausgerüstet. Irgendwie bin ich dann an diesem Tag, Anfang August, ein zweites mal neu damit nach Hause gefahren.

In den Wintermonaten 2004/2005 habe ich dann die Zeit genutzt, um mich etwas intensiver mit meiner Traction auseinander zu setzen. Dabei habe ich auch zwei Felgen (mit Schlitzen) ausgetauscht, welche nicht auf diesen Jahrgang passten. Ich habe Felgen, Raddeckel, Reserveraddeckel und die Frontmaske Kunststoffstrahlen und in schwarz bzw. hell Elfenbein neu lackieren lassen. Nun entspricht sie optisch genau meinen Träumen !

Noch immer bin ich überwältig, über den genialen, rostfreien, weitgehendst originalen Zustand meiner Traction. Ich werde mit Sicherheit in Zukunft alles daran setzen, um diesen Zustand zu erhalten. Das Pflegen, unterhalten und putzen der Traction macht genau so Spass, wie mit ihr auszufahren, oder sie auch einfach nur anzusehen. Die grösste Freude als Besitzer ist aber sicher auch, einen wirklich guten Kauf gemacht zu haben ! Für mich ist und bleibt dieses Auto was ganz besonderes !


Stephan Ingold

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