Citroën 15 CV 1949
Helge Torgersen

 

Dieser Big Six wurde in Slough bei London im Jahre 1949 gebaut. Setzt man sich hinein, vermisst man zunächst Lenkrad und Pedale, dafür hat der Beifahrer welche. Außerdem darf man sich über ein Schiebedach, eine vordere Sitzbank mit Mittelarmlehne sowie, ganz wichtig, das berühmte Interieur aus Holz und Leder freuen. Öffnet man die Motorhaube, informiert die Tafel mit der Fahrgestellnummer, dass Ersatzteile unter einer Telefonnummer in Slough zu bestellen wären (ein Anruf dort zeitigt leider nicht das gewünschte Ergebnis). Kein Zweifel: eine englische Traction. Die Türen tragen allerdings die typischen französischen Baguettes. Handelt es sich am Ende um ein Hybrid?
Ich habe den Six im Spätherbst 1989 von einem bayrischen Sammler gekauft, der ihn lange Jahre in einer Scheune aufbewahrt und kaum gefahren hatte. Nach Deutschland war der Wagen 1980 gekommen, auf dem Höhepunkt der Traction-Mode, nachdem er in den 70er Jahren in der Bretagne restauriert worden war (ein ovales Nationalitätenschild mit "BR" prangte noch auf dem Kotflügel). Wie eine englische Traction den Weg nach Frankreich gefunden hatte, blieb ein Rätsel.
Damals hatte Glasfiber-Polyester als Mittel der Wahl für eine Restauration gegolten, jedenfalls waren Schweller, Kofferraumboden etc. äußerst kunstvoll mit diesem Material "verstärkt" worden - Bleche einzuschweißen wäre wahrscheinlich einfacher gewesen. In der Bretagne waren auch die Türen einer anderen Traction montiert worden, die nicht nur Baguettes, sondern vorne auch Dreieckfenster als Nachrüstartikel aufwiesen, sowie französische Cibié-Scheinwerfer.

Ich als naiver Anfänger nahm nun den Kampf gegen das GFK auf, geblendet von Holz, Leder und sechs Zylindern. Außerdem wollte ich gleich den Dachhimmel erneuern, aber erst mal war die Mechanik zu überholen. Getauscht, repariert, ersetzt wurde im Lauf der Zeit so ziemlich alles, und manches mehrmals. Interessierte mögen einige einschlägige Hinweise den Berichten auf dieser Website entnehmen. Der Himmel ist übrigens bis heute, fast zwanzig Jahre später, noch der alte. So weit bin ich noch nicht.
Mit der Zeit wurde dafür am Äußeren etliches anglisiert, z.B. die Begrenzungslichter und die Winker, die Rückleuchten und die famose Brücke im Kofferraum, die man herunterklappen und dann bei offenem Deckel (ein klein wenig) mehr Gepäck befördern kann. Die großen Lucas-Scheinwerfer konnte ich, ebay sei Dank, nach langer Zeit in Australien auftreiben, leicht ramponiert, so dass sie zum Gesamterscheinungsbild passen, dafür gleich vier Stück. Wer also welche braucht ... Die Baguettes abzunehmen widerstrebt mir, denn da würden hässliche Löcher bleiben, und außerdem gehören sie zur Geschichte.
Ach ja, das Grün - wie ich den Wagen kaufte, war er auch schon so ähnlich, aber noch mehr in Richtung Gartenzaun, ziemlich scheußlich. Vor etlichen Jahren sollte daher das Auto lackiert werden und ergab sich die Frage nach der neuen Farbe. Ursprünglich war die Karosserie in „mist green“ gehalten, aber Farbmuster legten nahe, dass damit eher die deutsche Bedeutung des Wortes gemeint war. Ich beschloss daher, auf Originalität zu verzichten und wählte ein tiefdunkles British Racing Green. Leider ist diese Bezeichnung mehrdeutig und der Lackierer hat sich an der vorhandenen Farbe orientiert...

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Berichte über technische Arbeiten an diesem Wagen:

Der Ausbau des Six-Getriebes - Teil 1

Der Ausbau des Six-Getreibes - Teil 2

Der Traum vom maschinellen Glück - eine 15 Six Motorrevision

Das Kreuz mit den Wellen