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Traction Avant Cabriolets & Découvrables mit Langenthal Carrosserie[1]

Dieter Ackerknecht[2]

Es handelt sich um spezielle Schweizer Anfertigungen [3], d.h. Umbauten von Tractions durch die bernische "Carrosserie Langenthal" unter Fritz Grogg, insbesondere zum Cabriolet. Im Gegensatz zu den Vorkriegs-Traction-Werkcabriolets (ausgestattet mit nur einer Sitzreihe vorne unter dem Verdeck sowie mit einem „Schwiegermuttersitz“ ausserhalb im Heck) weisen die Schweizer Versionen – alle von handwerklich hoher Qualität – in der Regel 4-5 Innenraumsitzplätze auf, was natürlich die unterschiedliche Gestaltung der Heckpartien, der Verdecke sowie der Türen entscheidend beeinflusste. Weil das Archiv der Firma seinerzeit verbrannte, gibt es dazu keine Unterlagen mehr. Vielleicht wurden zwischen 1949 und 1953 rund 50 Wagen umgebaut. Dabei soll bereits 1949, 1950 & 1951 je eine 11 BL in ein so genanntes „Découvrable“ umgewandelt worden sein, von denen noch ein Wagen (Jg.1949) in der Schweiz existiert. (Drei solche Wagen (11 BL) wurden auch umgebaut von "Baumann/Burgdorf", Jg. 1938, 1939 & 1950.)

Gegenwärtig ist die Existenz von noch 16 „Langenthaler“ bekannt − von denen viele wieder fahrbereit und zudem restauriert sind [4]. Sie befinden sich insbesondere in der Schweiz, in Frankreich, Deutschland und Holland: 1 x Typ 11 BL Découvrable (1949); 8 x Typ 11 BL Cabriolet (1951); 6 x Typ 11 B Cabriolet (1951); 1 x Typ 15/Six Cabriolet (1952). Bemerkenswert ist, dass sich letzterer durch seine in die Frontkotflügel eingelassenen Scheinwerfer und die durchgehenden Trittbretter auszeichnet. Nur zwei solche Exemplare wurden anscheinend seinerzeit angefertigt.

Kurz sei hier noch auf die Bauart des TA Langenthal Cabriolet eingegangen, immerhin hat diese Firma die grösste Anzahl an Schweizer TA Cabriolet-Fahrzeugen produziert.
Alle Sitzplätze befinden sich unter dem Verdeck, das gefüttert und mit einem "Stoffhimmel" ausgestattet ist. Die Heckpartie ist daher neu gestaltet worden. Die Türen und die Heckpartie der ursprünglich selbsttragenden Ganzmetallkarosserie sind daher neu gestaltet worden. Insbesondere besteht nun die Tragstruktur teilweise aus Holz. Die Türen (es hat deren nur zwei) sind länger und andersartig konstruiert, ihre Tragstruktur besteht grundsätzlich aus Holz [5]. Die Türen gehen wie üblich nach vorne auf, sie werden aber von je 3 Türscharnieren beim 11 B und 15/Six sowie mit nur je 2 Scharnieren beim 11 BL gehalten. Normalerweise sind die Sitze und weitgehend das Interieur mit Leder überzogen.
Die zwei Seitenscheiben haben keine Einfassung. Spezielle Beschläge und Zierleisten sind die Regel. Die Türschwellen sind im hinteren Bereich an der Innenseite durch ein zusätzliches Stahlprofil verstärkt. Das Ersatzrad kann wahlweise im Kofferraum oder mittels einer Spezialhalterung (Zubehör) auf dem verstärkten Kofferdeckel angebracht werden. Das ursprünglich kleine Glasrückfenster weisen nur wenige der erhaltenen Wagen auf. Wieso und wann die grösseren flexiblen Kunststofffenster angebracht wurden, ist unbekannt: Ob dies gelegentlich bereits werkseits oder erst bei allfälligen Verdeckerneuerungen erfolgte, oder ebenfalls auf Kundenwunsch, wie die Farbgebung, die Art der Stossstangen und andere Ausstattungselemente. Wie bereits erwähnt, fällt die 15/Six zudem durch besondere gestalterische Merkmale auf. Die Langenthal Traction Cabriolets waren in der Regel als 5-Plätzer zugelassen.

[1] Version Sommer 2009;  Nachdruck nur mit Quellenangabe
[2] CTAC-Präsident von 1977 - 1983
[3] Ackerknecht, Dieter; “Traction Avant: mit Schweizer Carrosserien“, u.a. in: CTAC-Mitteilungen 2/80 und   www.tractionavant.ch/Galerie/ackerknecht/DieterAckerknecht2.php
[4] Anlässlich des internationalen "Traction Avant" - Treffens in Orbe (CH) im Jahre 1977 hatten sich René Mauron (Fleurier)und Dieter Ackerknecht (Zürich) vorgenommen, Schweizer "Traction" Carrosserien zu dokumentieren und die noch bestehenden Wagen zu erheben. Im August 1979 führte Herr Mauron ein erstes "Langenthaler" Treffen im Welschland durch. Dabei wurde die "Amicale Citroën Cabriolet et Coupé Carrosserie Suisse" gegründet. Für jeden Besitzer wurde 1979 eine Dokumentation mit Fotos über die noch bestehenden Wagen angelegt. Ebenfalls wurden die Carrossiers befragt und um weitere Unterlagen gebeten, insbesondere technischer Art - soweit dies noch möglich war!  Umständehalber war das Vorhaben nicht sehr weit gediehen. Jedoch besteht heute ein Register mit allen eruierten, bestehenden Citroën Traction-Avant „Carrosserie Langenthal“ Wagen, soweit möglich mit Namen der Eigner, den Standorten und den Identifikationsangaben zum Fahrzeug. Die Nachführung ist allerdings ein schwieriges Unterfangen.
[5] Fälschlicherweise steht im Buch "Toutes les Citroën" (René Bellu, Paris 1979), dass die Türen von der Langenthaler Cabriolet-Version direkt vom Serienauto stammen, vgl. Seite 240

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