Citroën 11BL Roadster 1939

Rudolf Weber, Effretikon

 

 
Mein Sohn und eine meiner Töchter entführen mir meinen neuen Wagen und erfreuen sich am luftigen Fahrgefühl.

Wie beschafft man sich einen Traction Avant Roadster?
Dass der Besitz eines Traction Roadsters für viele Tractionisten ein Wunschtraum ist, kann man wohl annehmen. Leider lässt sich ein solches Fahrzeug nicht einfach bei einem Autohändler erstehen. Roadsters sind, im Gegensatz zu Limousinen, rar. Letztere gibt es in grosser Auswahl, in verschiedenstem Zustand und zu unterschiedlichsten Preisen. Roadster sind, auch wenn das nötige Kleingeld vorhanden ist, noch lange nicht in der heimischen Garage anzutreffen. Um sich diesen sehnsüchtigen Wunsch zu erfüllen, haben viele Liebhaber selbst nicht davor zurückgeschreckt, Wracks zu kaufen, die ohne Verstärkung gar nicht mehr transportfähig waren.

Oben: Wunschtraum
Der perfekte Scheunenfund, etwas Staub wegblasen, Luft und Benzin einfüllen und los geht es auf die Strasse!

Rechts: Alptraum
Selbst solche Teile werden noch gesammelt, in der Hoffnung, daraus dereinst einen Roadster auferstehen lassen zu können

Beide Bilder hier gesehen: http://www.3cs.fr/

Am Beginn einer solchen Restaurierung steht dann häufig der Ersatz von über 50% der Originalkarosserie. Dass sämtliche kleineren Teile wie Scheinwerfer, Steuerrad, Instrumente und gar Sitze anschliessend auf Oldtimermärkten gesucht oder durch Nachfabrikate ersetzt werden müssen, schreckt Liebhaber nicht ab.

Auch ich habe seit Jahren mit dem Gedanken gespielt, wie nett es wäre, der wackeren 11B Limousine ein sportliches Geschwister zuzugesellen. Da mir aber die Zeit und auch das knowhow fehlt um mich als Karosseriebauer zu betätigen, hegte ich - allerdings nur schwach - die Hoffnung, gelegentlich auf ein Fahrzeug zu stossen, welches in einigermassen strassentauglichem Zustand und zu einem akzeptabeln Preis angeboten würde.

Bei einer Versicherungsfrage erfuhr ich vom Experten, dass es auch für Oldtimer eine Eurotax-Tabelle gäbe. Schockiert nahm ich zur Kenntnis, dass in seiner Liste der Traction Roadster wie folgt vermerkt war:

Zustand 4: Fr. 33'000
Zustand 3: Fr. 53,000
Zustand 2: Fr. 79'000
Zustand 1: Fr. 110'000

Ein weiteres Zeichen, dass dieser Fahrzeugtyp eine enormen Wertsteigerung erfahren hat, ist das Angebot von Fälschungen auf dem Markt. Da werden in Vietnam aus der französischen Kolonialzeit noch vorhandenen Limousinen mit der Flex skrupellos die Dachpartien abgeschnitten und eine Limousine in einen Roadster verwandelt. Für Fachleute ist die Fälschung allerdings leicht zu erkennen. Am OiO in Sarnen war übrigens ein solches Exemplar zu sehen, jedoch in der Coupé-Variante.

Natürlich liess ich meine Oldtimerumwelt über meinen Wunsch nicht im Ungewissen, es könnte ja jemand etwas hören... Tatsächlich meldete sich Walti Rey aus Hallau, selbst Besitzer des noch selteneren englischen Traction Roadsters. Er habe in einem französischen Fachblatt ein Inserat gefunden. Ein Verkäufer in den Vogesen biete einen Roadster an, allerdings zerlegt und in teilrestauriertem Zustand.

Schlechte Coupé-Fälschung, gesehen am "Oldtimer in Obwalden" diesen Frühling.
Foto: www.zuendung.ch

Obwohl bei mir alle Alarmglocken läuteten, nahm ich Waltis Angebot an, sich mit dem Verkäufer in Verbindung zu setzen und als Experte die richtigen Fragen zu stellen. Ich war eher erleichtert, als er mir zwei Wochen später mitteilte, dass er mittels der angegebenen Telefonnummer nie jemand erreicht habe.

Im April 2004 meldete sich ein Besucher unserer Internetseiten aus Österreich per E-Mail mit einem vielversprechenden Inserat:

EINMALIGES ANGEBOT CITROEN CV 11 TRAKTION ROSTAR AVANT BJ 1934 FARBE BEIGE ORIGINAL SEIT 3 MONATEN OHNE ÖLE FUNKTIONSTÜCHTIG ZU VERKAUFEN PREIS NACH VEREINBARUNG

Nun - das war, trotz Schreibfehlern, ein hochinteressantes Angebot. Doch die Angaben waren dürftig und die Fotos zeigten nicht gerade viel. Zweifel waren also angebracht. Aus einer Rückfrage beim Verkäufer resultierte ein weiteres Dokument - eine Zulassung aus Vietnam. Gemäss seinen Angabe sei es aber ein aus Frankreich importiertes, echtes Cabriolet, welches nun seinen Weg zurück nach Europa gefunden habe.

Wenn man das Bild genauer studiert, kann die Geschichte schon stimmen - mit einem ganz kleinen Haken. Das Auto wurde damals sicher als Limousine und nicht als Roadster nach Vietnam verschifft.

Ob der Verkäufer ein Betrüger ist oder ob er selbst Opfer eines Betruges wurde, wissen wir nicht.

Im Frühling 2005 meldete sich Thomas Loebenstein aus Wien bei mir. Nicht nur ich, sondern auch er träumte von einem Roadster. Und er hatte eine ganz klare Spur. An Pfingsten sollte Bonhams in Monaco ein erstklassiges Modell versteigern. Dies Methode ist todsicher. Die Autos habe die versprochene Qualität, man muss sich da nicht gross Sorgen machen - und entsprechend auch ihren Preis - somit sind die Sorgen rasch zurück.
Nur schon für den Preis dieser professionelle Fotografie könnte man sich vermutlich ein Oldtimer-Einstiegsfahrzeug. leisten. Auf alle Fälle verzichtete ich nach Monte Carlo zu reisen und Thomas Loebenstein Konkurrenz zu machen. Auch er hat - vielleicht dank seiner neben ihm sitzenden Ehefrau - bei seinem sich selbst gesetzten Limit aufgehört zu bieten. Das Auto wurde um € 48.000.- + 15% Käuferprovision versteigert. Thomas hat sich übrigens zum Trost kurz darauf ein wunderschönes DS-Cabrio zugelegt - eine echte Alternative!

Über die englischsprachige Tractiondiskussionsgruppe stiess ich auf ein weiteres Angebot. Ein Franzose bot einen weissen Roadster an. Für 57'000 Euro sei er zu haben. Dieses Angebot wirkte seriös. Auch auf Grund der Foto liessen sich keine Mängel erkennen. Und der hohe Preis liess vermuten, dass es sich nicht um eine Fälschung oder eine verpfuschte Restaurierung handeln würde.

Trotz des für mich viel zu hohen Preises nahm ich mit ihm per E-Mail Kontakt auf. Ja - das Auto stehe in Paris - ich könne gleich vorbei kommen. Es folgte ein Terminvorschlag.

Dieser kurzfristige Termin passte aber nicht in meine Agenda. So versuchte ich, bevor ich mich wirklich für eine Reise nach Paris entschloss, von ihm noch mehr zu erfahren. Fasziniert nahm ich zur Kenntnis, dass es sich um das Fahrzeug eines ehemaligen Direktors der Pariser Opera handle. Auch sandte er mir weitere Bilder zu.

Der "Opern"-Roadster als Hochzeitsfahrzeug vor der Notre Dame in Paris

Nun war nicht nur guter Rat, sondern auch das Auto teuer. Doch über den Preis könnte man vielleicht noch diskutieren - vor allem, wenn nach einem Blick unter die Haube nicht mehr alles so perfekt aussähe, wie ausgeschrieben. Um aber mit der nötige Sicherheit auftreten zu können, plante ich einen Experten aus dem Club mit nach Paris zu nehmen, welcher gewiss alle Schwachstellen entdecken würde. Doch einen gemeinsamen Termin zu finden, erwies sich als sehr schwierig. Der Verkäufer musste bald darauf aus Paris abreisen, der E-Mail-Verkehr kam ins Stocken und auch die von mir verlangten Bilder waren nicht von berauschender Qualität. Immerhin war zu erkennen, dass es sich definitiv nicht um ein "Vietnam-Cabriolet" handelte.

Dass er sich zwei Monate später nach seiner Rückkehr wieder meldete, liess mich wundern. Entspräche der Wagen der gelieferten Beschreibung, dürfte er kaum so lange auf dem Markt geblieben sein. Meine Antwort beschränkte sich aber nicht deshalb auf eine kurze Absage. Nein - ausschlaggebend war ein ganz anderer Grund. In der Zwischenzeit war ich nämlich auf eine ganz heisse Spur gestossen und die führte weder nach Vietnam noch nach Paris, sondern nach Luzern!

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Meine 11B 1955 Limousine