Clubheft

Nr.3/2000: "Rodage": Museumsbesuch in Turin
Autor: Hans Georg Koch

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Liebe Clubmitglieder,
Anlässlich meines letzten Aufenthaltes in Italien benutzte ich die Gelegenheit, das Automuseum von Turin zu besuchen. Mutig waren wir nach Turin unterwegs, nur mit einem rudimentären Stadtplan ausgerüstet, den wir in einer Touristenbroschüre im Hotelzimmer gefunden hatten.
Wir fuhren von Süden in die Stadt und glücklicherweise fand sich an der ersten grossen Kreuzung bereits ein Wegweiser zum "Museo dell' Automobile", das wir allerdings kurz später auf der Gegenseite einer 6-spurigen Stadtautobahn (gebührenfrei) entdeckten.

Museo dell Automobile, Turin
Sofort versuchte ich anzuhalten und zu parkieren, aber alle Parkplätze schienen in dieser Gegend gerade besetzt, selbst im Halteverbot und auf den Bushaltestellen wurde parkiert. Aber dann stellten wir fest, dass dieser Parknotstand nicht wegen des Automobilmuseums vorhanden ist, sondern wegen den diversen Krankenhäusern und Kliniken, die gleich daneben angesiedelt sind. Also kehrten wir so bald wie möglich über den Mittelstreifen um und fuhren auf der Gegenseite zurück bis zum Museum. Vorsichtig fuhr ich vor den Eingang und entdecke einen Parkplatz-Wegweiser, der uns in den Innenhof führte. Dort standen über 30 Parkplätze zur Verfügung und nur drei waren belegt.
Wir betreten die Eingangshalle mit der Kasse und dem Souveniershop. Hier stehen neben einigen Rennwagen der frühen Formel 1 und einigen Langstreckenrennwagen aus den Siebzigerjahren die ältesten Vehikel (von Autos kann man da kaum reden) des Museums. Der Dampfwagen von Cugnot 1769 (als Replica - aber eine andere als ich letztmals am Autosalon in Genf gesehen habe, dieses Exemplar ist viel kleiner! Wieviele gibt es wohl?). Das erste wirkliche Auto ist ein Benz Victoria von 1893. Daneben stehen einige Dreiräder aus italienischer (Bernardi 1896) und französischer (De Dion & Bouton 1898) Produktion.
In der Mitte führen zwei Freitreppen zum ersten Stock des Museums, wo sich etwa die Hälfte der Ausstellungsobjekte befindet.

Alle Autos sind in Reih und Glied nach Altersgruppen geordnet aufgestellt und durch Seile abgesperrt. Aufgrund der vielen Fahrzeuge ist nicht viel Platz übrig, somit besteht auch wenig Platz für den Kontext (Hintergrund, Untergrund usw.) Die Fahrzeuge sind restauriert, oder in einem guten Gebrauchszustand, abgestaubt und sauber. Zu jedem Fahrzeug gibt es eine Tafel mit Marke, Typ und technischen Daten, dazu ein längerer oder kürzerer Text über Herkunft, Verwendung oder den Besitzer des Fahrzeugs. Zuunterst steht jeweils der Name des Sponsors.

Die Mehrzahl der Fahrzeuge ist italienischer Provenienz, aber es sind Automobile aus ganz Europa ausgestellt. Selbstverständlich liegt der Schwerpunkt auf den Marken der Autostadt Turin und den hier ansässigen Autofirmen (wie FIAT, Lancia), Carosserie-schmieden und Designern. Viele der damaligen Autohersteller aus dieser Gegend (Aquila Italiana, Storero, Ansaldo, Temperino usw.) sind heute allerdings verschwunden, ihre Produkte werden hier aber der Nachwelt erhalten.
In der Rennwagenabteilung finden wir neben vielen Ferraris (Maranello, nicht aus Turin!), Alfa Romeos (Milano), Maseratis (Bologna), Lancias (hingegen wieder aus Turin) usw. auch deren Konkurrenten wie Mercedes, Opel, Chevrolet, Renault etc.. Klar wird mir jetzt aber, dass die Farbe rot überwiegt, die Farbe der italienischen Rennställe. Blau die Franzosen, grün die Engländer und silbern bzw. weiss bei den älteren Fahrzeugen für Deutschland sind alle vertreten. Eine Farbverteilung, die sich interessanterweise bis in die heutige Zeit erhalten hat. Eine ganze Sektion zeigt die amerikanischen Limousinen verschiedener Berühmtheiten und Filmstars wie Gloria Swanson und Norma Desmond (aus dem Film Sunset Boulevard 1950). Museo dell Automobile, Turin
Krampfhaft habe ich Ausschau nach unseren bevorzugten Modellen gehalten und bin schliesslich mit zwei Exemplaren fündig geworden. Als erstes fand sich ein Citroën C3 von 1922. Und kurz darauf fand ich den langersehnten Anblick, der mein Herz immer wieder höher schlagen lässt. Da stand eine schwarze Traction von 1934 und der Jahrgang stimmte wirklich, doppelte Lüftungsklappen, Zentralinstrument am Armaturenbrett, zwei Handschuhfächer. Sogar die Bereifung stimmte, Michelin Superconfort.
Beide Fahrzeuge wurden durch Citroën Paris gespendet.

Im zweiten Stock gibt es zudem eine kleine Ausstellung von Motoren, anderen Fahrzeugbestandteilen und Konstruktionsdetails.
Zusammenfassend ergibt sich ein toller Querschnitt durch die Automobilproduktion der letzten 120 Jahre, allerdings mit einem Schwerpunkt auf den italienischen Produkten.
Das Museum ist sicher einen Besuch wert, wenn man die Gelegenheit in Turin wahrnehmen kann und sich auch für andere Marken und andere Jahrgänge interessiert. Die Art der Präsentation der Fahrzeuge ist dagegen eher klassisch, spartanisch, aufzählend. Für mich fehlt etwas Fleisch an den trockenen Knochen (Chassis und Pneus) und es riecht zusehr nach Bodenwichse anstatt nach Öl, Gummi und Benzin.

Nachträglich habe ich erfahren, dass FIAT ein neues Museum eröffnet habe, im alten Fabrikationsgebäude in Turin, mit der Teststrecke auf dem Dach. Dieses Museum werde ich sicher beim nächsten Mal erkunden. War jemand von unseren Mitgliedern bereits einmal dort? Ich würde einige Tips und Hinweise begrüssen.

Herzlich, Euer
Hans Georg Koch
Präsident CTAC

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