Clubheft

Nr.4/2000: "Rodage": Seltene Panne...
Autor: Hans Georg Koch

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Liebe Clubmitglieder,
Endlich haben wir einige Wochen mit Wetter verbracht, das uns auch zu einigen Ausfahrten animierte. Dadurch sind auch verschiedene Mitteilungen von Mitgliedern eingetroffen, die sich über die Defektanfälligkeit unserer Tractions beklagten, nachdem sie sich mit diversesten Pannen herumgeschlagen hatten.

Als notorischer Vielfahrer kenne ich das Problem eigentlich nur sehr selten. Ich merke meist am Ton oder an veränderten Klappergeräuschen, dass jetzt dann etwas abfällt (z. B. ein Raddeckel) oder etwas festgeht (z. b. der Scheibenwischermotor) oder höre am Zuschlagen der Türe, dass die Türschlösser wieder geölt werden müssen. Ebenfalls höre ich die Benzinpumpe, wenn sie plötzlich leer schöpft, die Benzinuhr bestätigt mir dann, dass es nur noch Sekunden gehen kann, bis das Auto stehen bleibt und der Reservekanister eingefüllt werden muss.

Mein Gehör hat mich schon oft vor Schlimmerem bewahrt, ein Tropfen Öl oder ein Schraubenzieher haben die Bagatellen behoben und ich konnte meistens relativ unbehelligt mit meiner Traction herumfahren. Am 9. August fiel das Schicksal jedoch grausam über mich her.

Nachdem es in der Nacht noch ausgiebig geregnet hatte war der 9. August ein schöner Tag, wie vor zwanzig Jahren, als ich damals Patricia geheiratet hatte. Zusammen beschlossen wir, das schöne Wetter am Nachmittag zu benutzen und eine Cabrioletausfahrt zu unternehmen. Wir einigten uns auf eine Fahrt rund um den Hallwilersee, das wäre nicht zu weit und trotzdem bereits eine rechte Ausfahrt. Ich erinnerte mich auch an ein gutes Restaurant in Meisterschwanden, das den Namen einer schönen Wasserpflanze trägt und so steuerten wir diesen Parkplatz an und genossen zum Zvieri einen Coupe Romanoff, wie der Zar und die Zarin von Russland.

Noch nichts von unserem Schicksal ahnend fuhren wir nach Hause. In Sichtweite unseres Hauses hörten wir urplötzlich einen Knall, verspürten eine Erschütterung durch den ganzen Wagen und wurden relativ unsanft nach links gekippt. Der Auspuff kratzte am Boden während ich das Auto auslaufen liess. Patty behauptete, sie hätte beobachtet, wie ein Bestandteil hinten vom Auto weggeflogen sei. Wir stiegen aus.

Unser Cabi in misslicher Schräglage

Etwas konsterniert betrachteten wir unser Cabriolet, das ziemlich flügellahm nach links herunterhing. Ich hatte zuerst gedacht, dass ein Rad abgebrochen sein könnte. Aber es waren noch alle vier Räder da, ich dachte darum eher an einen Bruch der Hinterachse. Da sich dies unmittelbar vor unserem Haus abspielte, bat ich Patty auf den vorderen rechten Kotflügel zu sitzen um die hintere linke Fahrzeugseite zu entlasten und wir "humpelten" so die letzten hundert Meter bis nach Hause. Ich wollte links abbiegen auf den Garagenvorplatz und drehte das Steuer nach links, da kreischte es unter dem vorderen linken Kotflügel. Das Auto hing soweit nach links, dass das eingeschlagene Rad am Rand des Kotflügels einhängte, den Rand nach aussen bog und das Blech über 5 cm weit einriss. Der Pneu zeigte einen kräftigen Schnitt am Rande der Lauffläche durch die scharfen Blechkanten.

Der Pneu zeigte einen kräftigen Schnitt am Rande der Lauffläche durch die scharfen Blechkanten. Mit einem Cric hob ich die Vorderachse an und mit einem Abschleppseil und einem anderen Auto zogen wir diese Schrottmühle auf den Garagenplatz. Jegliche Lust und Freude war mir jetzt abgegangen. Gemeinsam schoben wir die Kiste in die Garage und ich bockte sie hinten links auf, um zu sehen, was wirklich los war.
Das abgebrochene Teil

Es zeigte sich, dass der Spanner des Torsionsstabes links an der Hinterachse gebrochen war und das Patty recht hatte, das etwas davongeflogen war. Der abgebrochene Teil mit der Einstellschraube fehlte nämlich. Der Achsschenkel hing wie lahm herunter und ich sah nach einigem Suchen, dass die Arretierung des Torsionsstabes (Teil Nr. 420698) gebrochen war.
Während ich versuchte den Trosionsstab auszubauen (Wer weiss wann der seit 1934 zum letzten mal zerlegt wurde??) und ziemlich grobes Werkzeug in die Hand nehmen musste, suchte Patty das fehlende Stück und fand es auch zielsicher.

Die Bruchstelle zeigte eine ausserodentlich interessante Beschaffenheit. Von der einen Seite her sah man eine erste (alte) bereits angerostete Partie des Bruches. Danach zeigten sich verschiedene " Jahrringe" des Fortschreitens des Bruches bis etwa in die Hälfte der 22 mal 22 mm messenden Bruchfläche. Bis dahin hat es immer noch gehalten. Hier wurde aber der kritische Querschnitt unterschritten und die zweite Hälfte ist in einem Ratsch durchgebrochen was zur oben geschilderten Situation führte. Man kann erkennen, dass der Spanner auf die doppelte Belastung berechnet war. Nachdem die Hälfte durch war, ist er vollends gebrochen.
Das abgebrochene Teil Ein Blick in das Ersatzteilhandbuch zeigte mir folgende Situation. Dieser Typ der Hinterachse wurde nur zwischen April 1934, dem Erscheinungsdatum des Autos und Mai 1935 gebaut. In dieser Zeit wurden verschiedene Änderungen vorgenommen. Das besagte Ersatzteil hat sieben verschiedene Nummern, da es sich immer um links und rechts handelt, ist es innerhalb dieses Jahres viermal abgeändert worden. Eine Nummer (ein Teil) war für links und rechts verwendbar. Aufgrund der Detailangaben konnte ich sehen, dass die Dicke des Spanners von 22 mm auf 32 mm erhöht wurde, was dafür spricht, dass wahrscheinlich schon damals Probleme aufgetreten waren.
Ebenfalls wurde mir ziemlich schnell klar, dass es wahrscheinlich unmöglich sein würde, ein solches Teil irgendwo aufzutreiben. Also suchte ich nach einer anderen Lösung. Am nächsten Tag kam mir mein Nachbar, Toni Meyer, mit seiner Landmaschinenwerkstatt zu Hilfe und erklärte sich bereit, diesen Torsionsstabspanner zu schweissen. Ich musste den Spanner zuerst mit der 40-Tonnen Presse von der Torsionsstange abpressen. Unter seiner Anleitung musste ich entlang des Bruches mit dem Trennschleifer von beiden Seiten einen V-förmigen Einschnitt schleifen, damit dieses gusseiserne Teil von innen nach aussen geschweisst werden konnte.
Wieder wie neu Dann spannten wir beide Stücke auf den Schweisstisch und der Meister nahm eine Oerlikon Spezialelektrode aus der Schublade. Ich musste die Stücke mit dem Schweissbrenner wärmen und warm halten, während Toni mit dem Elektroschweissgerät, im Wechsel der Seiten, Lage für Lage auftrug. Am Schluss glich er die beiden Stirnseiten noch etwas aus und das Stück war wieder wie neu.
Ich entrostete alle kleinen Strahlnuten des Torsionsstabes mit einer Dreieckfeile und fettete sie etwas ein, was den Einbau wesentlich erleichterte. Nach drei Versuchen, die richtige Zahnung zu finden, stand das Cabriolet wieder ausgeglichen und eben in der Garage.

Damit wäre auch unser zwanzigjähriger Hochzeitstag in engster Verbindung mit meinem (unserem!, auch ein bisschen von Patty) Hobby vorübergegangen. Wer weiss was uns in den nächsten zwanzig Jahren noch alles bevorsteht. Die Autos werden ja nur noch älter und die Defekthäufigkeit wird wahrscheinlich noch zunehmen! Insofern hatten wir jedoch Glück, dass dieser Defekt in der Nähe unseres Hauses passierte und nicht irgendwo im Ausland, wie auch schon vorgekommen. Ich habe jedoch aus diesem Grund verzichtet, ans Eurocitro 2000 nach Le Mans zu fahren, ich muss zuerst wieder etwas Vertrauen in dieses Fahrzeug bekommen.
Freudentag
Ich möchte mit dieser Geschichte alle diejenigen trösten, die in dieser Saison auch schon Pech mit ihrer Traction gehabt haben . Freude und Leid liegen bei unserem Hobby sehr nahe beieinander aber ein Tractionist lässt sich nicht so schnell unterkriegen. Meistens kann sich eine Lösung finden lassen, die die Kiste wieder fahrbar macht.
Herzlich, Euer

Hans Georg Koch
Präsident CTAC

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Deine Anregung nimmt der Präsident des CTAC gerne entgegen

® 2000: Citroën Traction Avant Club (Schweiz)
zuletzt geändert am: 23. Januar 2001