Berichte

Traction Kaufberatung
Autor: Daniel Eberli Daniel Eberli



Der nachfolgende Beitrag ist an diejenigen Mitglieder gerichtet, die noch nicht Besitzer einer Traction sind, die sich aber mit dem Gedanken tragen, eine zu kaufen.
Citroen Traction avant Legere ca. 1955

- Wenn immer möglich sollte man ein erfahrenes Club-Mitglied mitnehmen (Garagist, guter Bastler, oder sonstiger Kenner der "Traction".)
- Wagen dieser Art findet man noch recht häufig. Praktisch alle mechanischen Teile sind bei Clubs oder Spezialisten erhältlich. Da die Restauration eines Wagens schlussendlich nur eine Frage der Finanzen ist, ist Vorsicht in jedem Falle angebracht, da "Schwarten" leider nicht selten sind. Technisches Verständnis, Handgeschick und der Wille, etwas selber zu machen, sind unbedingt von Nöten, da sonst die Kosten ins Unermessliche steigen können.
- Informieren Sie sich gründlich, bevor Sie überhaupt ein Kaufobjekt anschauen: Viele Wagen werden als "Légère" angeboten, weil diese Wagen vom Volksmund so genannt werden. An Club-Treffen kann man sich im Massstab 1:1 von den Unterschieden der Modelle überzeugen. Versuchen Sie, vor dem Kauf einen Wagen des gleichen Jahrganges im Originalzustand anzusehen, um allfällige Veränderungen erkennen zu können. Achten Sie auf die bekannten Roststellen (siehe Skizze). Zusätzlich zu den eingezeichneten Positionen ist Rost üblich an den Kotflügelkanten, unter den Alu-Abdeckungen der Kotflügel sowie am Heckabschlussblech. Abtasten mit der Hand (Temperaturunterschiede) oder mit einem kleinen Magneten können oft Stellen mit Polyester, Gips, Beton oder was sonst noch zur "Reparatur" verwendet werden kann, anzeigen. Unrestaurierte Wagen kommen schlussendlich oft billiger als zusammengeklebte Neulackierungen, da sie weniger verbergen. Achten Sie auf das Spiel der Vorderradaufhängung. (Wagen aufbocken') Übermässiges Spiel in Lenkung, Achsschenkel und Trapezen können Sie bis 3000.- kosten. Kreuzgelenke und Getriebe sind eine weitere Schwachstelle. Achten Sie auf Klappergeräusche (besonders in engen Kurven) und Singen. Die Welle an der die Kurbel angesetzt wird, sollte kein Spiel haben. Falls Sie den Wagen importieren wollen, müssen Sie, mit Zoll und Mwst von ca. 1200.-bis 1500.- Fr. rechnen.

- Allgemein kann wohl gesagt werden, dass Reparaturen an der Mechanik sich weniger auf das Porte-Monnaie auswirken, als eine rostige Karrosserie. ­ Manch einer ist fähig, etwas an seinem Auto herumzuschrauben, aber perfekt ein neues Blech einzuschweissen ist nicht jedermanns Sache.

Problemstellen in Bezug auf Rost:
Roststellen der Traction


Die einzelnen Typen:

Vorkriegswagen (ohne 15-er) haben eine Motorhaube mit zwei Klappen und an der Einfassung des Heckfensters aussen eine feine Rille eingekantet. Wagen vor September 1952 haben das Reserverad aussen aufgesetzt und die Scheibenwischer über der Windschutzscheibe montiert ( = Rädli-Modell). Wagen nach 1952 haben den grossen Kofferdeckel und Scheibenwischer von unten.
- 7 (1303 cm3), 9 (1628 cm3) (nur Vorkrieg und in der Karosserie des "Légère") sind lahm, aber rar.
- 11 (1911 cm3) sind rassiger und sowohl als "Légère", als auch als "Large", "Familiale" und "Commerciale" zu finden. Sie sind billiger im Unterhalt und im Verbrauch als die 6-Zylinder, dafür auch weniger "besonders".
- 15 (2867ccm), die 6-Zylinder-Modelle, sind teurer im Unterhalt und in Sachen Ersatzteilen. Nicht zu Unrecht tragen sie jedoch den Namen "La Reine de la Route".
- 11BL ("Legere) sind, wie der Name sagt, leichter, schmaler, schneller und, wie ich finde, hübscher.
- 11B ("Large", auch als 11N "Normale") sind schwer, träge, plump. Dafür ist durch die grössere Breite der Motor leichter zugänglich und somit reparaturfreundlicher. Sie bieten einen ca. 12cm breiteren und 20cm längeren Innenraum als die "Légère"-Modelle.
- "Familiale" und "Commerciale" sind gleich breit wie die "Large" und 15/six-Modelle, aber mit noch grösserem Radstand. Dementsprechend sind sie noch schwerer und träger, dafür bieten sie ein unerschöpfliches Platzangebot. (Mit "Strapontins", den Klappsitzen, sind sie für bis zu 8 Personen zugelassen.) 6-Zylinder-Familiales wurden nur sehr wenige gebaut, 6-Zylinder-Commerciales keine.
- Vorkriegs-Commerciales haben eine zweigeteilte Heckklappe. Sie sind rar und meistens zusammengeritten (Überlastung während des Krieges). Nach dem Krieg wurden erst ab 1952 (Köfferli-Modell) wieder Familiales und Commerciales gebaut.
- Cabrios und Coupés ­ sogenannte Faux-Cabriolets (von Citroën oder anderen Karosseriefirmen gebaut) sind rar und teuer. Cabrios sind häufig verrostet (undichte Dächer). Dafür sind gute Cabrios und Coupés eine echte Kapitalanlage.
- Fahrzeuge aus englischer Produktion (von Slough) sind rechtsgelenkt. Sie besitzen zum Teil Holzarmaturen und Lederpolster. Viele sind mit einem Stahlschiebedach ausgerüstet. Im Gegensatz zu ihren französischen Geschwistern verfügen sie über 12-Volt-Lichtanlagen. Selbstverständlich sind sie rechtsgelenkt. Schon am 1939 (6-Zylinder) sind die Scheibenwischer unten montiert.

Ich hoffe, dass ich mit den obigen Angaben niemanden erschreckt habe. Leider unterschätzt man die Arbeit und die Kosten meistens. Trotzdem ist es auch heute noch möglich, für weniger als Fr. 10'000.- ein passables, und für Fr. 15'000.- bis 18'000.- ein gutes und schönes Auto zu bekommen. 15/six werden ca. Fr. 3'000.- bis 5'000.- höher gehandelt. Auch wenn die Nachfrage ­ und damit verbunden der Preis ­ zur Zeit leicht im Steigen begriffen ist, können diese Autos nur in Ausnahmefällen als Kapitalanlage betrachtet werden. Diverse Nebenkosten (Garagemiete, Werkzeug, Versicherungen, Autobahnvignette und Verzinsung) dürfen nicht vergessen werden. Wer über keine praktischen Hände verfügt, sollte wenigstens über ein dickes Bankkonto verfügen. Fehlt beides, besteht die Gefahr, dass der Wagen nach kurzer Zeit verleidet.
Allen Unkenrufen zum Trotz:
Die Wagen sind geeignet für lange Fahrten, für Ferienreisen etc. Im Allgemeinen sind sie zuverlässig und, was besonders wichtig ist: Sie sind durchaus im heutigen Verkehr zu gebrauchen; man ist damit kein Verkehrshindernis. In Sachen Strassenlage und Fahrkomfort brauchen sie den Vergleich mit modernen Autos nicht zu scheuen. Es macht grossen Spass, damit herumzufahren. Spass macht es auch, an ihnen herumzubasteln ­ falls dies nicht im strömenden Regen stattfinden muss...

Daniel Eberli
(Juli 85 und April 98)


Die Vorkriegsmodelle 1934-1941
  Légère Large  
Bezeichnung 7 A 7 B 7 C 7 Sport
11 Légère
11, 11 B
11 Normale
11 Large
15-Six 22
Zylinder 4 4 4 4 4 6 8
Bohrung/Hub (mm) 72 x 80 78 x 80 72 x 100 78 x 100 78 x 100 78 x 100 78 x 100
Hubraum (ccm) 1303 1529 1628 1911 1911 2867 3822
Steuer-PS 7 9 9 11 11 16 22
PS / Rpm 32/3200 35/3200 36/3800 46/3800 46/3800 77/3800 100/3800
Bauzeit April -
Mai 34
Juni 34 -
Aug. 35
Dez. 34 -
Jun. 41
ab Jun.
34
ab Okt.
34
ab Jun.
38
1934/35
Anzahl (circa) 7'000 20'620 78'350 87'450 58'000 2'420 nur ca. 12
Prototypen
  schmale Karosserie breite Karosserie
  Légère Large  
  7 A 7 B 7 C 11
Légère
11
Normale
11 Familiale
Commerciale
15/Six 15/Six
Familiale
Radstand: cm 291 291 291 291 309 327 309 327
Spur v. bis Dez. 37: cm 134 134 134 134 146 146    
Spur v. ab Jan. 38: cm     137 137 149 149 149 149
Spur h. bis Dez. 37: cm 132 132 133 133 145 145    
Spur h. ab Jan. 38: cm     135 135 147 147 149 149
Gewicht: kg 900 1025 1025 1060 1100 1170 1325 1380
Länge bis Juli 52:cm 445 445 445 445 465 485 476 496
Länge ab Juli 52:cm       443 463 483 473 493
Breite bis Dez. 37:cm 164 164 164 164 176 176    
Breite ab Jan. 38:cm     167 167 179 179 179 179
Höhe: cm 152 152 152 152 154 158 156 156
Verbrauch: L/100km 9.0 9.0 9.5 10.0 11.0 12.0 13.0 14.0
Spitze: km/h 95 100 100 110-
125
105-
120
105 130-
140
130