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 Fiebermessen bei Madame

Reparatur Kühlmittelthermometer

Text und Bilder: Markus Gäumann  

Madame – meine 15 CV Six – leidet seit längerem unter Untertemperatur.
Die Anzeige am Thermometer stieg auch auf der Fahrt nach La Ferté Vidame im Juli nicht über 65 Grad und das bei Aussentemperaturen von fast 40 Grad!
Das kann ja wohl nicht stimmen. Ob sie simuliert?
Ich beschloss ihr mal unter die Haube zu schauen.

Das Messinstrument ist ein Kapillarthermometer, wie es in alten Zeiten so Brauch war. Ein dünnes Röhrchen, eben die Kapillare, verbindet den Sensor, der im Wasserschlauch sitzt, mit dem Anzeigemechanismus im Instrument.

Kühlwassertermometer

Abb 1: Temperatuaranzeige
Abb: 2 Sensorverschraubung im Wasserschlauch

Wird der Sensor warm, dehnt sich das Gas im System aus und betätigt den Zeiger im gewünschten Sinne. Das Ganze funktioniert nach den Gesetzen der Physik, der Druck ist proportional der Temperatur. Das geht aber nur solange gut, wie im Sensor noch ein Vorrat an Flüssigkeit ist, der verdampfen kann.
Man ahnt es bereits, bei Madame war nichts mehr zum Verdampfen drin.
Die Kapillare ist wohl durch eine Art Velobowdenzugspirale geschützt, trotzdem aber empfindlich auf Vibrationen und enge Biegeradien. Nach der Demontage entdeckte ich unter der Lupe im Bereich wo das Röhrchen mit dem Sensorgefäss verlötet ist ein mögliches Leck.

Kühlwasserthermometer

Abb. 3: Leckstelle nach Lötreparatur

Alles wurde sauber geputzt, neu verlötet und konnte neu gefüllt werden.
Aber wie und womit? Was ist da überhaupt drin?
Ich dachte mir, es muss auf jeden Fall eine Flüssigkeit mit tiefem Siedepunkt sein. Eine Recherche im Netz ergab Aether (Diethylether) als übliche Lösung. Macht Sinn. Siedepunkt 34.6 Grad.
Aber wie kriegt man den Aether ins System?

Abb.4 zeigt das Nachfüllröhrchen im Anzeigeinstrument. Es war dick verlötet und Lötzinn war dabei in die Kapillare geflossen. Auch mit einer Entlötpumpe war die Kapillare nicht freizulegen. Mit einer feinen Diamantscheibe habe ich kurzerhand 2mm abgetrennt( Abb.4) und wie bei einer Wurzelbehandlung mit einer sogenannten K-Feile den Kanal frei geschliffen. (Abb.5)

Kühlwasserthermometer

Abb. 4: Abtrennen
Abb. 5: Freilegen Kapillare

Dieses Ende kommt nun in das Gefäss mit dem Aether. (auf Abb.6 mit Verlängerungsschlauch). Der Sensor wird mit dem Fön leicht!! erwärmt. Es treten Luftblasen aus dem Röhrchen aus. Sobald keine Luft mehr austritt, Sensor in Eiswasser tauchen (dabei sicherstellen, dass das Röhrchen im Aether verbleibt). Aether wird jetzt in die Kapillare einströmen.
Nach einer Weile die ganze Prozedur evtl. mehrmals wiederholen, bis keine Blasen mehr austreten. Der Sensor, das ganze System, ist jetzt mit flüssigem Aether gefüllt.

Kühlwasserthermometer

Abb. 5: Aether einfüllen

Nun, der Sensor ist immer noch im Eiswasser, die Kapillare im letzten Millimeter mit einer Flachzange quetschen, damit kein Lötzinn in die Öffnung fliessen kann und sauber verlöten.

Kühlwasserthermometer

Abb. 6: Öffnung verlöten

Bevor die ganze Chose wieder eingebaut wird, empfiehlt sich eine Funktionskontrolle mit kochendem Wasser, um erstens die Dichtigkeit und zweitens die Temperaturanzeige bei 100 Grad zu kontrollieren.
Ich habe vor dem Wiedereinbau die Kontrolle nach einer Woche wiederholt um sicher zu sein, dass wirklich alles dicht ist.

Schleichender Gasverlust ist sehr schwierig festzustellen. Bei einem Misserfolg lohnt es sich die Kapillare zu ersetzen.

Fazit: Madame hat doch nur simuliert!